P. Reinhold Flaspöhler SJ
* 27. August 1932   † 28. Februar 2007
Eintritt 1952 - Priesterweihe 1964 - Letzte Gelübde 1970

Reinhold Flaspöhler wurde in Osnabrück-Haste am 27. August 1932 geboren. Seine Eltern, Caspar Flaspöhler und Theresia, geb. Kröger, erzogen ihre fünf Kinder – drei Söhne und zwei Töchter – fest im katholischen Glauben in einer Zeit, in der das Dritte Reich versuchte, Einfluss schon auf die Erziehung der Kinder zu nehmen. Reinhold besuchte das Humanistische Gymnasium Carolinum in Osnabrück, machte 1952 dort sein Abitur und trat unmittelbar danach in Eringerfeld in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Er hatte den Orden über die kirchliche Jugendarbeit und Schülerexerzitien kennen gelernt. Nach zwei Jahren Noviziat folgte ein Jahr humanistische Studien in Tisis bei Feldkirch in Vorarlberg, dann das dreijährige Studium der Philosophie im Berchmanskolleg in Pullach von 1956 bis 1959. Er schloss diese Studien mit dem Lizentiat ab, und der Provinzial sandte ihn als Erzieher in das Aloisiuskolleg in Bonn - Bad Godesberg.

In dieser Zeit wurde deutlich, dass er gut Kontakt zu Jugendlichen fand und diese prägen konnte. Zwei Jahre dauerte dieser Internatseinsatz. Von dort führte ihn der Weg nach Frankfurt, St. Georgen, zum vierjährigen Studium der Theologie. Es war für ihn eine spannende Zeit theologischer Auseinandersetzungen, zumal in dieser Zeit das Vatikanische Konzil in Rom stattfand, bei dem mancher seiner theologischen Lehrer und Mitbrüder Berater von Bischöfen war und aus nächster Nähe vom Konzil berichten konnte. Dieser Aufbruch der Kirche in eine moderne Zeit hat ihn für seine gesamte Tätigkeit geprägt und das Zweite Vatikanische Konzil, so könnte man sagen, war das Fundament all seiner Visionen und seines priesterlichen Wirkens.

Bischof Wilhelm Kempf weihte Reinhold Flaspöhler im Dom zu Frankfurt am 28. August 1964 zum Priester nach dem dritten Jahr der Theologie. So konnte P. Flaspöhler noch neben dem Studium schon eine Reihe pastoraler Erfahrungen sammeln. Nach seinen Studien wurde er Religionslehrer und vertretungsweise Internatsleiter im Jesuiteninternat in Büren bis 1967, um von dort als Religionslehrer nach Essen an die Berufsschule zu gehen. Gleichzeitig hat er in der „action 365“ bei P. Leppich mitgeholfen. Für ein Jahr unterbrach er all diese Arbeiten und machte sein Tertiat in Pullach von 1968 bis 1969, eine Zeit, in der es ihn eigentlich drängte, wieder in die konkrete Seelsorge zu kommen und nicht nur über seine eigene Ordenssituation nachzudenken.

Um so froher war er, als der Provinzial ihn bat, ab 1970 nach Frankfurt umzuziehen: Er sollte dort einerseits in der deutschen Zentrale der „action 365“ mitarbeiten, andererseits auch hilfsweise in die Gemeindeseelsorge von St. Ignatius einsteigen. Offensichtlich ist es bei der Umstrukturierung der Arbeitsfelder von P. Leppich dann dazu gekommen, dass P. Flaspöhler ganz in die Gemeindearbeit wechselte und von 1974 bis 1977 als erster Kaplan an der Jesuitenkirche St. Ignatius wirkte. Ihm war wichtig, eine dieser modernen Kirche gemäße Form für Gemeinde und Liturgie zu finden; und er prägte dann, seit 1977 als Pfarrer von St. Ignatius, in großer Deutlichkeit unsere Großstadtgemeinde. Dabei halfen ihm viele, anfangs mit manchen Widerständen, weil die Gemeinde nicht gewohnt war, dass sie so deutlich theologisch und spirituell geprägt werden soll, dann aber mehr und mehr mit dem Stolz, dass hier eine Gemeinde mit einem ausgesprochenen Selbstwertgefühl entstand. Es fiel ihm schwer – wie er es auch manchem schwer gemacht hat –, im Zusammenspiel der Stadtkirche und der einzelnen Gemeinden Frankfurts Gemeinsames zu suchen. Aber er wusste: Wenn Kirche in einer mehr und mehr den Säkularisierungstendenzen ausgesetzten Welt Eigenkonturen gewinnen und für Menschen eine einladende Heimat bieten will, dann muss diese Kirche, diese Gemeinde, selbst Eigenprofil und Erkennbarkeit haben.

