P. Peter Kegebein SJ
* 17. Dezember 1924 31. Juli 2018
Priesterweihe 1953 - Ordenseintritt 1962 - Letzte Gelübde 1974

Als neuer Oberer in Kladow lebte ich mit Peter Kegebein erst wenige Wochen zusammen, so dass ich ihn auch erst in diesen Begegnungen, im Hier und Jetzt dieser vergangenen Wochen und Tage kennenlernte. In den Gesprächen mit ihm erfuhr ich dann ein Stück seiner Lebensbiografie, ich konnte seine persönlichen Aufzeichnungen lesen und erfuhr durch manche Reden zu seinen Ordens- und Priesterjubiläen Beeindruckendes und Berührendes. Doch zunächst war er für mich der, der immer mal wieder mich anrief und sagte, wenn seine Stimme noch mitmachte: Joachim, kommst du? Ich brauche Trost. Es war überraschend, wie klar er seine Bedürfnisse und Wünsche äußern konnte - auch wenn man ihm nicht alle erfüllte. Und ich führte fort, was P. Gundikar Hock viele Wochen mit ihm getan hatte: er war einfach bei ihm, er betete mit ihm. Das war für ihn wichtig. Worte seines Betens stiegen fast wie von selbst in ihm auf, Worte des Trostes und des Dankes, Worte, in denen er Gott seinen Herrn ansprach. Er hatte viele solcher Gebete, er war in vielen solcher Formen und Worte zu Hause. Mich berührte es. So lag es nicht fern, als Sr. Simone spürte, wie so oft bei unseren sterbenden Mitbrüdern, dass der Abschied anstand, dass ich ihn fragte, ob ich ihm die Krankensalbung geben dürfte. Er nickte und sagte Ja. Und Pater Hock kam, salbte ihm Stirn und Hände. Kurz darauf schloss Peter Kegebein tatsächlich die Augen. Er ließ sich von seinem Gott, dem er tief vertraute, zu sich rufen, mitten am Fest des Heiligen Ignatius. Meine Interpretation war spontan: er wollte noch die andere Hälfte des Hochfestes mit Ignatius selbst feiern. Er durfte es. Er durfte gehen. Und mit ihm ging ein vielfältiges, beschenktes, ein reiches Leben. Ein kurzer Blick in seine Biografie zeigt es.

Kurz vor Weihnachten, am 17.12. 1924 wurde er in Güstrow geboren. Er wuchs dort in der Familie mit seinen beiden Schwestern auf. Der Vater war Architekt. Ich war überrascht, jetzt zu erfahren, dass er unter anderem das jetzige Barlach-Museum in Güstrow mit Ernst Barlach selbst entworfen hatte. Seine Mutter war Musik- und Gesangslehrerin. Von beiden erhielt Peter Kegebein seine persönliche Prägung. Auch wenn er sehr frei und liberal erzogen wurde, nicht christlich im kirchlichen Sinn, wie er einmal schrieb, so war von Anfang sein Leben ökumenisch geprägt. Seine Eltern waren evangelisch und er besuchte gern den evangelischen Kindergottesdienst, hörte interessiert die vielen biblischen Geschichten. Er kam aber auch von Kind an über eine Tante dem Katholischen auf die Spur.

Seine Kindheit und Jugend standen dann ganz unter dem geschichtlichen Einfluss und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Peter suchte nach der "Wahrheit", immer wieder, nach dem "Urgrund des Lebens". Manche schreckliche Erfahrung erschütterte das junge, zunächst auch begeisterte "Hitlerjugendmitglied". Doch was er erlebte, machte ihn fassungslos. Er wurde im Sommer 1943 mit 19 Jahren noch an die Front geschickt und verlor manchen seiner Klassenkameraden. Er kam in Kriegsgefangenschaft. Dort ergaben sich viele Gespräche. Er begegnete seinem späteren Schwager und kam immer mehr mit der katholischen Kirche in Kontakt.
Im März 1946 konvertierte er, begann Philosophie und Theologie zu studieren, hörte Romano Guardini und Fritz Leist in München, P. Otto Semmelroth in Frankfurt St. Georgen. Im Priesterseminar für Osnabrück lernte er P. Gerrit König kennen. Es wurde eine tiefe Freundschaft fürs Leben, die durch seinen Eintritt ins Noviziat der Jesuiten, 1962 in Erfurt, noch mehr Verbundenheit schaffte.

Er war an vielen Orten tätig: zunächst noch als Kaplan in Mecklenburg, dann als Jesuit in Dresden, in Rostock, in Güstrow in der Heimat. Er war sehr kreativ, gründete viele, bis heute noch bestehende Familienkreise, gab Besinnungstage, Glaubenskurse und entdeckte die Tradition des Wallfahrens.

