P. Karl Krause SJ
26. März 1982 in Berlin

Pater Karl Krause wurde am 4. November 1908 in Königshütte/Oberschlesien geboren; er war der Zweitälteste von insgesamt 6 Kindern der Eltern Franz und Theresia. Ein Bruder starb früh, ein anderer fiel im Krieg, und der dritte Bruder starb nach seiner Aussiedlung aus Polen als Pfarrer in Westdeutschland. So leben noch die beiden Schwestern: die Ärztin Johanna und die Apothekerin Martel.

Kindheit und Jugend verbrachte Karl in BeuthenBobrek, wohin sein Vater aus beruflichen Gründen gezogen war. Dieser hatte eine Papier- und Buchhandlung mit Buchbinderei und -druckerei und lieferte seine Erzeugnisse an Schulen, Hütten und Gruben. So kam Karl in frühen Jahren mit der oberschlesischen Arbeitswelt in Berührung und machte selbst einmal eine Grubeneinfahrt mit. Diese Eindrücke hat er später als Priester immer wieder verwandt zum Vergleich der Härte und der Verwandlung des Lebens. Karl besuchte in Beuthen das Hindenburg-Gymnasium, wo von den drei Religionslehrern einer einen nachhaltigen Eindruck auf ihn machte. Doch der Anstoß, Priester zu werden, kam von seinem heimatlichen Kaplan und Beichtvater, der ein Freund und gern gesehener Gast im elterlichen Haus war. Dieser fragte ihn eines Tages unvermittelt: "Haben Sie nicht mal daran gedacht, Priester zu werden? Ich kenne Sie und Ihre Familie, ich bin öfters im Familienkreis Ihrer Eltern und Geschwister zu einem Glas Wein eingeladen; aus einer solchen Atmosphäre mußten Priester entstehen; natürlich ruft letztlich Gott, aber er bereitet in der Familie alles vor. Sie hätten das Zeug dafür". Daß die Ortsgeistlichkeit gern im elterlichen Haus verkehrte, spricht für die gesellige und religiöse Atmosphäre der Familie; daß derartige Hausbesuche der Geistlichen in den Familien ihre Bedeutung haben und für die Seelsorge förderlich sein können, das erkannte später auch der Priester Karl Krause und machte gern und guten Gebrauch von diesem pastoralen Instrument.

Wenn auch der Gymnasiast Karl diese Worte seines Beichtvaters anfänglich nicht ganz ernst nahm, da er beabsichtigte, Physik zu studieren, so ließen sie ihn dennoch nicht los und stimmten ihn nachdenklich. Zur Klärung dieser Frage nahm er Zuflucht zum Gebet. Als Fahrschüler kam er stets spät nach Hause, aß allein zu Mittag und pflegte regelmäßig seine Spaziergänge ins Grüne, in die "Fasanerie" zu machen. Dabei kam er an der Pfarrkirche vorbei und kniete sich täglich zum Gebet vor den Muttergottes-Altar. Die Putzfrau der Kirche bemerkte en regelmäßigen Beter und fragte ihn: "Haben Sie Sorgen und Wünsche, daß Sie beten kommen? Aber ich bete dann auch für Sie!" Selbstverständlich war diese gute Frau dann auch zur Primiz eingeladen und durfte mit Hochwürden den Ehrentanz machen.

Auf eine Anzeige im Breslauer Kirchenblatt hin machte der Primaner Karl dann Exerzitien in Mittelsteine bei P. Alfons Wolf, der ihn sehr beeindruckte und bei dem er später die polnische Sprache lernte. Anläßlich dieser Exerzitien gab es mit P. Kempf ein erstes Mißverständnis, deren es in dem späteren Ordensleben noch mehrere geben sollte, und die den P. Krause dann jeweils auf seine Art .rollen ließen. Karl hatte nach den Exerzitien noch mit P. Kempf über seine Zukunft gesprochen. Er beglich seine Rechnung sehr generös mit einem grobSchein und offenbar hatte P. Kempf die weitaus größere Restsumme als Almosen verstanden. So erhielt Karl kein Geld zurück und mußte sich für die Heimfahrt das nötige Geld borgen.

Die Entscheidung hatte sich angebahnt; Karl wollte Jesuit werden. Unterstützt in seinem Vorhaben durch den Vater, weniger von seiten der Mutter, die Bedenken und Einwände gegen das Ordenspriestertum hatte, da sie wohl mehr an ihre eigenen alten Tage in einem Pfarrhaus dachte - was ihr dann auch durch den anderen Priestersohn ermöglicht werden sollte -, trat Karl nach seinem Abitur Ende Februar 1928, am 17. April desselben Jahres, in das Noviziat in Mittelsteine ein. Dem Noviziat folgten dann die Studienjahre der Philosophie und der Theologie in Valkenburg/Holland (1930-1936), wo er am 27. August 1936 zum Priester geweiht wurde. Ein letztes Jahr theologischer Studien schloß sich in Sankt Georgen/Frankfurt an.

Schon in diesen Studienjahren meldete sich Frater Krause für die Mission in Japan an. Sieben Jahre lang studierte er Japanisch, beklebte seine Zimmerwände mit den japanischen Schriftzeichen und besorgte sich sogar einen 30 cm hohen Tisch, um sich in die japanischen Sitz- und Lebensgewohnheiten einzuüben, wovon er später meinte, krumme Beine bekommen zu haben. Da die japanischen Bücher im Englischen erschienen waren, verbrachte er während der Studien einige Zeit in England, um sich die Kenntnisse dieser Sprache anzueignen. Bedenkt man diese Mühen und diesen persönlichen Einsatz in Vorbereitung auf den Einsatz in Japan, dann mag man auch ermessen, wie schmerzlich es P. Krause treffen mußte, nicht mehr nach Japan zu kommen. Da der junge Priester nach den Studien für ein Jahr in der Oppelner Seelsorge aushelfen mußte, verzögerte sich sein Tertiat in Münster um eben dieses Jahr (1938-39), so daß ihm am Ende des Tertiats von seinem Instruktor P. Walter Sierp mitgeteilt werden mußte, daß in Folge des sich abzeichnenden Kriegsausbruches der Landweg mit dem "Transsibirischen Expreß" nicht mehr möglich sei.

