P. Josef Elbern SJ
14. Oktober 1985 in Berlin

In der Morgenfrühe des 14. Oktober 1985 um 5.00 Uhr starb P. Josef Elbern in Berlin. Tags zuvor war er operiert worden, da sich ein Darmarterienverschluß eingestellt hatte. Ganze zehn Tage gehörte er zum Peter-Faber-Kolleg in Kladow. Der Umzug von Hannover nach dort am 3. Oktober war sehr plötzlich vor sich gegangen, nachdem man ihn morgens ohnmächtig vor seinem Bett liegend gefunden hatte. Kein großer Abschied, alles sachlich und in Eile. Das paßte zu ihm. Josef Elbern hat nie etwas Besonderes aus seiner Person gemacht.

Von seinen Wehwehchen sprach er normalerweise überhaupt nicht. Dabei setzte ihm doch seit den 60er Jahren der Alterszucker zu und Cholesterin im Blut. In Hannover sorgte sein Freund, Dr. med. Nolte, für ihn, das reichte. Und die alte 41. Regel, dem Arzt Gehorsam zu leisten, nahm er da auch nicht so tragisch. Skrupel habe ich keine bei ihm kennengelernt.

Er war immer mehr für die anderen da als für sich. Er gehörte zu seinen Studenten, seinen Lesern und auch seinen Mitbrüdern. Wo er immer Superior war, kam der Seufzer: "Ich wollte, ich wäre ein Auswärtiger!" nicht auf. So konnte man ihn gute 18 Jahre als Untergebener gut ertragen: in Hannover, in Göttingen und in Lübeck. Dabei war sein Regiment kein 'Laissez faire, laissez aller!' Er konnte klar und bestimmend sein, aber nie verletzend. Er war immer bereit, eine Sache durchzubesprechen, die Hauskonsulte fanden regelmäßig statt. Und er war so frei, Aufgaben zu delegieren und Verantwortung zu übertragen. Er wußte ein gutes Betriebsklima zu schaffen.

So habe ich ihn in Büren kennengelernt. Das war von 1947 bis 1949. Während einer Studienunterbrechung seiner Militärzeit (er war zuletzt Sanitäts-Unteroffizier) wurde er mit einem Jahr Theologiestudium im Rücken am 19. März 1941 in Münster durch den Bischof von Galen zum Priester geweiht. Und nun hatte er schon gute Seelsorgserfahrungen als Kaplan an St. Robert in Köln und weiter in Bingen und am Mainzer Dom gemacht. Nicht ganz einfach, als gestandene Männer zusammen mit uns Unbedarften zu lernen und sich den Examina zu unterwerfen. Aber Josef Elbern konnte sich dreingeben. Und in den Ferien gründeten wir zu viert eine Skatrunde, die wir Kamillus-Bruderschaft nannten, da wir gerade aus der Tischlesung von den wilden und spielversessenen Jugendjahren des Heiligen erfahren hatten. Auch ein 'Exempla trahunt!' Klar, daß Josef Elbern als waschechter Aachener auch zu leben wußte.

Das darf ich wohl verraten: Er war ein (für mich) vorbildlicher Weinkenner. Solcherlei Studien dürfte er in Bingen gemacht haben. Aus der Zeit rührte ja auch die Freundschaft zu seinem dortigen Mitkaplan, dem späteren Pfarrer von Nackenheim in Rheinhessen. Und so lehrte er uns später auch in Hannover, sich an dem Nackenheimer Rothenberg oder Schmitts Kapellchen und anderen edlen Lagen von dort zu erfreuen. Er wußte den Wein aber auch in gebranntem Zustand zu schätzen. Und wenn er mich zu einem Plauderstündchen aufsuchte, mußte ich eine Flasche Mariacron oder ähnlich in Reich-weite haben. Er pflegte dann zu sagen: "Sauzeug!" und nahm noch einen zweiten Schwenker.

Solche Besuche waren eine instruktive und interessante Sache, vor allem für mich. Josef hatte die typische Neugier eines Journalisten. Er konnte eine Menge aus einem herausholen und wußte selber auch fast immer das Neueste aus der Provinz. Er scheute sich auch nicht, Konjekturen zu machen und hatte meist das Richtige getroffen. Dieses vielseitige und wirklich nicht zuletzt religiöse Interesse zusammen mit seiner journalistischen Begabung ergaben, daß er von 1950 bis 1980 der Redaktion des 'Mann in der Zeit', des späteren 'Weltbild' angehörte.

