Bruder Bernward Beelte SJ
* 8. August 1929  31. Oktober 2015
Eintritt 1952 Letzte Gelübde 1963

Bernward Beelte wurde am 08. August 1929 von katholischen Eltern in Hildesheim geboren. Dort verbrachte er von 1935 bis 1944 auch seine Schulzeit. Sein Vater war Klempnermeister und starb 1944, seine Mutter war Hausfrau. Ein Onkel mütterlicherseits war auch Jesuit: Br. Heinrich Dunkel, er starb 1988 in Kladow. Bernward hatte noch einen Bruder und eine Schwester.

Im Alter von zehn Jahren erlebte Bernward am 9. November 1939 den Brand der jüdischen Synagoge ganz in der Nähe seiner Heimatgemeinde St. Godehard.

In Hildesheim diente er als Messdiener in verschiedenen Pfarreien und bei den Vinzentinerinnen. Beim Kriegsende erlebte er die Zerstörung des Dorns und der Kirche des Priesterseminars. Ein Wehrpass der Wehrmacht wurde dem erst 15Jährigen noch im Februar 1945 ausgestellt mit dem Vermerk "zeitlich untauglich und als Luftwaffenhelfer zurückgestellt".

Von 1944 bis 1947 machte Bernward eine Lehre als Elektroinstallateur und bestand seine Gesellenprüfung mit Erfolg. Es folgten Gesellenjahre in Hildesheim und Hannover, und später - von 1951 bis 1952 - arbeitete er in Bochum im Bergwerk.

Am 4. April 1952 kam er zu einer Kandidaturzeit nach Eringerfeld in Westfalen, wo er dann im Oktober unter P. Flosdorf sein Noviziat als Brudernovize begann und 1954 seine Ersten Gelübde ablegte. Dabei trug er wie alle ein schwarzes Ordenskleid. Die Messe wurde damals noch lateinisch gefeiert, und es gab eine deutliche Trennung zwischen Brüdern und Patres (Separatio).

In den folgenden sechs Jahren arbeitete er in Eringerfeld in verschiedenen Aufgabenbereichen.

1961 kam Bernward nach Köln und besuchte die Meisterschule für das Elektrohandwerk. Er bestand die Meisterprüfung mit Erfolg.

1962 machte er sein Tertiat und legte am 2. Februar 1963 seine Letzten Gelübde ab.

Bereits im September 1961 wurde er nach Frankfurt/Main in unsere Hochschule Sankt Georgen versetzt, wo es 1960 noch 26 Brüder in den verschiedensten Arbeiten gab (1980 waren es noch 17). Dort war er bis zum 7. September 1982 in verschiedenen Aufgabenbereichen tätig (Elektrotechnik, Heizung, Mundiz, Sekretariat der Hochschule).

Eine Prüfung zum Lebensretter beim Schwimmen machte er bei Pater Rupert Lay, das morgendliche Schwimmen in Offenbach war für ihn wichtig.

In seinem Nachlass fanden wir eine Urkunde: In Würdigung der 75. unentgeltlichen Blutspende zugunsten schwerkranker Menschen hatte er die Ehrennadel in Gold mit Eichenkranz und Brillanten erhalten. Das war während seiner Zeit in Sankt Georgen, wo er drei- bis viermal jährlich Blut spendete.

1982 bekam er vom Pfarrer der Pankratiuskirche in Offenbach Bürgel für langjährige treue Mitfeier der Gottesdienste einen schönen Kupferstich dieser Kirche.

1975 erhielt er von der Kolpingfamilie Hildesheim Dank und Anerkennung für 25 Jahre Treue zum Kolpingswerk.

1982 wurde Bernward nach Köln ins Canisiushaus versetzt und wirkte dort mit kurzer Unterbrechung bis März 2000, zuerst als Minister und Ökonom, später nur noch als Ökonom. Auch bei den Angestellten war er dort sehr beliebt. Durch sein Spiel mit dem Akkordeon trug er zur allgemeinen guten Stimmung bei.

Nach der Auflösung des Canisius-Hauses in Köln kam Br. Beelte im Jahr 2000 zu weiteren Diensten nach Berlin-Kladow. Er war im Hauskonsult, war tätig in der Sakristei und bereit für alle möglichen besonders technischen Arbeiten. Zu seinem 50. Ordensjubiläum machte er bei P. Hock im Priesterseminar 2002 seine Exerzitien - in der Domstadt Hildesheim, wo er aufgewachsen war und sich noch gut auskannte.

Um das Jahr 2006 bekam er Bypässe gelegt und später noch einen Herzschrittmacher. Als Mitbruder und später als Patient zeigte er sich immer sehr dankbar, bescheiden, freundlich und hilfsbereit.

In Kladow blieb Bernward bis zu seinem Tod. Er kam, solange es möglich war, mit seinem Rollator, manchmal auch mit dem Rollstuhl täglich in die Hl. Messe, und sein Amen bei der Kommunion war stets laut und vernehmlich zu hören. In der letzten Zeit konnte er immer weniger hören und sehen, aber innerlich war er noch ganz gegenwärtig. Wenn wir ihn im Krankenhaus besuchten, fragte er: Gibt es etwas Neues? Nun ist er zu dem heimgekehrt, der sagt: Siehe, ich mache alles neu.

Als Text für einen Nachruf hatte er sich das Wort gewählt: "Wenn das Herz uns auch verurteilt, Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles." (1 Joh 3,20)

Br. Beelte wurde auf dem St. Hedwigsfriedhof in Berlin-Reinickendorf beerdigt.

R.i.p.

Gundikar Hock SJ

Jesuiten-Nachrufe 2016, S. 2f