Bruder Herbert Bittmann SJ
* 7. Januar 1936 25. September 2018
Entritt 1960 - Letzte Gelübde 1972

"Bis zu meiner Kommunion habe ich mich nicht viel um Religion, Kirche und Schule gekümmert. Hatte auch eigentlich keine Vorbilder und war auf mich selbst gestellt. Vater war evangelisch und unsere Mutter katholisch, aber sieben Geschwister hinderten Mutter am Kirchenbesuch. Wir waren eine ganz arme Familie und lebten, erst zugezogen 1940, in der kleinen Hunsrücker Gemeinde Birkenfeld. Gegen Ende des Krieges wurde Vater noch arbeitslos für lange Zeit. Dies war für uns eine schlimme Zeit in den Jahren 1945-47. Ja, ich selbst bin viel über die Felder gezogen und habe Kartoffeln und anderes gestohlen, damit wir etwas zum Essen hatten in dieser großen Notzeit." So schreibt Herbert Bittmann selbst über seine Kindheit. Er erzählt ehrlich und spannend auf einigen Seiten seinen gesamten Lebensweg, vor seiner Zeit und in seiner Zeit im Orden. Als ich die Blätter las, wurde meine Achtung vor seiner Arbeit und seinem Leben noch größer.

Geboren am 7.Januar 1936 in Paderborn, erlebte er, wie er ja schreibt, die harte Not der Kriegs- und Nachkriegszeit wie viele Menschen seiner Tage. Zur Arbeit auf dem Feld kam noch am Nachmittag und Abend die Schule. Er lernte nicht gern, lange Zeit oft nur aus Angst vor der Strafe. Später, nach dem Einzug in eine neue Wohnung in Koblenz, wurde es leichter: der Besuch der Schule, das Arbeiten, der gesamte Lebensrahmen. Er fand Klassenkameraden und Freunde und Freundschaften, die bis zum Ende seines Lebens hielten.

"Was ich an Glauben hatte, waren Advent, Nikolaus, Adventskranz und Lieder singen. Darauf konnte ich bauen, es waren die Verdienste meiner guten Mutter." Dieser Glaube konnte in der neuen Gemeinde, in der er sich engagierte, nun weiterwachsen.

Über seinen erlernten Beruf, Installateur und Klempner, fand er auch Kontakt zu Ordensschwestern, deren Alten- und Pflegeheim er neu sanieren musste. Er hatte auch bei den Jesuiten in Koblenz mit Reparaturen zu tun. Er stieß vor allem auf die drei Brüder Briese, Schönbrot und Wagner, die ihn tief beeindruckten. Irgendwann fiel auch das Stichwort Mission, das bei ihm eine Sehnsucht auslöste und ihn nicht mehr losließ. Aber er musste noch verschiedene Wege gehen, bis er mit 24 Jahren, am 25. September 1959, auf dem Jakobsberg bei Bingen als Postulant ins Noviziat eintrat. Erst am Abend zuvor hatte er seinen Geschwistern und seinem Vater seine Pläne mitgeteilt. Er hatte sich immer mehr gelöst von seinem Zuhause. Er wollte seine Wege gehen, vor allem seit seine leibliche Mutter gestorben war.

Schnell fand er in die verschiedensten Arbeiten hinein, die für Brüder vorgesehen waren: Küche, Krankenabteilung, Schlosserei, Landwirtschaft und Stallungen, Garten u.a. 1960, kurz nach seiner Aufnahme fand der große Umzug des Noviziates nach Berlin statt. Mit seiner Tatkraft bewirkte er vieles und ihm wurden verschiedene Aufgaben übertragen. Er baute damals schon entscheidend mit an den Fundamenten dieses Hauses, dem neuen Noviziat der Ostprovinz, in dem er - mit Unterbrechungen - viele Jahre seines Ordenslebens verbringen würde. Er blieb dort als Koch und vielfältiger Helfer bis 1968. In dieser Zeit gab es, wie er selbst schreibt, auch immer wieder Konflikte, weil ihm Arbeiten unangemessen schienen und die Brüder im Orden bevormundet und am Abend kontrolliert wurden. Es war nicht immer eine leichte Zeit.

