Bruder Helmut Blasig SJ
* 25. November 1923    23. April 2003
Eintritt 1949 - Letzte Gelübde 1960

Keiner der Brüdernovizen konnte in Eringerfeld so befreit und herzhaft lachen wie Bruder Blasig. Er erzählte im Alter, dass er sich von dem Augenblick in der Gesellschaft Jesu wohl gefühlt habe, als Br. Mergenschröer den Postulanten in die Kapelle des Hauses führte.
Geboren wurde Helmut Blasig in Ohlau in Schlesien, in der gleichen Straße wie der später seliggesprochene Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg. Sein Vater Felix Blasig war Schmied. Seine Mutter Martha stammte aus Breslau. Helmut Blasig hatte noch eine jüngere Schwester.

Helmut machte nach dem Schulabschluss von 1938 bis 1941 eine Klempnerlehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Danach wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er kam zur Abteilung Luftnachrichten und wurde zunächst in Polen eingesetzt. 1944 kam er über Wien ins Elsaß. Dort erlitt er einen schweren Unfall: Bei Bergungsarbeiten von wichtigen Geräten in einem bombengeschädigten Gebäude rutschten Trümmer nach und verschütteten den Einsatztrupp. Zwar konnte Helmut Blasig lebend geborgen werden, er trug aber gesundheitliche Schäden davon, die ihm sein Leben lang zu schaffen machten. In den Wirren der Endphase des Krieges geriet er dann im Mai 1945 in französische Gefangenschaft. Zunächst wurde er beim Straßenbau, dann in der Landwirtschaft eingesetzt. In der Kriegsgefangenschaft lernte er P. Anton Scholz kennen, der ihn als Küster zu sich holte. Diese Begegnung war für seinen weiteren Weg entscheidend, sie ließ in Helmut den Gedanken an ein Ordensleben reifen.

Im November 1948 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Zunächst ging er zu seinen Eltern, die es durch die Kriegswirren nach Kirchohsen bei Hameln verschlagen hatte; ein halbes Jahr später machte er sich auf nach Eringerfeld. Dort begann er nach dem Postulat im November 1949 das Noviziat, das er dann auf dem Jakobsberg bei Bingen fortsetzte. Dort blieb er bis 1957 und arbeitete als Schlosser, Heizer und Chauffeur. Dann sollte er nach Hoheneichen bei Dresden wechseln. Der dortige Aufenthalt dauerte aber nur zwei Monate, da er keine Aufenthaltserlaubnis bekam. So kam Helmut Blasig im Mai 1957 nach Berlin ins Ignatiushaus. Durch seine zuverlässige und sorgfältige Art bewährte er sich dort über mehr als vier Jahrzehnte als Schlosser, Chauffeur, Pförtner, in der Mundiz und auch als Hauskonsultor und Subminister. Daneben half er den Patres Wahner und Ruß in der Gefängnisseelsorge. Ab 1976 war er auch als Kommunionhelfer in St. Canisius tätig, wozu er die kirchliche Sendung durch Kardinal Bengsch erhalten hatte. Das Tätigkeitsfeld von Br. Blasig wurde kleiner, seit er sich 1987 und 1992 zwei Herzoperationen unterziehen musste. Gerne übernahm er noch leichtere Aufgaben an der Pforte und im Haus.

Treue in den kleinen Dingen des Alltags, Treue im geistlichen Leben sowie eine große Liebe zur Eucharistie und zum Rosenkranzgebet zeichneten ihn aus. Als er im Januar 2000 ins Peter-Faber-Kolleg nach Kladow wechselte, erfüllte sich ein stiller Traum: Er wurde Sakristan in der Krankenkapelle und versah diesen Dienst bis zu seinem Tode in der Osteroktav am 23. April 2003. Als die Mitbrüder für ihn den Rosenkranz beteten, brannte dort die von ihm noch bereitete Osterkerze.

Br. Helmut Blasig wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt.

R.i.p.

Nach Vorlagen von P. Ludwig Kathke SJ und P. Manfred Richter SJ
zusammengestellt von P. Clemens Maaß SJ

Jesuiten-Nachrufe 2003, S. 2