P. Heinz Brokof SJ
* 7. September 1931   † 1. September 2010
Eintritt 1951 - Priesterweihe 1962 - Letzte Gelübde 1965

Heinz Brokof war ganz ein Kind seiner Heimat der Grafschaft Glatz. Hier in Kunzendorf an der Biele wurde er am 7. September 1931 geboren, und hier verbrachte er auch zusammen mit seinem um zwei Jahre jüngeren Bruder Günter eine glücklich-frohe Kindheit in der liebevollen Obhut der sehr religiösen Eltern August und Maria. Die Volks- und Mittelschule besuchte Heinz in Bad Landeck, die Oberschule in Glatz.

Nach Bad Landeck kam im November 1944 der aus dem Militärdienst entlassene Jesuitenpater Hans-Werner Mende als Seelsorger. Insbesondere widmete er sich der hiesigen Pfarrjugend, der auch der junge Heinz angehörte. Seine Glaubensstunden und seine Lebensunterweisung wirkten nachhaltig auf die jungen Menschen dort; so auch auf Heinz, für den durch diese Begegnung mit dem Pater wohl eine erste und leise Anregung seiner späteren Berufung aufkam.

Der zweite Weltkrieg verschonte auch die Grafschafter nicht. So musste der Vater von Heinz seinen Dienst als Offizier in Norwegen tun. Die damit gegebene Trennung von der Familie schmerzte diese, mehr noch die Ungewissheit in den Zeiten, da es keine Verbindung zum Vater gab.Doch kurz vor der Vertreibung der Deutschen aus dem Osten in Viehwagen am 1. April 1946 kam die erste Nachricht vom Vater, der bei seinem Bruder Paul in Salzgitter war, wo einige Zeit später die ganze Familie sich wieder fand. Als der Vater im Januar 1947 durch freundschaftliche Vermittlung eine Stelle in der Verwaltung der Lungenheilstätte Engelthal bei Hersbruck östlich von Nürnberg erhielt, siedelte die Familie Monate später ebenfalls dorthin, wo auch Heinz die Oberrealschule in Hersbruck bis zum Abitur 1951 besuchte. Allerdings war es ein Schulweg von 5 km, den Heinz durch Wälder und Felder zurückzulegen hatte; doch das Naturerlebnis entschädigte ihn für die Strapazen des Weges.

Nach dem Abitur vollzog Heinz den Eintritt in den Jesuitenorden, wo er am 14. September 1951 das Noviziat der Ostdeutschen Jesuitenprovinz unter der Leitung von P. Otto Pies auf dem Jakobsberg bei Bingen begann. Dazu notiert er: „Es war keine leichte Zeit – Prüfung der Echtheit der Berufung.“ Auf das Noviziat von zwei Jahren erfolgte die damals ordensübliche Ausbildung: ein Jahr grundlegende Bildung in Feldkirch/Vorarlberg, drei Jahre Philosophie im Berchmanskolleg in Pullach bei München, ein zweijähriges Praktikum am Berliner Canisius Kolleg, darauf ein vierjähriges Theologiestudium in Sankt Georgen, Frankfurt am Main (1959 bis 1963), dem sich das Tertiatsjahr in Münster anschloss.

Die Priesterweihe erhielt Heinz Brokof am 22.August 1962 von Erzbischof Alfred Bengsch in der Berliner St.Ludwigskirche, da die St.Canisiuskirche der Berliner Jesuiten wegen gewisser Baumängel nicht betreten werden durfte. Der priesterliche Einsatz von Pater Heinz Brokof vollzog sich nicht nur in verschiedenen Städten, vielmehr auch in verschiedenen Bereichen:

1964-1968:

Kaplan, Marburg

1968-1971:

Min. Oper. Berlin, Ignatiushaus

1971-1978:

Superior, Klinikpfarrer, Gießen

1978-1989:

Pfarrer der Gemeinde St.Albertus u. Maria Frieden, Gießen/Heuchelheim

1989-1991:

Socius Prov., Consultor Prov., Köln, Canisiushaus

1991-1996:

Pfarrer St. Bonifatius, Erfurt-Hochheim

1996-2007:

Krankenhausseelsorge, Mitarbeit (Vic.Paroec.) St. Johannes Baptist, Jena

Im Pfarrblatt der Pfarrgemeine St. Albertus und Maria Frieden vom 12.9.2010 heißt es:
„Auch nach 21 Jahren seines Weggangs von St. Albertus und Maria Frieden ist Pater Brokof noch vielen in lebendiger Erinnerung. Als Priester und Seelsorger, Brückenbauer für Ökumene, offener Zuhörer, Unterhalter und ein besonders auf Kinder Zugehender.
Mit seiner Frohnatur mochte er Gemeindefeiern und Geselligkeit. So pflegte er Kontakte am Tisch auf Augenhöhe. Miteinander lachen, sich über etwas freuen, war ihm ein ganz wichtiges und auch erfolgreiches Mittel zur Beziehungspflege. Gemeinde in den Alltag hinein sein war sein Anliegen. Auch hat in seiner Zeit als Pfarrer die Albertus-Kirche als Ort des Zusammenkommens ein neues Gesicht erhalten. Noch vor seiner überraschenden neuen Aufgabenbestimmung konnte die über zwei Jahre dauernde Grundsanierung abgeschlossen werden. Der Name und die Person Pater Brokof ist eine Verbindung zu St. Albertus und Maria Frieden geblieben. Die Gemeinde mit ihrer Filiale gedenkt ihrem früheren Pfarrer Pater Heinz Brokof SJ.“

Für P. Brokof waren diese seelsorglichen Einsätze stets eine Herausforderung, der er sich als Ordensmann bereitwillig stellte; doch manche Aufgaben überstiegen seine Kräfte und Veranlagung, dann suchte er Erholung in Südtirol oder bei seinem Bruder.

Im Grunde seines Wesens war P. Brokof eine Frohnatur, die auf andere ansteckend wirkte. Durch seine menschlich-offene und priesterlich-schlichte Art, auf Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören, ihnen in ihren Nöten einfühlsam beizustehen, sie im Glauben zu stärken oder sie gar mit seiner poetischen Begabung durch Gedichte (meist eigene verfasste!) aufzuheitern, gewann er deren Vertrauen und Zuneigung. Er konnte sich ganz auf den Menschen einstellen in seiner Liebenswürdigkeit. Das gab ihm auch die Kraft in seinem Leiden nach einem leichten Schlafanfall, demzufolge er nicht mehr seelsorglich wirken konnte, sich aber ganz Gott überließ. Im Mai 2006 kam er in das Berliner Seniorenheim der Jesuiten, in das an der Havel gelegene Peter-Faber-Haus. Dankbar nahm er hier die Betreuung und Pflege an und bewahrte sich seinen Frohsinn auch in den schweren Stunden seiner Erkrankung. Die Kraft dazu gab ihm die Eucharistie. Schließlich beschenkte Gott seinen getreuen Diener Heinz am 1. September 2010 mit der Aufnahme in Seine Herrlichkeit.

Heinz Brokof wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt.

R.i.p.

P. Manfred Richter SJ

Jesuiten-Nachrufe 2010, S. 47