P. Georg Krämer SJ
31. März 1990 in Berlin

Prägend für das Leben von Georg Krämer war seine Kindheit in China, wo Georg Krämer am 9. Dezember 1912 in Hungschan geboren wurde, und wo sein Vater als Ingenieur wirkte. Seine talentierte Mutter vermittelte ihm, wie wichtig die Begegnung mit einer fremden Kultur war und schickte ihn zugleich auf christliche Schulen. Daher rührte sein Interesse an den Kulturen, an fremden Ländern, auch an der Technik. Der überaus sensible Georg hatte seit seiner Pubertätszeit immer wieder melancholische Phasen, denen er mit strenger Selbstdisziplin zu begegnen glaubte. Entscheidenden Einfluß auf seine Jugend und die spätere Wahl, Jesuit zu werden, erfuhr Georg im Bund Neudeutschland, dem er bis zum Tode in großer Treue verbunden war.

Am 12. September 1933 trat Georg Krämer in Mittelsteine in die Gesellschaft Jesu ein. In den Studien des Jesuitenordens kam ihm die Erziehung zu kritischer Rationalität entgegen, der er sich besonders verpflichtet wußte. Er liebte das intellektuelle Streitgespräch, wollte den Dingen immer auf den Grund gehen und konnte nicht ausstehen, wenn andere ihr Urteil nicht genug zu begründen wußten. Diese Grundausrichtung zeigt sich auch in seinem Leben als Priester: Er fühlte sich zur Liturgie hingezogen, liebte die Eucharistie, ordnete seine Gefühle beinahe gewaltsam den Rubriken unter, seine Treue zu Gott und den Menschen hatte manches Formale an sich: Das war seine Art, die Spannung von Nähe und Distanz zu leben.

Die Studien wurden durch die Soldatenzeit unterbrochen. Am 30. Juli 1944 wurde Georg Krämer in Wien zum Priester geweiht. Später studierte er noch zusätzlich Mathematik und Physik, was seiner Neigung entgegenkam, mit Akademikern wissenschaftlich die Glaubenspositionen zu erschließen. Der Orden fand einen Weg, ihm Zeit zum Studium zu geben und seine Begabung nützlich werden zu lassen: Als Mann des Buches ging er in die Ordensbibliotheken Sankt Georgen/Frankfurt und später im Ignatiushaus Berlin. Georg Krämer zeichnete sich aus durch seine besondere Vorliebe für Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit. Deshalb geriet er mit den Nazis aneinander. Er führte intensive Streitgespräche mit beinahe allen Redaktionen katholischer Zeitschriften und meldete sich zu Wort, sobald er glaubte, daß Menschen in der Kirche von amtlicher Seite bevormundet oder ungerecht behandelt wurden. Diese Aufrichtigkeit brachte ihm auch manche Not: Man ging nicht immer genug auf ihn ein; er fühlte sich alleingelassen in seinen Anliegen.

Georg hatte eine große Zuneigung zu Jesus und verkündete ihn gern. Er litt an Unglaubwürdigkeiten in der Kirche, hielt sich aber voller Trost an den Wunsch von Ignatius: Daß die Jesuiten treue Knechte seien, die Gott wachend findet, wenn er kommt. Georg Krämer tat seinen letzten Atemzug in dem Augenblick, als er sein Brevier betete. Nach seinem Sterben sahen wir ihn gelöst, befreit von den vielen körperlichen Leiden; er schien sich über den neuen Weg zu freuen, den er jetzt gefunden hatte.

R.i.p.

P. Werner Herbeck SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1990-Juli, S. 97f