P. Lutz Hoffmann SJ
* 02. August 1945   † 05. November 2013
Eintritt 1965 - Priesterweihe 1975 - Letzte Gelübde 1983

Geboren wurde Lutz Hoffmann am 2.08.1945 als jüngstes von drei Geschwistern in Bischleben bei Erfurt. Seine Mutter war Hausfrau, der Vater war als Offizier der Wehrmacht während des Krieges mit dem Bau von Flugplätzen beauftragt. Zehn Tage nach der Geburt von Lutz ist er in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Getauft wurde das Kind relativ spät im Herbst, weil man hoffte, dass der Vater wiederkommen würde. Aber erst Ende 1949 kehrte sein Vater aus der Gefangenschaft heim, und im Frühjahr 1950 bekam er Arbeit. Die Familie zog erst nach Rüsselsheim, dann nach Frankfurt, dann nach Köln-Sülz, von dort an den Stadtrand in ein Dorf namens Schildgen, von wo aus Lutz in Bergisch-Gladbach das Abitur machte.

Für Lutz´ religiöse Sozialisation ist einerseits seine im guten Sinne „fromme“ Familie verantwortlich, aber auch die Dorfkirche mit dem dortigen Pfarrer, bei dem er all die Jahre Messdiener war. Während der Oberschulzeit war Lutz Mitglied in der Jungengemeinschaft des ND – heute KSJ – und auch Gruppenleiter; dies hat ihn sehr geprägt und später wieder eingeholt.

1965 trat Lutz in Ascheberg unter Magister P. Mühlenbrock ins Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Nach den Ersten Gelübden studierte er in Pullach Philosophie. Daran schloss sich ein zweijähriges Magisterium in Frankfurt bei P. Kilian in der KSJ an, gefolgt vom Studium der Theologie in Frankfurt Sankt Georgen. Das Wintersemester nach dem Abschlussexamen 1975 konnte Lutz nutzen, um Wichtiges für die Jugendarbeit zu lernen. 1977 machte er auch noch das Lizentiat in Theologie.

Über diese Zeit sagt er in der Rückschau: „Die ganzen Studienjahre inkl. Noviziat waren geprägt vom Umbruch in allem, von der Hilflosigkeit der Gesellschaft Jesu, Ziele zu formulieren, von den Austritten der Gleichaltrigen und dem völligen Unverständnis der meisten Älteren angesichts der Veränderungen.“

Zum Priester geweiht wurde Lutz im September 1975 in St. Ignatius in Frankfurt. Seit dem WS 1976 hatte er schon in der Elsheimerstraße gewohnt, im „Haus der Begegnung“ kräftig mitgearbeitet, und nach dem Semester übernahm er offiziell alle Funktionen von P. Kilian. In der Folgezeit wuchs ihm eher zufällig als geplant die experimentelle Aufgabe zu, im „Haus der Begegnung“ eine offene Stadtteilarbeit mit der KSJ-Verbandsarbeit zusammen zu bringen. Das hat ihm viel Wohlwollen von Seiten der offiziellen Stellen (städtisches Jugendamt, kirchliches Jugendamt der Stadt und des Bistums) eingetragen, aber auch viel Feindschaft bis Hass von den konservativen katholischen Kreisen. Vermutlich wurde das Jugendhaus und er in dieser Zeit auch vom Verfassungsschutz überwacht.

Im August 1981 begann sein Tertiat in Berlin mit dem ersten Kurs von P. Jalics. Daraus hat er viel für sein Leben mitgenommen. Während des Tertiats erreichte ihn die Destination, in Berlin am Canisius-Kolleg die außerschulische Jugendarbeit (GCL) zu übernehmen. Lutz hat es bedauert, dass er vom Provinzial nach nicht ganz vier Jahren dort schon wieder abberufen wurde.

Auf ihn wartete für die nächsten sieben Jahre die Aufgabe des KSJ-Bundeskaplans. Der Verband wurde in Struktur, Verwaltung, Zielen und Inhalten „grundüberholt“, und das hat ihm viel Freude gemacht, weil die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mitmachten und Erfolge sich direkt ablesen ließen. Nach zweieinhalb Wahlperioden kam der Umzug nach Aachen. Dort übernahm Lutz die Leitung der „Arbeitsstelle der Jesuiten im Bistum Aachen“. Diese war von der Definition her eine Abteilung im Seelsorgeamt des Bistums mit dem Ziel, die Arbeiten der Jesuiten in der Diözese zu koordinieren und zu einer Kooperation zu bringen.

