P. Bernward Jensch SJ
* 27. Oktober 1940   † 7. Mai 2013 Eintritt 1960 - Priesterweihe 1968 - Letzte Gelübde 1978

Pater Bernward Jensch wurde am 27.10.40 als drittes von fünf Kindern in Dresden geboren. Sein älterer Bruder Norbert wurde während der Noviziatszeit von Bernward zum Priester geweiht. Mit ihm war er jahrelang bei der MC und lernte von ihm auch Gitarre spielen. Er lebte in einer frommen Familie, in der regelmäßig gebetet wurde. In der Gemeinde wirkte Bernward eifrig als Ministrant und auch im Singkreis der Jugend, im monatlichen Kirchenchor, in der Jugendschola, im Helferkreis, in der MC unter P. Bernhard Merz, später unter P. Franz Beschorner.

Über seinen Vater sagt Bernward: „Zwischen 1947 und 1949, vor der ersten ‚undemokratischen‘ Wahl, war Vater Gründer der CDU in Sachsen und hielt im Radio politische Vorträge – die Mutter saß am billigen Gerät und verglich mit Stift, was geschnitten worden war. Ebenso aber warb er für Kolpingsgruppen im Bistum Dresden. So entstanden nach 1945 im Osten Dutzende neuer Kolpingfamilien, nicht nur in Sachsen. In den Schwesternhäusern der Stadt ging sein Vater Franz aus und ein als Berater und Gesprächspartner (er hatte Humor und Zuversicht, grundsätzlich aber auch klare Prinzipien und Durchsetzungsvermögen, weil mit Klugheit ausgestattet.), Manager (heute: Logistiker) und auch als Tischgast.“

Bernward lebte von 1945 bis 1959 in Dresden-Coschütz, und besuchte von 1955 bis 1959 in Dresden die Kreuzschule mit Latein und Griechisch. 1959 begann er sein Theologiestudium in Erfurt und trat am 19.11.1960 unter P. Baron ins Noviziat der Jesuiten in Erfurt ein.

Von 1962 bis 1968 studierte er in Erfurt Theologie und machte sein Pastoralseminar in Neuzelle an der Oder. 1968 wurde er von Bischof Spülbeck in Dresden zum Priester geweiht. Danach folgte noch ein Jahr Studium in Weimar.

Von 1969 bis 1970 war Bernward Kaplan der Jesuitengemeinde in St. Bonifatius in Erfurt-Hochheim. Von 1970 bis 1973 arbeitete er als Assistent für NT bei Prof. Heinz Schürmann (Exegese) in Erfurt.

Von 1973 bis 1976 folgten drei Jahre als Pfarrkurat in St. Petri, Magdeburg, dann kamen 1976 sechs Monate Tertiat unter P. Conrads.

Von 1977 bis 1979 wirkte Bernward als Pfarrer und Spiritual im Sprachenkurs in Berlin-Schöneiche und von 1979 bis 1982 im Alter von 40 Jahren als Religionslehrer und Jugendseelsorger in Berlin und Potsdam. Das ging nach anfänglicher Angst gut, es gab viele Engagierte, ca. 100 Jugendliche kamen wöchentlich zu zwei Veranstaltungen. Wochenenden fanden statt in Großglienicke in einem Wochenendhaus mit Übernachtungen: „Das war super und anstrengend“ – ganz in der Nähe der Grenzsoldaten der DDR und der Grenze zu Westberlin.

Als Prinzip wurde dort und in Schöneiche wichtig: Die Eltern der aktiveren Jugend und Helfer werden besucht, in Schöneiche auch der PGR und Vorstand. 1982 wurde Bernward Ökonom im Haus Hoheneichen in Dresden-Hosterwitz. Von dort aus hielt er Exerzitien und Kurse sowohl von Schülern als auch Rentnern, ebenso in Parchim, Berlin-Biesdorf, Zwochau und Heiligenstadt.

Von 1984 bis 1988 wurde eine ökumenische Exerzitien- und Begleiterformung angeboten, initiiert von Pfarrerin Karin Johne und Pfr. Gottfried Wolff. Er begann mit der Zielsetzung, Leute zur Begleitung von „at home retreats“ (ein englisch-anglikanisches Modell von Exerzitien im Alltag) vorzubereiten. Schirmherr war Oberkirchenrat Schleinitz von der evang. sächsischen Landeskirche, die das Unternehmen dem Staat gegenüber legitimierte. Im Leitungsteam war zunächst Karin Johne und Pfr. Wolff (evangelischerseits), wobei Pfr. Wolff durch Frau Schurig ersetzt wurde; P. Jensch und Elvi Hannak (GCL, katholischerseits). P. Alex Lefrank war Referent bei der ersten Einheit in Erfurt (31.10.-1.11.1984) und bei der letzten Einheit in Zwochau (1988). Der Kurs begann im Augustiner-Kloster in Erfurt, mit katholischer Messe oder ökumenischem Gottesdienst, sozusagen zu Füßen Luthers, wobei es um der Sache willen keine ökumenische Vermischungen beim Abendmahl gab. Der Kurs endete mit einem Zertifikat im Tagungshaus Zwochau bei Leipzig.

Bis 1992 hat P. Jensch etwa 250 Personen mit Einzelexerzitien begleitet, manche davon öfters.

Seit 1987 leitete er 3-tägige intensive und kreative Jugendmeditationen in Naundorf (Sächsische Schweiz), zur Weihnachtszeit an, zusammen mit Pfarrerin Johne, immer mit ökumenischer Begleitung, für Schüler im Alter von 13-14 bzw. 15-16 Jahre (es waren bis zu 50 Teilnehmer), später auch für Jugend ab 17 Jahre in Dresden-Hoheneichen. 1989 fuhr Bernward nach Israel – eingeladen von Sr. Edith Krug, vom Casteller Ring auf dem Schwanberg bei Münsterschwarzach. In dieser ökumenischen Gruppe durfte er zur Vorsicht nichts von seiner DDR-Bürgerschaft sagen. In Israel „saugte er das Heilige Land Gottes in sich auf“.

Fünf Jahre nach der Wende wurde P. Jensch 1995 nach Trier versetzt und leitete dort das Referat Spirituelle Dienste/Exerzitien im Bischöflichen Generalvikariat und war von 2000 bis 2005 Seelsorger im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier und von 2005 bis 2008 Krankenseelsorger im Marienkrankenhaus Trier. Von 2008 bis 2010 wirkte er als Minister im Ignatiushaus in Trier.

2011 kam P. Jensch mit der Alzheimer Krankheit ins Jesuiten-Altenheim nach Berlin-Kladow. Die Krankheit machte ihn einsam und scheu, aber immer wieder hörten wir aus seinem Mund ein „Danke“ – auch für kleine Dienste. Humor konnte er gut vertragen und schmunzelte dann auch.
Die Teilnahme an der heiligen Messe war wichtig für ihn, solange es ihm möglich war. Die letzten Wochen wurde er bettlägerig, und die Kräfte nahmen immer mehr ab. So gab er sein Leben am 7. Mai 2013 in die Hand seines Schöpfers zurück und wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beerdigt.

R.i.p.

P. Gundikar Hock SJ

Jesuiten-Nachrufe 2013, S. 8f