P. Reinhold Feldhuß SJ
geboren am 7. Dezember 1908 in Rheine
gestorben am 18. Oktober 1998 in Berlin

Reinhold Feldhuß wurde als drittes von fünf Kindern am 7.12.1908 in Rheine/Westf. geboren. Der Vater war Postbeamter, gebürtig aus einer alten Bauernfamilie in Hopsten; die Mutter stammte aus einer alteingesessenen, angesehenen Familie in Rheine. In der Altstadt, nahe der alten Kirche und dem Bahnhof, wuchs er auf; die westfälische Herkunft blieb prägend bis ins hohe Alter. Schon nach drei Volksschulklassen wechselte er auf das humanistische Gymnasium seiner Heimatstadt und bestand Ostern 1927 das Abitur "mit Auszeichnung." Stolz bemerkte er, daß von den 5 Geschwistern 4 das Abitur gemacht hätten.

Da er Priester werden wollte, studierte er in Münster und Innsbruck Theologie. Mehrfach erzählte er, daß die Diözese Münster damals zu viele Priesteramtskandidaten hatte. Abiturienten ohne Graecum wurden für 1 Jahr zurückgestellt. Im Priesterseminar sagte Regens Francken öfter: "Wenn Ihr alle geweiht seid, wissen wir nicht, wohin mit Euch." Manche Pastöre, die bis dahin ohne Kaplan waren, mußten nun einen nehmen. Im Borromäum bot Direktor Dr. Melcher dem Alumnus Feldhuß an, er solle geistlicher Studienrat werden. Das widerstrebte ihm, da er in einer Zeit von Wirtschaftsdepression und großer Arbeitslosigkeit nicht anderen die Chancen nehmen wollte. Am 7.08.1932 wurde er in Münster von Weihbischof Scheifes, der den kranken Bischof Poggenburg vertrat, mit über 50 anderen Kandidaten zum Priester geweiht. Angesichts dieser Überfülle und im Wissen, daß der Neupriester seit langem als Missionar nach Afrika zu gehen wünschte, gab der Bischof ihn frei.

Als Oberprimaner hatte Reinhold für einige Tage die Franziskaner in Dorsten besucht, im Seminar war er in den 3. Orden eingetreten. Der Neupriester bewarb sich aber nicht bei ihnen, sondern wurde sechs Wochen nach der Weihe in 's-Heerenberg in die Gesellschaft Jesu aufgenommen. Die Jesuiten hatte er durch die Lektüre mehrerer Biographien und durch Gespräche mit P. Rektor Hermann Krose in Haus Sentmaring näher kennengelernt. Als Novize des 1. Jahres schon wurde er zu Aushilfen in die Umgebung geschickt. Vom Passionssonntag 1933 an hatte er jeden Sonn- und Feiertag Gottesdienst in Emmerich im Krankenhaus. Es waren die Wochen, in denen die Nationalsozialisten die Macht an sich rissen. So beobachtete er in der Praxis, welches Unheil sich zusammenbraute. Im Herbst 1933 kam er in die Philosophie nach Valkenburg, im folgenden Jahr nach Pullach. Die Ferien waren ausgefüllt mit Urlaubsvertretungen. 1937/38 machte er das Tertiat in Münster. Die Obern hatten P. Feldhuß für die Nordische Mission vorgesehen; deshalb hatte er auch im Sommer 1936 in Stockholm Schwedisch gelernt. Doch dann mußte er 1938 P. Werner Barkholt als Kaplan an St. Ignatius in Essen ersetzen. Dieser hatte Redeverbot erhalten und kam später ins KZ nach Dachau, wo er am 18. Juli 1942 den Tod fand. "Bei P. Vorspel in Essen", erinnerte sich P. Feldhuß, "lernte ich viel. Es war eine Musterpfarrei in jeder Beziehung."

