Bruder Anton Heik SJ
* 30. Mai 1910 in Kuhnau, Krs. Kreuzburg/OS     26. Dezember 1989 in Berlin

Die erste Begegnung mit ihm hatte ich, nachdem ich im November 1951 ins Noviziat auf dem Jakobsberg eingetreten war. Dort traf ich auch den Brüdernovizen Anton Heik. Er war am 29.1.1950 in Pullach in die Gesellschaft Jesu eingetreten, hatte dann den Versuch mitgemacht, in Bad Homburg vor der Höhe das erste Nachkriegsnoviziat der Ostdeutschen Provinz zu errichten, und war schließlich mit der 'Gründergeneration' auf den Jakobsberg gelangt. Zunächst gab es wenig Berührungspunkte, denn es herrschte Separatio. Die Instruktionen und Betrachtungsvorbereitungen hatten wir mit den Brüdernovizen gemeinsam; sonst aber hatte jede Gruppe ihren eigenen Tagesablauf.

Ein wenig näher lernte ich ihn kennen, nachdem er am 2. Februar 1952 die ersten Gelübde abgelegt hatte und ihm die Verantwortung für die Malerarbeiten und die Aufgaben in der Schuhmacherwerkstatt übertragen worden waren. Im Sommer desselben Jahres wurde die Wallfahrtskapelle zum Leidwesen der Ockenheimer Bevölkerung renoviert. Br. Heik hatte den Auftrag, die bunten Gemälde der vierzehn Nothelfer von den Wänden abzuwaschen und sie hell auszumalen. Dabei durfte ich, während er die großen Flächen behandelte, das Sockelband streichen. Er hatte mir eingeschärft, daß ich den Fußboden nicht mitstreichen dürfe. Nun schien mir für meine ungeübten Hände der Pinsel zu grob zu sein; und so blieb es nicht aus, daß der Fußboden reichlich Farbe abbekam. Als er das bemerkte, sagte er ehrlich entrüstet: "Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen nicht zehn Zentimeter über die Kante hinwegstreichen; und jetzt haben Sie fünf Zentimeter darüber hinweggestrichen." - Im Sommer 1981 renovierte er im Canisius-Kolleg Klassenräume. Dabei half ich ihm, die Scheuerleisten zu streichen, während er wiederum die großen Flächen in Angriff nahm. Da ich nicht wieder mit der Farbe auf den Fußboden kommen wollte, arbeitete ich sehr vorsichtig. Nach einer Weile sagte Br. Heik: "Wenn Sie so langsam arbeiten, verdienen Sie sich nicht einmal den Aufstrich aufs Brot."

Br. Heik war sich in den dreißig Jahren treu geblieben. Und so haben wir ihn alle in lebendiger Erinnerung, die ihn auf dem Jakobsberg und später nach den letzten Gelübden am 2. Februar 1960 in Kladow und schließlich ab Dezember 1964 im Canisius-Kolleg erlebt haben. Was er übernahm, das wurde pünktlich und zuverlässig ausgeführt. Was er von sich forderte, verlangte er allerdings auch von anderen; und er konnte es deutlich zum Ausdruck bringen, wenn andere seinen Vorstellungen nicht entsprachen. Er muß im oberschlesischen Kreuzburg eine solide Ausbildung als Dekorationsmaler durch seine Meister, die Herren Kosmale und Jurczyk (Lehrbrief vom 23.6.1928), genossen haben.

Was man von seinem handwerklichen Können sagen muß, galt in gleicher Weise von seiner religiösen Haltung. Sie bestimmte sein Leben bis in die alltäglichsten Äußerungen hinein. Als ich mich einmal bei ihm für eine Hilfeleistung bedankte, antwortete er: "'Dankeschön' habe ich eine ganze Bodenkammer voll. Was ich sammle, ist ein 'Vergelt's Gott'." Bei all dem war er kein religiöser Aktivist. Seine Religiosität war getragen von tiefer Innerlichkeit. Mit Bewunderung erinnere ich mich, wie er in den letzten Jahren an Anbetungstagen im Franziskus-Krankenhaus oft vier bis fünf Stunden vor dem ausgesetzten Allerheiligsten verharrte; so etwa am Herz-Jesu-Freitag, dem 6. Oktober 1989, - dreizehn Tage nach der ersten Operation. Das war sicher ein Grund, weshalb ihm auf dem Jakobsberg wie auch in Kladow jahrelang das Amt des Manuduktors anvertraut war. Was er den jungen Mitbrüdern zu vermitteln suchte, das lebte er vor. Das erste Brüderterziat (Januar bis April 1959 in Eringerfeld) mag ihm dabei Hilfestellung gegeben haben.

Noch ein Zug an ihm fiel im täglichen Leben auf: Er erzählte gern. Wir alle erinnern uns gut - vielleicht mit verhaltenem Schmunzeln - an die Anekdoten, die er von seinem militärischen Einsatz in Norwegen und von der Gefangenschaft in Frankreich zum Besten gab. Die religiös-moralische Anwendung war für gewöhnlich - ausgesprochen oder unausgesprochen - mit Händen greifbar. Insbesondere hatte die Zeit in Frankreich für ihn entscheidende Bedeutung, denn hier lernte er die ersten Jesuiten kennen; Br. Heinrich gehörte dazu und P. Simmel. Aus diesen Begegnungen entstand sein Plan, in den Orden einzutreten. Das letzte Jahr, das er dort als 'Freiarbeiter' zubrachte (1948/49), nutzte er, um seinen Entschluß zu überprüfen. War die Freude am Erzählen ein Erbe seiner Familie, etwa vom Vater, dem Landwirt Paul Heik, und seiner Mutter, Frau Theresia, geb. Klar, her; ein Erbe, das sich im Kreis der vier Geschwister entfalten konnte? Wir wissen zu wenig darüber. Br. Heik hatte jedenfalls ein gutes Gedächtnis, er erinnerte sich genau an viele Ereignisse und konnte eine Menge Gedichte und Lieder auswendig vortragen; wohl ein Verdienst des gediegenen Unterrichts in der Schule seines Heimatortes Kuhnau. Umso schwerer muß es ihn getroffen haben, als er bei seinem zweiten Krankenhausaufenthalt wenige Tage vor Weihnachten 1989 durch eine Art Gehirnschlag die Sprache verlor.

Als sich der gesundheitliche Zustand Br. Heiks Anfang Dezember zusehends verschlechterte, äußerte er einem Mitbruder im Canisius-Kolleg gegenüber: "Ich hätte gern noch etwa acht Jahre gearbeitet. Doch jetzt habe ich Zeit, mich vorzubereiten." Und so war er bereit, er hatte es zumindest im Laufe seines Lebens gelernt, als der Herr ihn rief. Am Abend des Stephanustages gab er in Gegenwart von P. Rektor Lachmund ruhig, mit weit geöffneten Augen - so, als ob er das Ziel ins Auge fassen wollte - sein Leben in die Hand des Schöpfers zurück.

Wir behalten ihn im Gedächtnis, so wie er im Totenzettel charakterisiert ist: "Br. Heik war ein vorbildlicher Ordensmann, zuverlässig und hilfsbereit, in seinem Lebensstil anspruchslos und fromm, in seiner Arbeit einsatzbereit und exakt. Bis zum Schluß war er rastlos tätig. Sein Tod hat im Berliner Canisius-Kolleg eine große Lücke gerissen."

R.i.p.

P. Stefan Siegel SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 2/1990 - März, S. 39f