Danach brauchte ihn das Canisiuskolleg (1968 bis 1980). Schulmöbel mussten erneuert werden, Wasserleitungen, die Heizung und vieles mehr. Einige Jahre danach wurde, nach einem weiteren Wechsel des Rektors, auch die Trennung von Schule und Jesuitengemeinschaft geplant. Es entstand eine Turnhalle, das Wohnhaus der Jesuiten und das Jugendgästehaus. Als Minister (1974-1980) kamen zu der Mitarbeit in den handwerklichen Bereichen auch noch diese ministerlichen Tätigkeiten hinzu. Als wiederum ein neuer Rektor kam, P. Karl Heinz Fischer (1980), sollte er zusammen mit ihm in Kladow das Noviziat zu einem Pflegeheim umbauen. Das war nicht leicht, denn wenn Altes sich verändern soll, ruft das immer Widerstände wach, zumal - wegen des Neubaus - die Kirche abgerissen und einige Bäume gefällt werden mussten. Trotz "Hungerstreit" fand der Bau ein gutes Ende, doch die Belastungen hatten Herbert Bittmann sehr zugesetzt. Zusätzlich kam eine Verletzung am Knöchel, die sich später als Blutvergiftung herausstellte und ihn immer wieder in den Krankenstand zwang.

Sein nächster Ruf führte ihn nach Bad Godesberg ins Aloisiuskolleg. Die Zeit dort begann tatsächlich mit einer intensiven Behandlung seines Beines. Einige Wochen Krankenhaus, Operationen, Reha - das ganze Programm wurde nötig. Zu einer endgültigen Heilung kam es eigentlich nicht mehr, denn gerade in den letzten Jahren und Monaten seines Lebens holten ihn die Schmerzen jener Beinverletzung immer wieder ein, verschlimmert noch durch die Diabetes, die sich bei ihm meldete. Doch im Kolleg in Bonn ging es zunächst mit viel Arbeit weiter. Er hatte seine Kräfte wiedergefunden, so dass er bis 1995 als Subminister und Hausmeister, der auch die Bautätigkeiten im Kolleg begleitete, tätig sein konnte. Vieles, was im Canisiuskolleg angestanden war, war auch hier nötig und beschäftigte ihn. Am 12. Juli 1995 gab es dann einen sehr schönen Abschied auf dem Schulhof, wo sich auch die Schüler des Kollegs nochmals herzlich bei ihm bedankten.

Nach einer Erholungspause wechselte er dann am 28. September 1995 ganz in die "Natur". Ihm wurde die Sorge um den großen Park und den Friedhof im Haus Sentmaring in Münster anvertraut. Er wurde herzlich von P. Rektor Schilling und der Kommunität empfangen. Und doch wurde seine Arbeit nicht unkritisch beäugt. Wieder einmal stand die Pflege des Gartens, das Pflanzen und Ausreißen, an. Bäume mussten gefällt werden, 2000 Meter Parkwege mit einer Splittschicht versehen werden, damit sie auch mit Rollstuhl befahrbar wurden. Das "Eis" des Vorbehaltes der Mitbrüder schien dann doch gebrochen, als eines Tages, wie er selbst schreibt, ein Mitbruder zu ihm sagte: "Hier will ich beerdigt werden - bei dieser Friedhofspflege". Diese Tätigkeit in der Natur tat auch seinem Gesundheitszustand gut. Er machte Ausflüge und Wanderungen und konnte auch Besuche aus seinen früheren Wirkungsstätten empfangen.

Noch einmal stand ein Wechsel an: 2002, ins Noviziat nach Nürnberg als Minister, Ökonom und Hausmeister und ab 2005 zur Mithilfe in die Pfarrei St. Kunigund.

2006 kam er nach Kladow, aufgrund seiner Beinkrankheit, die regelmäßige Pflege und Behandlungen brauchte. Er konnte sich nochmals erholen, dem ganzen Körper tat die Pflege und die Ruhe gut. Er kam zurück an den Ort, an dessen Aufbau und Wandel er immer wieder mitgearbeitet hatte. Hier durfte sein Leben ausklingen, wenn auch immer wieder von Zeiten der Mühsal und der Schmerzen unterbrochen. Er hatte mit seinen "Talenten", die ihm anvertraut waren, gearbeitet, treu, fleißig und mutig.

Sein letzter Auftrag an den Minister des Hauses war, ihm wieder den schönen Kalender für die Tage des Advents zu bestellen, zur Vorbereitung auf Weihnachten. Jetzt ist er selbst auf dem Weg des Advents, damit der Herr bei ihm und er bei seinem Herrn ankommen kann. Jetzt darf er wohl Seinen Ruf hören: "Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn." Wir wünschen es ihm von Herzen. Am Dienstag, den 25. September 2018, schloss er die Augen.

Er möge nun ruhen in Gottes Frieden.

Seine letzte Ruhe fand er auf dem Berliner Hedwigsfriedhof bei den Jesuitengräbern.

Joachim Gimbler SJ

Jesuiten-Nachrufe 2018, S. 5ff
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