Während des Zweiten Weltkrieges war er von 1940 bis 1942 eingezogen und diente als Sanitätssoldat in Riesenburg/Westpr., Frankreich, Polen und Rußland. Von Charkow aus wurde er zur Heeresverwaltungsschule nach Wörth/Elsaß abkommandiert, dann als Kriegsverwaltungsinspektor auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn/Eifel eingesetzt. Nach der Entlassung aufgrund des die Jesuiten betreffenden Geheimbefehls wurde er Kaplan in Köln-Dellbrück und erlebte die Bombenangriffe, die allgegenwärtige Angst, den vielfachen Tod.

Im Herbst 1945 wurde P. Feldhuß nach Aachen geschickt, wo er mit den PP. Ludwig Faust und Bernhard van Acken im Alexianerkloster wohnte und von dort aus Religiöse Wochen, Einkehrtage und Fastenpredigten hielt. Hunger und Kälte waren dabei häufig Begleiter.

1947 wurde er als Kaplan an St. Robert in Köln destiniert, einer "Trümmerpfarrei in jeder Beziehung." P. Provinzial Wilhelm Flosdorf schrieb: "Vor allen Dingen wird die Jugend Ihr Aufgabengebiet sein. So schwer und steinig die Arbeit hier auch ist, so hoffe ich doch zuversichtlich, daß Ihrem eifrigen Bemühen gelingen wird, diejenigen zu erfassen, die sich überhaupt noch ansprechen lassen. [...] Eine Bescheinigung für den Umzug lege ich bei." Wegen Wohnungsnot und Lebensmittelknappheit bestand damals Umzugsverbot.

Die nächsten Versetzungen bilden einen mühsamen Wanderweg. Im Juli 1949 schickte ihn P. Provinzial Hermann Deitmer nach Essen in Oldenburg. Der Pastor, dem er helfen sollte, brauchte aber nur eine "halbe Kraft." So wurde er schon nach zwei Monaten per Telegramm dem Oldenburger Offizial für andere Arbeiten zur Verfügung gestellt. Über Nordenham und Burhave, dann Rühlermoor bei Meppen kam er im Januar 1950 als Kaplan nach Cloppenburg, nach 2 Jahren nach Delmenhorst, wieder nach 2 Jahren nach Lastrup. Im Januar 1955 versetzte man ihn als Pfarrektor an die neuerbaute Kirche in Brockdorf, wo er noch kein Pfarrhaus hatte, sondern in der alten Schule wohnte und beim Lehrer in Kost war.

Zum 7. August 1958 schrieb ihm der Offizial von Vechta: "Zu Ihrem Silbernen Priesterjubiläum spreche ich Ihnen meine aufrichtigsten Glückwünsche aus. Ich möchte die Gelegenheit benützen, Ihnen persönlich Dank zu sagen für Ihr selbstloses und opferbereites Arbeiten in den verschiedenen Gemeinden unseres Bezirks. Alle Gläubigen, die Ihr priesterliches Wirken kennenlernten, loben Ihren Eifer für das Reich Gottes. Vor allem auch sprechen sie ihre Anerkennung darüber aus, daß Sie mit Ihrem ganzen Herzen hinter dem stehen, was Sie den Gläubigen verkünden." Wie in Köln, Cloppenburg und Lastrup gab er auch von Brockdorf aus Religionsunterricht an der Berufsschule; in Lohne waren es 15 Wochenstunden.

Nach fast 10 Aushilfsjahren im Oldenburgischen rief ihn P. Provinzial Friedrich Buuck im März 1959 nach Münster. Von dort aus sollte er Religiöse Wochen für das Gebetsapostolat halten. In fast 200 Wochen, die er alle sorgsam vermerkte, zuweilen mit kleinen Anmerkungen versah, konnte er sehr viele Gläubige erreichen. Auch für Haus Sentmaring lohnte sich diese Arbeit, wie er nicht ohne Genugtuung feststellte: "In 5 und 1/2 Jahren brachte ich für Sentmaring über 104.000 DM zusammen, ohne Meßstipendien und Reisegeld."

