P. Hans Bernd Bollmann SJ
* 17. Dezember 1946   † 16. April 2013
Eintritt 1989 - Priesterweihe 1975 - Letzte Gelübde 2000

Hans Bernd Bollmann wurde am 17.12.1946 in Wiedenbrück geboren und fünf Tage später in St. Ägidius getauft Sein Vater Hermann war Feinmechaniker, seine Mutter Klara selbständige Schneiderin. Die Kindheit war geprägt von der Nachkriegszeit in einer Stadt, die ohne Zerstörung zum Zielort wurde für viele Flüchtlinge und Not wie Freude des Neubeginnes kannte. Sein Vater war als Kriegsteilnehmer 1946 aus der Gefangenschaft in Dänemark zurückgekehrt. Diese Jahre sah Hans Bernd unter einem glücklichen Stern. Den Kindern fehlte es nicht an menschlicher Liebe und Geborgenheit. Mit vier Jahren wollte er Priester mit Volkswagen werden. In der Kirche, die von den Franziskanern geleitet wurde, wurde er mit acht Jahren Messdiener und empfing 1956 die Erstkommunion.

Die Schule fiel ihm nicht leicht. Sein erstes Berufsziel war Einzelhandelskaufmann in Textilwaren. Nach drei Jahren Lehrzeit kam ein Jahr im Beruf. Beraten und verkaufen war seine Stärke. Er sammelte dort Erfahrungen, die er sich später zunutze machen konnte. Das Angebot eines Abteilungsleiters lehnte er ab, weil er seinem Wunsch, Priester zu werden, nachgehen wollte. So besuchte er von 1958 bis 1961 das Gymnasium in Wiedenbrück und von 1965 bis 1969 das Aufbaugymnasium St. Klemens, Bad Driburg, das er mit dem Abitur 1969 abschloss. Während dieser Zeit wurde ihm ein Spiritual der Fokolarbewegung wichtig. Seine Christusliebe und Liebe zur Kirche entstand – und er spielte alle Möglichkeiten von Arbeiterpriester bis Zisterzienser in seinen Gedanken durch. Da sich für ihn aber kein konkreter Orden zeigte, erfolgte das Studium der Philosophie und Theologie in Paderborn. 1971 bis 1972 ging er ins Freisemester nach Regensburg. Dort hörte er mit dem späteren Bischof von Osnabrück und bleibenden Freund Franz Josef Bode die Vorlesungen von Professor Ratzinger. Es folgten neun Wochen in einer Einsiedelei bei Warburg. As dieser Zeit rührte eine tiefe Zuneigung zu den Kartäusern, doch auch dies sollte nicht sein Weg werden. 1974 schrieb er seine Zulassungsarbeit über Bischof Bernward von Hildesheim und das Bernwardskreuz. Dieses Kreuz war ihm bis zu seinem Tod ganz wichtig, immer mehr betraf es ja sein eigenes Leben.

Im Oktober 1974 erfolgte nach den Studienjahren der Eintritt ins Priesterseminar in Paderborn und damit die Entscheidung für den Dienst in der Diözese. Am 13.12.1975 wurde er durch Erzbischof Degenhardt in Paderborn zum Priester geweiht.

Seine Tätigkeit begann im Januar 1976 in Hamm mit Jugendpastoral. 1980 kam er nach Meschede, wo er die Stelle als Vikar in Maria Himmelfahrt vor einer Pfarrei bevorzugte und Kontakt zu Altenheim und Blindenheim bekam. Dann wurde er im September 1982 Hochschulpfarrer in Paderborn. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe fand er einen Weg zur außerpfarrlichen Seelsorge. Danach bekam er Verantwortung am Pauluskolleg mit zukünftigen Gemeindereferentinnen und in der geistlichen Begleitung von Religionspädagogen. Wichtig war ihm auch die Hilfe für bedürftige Studenten, besonders von Ausländern.

