Bruder Thomas Korrek SJ
* 25. Juni 1921    3. September 2005
Eintritt 1954 - Letzte Gelübde 1965

Thomas Paul Korrek kam am 25. Juni 1921 als einziger Sohn unter acht Töchtern des Bäckers Thomas Korrek und seiner Frau Anna, geb. Saternus, in Bogutschütz, Kreis Kattowitz zur Welt und wurde am 3. Juli 1921 getauft. Das Sakrament der Firmung empfing er im Juni 1932. Aktiv betätigte er sich in den Jugendjahren in der kirchlichen Schülerarbeit. Nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule erlernte er das väterliche Bäckerhandwerk. Im Mai 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, erlebte das Kriegsende in Norwegen und geriet nach der Entwaffnung bis März 1946 in Gefangenschaft. Er ließ sich in die amerikanische Zone entlassen, wohnte in Traunstein/Obb. und arbeitete dort von Mai bis Oktober 1946 als Bäcker. Da der größere Teil der Familie sich nach der Vertreibung im Großraum Halle/Saale wiedergefunden hatte, wechselte er im Spätherbst 1946 in die damalige Sowjetische Besatzungszone und arbeitete in seinem erlernten Beruf.

Am 29. September 1949 legte er vor der Landeshandwerkskammer Sachsen-Anhalt in Halle die Meisterprüfung ab und erwarb damit "das Recht zur Führung des Meistertitels und zur Anleitung von Lehrlingen". Er arbeitete weiterhin als Bäcker. Zunehmend beschäftigte ihn indes die Frage der Berufung in die Gesellschaft Jesu. In Erfurt gab es damals noch kein Noviziat. So setzte er sich am 15. Februar 1955 endgültig in die Bundesrepublik ab und erhielt am 12. Mai 1955 vom Leiter des Notaufnahmeverfahrens in Uelzen die Erlaubnis zum ständigen Aufenthalt im Bundesgebiet. Diese wurde begründet mit: "Der 34 Jahre alte, ledige Antragsteller ... sei in den Jesuitenorden eingetreten und erhalte seine Ausbildung im Noviziatshaus in Ockenheim, Kreis Bingen".

Tatsächlich trat Thomas Korrek schon am 13. September 1954 in die Ostdeutsche Provinz ein. Novizenmeister war P. G. Soballa, Rektor des Hauses der Ehrfurcht gebietende P. B. Bley. Die Ersten Gelübde legte er am 30. Oktober 1956 auf dem Jakobsberg ab, die Letzten am 15. September 1965 in der Canisiuskirche in Charlottenburg.

Nach vier Jahren Jakobsberg wurde Br. Korrek nach Berlin versetzt und gehörte zur neu erbauten Residentia maior Ignatiushaus, das zum einen Provinzialat, zum anderen Seelsorgeschwerpunkt war. Das Haus strahlte weit in der Dreisektorenstadt aus - und bis zum Mauerbau in den Osten - und wirkte durch Neuansätze wegweisend (OTB unter P. G. von Stillfried - damals die erste Offene Tür in Deutschland, ND-Arbeit samt Ost-West-Jugendbegegnungshaus in Kladow unter P. A. Tanner, Pfarrarbeit und Predigttätigkeit in St. Canisius, Konvertitenbegleitung). Mit einer Unterbrechung vom Dezember 1964 bis Mai 1966, wo er im Peter-Faber-Kolleg in Berlin-Kladow in der Küche wirkte, gehörte er bis 1978 zum Ignatiushaus in Charlottenburg. Zweimal - von Februar 1963 bis Mai 1963 und von Mai 1970 bis Dezember 1977 - war er Provinzbruder und Helfer beim Provinzökonomen.

Nach der Gründung der Norddeutschen Provinz mit dem Provinzialat in Köln (1. Januar 1978) half er zunächst noch bei den Umzugs- und Nacharbeiten in Berlin und kam am 29. September 1978 nach Köln, um Br. P. Franken, der Minister des Canisiushauses wurde, als Provinzbruder abzulösen. Br. Korrek war gern in Köln. Neben seiner Tätigkeit im Provinzialat, zu der viele Autofahrten gehörten, engagierte er sich auch in der charismatischen Bewegung. Im November 1981 wurde er nach Sankt Georgen, Frankfurt versetzt, wo er Arbeiten im Kolleg und für den Freundeskreis (Pflege der Adresskartei u.a.) übernehmen sollte. Der Umzug fiel ihm nicht leicht; die Jahre in Sankt Georgen machten ihm sehr zu schaffen. Krankheiten belasteten ihn zunehmend. Im August 1987 musste er sich in Genf einer Herzoperation mit vier Bypässen unterziehen.

Am 28. Oktober 1989 wurde er nach Berlin-Kladow ins Peter-Faber-Kolleg, Altenheim der Nordprovinz und Tertiatshaus der deutschsprachigen Provinzen, versetzt, wo er verschiedene häusliche Arbeiten übernahm: u.a. die Betreuung der Hausprokur, den Sakristansdienst für die Hauskapelle, bis 1996 den Pfortendienst. Die Krankheiten häuften sich und machten viele Arztbesuche nötig: Atemnot, Schwerhörigkeit, Osteoporose, Herzinsuffizienz, die im August 1997 zu einer zweiten Bypassoperation, diesmal in der Berliner Charité, führte. Seit April 1995 war er mit 50%, seit 1997 mit 60% Schwerbehinderung anerkannt. Die Kräfte nahmen sichtlich ab. Anfang Juli 2005 äußerte er am Telefon, dass er den Weg zum Bus nur noch schaffe, wenn er vier- bis fünfmal Pause mache; lange gehe es mit ihm wohl nicht mehr.

Thomas Korrek war einer der Stillen im Lande, die ihre Aufgaben treu, zuverlässig, ohne aufwändigen Lärm und mit Selbstverständlichkeit erledigen, was man meist erst dann zur Kenntnis nimmt, wenn sie nicht mehr da sind. Er war stets zuvorkommend und freundlich. Auf seine Pünktlichkeit und Zielstrebigkeit war Verlass. Die Versetzungen in verschiedene Häuser und häufige Wechsel bei der Tätigkeit in den Häusern fielen ihm nicht leicht, aber er nahm sie als den Dienst an, den der Herr ihm zumutete und der für die Mitbrüder hilfreich sein sollte: so hatte er es in den Gelübden versprochen. Dabei waren Züge von Übergenauigkeit bei ihm unübersehbar; er ließ sich nur schwer aus seiner Spur drängen. In Fragen der Gesundheit war er sehr besorgt, ja nahezu ängstlich, konsultierte schnell verschiedene Ärzte und ließ sich die Krankheitsbilder und -verläufe genau dokumentieren.

Im September 2004 schrieb er in einem Dankesbrief anlässlich seines Goldenen Ordensjubiläums:
"Es waren gemischte Jahre, immer aber war die Führung der Hand Gottes zu erkennen. Der verschiedene Dienst bei den einzelnen Gemeinschaften brachte immer wieder neue Abwechslung ..." Manche dieser Abwechslungen waren tatsächlich für ihn Lasten, an denen er schwer trug, die er aber als Gaben und Aufgaben vom Herrn annahm.

Am 3. September 2005 vollendete Thomas Korrek im Peter-Faber-Kolleg seinen Weg und wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt. Te Christus in pacem!

R.i.p.

P. Karl Heinz Fischer SJ

Jesuiten-Nachrufe 2005, S. 20f