Im September 1964 wurde er nach Koblenz versetzt, wo er dieselbe Tätigkeit weiterführte. "Unter anderem predigte ich in Hamburg in 10 Pfarreien, oft dreimal am Tag, in Duisburg in 7, im Saarland in 26 Gemeinden." In den Monaten, in denen Religiöse Wochen weniger gefragt waren, gab er Exerzitienkurse für Ordensschwestern und Laien. Die Volksmissionare der Niederdeutschen Provinz hatten ihre Predigttätigkeit 1966 eingestellt. Ende 1968 endeten auch die Religiösen Wochen. P. Feldhuß kommentierte dies so: "Die Liturgiereformen hatten die Wochen immer schwieriger gemacht. Aber auch das Fernsehen machte den Abendpredigten immer mehr Konkurrenz."

Er blieb in Koblenz und arbeitete hauptsächlich in der Beichtseelsorge und für Aushilfen. Doch war er nicht nur im Beichtstuhl tätig, er betreute auch die Kirche und versah immer wieder den Küsterdienst. Nach 14 Jahren in Koblenz war er erschöpft. Deshalb erhielt er im Februar 1979 eine leichtere Aufgabe in Recke. "In der gesunden Heimatluft habe ich mich wieder etwas erholt, so daß ich als Hausgeistlicher im Krankenhaus und jetzt im Altenheim noch ein wenig helfen kann", bemerkte er anläßlich seines 80. Geburtstags. Im Juli 1989 wurde er nochmals versetzt, um als Krankenseelsorger im Pius-Hospital in Ochtrup Dienst zu tun. 1991 äußerte er den Wunsch, ins Altenheim zu gehen. Da Münster keinen Platz frei hatte, zog er am 1. Oktober 1991 nach Berlin ins Peter-Faber-Kolleg, wo er erklärte, kein halbes Jahr mehr vor sich zu haben. Tatsächlich wurden es dann 7 volle Jahre.

Am Sonntag, dem 11. Oktober 1998, brachen plötzlich schwere Bauchschmerzen aus und zwangen ihn ins Bett. Eine Einweisung ins Krankenhaus war dringend geraten, aber er lehnte strikt ab. Nach einer langen, schmerzerfüllten Woche, in der er fast bis zur letzten Stunde bei klarem Bewußtsein war, schlief er am Sonntag, dem 18. Oktober, friedlich ein.

Das Leben von P. Feldhuß war weder bestimmt durch besonders auffallende Arbeiten noch durch herausragende Erfolge, sondern durch Bereitschaft, sich senden zu lassen, und durch alltägliche Treue im Dienst. Als Pfarrseelsorger, Religionslehrer an Berufsschulen, Exerzitienmeister für verschiedene Zielgruppen und Prediger Religiöser Wochen verkündigte er die Frohe Botschaft von Jesus Christus. Mit ihm als Hausgenossen war es nicht immer leicht, da er sehr streng auf Einfachheit beim Wohnen drang und beim Essen betont Kärglichkeit exerzierte. Noch im Altenheim begann sein Tag irgendwann vor 4.00 Uhr; nach 18.00 Uhr sah man ihn nicht mehr. Seine Wißbegierde war beachtlich. Daß er beim Frühstück oder Mittagessen über Zeitungs- und Rundfunkneuigkeiten berichten werde, darauf war Verlaß; für die Genauigkeit konnte man nicht immer bürgen. P. Feldhuß war auch ein eifriger Beter, der sich immer wieder der Probleme und inneren Nöte der Mitbrüder annahm und sich stellvertretend Gott anbot für die Sorgen der Kirche und die Anliegen des Ordens, mit dem er nicht immer zufrieden war.

Im Nachlaß von P. Feldhuß befindet sich ein abgegriffenes Gedenkbild zum Osterfest 1991 mit dem Text: "Herr Jesus Christus, hilf mir, dich zu erkennen, die Gemeinschaft mit deinem Leiden und deiner Auferstehung. So darf ich mit dir vom Tode zum Leben hinübergehen." Erfülle ihm der Herr nun diese Bitte!

R.i.p.

P. Karl Heinz Fischer SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1998 - Dezember, S 225ff