Bruder Franz Keller SJ
* 19. August 1925   † 9. Januar 2014
Eintritt 1950 - Letzte Gelübde 1960

Franz Keller wurde am 19.8.1925 in Wettingen (Bürgerort Endingen) geboren. Er war in der Schweizer Geschichte verwurzelt. Mit seiner Familie zog er 1926 nach Rapperswil am Züricher See, wo er seine ganze Kindheit und Jugend verbrachte. Während außerhalb der Schweiz ein grausamer Krieg tobte – die Nahrungsmittel wurden früher rationalisiert als in den Nachbarländern – absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner in Zürich. Es folgte 1944 der Militärdienst bei der Gebirgsbautruppe. Beim Schleppen der Stämme für den Bau von Brücken hat er sich einige Male verhoben. Schmerzhaft erinnerte er sich daran sein Leben lang. Nach dem Krieg absolvierte er in Winterthur das Technikum, Abteilung Hochbau. Im Mai 1950 trat er als Bruder in den Jesuitenorden ein. Sein Noviziat und darin die Großen Exerzitien wurden unterbrochen, um als Pionier schwere Lawinenschäden aufzuräumen.

Den Jesuiten war in der Schweiz bis 1973 jede Tätigkeit in Schule und Kirche verfassungsgemäß verboten. Aber sie führten ein Gymnasium mit Internat kurz hinter der Grenze in Österreich in der Stadt Feldkirch. Statt wie erwartet nach Indien – das Land war in dem Jahr nach dem Noviziat für Missionare aus politischen Gründen plötzlich geschlossen – ging Franz 1952 nach Feldkirch an das Kolleg der Jesuiten und war für den Gebäudeausbau und –erhalt zuständig. 1978 wurde die Schule wegen mangelnden Nachwuchses geschlossen. Franz betreute noch einen Neubau, der von älteren Mitbrüdern als Altersheim und für die Ausbildung von Religionslehrern genutzt wurde.

1980 zog Franz nach Berlin-Kreuzberg um. Wie seine Mitbrüder Michael Walzer und Christian Herwartz suchte er – nun schon 55 Jahre alt – eine einfache Beschäftigung in der Elektroindustrie. Ohne unbeschränkte Arbeitserlaubnis war die Arbeitssuche schwierig. Erst wenn kein Deutscher, Spanier oder Türke Interesse an einer Arbeitsstelle zeigte, durfte er sich als Schweizer als Neunter auf der Liste mit Aussicht bewerben.

Franz fand – ein wenig getrickst – Arbeit bei Elektrolux und zog fünf Jahre im Tempelhofer Werk die Innenhaut für Kühlschränke. Das Werk wurde dann geschlossen, und Franz bot seine Arbeitskraft auf dem Bau an: In der Regenbogenfabrik, einem besetzten Haus in Kreuzberg, bei Sanierungen von Altbauten, im Altersheim der Jesuiten in Berlin-Kladow. Zwischendurch half er bei der Pflege des totkranken Michael Walzer, der am 29.1.1986 starb.

Seine große Liebe zur Natur zog Franz in der Schweiz in die Berge, in Berlin entdeckte er mit dem Fahrrad das Umland. Der Mauerfall – pünktlich zum Rentenbeginn – eröffnete ihm eine neue Weite, die er bis an die polnische Grenze, die Mecklenburgische Seenplatte oder nach Magdeburg für weite Tagestouren nutzte. Im Mittelpunkt stand aber das Zusammenleben in der ständig wachsenden Gemeinschaft. Er hat sie durch viele Krisen hindurch mit seiner Treue ermöglicht. Dazu gehörte neben vielen vertraulichen Gesprächen auch sein treues Mitbeten bei den Mahnwachen der Ordensleute gegen Ausgrenzung vor der Abschiebehaft in Berlin-Köpenick und beim Interreligiösen Gebet auf dem Gendarmenmarkt.

Zu seinem 85. Geburtstag erschien das Buch „Geschwister erleben“. Unter der Überschrift „Gott ist die Liebe“ schreibt Franz: „Mein geistliches Leben hat sich weiter entwickelt. Dabei war mir sehr wichtig die regelmäßige geistliche Lesung. Da habe ich so manches Buch auch zweimal gelesen. Ebenso die praktische Arbeit hat mein Leben immer mehr vereinfacht und dann hat das Alter auch noch dabei geholfen. Heute kann ich mein geistliches Leben in dem Satz zusammenfassen: Gott ist die Liebe. Ihm möchte ich mich anvertrauen.“
Unter den Stichworten „Gott schreibt auf krummen Linien gerade“, „Wo Willkommen im Raum steht“, „Jeder Gemeinschaft wünsch ich einen Franz“, „Gerecht, fromm, weit“, „Schweigsamkeit adelt ihn“, „Im Frieden leben“, „Franz, der Missionar“ werden Begegnungen mit Franz festgehalten.

Bruder Keller liegt begraben auf dem Friedhof St. Hedwig in Berlin.

R.i.p.

P. Christian Herwartz SJ

Jesuiten-Nachrufe 2014, S. 18f