P. Alfred Kania SJ
* 25. Januar 1925    14. September 2009
Eintritt 1953 - Priesterweihe 1960 - Letzte Gelübde 1964

Gestatten Sie mir zunächst einen Vergleich, ein Bild, was unserem verstorbenen Mitbruder P. Kania vielleicht entspricht. Ich sehe vor mir eine alte, knorrige Eiche, dem Wind und Wetter ausgesetzt und allem Unbill getrotzt. Dieser Baum steht allein, von anderen ungeschützt, aber sein Wuchs war deshalb nicht behindert. Er konnte sich entfalten, soweit die Klimaverhältnisse es erlaubten.

Von so einem Durchsetzungswillen war P. Kania geprägt und gerade darin erfüllte er seine Sendung im großen Gottvertrauen. Daher suchte und fand er Wege, die ihn selbst und andere zur Selbstständigkeit führen sollten. Das blieb wohl das Hauptanliegen seiner Pädagogik, die er 25 Jahre lang als Lehrer im Canisius-Kolleg bewies. Seine Schüler sollten in eigener Verantwortung die Aufgaben selber lösen. Immer mehr vertraute er ihnen an damit sie ihren Weg finden konnten. Vielleicht hat er auch manchen darin überfordert.

Sich treu bleibend, verfolgte er diese Haltung bis zu seinem Lebensende. Obwohl er eigentlich nicht Lehrer werden wollte, so versicherte er mir einmal, war seine längste und fordernde Tätigkeit, als Lehrer für Mathematik, Physik und Religion tätig zu sein.

Aufgewachsen in einer großen Familie mit 10 Geschwistern, in der er am 25. Mai 1925 im schlesischen Ostrau geboren wurde, erhielt er als ältester Sohn schon große Verantwortung. Durch eine intensive religiöse Erziehung seitens der Eltern wurde er sehr bald zur Mitarbeit in der Pfarrei herangezogen. Der Vater war Jurist und in Prag und Wien tätig und hat die Familie in steter Sorge geführt. Nicht nur er, auch seine drei Schwestern traten später in einen Orden ein.

P. Kania besuchte zunächst die Volksschule im nunmehr mährischen Ostrau (1934-1935). In diesem Ort war sein Vater als Bürgermeister tätig. Es folgte ein Schulwechsel in das Realgymnasium in Freudenthal. Ein ehemaliger Mitschüler beschreibt P. Kania als einen fröhlichen Jugendlichen, der zu mancherlei Streichen aufgelegt war. Im Alter von 17 Jahren erging an ihn die Einberufung zum Militär und er wurde in Traunstein eingezogen. Bei einem Einsatz dort wurde er am Bein angeschossen und dieses musste später amputiert werden. Aber diese Behinderung nahm er sehr bewusst auf sich und ertrug sie sehr tapfer sein Leben lang.

Die weitere Ausbildung absolvierte er von 1946 bis 1947 in Traunstein. Während dieser Zeit wurde er Jugendleiter einer Gruppe, in der sich die beiden Ratzinger-Brüder befanden. Sein erster Kontakt mit der Gesellschaft Jesu war ebenfalls in Traunstein, wo er an einem Exerzitienkurs teilnahm. Dieses erste Kennenlernen ließ in ihm die Berufung zum Priester der Gesellschaft Jesu wachsen.

Nach dem Verlassen des heimatlichen Sudetenlandes, begann für P. Kania die Suche nach dem entsprechenden Beruf. Vorerst begann er ein Studium für Mathematik und Physik in München, wohl in der Absicht, Lehrer zu werden. Im Jahre 1953 hat er dieses Studium erfolgreich abgeschlossen und im gleichen Jahr, am 27. Oktober, trat er in das Noviziat ein. Auf dem Jakobsberg bei Bingen verbrachte er unter dem Novizenmeister P. Pies die zwei Jahre der ersten Ausbildung.

Dem üblichen Ausbildungsweg folgte er zunächst nach Pullach und dann nach Frankfurt Sankt Georgen. Seine Priesterweihe erhielt er bei dem eucharistischen Kongress 1960 in München. Sehr bald erfolgte die Destination an das Canisius-Kolleg in Berlin. Hier war er in den Jahren 1962 bis 1988 ununterbrochen tätig. Viele seiner Schüler erinnerten sich an seinen Unterricht, den er in seiner ihm eignen Weise hielt. Selbst später, als er dann im Altenheim in Kladow war, verloren viele von ihnen nicht den Kontakt zu ihm.

Nach seiner langjährigen Tätigkeit ließen seine Kräfte zusehends nach und er konnte diese Arbeit nicht mehr fortführen. Ein lang gehegter Wunsch von ihm ging dann in Erfüllung. Er konnte nach Koblenz gehen, d.h. in die Stadt, die er während seines Tertiates kennen und lieben gelernt hatte. Er wurde dort zum gesuchten Beichtvater und blieb bis zur Auflösung dieser Niederlassung im Jahr 2003 dort.

Seinen letzten Aufenthalt fand er nun im Peter-Faber-Haus in Berlin-Kladow. Hier zeigte sich sehr bald, dass er an einer fortschreitenden Leukämie litt. Es fiel ihm sicher nicht leicht, dieses Leiden und seine unfreiwillige Hilfsbedürftigkeit anzunehmen. Sein Wunsch war es, noch immer seelsorglich eingesetzt zu werden. Die Führung des Herrn hat es anders entschieden, und am 14. Juni hat der Herr ihn in seine Herrlichkeit gerufen.

P. Kania wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt.

R.i.p.

P. Christian Geisler SJ

Jesuiten-Nachrufe 2009, S. 10f