P. Raimund Baecker SJ
* 13. Oktober 1930 5. August 2018
Eintritt 1951 - Priesterweihe 1962 - Letzte Gelübde 1965

"Und Jesus wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? - Und die beiden erwiderten; Wo wohnst du? Und Jesus lud sie ein: Kommt und seht!

Für den Abschied von Raimund Baecker hatte ich dieses Evangelium bei seinem Requiem bewusst ausgewählt. Es ist darin oft davon die Rede, dass Jesus einen Menschen ansieht und dieser Mensch auf das "Angesehen-werden" reagiert, ja, dass dieser Blick für sein weiteres Leben bestimmend wird.
Ich glaube, dass dies auch für Raimund Baecker zutrifft, dass diese Frage; "Wo wohnst Du?" und die Einladung Jesu: "Komm und sieh!" auch seinen Lebensweg begleitet und geprägt hat, ja, seine Berufung wurde. Und dass am Ende seines Lebens dieses "Angesehen-werden" sein Beten zutiefst prägte, wie er selbst einmal sagte.

Raimund Baecker wurde am 13. Oktober 1930 in Kassel geboren. Er wuchs in einer katholischen Familie mit zwei Brüdern und zwei Schwestern heran. Sein Vater war Architekt, seine Mutter Krankenschwester und Hausfrau. Er besuchte ab 1937 in Kassel die Grundschule, ab 1941 die Höhere Schule, die Wilhelmsschule, und machte dort am 20. Februar 1951 das Abitur.

Was dann tun? Er war Ministrant, durch sein Orgelspiel, das er schon früh praktizierte, war er mit Kirche und Liturgie vertraut.
"Komm und sieh!" Und er sah sich an, wo Jesuiten so wohnen und was sie so tun. Am 5. April 1951, trat er in das Noviziat der Jesuiten in Eringerfeld ein und legte zwei Jahre später, am 6. April 1953, seine ersten Gelübde ab.

Wie zu der damaligen Zeit üblich, schloss sich für ihn das Juniorat an. Er verbrachte es auf der Rottmannshöhe in Tisis/Feldkirch. Von dort ging es dann nach klassischem Ausbildungsweg zum Philosophiestudium nach Pullach/München (1954-1957), danach ins Magisterium, um als Erzieher und Präfekt an den Schulen in Hamburg und Büren tätig zu sein. Das Theologiestudium absolvierte er von 1959 bis 1963 in Frankfurt St. Georgen, um dann mit 31 Jahren im Kaiserdom zu Frankfurt vom Limburger Bischof Wilhelm Kempf die Priesterweihe zu empfangen. Wie damals ebenso oft üblich, folgte unmittelbar das Tertiat in Münster.

P. Raimund Baecker war viele Zeiten seines Lebens in der Seelsorge tätig. Und er begegnete den Menschen mit Freundlichkeit und Herz. Er begann als Kaplan in Frankfurt St. Ignatius, drei Jahre, um dann bis 1971 als Pfarrer diese Jesuitenpfarrei zu übernehmen. Er war tätig in Lübeck, viele Jahre in Trier (1984-1992, dann nochmals 2007-2013), in Koblenz und in Saarlouis, aber auch zwei Jahre in Rom (1981-1983) als Regionalsekretär der deutschen Assistenz. Schriftliche Frucht dieser seelsorgerlichen Tätigkeiten sind seine Predigtbände zu den Sonntagen der drei Lesejahre mit dem Titel "Lust auf die Frohe Botschaft - Öffnung zu Gotteserfahrung und Glaubensfreude". Nicht nur der Titel, die Predigten selbst verraten etwas von der Freude und der Tiefe seines eigenen Glaubenslebens. Immer wieder tauchen Worte auf wie "Beschenkt sein, Gnade, Freude, das Reifen an Widerwärtigkeiten und das Angerufen werden von ihm, Jesus".

Beeindruckend ist auch sein kleiner Beitrag zum Gebet in der Reihe "Ignatianische Impulse - Wie betest du?" (hrsg. von P. Vitus Seibel SJ). Er erzählt darin von einer Begegnung mit dem erblindeten Franz Morschner, der Pfarrer in Bremen war und seine Eltern getraut hatte. Von ihm, so schreibt er, lernte er das Beten, das er kurz so zusammenfasste: "Ich musste nicht lange überlegen, wo Gott ist, wie er zu mir steht, was ich ihm bedeute. Ich brauchte nur zu ihm aufzusehen und zu sagen: Du siehst mich und du liebst mich, und war sofort bei ihm. Mit zunehmendem Alter wurde diese Art mein einziges Beten."

Und noch eine letzte "Sache", besser: eine "Leidenschaft" prägte Raimund Baecker und gehörte zu ihm: die Musik. Als Kind schon lernte er Harmonium, Klavier und Orgel spielen. Während seines Philosophiestudiums in Pullach hatte er Kontakt zum Komponisten Paul Hindemith, der ihm ein Musikstudium in Hamburg vermittelte, wo er ein Schulpraktikum machte. Später erhielt er privaten Kompositionsunterricht. Höhepunkt seiner Kompositionstätigkeit war eine Chormotette "Brot vom Himmel", die 2006 während des Katholikentags in Saarbrücken uraufgeführt wurde. Bis zuletzt sprach er in Kladow, wohin er dann zu Weihnachten 2013 umzog, immer noch von seiner Ignatiusmesse, die er leider nicht mehr fertigstellen konnte. "Es fehlt noch etwas das Feierliche, das Festliche, die Trompeten und die Posaunen...", so sagte er immer wieder. Ich denke, jetzt hat er genügend Ideen und Solisten und Engel im Himmel, um sein Werk vollenden zu können.

Im Februar 2018 brach er sich bei einem Sturz die rechte Schulter. Er kam nicht mehr auf die Beine. Die Kräfte ließen immer mehr nach. Er konnte nur noch liegen. Müde, aber immer freundlich und dankbar begrüßte er jeden, der zu ihm kam. Am Sonntag, dem 5. August 2018, schloss er die Augen. Er wartete schon lange darauf, dass ihn sein Herr rufen würde. "Komm und sieh!" Er folgte ihm nun auch ins Sterben, in dem festen Vertrauen, ihm auch in die Auferstehung zu folgen.

Raimund Baecker war leidenschaftlicher Priester und Seelsorger, und immer auch leidenschaftlicher Musiker und Komponist. Beides begleitete ihn und wird ihn auch im Himmel begleiten: alles zur größeren Ehre Gottes.

Und so wird er nun seinem Herrn gegenüber treten und sprechen:
"Herr, mein Leben, geh' ich zurück in deine Hände, denn du gabst es mir.
Du, Herr, bist ja der Zeiten Ursprung und ihr Ende, ich vertraue Dir.
Denn Du machst das Dunkel hell."

In diesem Vertrauen geben auch wir ihn aus unseren Händen.

Er ist auf dem Berliner Hedwigsfriedhof bei den Jesuitengräbern beigesetzt.

Raimund Baecker, ruhe in Frieden!

Joachim Gimbler SJ

Jesuiten-Nachrufe 2018, S. 2f
ASR-GER-HEL-LIT