P. Engelbert Dubiel SJ
geboren am 1. Juli 1915 in Gleiwitz/OS
gestorben am 25. Juli 1996 in Berlin

Engelbert Dubiel wurde am 1. Juli 1915 in Gleiwitz/Oberschlesien geboren und wuchs mit der um ein Jahr jüngeren Schwester Theresia auf. Strenge Einfachheit und tiefer Glaube herrschten in der Familie. In der Kindheit erlebte Bert, wie ihn die Angehörigen und Freunde nannten, sehr bewußt die Inflation mit ihren Folgen und in der Volksschulzeit die Arbeitslosigkeit und die große Wirtschaftskrise. Diese Erfahrungen blieben für später prägend. Die Eltern ermöglichten ihm den Besuch des Realgymnasiums. Maßgeblich war dabei ihr Wunsch, daß der Sohn Priester werden möge.

Nach dem Abitur trat Engelbert Dubiel am 29. April 1935 in Mittelsteine ins Noviziat der Ostdeutschen Provinz ein. Von Oktober 1936 bis April 1937 leistete er mit einigen Mitnovizen, darunter Johannes Leppich und Günther Ruß, den Reichsarbeitsdienst in Wobesde/Pommern ab. Unmittelbar nach der Rückkehr ins Noviziat schickten ihn die Obern in die Studien nach Pullach. Hauptgrund dafür war, daß man hoffte, damit der Einberufung zur Wehrmacht zuvorzukommen. Ein geregeltes Studieren war allerdings nur bis zum Sommer 1939 möglich. Einige Tage vor Kriegsbeginn erfolgte der Gestellungsbefehl zu einer "kurzfristigen Übung". Tatsächlich war es der Beginn einer strapazenreichen und gefährlichen Zeit, die bis Juni 1945 dauern sollte. Der Befehl, daß alle Jesuiten zu entlassen seien, erreichte Fr. Dubiel nie, so daß er an verschiedensten Einsätzen in Europa teilnehmen und vor allem den Feldzug bis tief nach Rußland mitmachen mußte. Von dort wurde er erst nach Verwundungen und Erfrierungen zurückverlegt. Der Weg führte ihn dann nach Afrika. Immer wieder erfuhr er in diesen Jahren Schikanen und Zurücksetzungen, weil er Jesuit und Theologe war. Zweimal geriet er in Gefangenschaft: das erste Mal war er von Mai bis Oktober 43 in Tunesien gefangen, das zweite Mal zu Kriegsende in einem Lazarett in Gera. Die Gefangenschaft in Nordafrika endete im Zuge eines Gefangenenaustausches. Nach Kriegsende verdankte er einer einsichtigen Lagerleitung, daß er an gültige Entlassungspapiere kam.

Endlich konnte er die Studien wiederaufnehmen: von 1945-1948 in Pullach, von 1948-1950 in Büren. Die Kriegs- und Lagererlebnisse ließen ihn in diesen Jahren nicht los und belasteten ihn schwer. Mitbrüder halfen ihm, diese Krisenzeit von Dunkel und Depression durchzustehen. Am 6. November 1947 wurde er in Pullach von Weihbischof J. Neuhäusler zum Priester geweiht. Nach dem Tertiat in Münster (1950/51) folgten Jahre in verschiedenen Tätigkeiten und auf verschiedenen Stellen. Seit 1952 half er am Canisius-Kolleg in Berlin in der Bibliothek und bei Seelsorgsarbeiten. Ab 1957 zählte er zum Ignatiushaus, lebte und arbeitete aber öfters auf Einzelposten. Er übernahm Aushilfen und Hilfsarbeiten dort, wo jemand gebraucht wurde. So wirkte er auch einige Jahre im St. Hedwigsheim der Katharinerinnen in Berlin-Lichterfelde. Daß dies nicht immer sehr erfüllende Aufgaben waren, beklagte er nie; es wurde aber doch spürbar, wenn er später davon erzählte. Seine schönste, wenn auch nicht einfachste Zeit waren die Jahre von 1978-1990 in der Krankenhausseelsorge am Auguste-Viktoria-Krankenhaus. In diesen Dienst arbeitete er sich langsam ein, übernahm immer mehr Abteilungen, und wuchs daran. Die Individualseelsorge erwies sich als seine Stärke. Den ihm anvertrauten Kranken, den Ärzten und dem Pflegepersonal wurde er zum geschätzten Gesprächspartner und Seelsorger. Er kümmerte sich um die Menschen, hielt Kontakt, telefonierte mit den Angehörigen. Über das AVK sprach er später oft und gern, hier wußte er sich sicher und kompetent. Es verwundert auch nicht, daß er nicht nur bei den Zusammenkünften der Diözesangeistlichen ein gesuchter Beichtvater war.

Engelbert Dubiel war ein eher ängstlicher und genauer Charakter, der seiner selbst oft unsicher war und den manches Wenn und Aber plagte. Notzeiten hatte er zur Genüge kennengelernt, so tat er sich schwer damit, Dinge auch einmal wegzuwerfen. Daß er sein Zimmer im Ignatiushaus, in dem er Altes und Neues angesammelt hatte, in der Zeit der Krebserkrankung und vor dem Umzug ins Peter-Faber-Kolleg nicht mehr aufräumen konnte, veranlaßte ihn seinem Obern gegenüber zu der Bemerkung, daß dies nicht seine einzige Unvollkommenheit sei. Er war technisch interessiert, hörte gern Musik und fotografierte gut. Er hatte ein vorzügliches Gedächtnis und verstand es, vieles aus seinem reichen Erfahrungsschatz auszubreiten. Daß dies zuweilen zu genau, zu weitschweifend, ja auch zu umständlich war, machte manchem Mitbruder das Zuhören schwer.

Bei seinem 80. Geburtstag gab P. Dubiel so etwas wie eine kurze Zusammenfassung dessen, was ihn in all den Jahren bewegt und ihm Kraft und Ausdauer gegeben hat: "Das Alter allein ist noch keine Auszeichnung. Das Alter kann auch nicht mit großen Leistungen aufwarten. Das Alter kann aber ein Beweis sein, daß man mit einiger Lebenstechnik 80 Jahre erreichen und 60 Jahre im Orden aushalten kann. Das Alter hat 60 Jahre den Orden mitgetragen, und der Orden mußte uns vielleicht manchmal auch ertragen. [...] Immer wieder bewegen mich Gedanken von P. Karl Rahner, die er in der Ignatius-Biographie vorangestellt hat. Es ist die Rede des hl. Ignatius an einen Jesuiten von heute. Sie ermuntern mich, an der Last des Apostolates mitzutragen und den Orden in die Zukunft zu führen."

Vieles auf dem langen Lebensweg von P. Dubiel war Mühe und Plage. Das letzte Lebensjahr aber war besonders gezeichnet durch eine schwere Krebserkrankung. P. Dubiel wußte um die Ausweglosigkeit, nahm diese Last an als seinen Anteil am Apostolat und trug sie willig und mit großer Geduld.

Mögen nun für ihn die Worte aus dem 18. Psalm Wirklichkeit werden: "Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell" (GL 712,1).

R.i.p.

P. Karl Heinz Fischer SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1996 - Oktober, S. 179f