Drei volle Jahrzehnte lang erschien seine Kolumne 'Auf ein Wort', eine Leistung, die ihm so leicht keiner nachmachen konnte. Dabei hat er mir einmal gestanden, daß er diese Arbeit oft vor sich hergeschoben habe, bis er unter maßivem Zeitdruck ran mußte. Aber mit dieser Kolumne wußte er ins volle Leben zu greifen, religiös zu deuten und in menschlicher Weise zu raten. Viele Leser sind ihm so treu geblieben, daß er nicht 'umzuwerfen' war. Neben seinem soliden philosophischen und theologischen Wissen - über Jahre leitete er in Hannover einen entsprechenden Erwachsenenkreis - konnte er die reichen seelsorglichen Erfahrungen auswerten, die ihm als Jugend- und Männerseelsorger zur Verfügung standen.

Ein wichtiges seelsorgerliches Feld eröffnete sich ihm, als er die Leitung des Friedrich-Spee-Hauses übernahm und Studentenpfarrer in Hannover wurde. Neben der unmittelbar auf die Katholische Studentengemeinde bezogene Tätigkeit, den Studenten- und Akademiker-Messen und den religiösen Vorträgen und Aussprachekreisen zeigte Josef Elbern sein Herz für die jungen Männer in den Verbindungen. Die Kontakte zu Studenten und Philistern rissen auch nicht ab, als er von 1970 bis 1982 zunächst in Göttingen und später in Lübeck war. Ihm war es noch selbstverständlich, Sonntag für Sonntag um 9.15 Uhr in unserer Herz-Jesu-Kapelle Studentenmesse und um 11.15 Uhr in St. Elisabeth Akademiker-Gottesdienst zu halten.

Damals konnten die Besucher unserer Kapelle täglich unter drei Meßzeiten auswählen: 7.15 Uhr, 8.00 Uhr und 18.3o Uhr. Schwerpunkte ergaben sich durch Marienfeste, Apostel- und Jesuitenfeste u.ä. Da wurde in der Messe auch eine Ansprache gehalten. Außerdem am Montag die Jugendmesse, am Mittwoch die für die im Hause wohnenden Kolpinggesellen und am Donnerstag für die Studenten. P. Elbern war immer dabei, wenn wir in gemeinsamer Verantwortung für die Kapelle die verschiedenen Zeiten unter uns aufteilten. Und er stand auch hierfür zur Verfügung, nachdem er aus Lübeck in sein geliebtes Hannover zurückgekehrt war. Das war im August 1982.

Es hat auch Heimsuchungen für ihn gegeben. Ich weiß von ihm, daß er im Krieg seine Eltern unter den Trümmern ihrer Wohnung verloren hat, seinen Vater Georg und seine Mutter Christine geb. Hirtz. Schwer war es ihm, als die Residenz Hannover in die Ost-provinz eingegliedert wurde und die Herrlichkeit mit den im Hause mitwohnenden Studenten aufhören sollte. Beratend und mitbeschließend hat er kräftig mitgeholfen, Haus und Kapelle für die SJ zu erhalten. Und schließlich 1982 war er 'Konkursverwalter' in Lübeck, wo er viel Gutes in der Priesterseelsorge und in Sonntagspredigten getan hatte.

Für Hannover blieben noch die drei Jahre von 1982 bis 1985. Aber da merkte er, daß seine Kräfte schwanden. Trotzdem hat er immer noch getan, was er eben konnte. Er war es gewohnt, Ja zu sagen. Oder genauer in den letzten Jahren: "Ja, so ist das!" Und das bedeutete, ich nehme es an, versteht sich, aus den Händen Gottes. Kein großes Aufhebens!

Sein Todestag war der Tag des hl. Johannes Ogilvie SJ. Und mit diesem Heiligen könnte Josef Elbern gesagt haben: "Jetzt ist es an Eurer väterlichen Liebe, für mich zu beten, damit ich für den unbesiegten Jesus ganz großmütig sterbe."

R.i.p.

P. Franz Schilling SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1987 - Dezember, S. 120f