Überraschend schreibt er in rückblickend in seinen Aufzeichnungen: "Vielleicht habe ich damals zu sehr auf meine eigenen Kräfte gebaut und glaubte, alles nur so aus dem Ärmel schütteln zu können. Irgendetwas musste in mir 'noch zugrunde gehen', ich musste demütiger werden."

Kurz darauf, nach dem Tertiat 1971/72, holte ihn eine Krankheit ein. Er verlor seine Kraft und seine Zuversicht und musste sich helfen lassen. Noch zwei weitere Male geschah dies mit ihm. Es war für ihn auch eine tiefe, spirituelle Erfahrung, die er durchmachen und erleiden musste. Er fand Hilfe gerade auch bei Mitbrüdern, die ihn ermutigten und denen er bis zu seinem Ende sehr dankbar war.

Er konnte wieder neu anfangen, hatte wieder die Kraft, in Biesdorf zu arbeiten, Exerzitienkurse zu geben, und verfolgte mit seiner alten Kreativität und Energie die Idee, einen "Raum der Stille" im Brandenburger Tor einzurichten. Nachdem Frau Dr. Hanna-Renate Laurien für dieses Projekt gewonnen war, konnte sie auch den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen in Berlin davon überzeugen. So konnte dann Frau Dr. Maria Diefenbach gegen einige Widerstände die Verwirklichung dieses Planes angehen. Zusammen mit Freundinnen und Freunden, mit dem evangelischen Pfarrer Johannes Hildebrandt und der hartnäckig erkämpften Unterstützung der Berliner Verwaltung konnte die Idee von P. Peter Kegebein in dieser Zeit der Wende im Jahre 1994 tatsächlich umgesetzt werden: einen öffentlichen und überkonfessionellen "Raum der Stille" am nördlichen Torhaus des Brandenburger Tores einzurichten, der täglich, auch heute noch, von vielen Menschen aller Kulturen und Religionen aufgesucht wird.

P. Peter Kegebein war inzwischen bereits nochmals als Krankenhausseelsorger in Dresden tätig, wirkte 1998 bis 2002 im Pastoralteam in Aachen mit, bis dann sein Weg nach Kladow führte, wo er nun die letzten Jahre verbrachte. Er lebte, soweit er noch konnte, in der Kommunität mit, war mit vielen Menschen verbunden, denen er sein treues Gebet versprochen hatte. Er drehte regelmäßig um 15.30 Uhr im schönen Park unseres Hauses viele Runden im Rollstuhl zusammen mit Bruder Wehner und nahm sogar noch an der diesjährigen Dampferfahrt auf der "Heiterkeit" im Juni teil. Am Ignatiusfest hat er sich von uns verabschiedet. Ob er zu Gott auch sagte: Ich brauche deinen Trost. Hole mich doch, es ist zu heiß hier in diesen heftigen Sommertagen. Ich wünschte mir die himmlische Kühle!

Wir müssen ihn gehen lassen und wir dürfen ihn loslassen, ihn aus unseren Händen geben, aus den vielen pflegenden Händen in Kladow und denen seiner Freunde und Freundinnen, und ihn voll Vertrauen in die Hände Gottes legen.

Denn wir wissen und wir sagen es uns und ihm in dieser Stunde: "Nicht der Tod erwartet dich, nicht das Nichts, lieber Peter, sondern der, der den Tod und das Nichts besiegt hat, für dich, und auch für uns: Gott. Er, der dich einst ins Dasein gerufen hat, der sagte, ich will, dass du da bist, dass es dich gibt. Er ist es, der dich erwartet. Und dieser Gott lässt nichts von dem, was er einmal liebevoll geschaffen und mit Namen ins Dasein gerufen hat, einfach verloren gehen. Denn er ist der Gott des Lebens. Er möchte Wohnung und Bleibe geben, für immer, nun auch dir." Das ist unsere Hoffnung für ihn, für Peter Kegebein, und auch für uns. Es ist unser festes Vertrauen, unser Glaube.

In großem Kreis, mit seiner Familie und vielen Bekannten und Freunden, verabschiedeten wir ihn in der Kapelle auf dem Hedwigfriedhof in Berlin. Dort fand er bei den Jesuitengräbern seine letzte Ruhestätte.

Möge er nun ruhen in Frieden.

Joachim Gimbler SJ

Jesuiten-Nachrufe 2018, S. 28ff
ASR-GER-HEL-LIT