P. Wolfgang Hundeck SJ
* 23. Oktober 1927   † 28. Juli 2012
Eintritt 1947 - Priesterweihe 1958 - Letzte Gelübde 1961

Wolfgang Hundeck wurde am 23.10.1927 geboren in Grottkau/Oberschlesien und wuchs hier mit seinen beiden Brüdern - dem älteren Bernd und dem jüngeren Hans - heran. Die Jahre der Kindheit und Jugend waren unbeschwert und glücklich, da die ganze Liebe und Sorge der Mutter Charlotte der Familie galt und der Vater Josef als Oberregierungsrat einen gewissen Wohlstand der Familie ermöglichen konnte. Großen Wert legten die Eltern auch auf eine solide religiöse Erziehung ihrer Kinder.

Nach der Volksschule kam Wolfgang 1937 auf das humanistische Gymnasium St. Matthias in Breslau. Ab 1943 war der Schulbetrieb allerdings beschränkt, da Wolfgang wie alle seine Klassenkameraden als Luftwaffenhelfer zur Flak eingezogen wurde, dem der obligatorische Reichsarbeitsdienst folgte, und noch kurz vor Kriegsende zum Fronteinsatz in der Wehrmacht kam, der im Westen mit der Gefangennahme durch die Amerikaner im April 1945 endete. Noch in demselben Monat wurden diese Kriegsgefangenen den Franzosen übergeben.

Hier im Lager begegnete Wolfgang einem Benediktinerpater; zwischen beiden entwickelte sich ein so freundschaftliches Verhältnis, dass Wolfgang von dem Pater vor die Frage nach dem Priestertum gestellt wurde. Dieser Anstoß wirkte in Wolfgang nach; der Gedanke des Priestertums blieb in ihm lebendig und dazu kam ein weiterer: als Missionar in Japan zu wirken. Für ein solches Unterfangen hatten die Franzosen ein Gefangenenseminar in Chartres eingerichtet, das Wolfgang zur Weiterbildung besuchte und auch hier 1947 sein „Notabitur“ nachholen konnte. Das war auch das Jahr seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft und zugleich das Jahr seines Eintritts in das Jesuitennoviziat in Pullach bei München unter P. Pies.

Der damals ordensübliche Ausbildungsgang wurde jäh unterbrochen durch das Bahn-Auto-Unglück von Herrsching am 19. Juni 1951, bei dem 16 junge Jesuiten starben, einige wenige überlebten wie auch Wolfgang, wenn auch auf Leben und Tod schwer verletzt. In den ersten Wochen waren ihm Tag und Nacht seine Mutter und sein Bruder Hans (der später als Diözesanpriester in Berlin wirkte) zur Seite. Nach zweijähriger Rekonvaleszenz konnte Wolfgang seine Studien in Philosophie im Berchmanskolleg/Pullach und die der Theologie in der Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt/Main fortsetzen und mit einem Jahr Ordensspiritualität in Münster 1960 beenden.

Die Priesterweihe hatte Wolfgang am 29. Juni 1958 in Berlin von dem damaligen Bischof Julius Döpfner in der Jesuitenkirche St. Canisius erhalten.

Obwohl Pater Hundeck zeit seines Lebens an den Folgen des Herrschinger Unglücks zu leiden hatte, versagte er sich nicht den pastoralen Einsätzen, welche die Oberen für ihn vorsahen. Nach zwei Berliner Jahren als Religionslehrer an der Liebfrauenschule und ordensintern als Ökonom und Subminister im Charlottenburger Ignatiushaus wirkte er zunächst mit am Schlesischen Priesterwerk in Köln und anschließend von 1965-1967 in Königstein als Spiritual am dortigen Internat. Auf eine einjährige Kaplanstätigkeit in Gießen folgten ab 1968 zwölf Jahre in den USA, wo er in der Nachfolge von Pater Wedig die Seelsorge der Deutschen in Chicago übernahm und um finanzielle Unterstützung der deutschen Jesuiten-Ostprovinz und ihrer Rhodesien-Mission II warb.

Wieder zurück in Deutschland war Pater Hundeck als einfühlsamer Krankenhausseelsorger und Hausminister in der Residenz von Hannover (1980-89) tätig. Für die folgenden 12 Jahre war er Hausgeistlicher der Unbeschuhten Karmelitinnen in Auderath (Eifel) und half dann für 6 Jahre in Trier den Jesuiten im Beichtdienst. Pater Hundeck notiert zu seinem apostolischen Wirken: „So ist es wohl verständlich, dass ich praktisch immer am Rande der Erschöpfung gearbeitet habe und es eigentlich erst mit der Destination zu den Schwestern etwas leichter hatte“.

Letztes lässt sich auch von seinen Jahren in Trier sagen. Mit abnehmenden Kräften wurde ihm auch dort der Dienst schwer. Deshalb sahen die Oberen für ihn das Seniorenheim der Jesuiten in Berlin-Kladow vor, wohin Pater Wolfgang Hundeck am 7.10.2007 übersiedelte und wo ihm die entsprechende Betreuung und Pflege zuteilwurde. Anfangs konnte er noch die Hl. Messe mitfeiern - im letzten Jahr empfing er die Hl. Kommunion auf dem Krankenbett. Das kontemplative Gebet half ihm zu innerem Frieden auf seinem Leidensweg. Sein Krebsleiden erforderte viel Einsatz in Geduld und menschlicher Zuwendung der pflegerischen Kräfte, denen hierfür unser besonderer Dank gilt. Geduldig ertrug er die Leiden, die er durchzustehen hatte, bis zu seinem Tod. Er entschlief friedlich am 28.7.2012 und wurde auf dem Hedwigsfriedhof in Berlin-Reinickendorf beerdigt.

Ein Mitbruder sagte über ihn: „Die fast täglichen Besuche bei ihm sind mir in lebendiger Erinnerung geblieben. Ich schätzte sein aufmerksames, freundschaftliches Eingehen auf das, was ich ihm erzählte; ich bewunderte seine Hellsichtigkeit. Seinen nahenden Tod nahm er bereit und zuversichtlich an.“

R.i.p.

P. Manfred Richter SJ / P. Gundikar Hock SJ

Jesuiten-Nachrufe 2012, S. 14f