Laut Weisung von P. Provinzial Bley war nun Beuthen/Oberschlesien statt Japan sein seelsorglicher Aufgabenbereich als Kaplan geworden. Diese zwei Jahre kamen ihn hart ah. Der Fehlschlag seiner Japan-Mission schmerzte ihn - ein Schlag, von dem er sich sein ganzes Leben lang wohl nie mehr richtig erholt hat. Dazu kam, daß die Tätigkeit als Kaplan ihm nicht so recht gefiel; hatte er doch schon während seines Tertiats in Münster zahlreiche Exerzitienkurse gegeben und darin seine Neigung zur überpfarrlichen Seelsorge erkannt, in der er später 25 Jahre wirken sollte. Er kämpfte sich von Beuthen los, wobei ihm die Einberufung zum Militär zustatten kam. Es war nur eine kurze Militärzeit als Infanterist, Krankenträger, Dolmetscher und "Schmalspur-Leutnant".

Nach der Entlassung im Januar 1942 wegen Wehrunwürdigkeit der Jesuiten kam P. Krause im selben Jahr nach Königsberg: "Das war die schönste Zeit meines Priesterlebens. Diese Arbeiten waren mein Ich", bekennt er von diesen Jahren, in denen er durch Ost- und Westpreußen reiste, Exerzitien und religiöse Wochen gab, Vorträge hielt und in der Pfarrseelsorge aushalf. Nach einer sechswöchigen Flucht von Allenstein nach Hamburg im Jahre 1945 war P. Krause dann in der Flüchtlingsseelsorge in Sachsen für zwei Jahre tätig; von 1947-1950 wirkte er in Öbisfelde und in Eisleben und muß wohl auch in dieser Zeit mit der "Erfurter Rednerturme" Vorträge über Glaubens- und Zeitfragen gehalten haben. 1951 nahm er vom Jakobsberg/Bingen aus (damals Noviziat der Ostdeutschen Provinz) seine volksmissionarische Tätigkeit wieder auf, die er ab 1955 von Gießen aus fortsetzte, bis 1958. Das war wiederum eine Zeit seines großen seelsorglichen Wirkens: Beichtdienst, Predigt, Gottesdienste, Exerzitien, Volksmissionen - auch mit den Kapellenwagen des bekannten "Speckpater" Weerenfried van Straaten.

Nach dem Ende der Volksmissionen war P. Krause in verschiedenen Orten tätig, wie in Bad Homburg, St. Goar, Ahrweiler, Nothgottes/Rüdesheim als Hausgeistlicher oder Krankenseelsorger. Eine ihn priesterlich beglückende Zeit waren die Jahre in München (1960-63), wo er den Beichtdienst am Grab von P. Rupert Mayer versah. Von 1964 an war P. Krause bis zu seinem Tod am 26. März 1982 in Berlin. In der Enge dieser Stadt fühlte er sich offenbar nie so recht zuhause. Anfängliche seelsorgliche Tätigkeiten außerhalb der Stadt in Locarno, Genf, Annecy und Chamonix oder als Touristenseelsorger in Cattolica an der Adria ließen ihn Berlin verschmerzen. So lesen wir auch u.a. in seinen Aufzeichnungen: "Ein Hochgefühl als Priester empfand ich, als ich in Delbrück bei Paderborn nach 500 Beichten dann am Karfreitag oben am Berge vor 18.000 Menschen die Karfreitagspredigt halten durfte".

Im Alter von 66 Jahren notiert P. Krause: "Ich muß langsamer machen. Mein Herz und meine Luftkanäle geben rotes Licht". 16 Jahre war er ohne Arzt ausgekommen, nun mußte er sich diesem stellen. Bald darauf zeichnete sich seine Krankheit ab; seelsorgliches Wirken wurde ihm schwer: "So war ich ein alter Mann geworden mit Hl. Messe, Brevier und Rosenkranz und Zeitungen und Radio, aber viel betend für die Probleme der Welt".

P. Krause war ein Mann des apostolischen Dienstes im ignatianischen Sinn: immer und gern unterwegs, jeder menschlichen Not priesterlich aufgeschlossen; er war ein Mann des volkstümlichen Wortes: klar und kernig, frei und selbständig. "Die Pleite mit Japan" - wie er es nannte -, das Ende der großen Volksmissionen und der Tod seines priesterlichen Bruders hatten ihn verwundet; diese Blessuren sind nie ganz geheilt. Diese und seine körperlichen Leiden der letzten Jahre sind nun ausgestanden: "Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich hoffe, es kann nur schöner werden". Und: "Ich erwarte mein Sterben im Frieden mit Gott, einige Kleinigkeiten sind vielleicht noch zu ebnen, so ist das Leben; Herr, komm, erlöse uns von allem Schwindel; meine Schuld will ich sühnen, aber Du bist sicher bei mir". - "Wer mir dienen will, folge mir nach; und wo ich bin, dort wird auch der sein, der mir dient. Wer mir dient, den wird der Vater ehren" Jo 12,26.

R.i.p.

P. Manfred Richter SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1982 - Juni, S. 62 ff