Immer wieder stellt sich ihm die Frage nach einem Ordensleben oder einer Priestergemeinschaft. Erstmalige 8-tägige Exerzitien 1985 bei Pater Ortscheid SJ brachten mehr Klarheit. Die ignatianische Spiritualität und das Apostolat bekamen einen neuen Akzent. Nach dem Pfingstfest 1987 folgte eine Krisenzeit, die durch eine Wallfahrt nach Santiago gemildert wurde. Ein weiterer Punkt seines Suchweges war die Ablösung von der Arbeit in Paderborn. Hilfreich war dabei die Begleitung bei Pater Lefrank SJ vor und während der Ausbildung zum geistlichen Begleiter im Gis/GCL-Kurs 1988 bis 1991. Während dieses Kurses trat Hans Bernd am 18.09.1989 ins Noviziat der Gesellschaft Jesu in Münster ein („GCL-Jesuit“, wie er es später scherzend nannte).

Nach dem Noviziat war er von 1991 bis 2004 GCL-Promotor SJ (Region Nord) in Hannover, 1992 bis 2001 Kirchlicher Assistent der GCL im Bistum Münster. In dieser Zeit folgten weitere nebenberufliche Ausbildungen: 1991 bis 1994 Gestaltseelsorge und 1994 bis 1998 eine berufsbegleitende Ausbildung in Rhythmus- und Atem-Bewegung (Eutonie), die ihm sehr zugute kamen in der Exerzitienarbeit.

1994 bis 1996 wirkte er als Minister und bis 2004 als Superior in Hannover im Friedrich-Spee-Haus, wo er am Ende die Residenz auflösen musste, die er in die Hände der Diözese unter Bischof Homeyer gab, nachdem er die Weiterführung des Hauses durch die CJ-Schwestern eingeleitet hatte. 1998 ging er in das Tertiat bei P. Barry SJ in den USA. Seine Letzten Gelübde legte er am 25.03.2000 in Hannover ab.

Vom 31.07.2004 bis 31.03.2007 wirkte er mit im Provinzkonsult in München.

Vom 1.09.2004 bis 31.08.2005 war er Regens des Priesterseminars Frankfurt, Sankt Georgen. Diese Stelle musste er wegen Erkrankung aufgeben.

Im Oktober 2005 erfolgte der Umzug nach Hamburg, wo er als Spiritual des Pastoralseminars und als Priesterseelsorger im Erzbistum Hamburg bis zu seiner Entpflichtung 2009 wegen seiner Krankheit (Alzheimer) wirkte. Bis Ende 2011 lebte er weiter in seiner Hamburger Kommunität, in der er sich so wohl fühlte, die aber auf Dauer mit der Pflege überfordert war.

Im Januar 2012 erfolgte der Umzug ins Peter-Faber-Haus, Berlin, den Ort, der ihm durch Exerzitien vertraut war. Provinzial Kiechle schrieb damals: „Es war und ist für uns alle, die dir in den letzten Jahren begegnet sind, beeindruckend und beispielhaft, mit welch geistlicher Kraft du mit der fortschreitenden Krankheit umgehst. Du wirst auch weiterhin durch dein Gebet und Beispiel einen großen Dienst für die Gesellschaft leisten.“ Das haben wir in Kladow erleben dürfen. Immer wieder blitzte ein Stück Humor durch oder ein freundliches Lächeln erfreute uns bei aller Härte der Krankheit, derer er sich auch bewusst war. Viele Menschen aus seinem Bekanntenkreis besuchten ihn immer wieder. Zuletzt wurde er immer stiller, weil er sich kaum noch äußern konnte, aber er war immer gern mit Menschen zusammen.

Am 16. April 2013 gegen 20 Uhr holte ihn der himmlische Vater während eines einwöchigen Krankenhausaufenthaltes in sein Reich.

Seinen Primizspruch „Deinen Namen will ich meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich lobpreisen“ (Ps 22,23) hat er in seinem Leben wahr gemacht. Viel bedeutet hat Hans-Bernd die Arie aus dem Messias von G. F. Händel: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet.“ (Ijob 19,25)

Seinen letzten Ruheort fand P. Bollmann am 23. April nach einem großen Requiem, zelebriert von seinem Freund Bischof Bode und begleitet von vielen Mitbrüdern, Verwandten und Menschen aus dem Bereich der GCL und der Exerzitienseelsorge auf dem Friedhof der Berliner Jesuiten Sankt Hedwig in Reinickendorf.

R.i.p.

P. Gundikar Hock SJ

Jesuiten-Nachrufe 2013, S. 6f