Ihm ist es in den langen Jahren immer wieder gelungen, die Menschen um den Altar Gottes zu versammeln, aber auch um den Tisch der Gastlichkeit der Gemeinde. So wurde und wird noch heute nach jedem Gemeindegottesdienst bei uns im Gemeindesaal getrunken, über die Predigt diskutiert, das Gemeindeleben organisiert, werden Fremde gewonnen und ihnen vermittelt, dass man in St. Ignatius schnell zu Hause sein kann. Aber es war auch immer intellektuelle Kost, die er bot und bei der er nicht zu viele mitwirken ließ, die nicht so gut und verständlich predigen konnten oder andere Stile in der Liturgiefeier hatten. Die Gemeinde St. Ignatius verdankt ihm daher sehr viel und dessen ist sie sich bewusst. Was ihn auch auszeichnete: Er war offen für Menschen, die am Rande der Kirche standen, Geschiedene, Suchende, Kritische. Er öffnete ihnen Türen und bot ihnen Freundschaft an.

Im Jahr 2003 hörte P. Flaspöhler aus eigenen Stücken auf, nicht weil er keine Kraft mehr gehabt hätte, sondern weil er sah, dass nach fast dreißig Jahren wichtig ist, der Gemeinde neue Begleiter und Weggefährten zu ermöglichen. Er selbst ließ sich vom Provinzial nach Berlin versetzen, um dort im Canisiuskolleg noch als Seelsorger für die Eltern der Schüler und im Religionsunterricht für die Oberstufe zur Verfügung zu stehen. Nebenher hat er an vielen kirchlichen Orten wie in Krankenhäusern Gottesdienste gefeiert, denn von der Begegnung der Menschen um den Altar hatte er sein ganzes Leben lang Kraft gewonnen und ihnen den Segen Gottes zugesagt.

Im frühen Sommer 2006 merkte er, dass die Motorik in seinen Armen nicht mehr stimmig war. Die Untersuchungen ergaben einen Hirntumor. Dieser wurde operiert und P. Flaspöhler machte sich über mehrere Monate die Hoffnung, dass er von diesem Übel befreit ist. Doch im Dezember 2006 wurde deutlich, dass die Ärzte ihm nicht genügend helfen konnten. Eine weitere Chemotherapie lehnte er ab, weil er wusste, dass sein Leben in Gottes Händen liegt und er es ihm auch wieder zurückgeben kann, wenn es so gewollt ist. Im Februar 2007 lag er mehrere Wochen in der Charité in Berlin, umsorgt von guten Ärzten und Mitbrüdern. Für kurze Tage konnte er zu seinen Mitbrüdern in das Peter-Faber-Haus an der Havel in Berlin umziehen, um sich dort auf den Abschied von dieser Welt vorzubereiten. Dann starb er am 28. Februar 2007 kurz vor Mitternacht und gab Gott sein Leben zurück.

Möge der Schöpfer, der ihm so viel Kraft und seelsorgliche Begabungen geschenkt hatte, vergelten, was er den Menschen, vor allem auch in der Diözese Limburg und in unserer Gemeinde St. Ignatius in Frankfurt an Gutem getan, an Evangelium eröffnet, an Spiritualität vermittelt hat.

Die Jesuiten feierten in Berlin den Gedenkgottesdienst am Donnerstag, 8. März 2007, in der Gemeinde St. Canisius. Am selben Tag fand die Beerdigung auf dem Domfriedhof St. Hedwig auf dem Gräberfeld der Jesuiten statt.

Die Gemeinde St. Ignatius feierte für P. Flaspöhler am Freitag, 9. März 2007 in St. Ignatius einen Dankgottesdienst, zu dem viele Menschen aus nah und fern kamen. Die Menschen in St. Ignatius werden ihn nicht vergessen und sind sicher: Er auch seine frühere Gemeinde nicht – aus einer neuen Perspektive. Denn auf dem Krankenbett gefragt, ob er im Krankenhaus bleiben wolle oder nicht, sagte er: „Ich will nach Hause!“. Und auf die Frage, wo dieses sei, antwortete er: „In der Elsheimerstraße!“ So bleibt bei den Frankfurter Menschen in St. Ignatius lebendig, was er für seine Gemeinde war!

R.i.p.

P. Jörg Dantscher SJ

Jesuiten-Nachrufe 2007, S. 14f