Im Sommer 1998 wurde Lutz nach Hamburg destiniert, um dort die Katholische Glaubensinformation zu leiten. Nach zwei Jahren war das bereits zu Ende, denn der Bischof hatte den Provinzial gebeten, dass er ihm die Rundfunkarbeit in Norddeutschland übertragen könne; der Provinzial konnte die Bitte nicht ablehnen. So sollte er die Radio- und Fernsehschaffenden in den Diözesen Hildesheim, Osnabrück, Hamburg, Münster im Bistumsteil Vechta und – mit Abstrichen – Berlin in Vorpommern koordinieren.

Er hat also wieder mal das Metier gewechselt, hat Radio und Fernsehen von „innen“ kennengelernt und damit gerechnet, in diesem Job alt werden zu können. Stattdessen musste er dann 2003 die Aufgabe des Provinzökonomen in der Nord- und Südprovinz übernehmen, um 2004 die Zusammenlegung der Provinzen durchzuführen. Die Mitbrüder sagten immer sehr mitfühlend: „Deinen Job möchte ich nicht haben“, oder ähnliche Sätze. Dass er ihn auch nicht haben wollte, hat ihm wohl nie jemand so richtig geglaubt. 2008 war die Zusammenlegung administrativ erledigt, alle Systeme arbeiteten reibungslos und griffen ineinander. Ziemlich zeitgleich damit wurde bei Lutz Blasenkrebs festgestellt. Dieser hat ihn dann bis ans Lebensende begleitet.

Im Herbst 2008 wurde eine Niere entfernt, im Herbst 2009 die Blase, und das Jahr 2010 war geprägt von Chemotherapie und zwei Lungenoperationen, um dort Metastasen zu entfernen. Anfang März 2010 ist Lutz nach Dresden umgezogen. Er war etwa drei Jahre lang als direkter Mitarbeiter des Generalvikars mit Leitungsaufgaben betraut und gleichzeitig in der Abteilung Schulen und Hochschulen für die pädagogische Begleitung katholischer Religionslehrer an staatlichen Schulen verantwortlich.

Der Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen schreibt über diese Zeit: „Pater Hoffmann SJ wurde von allen hochgeschätzt. Seine Gabe, zuzuhören, zu vermitteln, Dinge sachgerecht zu hinterfragen, Problemen auf den Grund zu gehen und Prozesse zu strukturieren, hat wesentlich zu einem kollegialen Miteinander im Bischöflichen Ordinariat beigetragen. Er war der gute Geist des Hauses, ohne sich dabei in den Mittelpunkt zu stellen. Er hat sein Wissen und seine ganze Kraft für den ihm aufgetragenen Dienst im Bistum Dresden-Meißen zur Verfügung gestellt. Mit äußerster Disziplin und großer Entschlossenheit erhielt er sich die Freude am Leben und seine Selbständigkeit, solange es ihm möglich war.“

Während vieler Jahre war Lutz außerdem in etlichen Jesuiten-Kommunitäten ein gefragter Mitbruder, der mit Herz und einem guten analytischen Verstand komplexe Situationen analysieren und verantwortete Handlungsoptionen entwickeln konnte und dafür gern im Orden – und außerhalb – angefragt wurde.

Uns beide verband eine viele Jahrzehnte lange Freundschaft als „Freunde im Herrn“. In den Sommerferien waren wir fast immer zusammen in Frankreich zelten, und unsere regelmäßigen „Männertage“ im Frühjahr und im Herbst jeden Jahres hatten immer die drei Programmpunkte: „Jammern und klagen“, etwas Kulturelles oder etwas Schönes in der Natur unternehmen und: einen Fisch essen. Dabei wandelte sich im Laufe der Zeit der erste Punkt vom Jammern über die Oberen zum Klagen über die Mitbrüder, als wir mal zeitgleich beide Obere waren.

Und viele Lebens- und Arbeitsherausforderungen haben wir miteinander geteilt und hier und da auch klären können. Seinen feinen Humor, seine Klugheit und Diskretion und vor allem seine Authentizität als Mensch, Mann und Mitbruder werde ich vermissen.

Weil seine Krankheit immer weiter fortschritt, musste Lutz im August 2013 nach Berlin-Kladow umziehen. Er hatte sich auf das Sterben eingestellt. Tapfer trug er sein Schicksal im Rollstuhl und mit allen Behinderungen. Über jeden Besuch konnte er sich freuen und immer wieder blitzte sein feiner Humor durch. In seinen letzten Worten schrieb er für seine Beerdigung: „Gestaltet die liturgische Feier angemessen froh, denn das Leben macht Spaß und (hoffentlich) in den Himmel kommen auch.“ Am Fest Allerheiligen der Gesellschaft Jesu gab er ein fruchtbares und erfülltes Ordensleben in die Hände Gottes zurück.

P. Hoffmann liegt begraben auf dem Friedhof St. Hedwig in Berlin.

R.i.p.

P. Hermann Kügler SJ

Jesuiten-Nachrufe 2014, S. 14ff