Bruder Joachim Larisch SJ
20. Juni 1981 in Berlin

Es war eine lange, ihn seit über 10 Jahren fesselnde Krankheit, der er am 20. Juni 81 gegen 2.30 Uhr im Peter-Faber-Kolleg erlag. Ein Herzkreislaufversagen erlöste ihn von Arteriosklerose, Blindheit und dauernder Bettlägerigkeit.

Joachim Larisch wurde am 21. August 1908 in Gleiwitz/OS geboren und dort am 20. 9. 1908 in St. Peter und Paul getauft. Er wuchs mit zwei Brüdern und einer Schwester auf. Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Schlosserlehre beim Vater des späteren P. Heinz Wanke in Oppeln (bei dem auch Br. Weinert gelernt hatte) und arbeitete dann nach der Gesellenprüfung bis zum Ordenseintritt bei der Deutschen Reichsbahn.

Am 15. April 1932 begann er nach dem üblichen Postulat in Mittelsteine unter P. Constantin Kempf, der zum 1.2. März 1933 durch P. Otto Pias abgelöst wurde, das Noviziat und legte am 18. April 1934 die Ersten Gelübde ab. Zunächst blieb Mittelsteine seine Heimat; er versah die Aufgaben des Hausschlossers und Heizers. Im Juli 1938 berief ihn P. Provinzial Karl Wehner in die Neue Kantstr. 2 nach Berlin-Charlottenburg. Damit hatte Br. Larisch das Amt gefunden, das auf ihn wie zugeschnitten schien und in dem er in langen Jahren für die Ostprovinz zum Begriff wurde. Zunächst freilich arbeitete er nur für zwei Jahre als Provinzbruder, also als "Mädchen für alles".

Im April 1940 erhielt er den Einberufungsbefehl zur Wehrmacht, aus der er im Oktober 1941 wieder als "wehrunwürdig" entlassen wurde. Er kehrte in die Neue Kantstraße zurück und versah dort die Stelle des Sekretärs bei P. Rektor Theo Hoffmann. Seit Dezember 1943 amtete er wieder als Provinzbruder. Mit dem Provinzialat erlebte und erlitt er die Kriegswirren und Irrfahrten: Charlottenburg, Oppeln, Berlin-Dahlem. Beim Wiederaufbau stand er seinen Mann und tat das, was nach außen wenig sichtbar war, für die in der Zerstreuung lebenden Mitbrüder aber doch entscheidend wurde: Gänge auf Ämter, Schreibarbeiten, Post- und Informationsdienst, Paketaktionen. Von August 1945 bis zum Januar 1957 gehörte er der Provinzialatskommunität in der Messelstraße an.

Als man ins neuerbaute Ignatiushaus, Neue Kantstr. 1, umzog, änderte sich für Br. Larisch zunächst einmal der Tätigkeitsbereich; er versorgte das Refektor und hielt sich "ad omnia" zur Verfügung. Von November 1960 bis Mai 1963 half er beim Provinzökonomen mit und besorgte die Buchführung des Ignatiushauses. Dann wurde er nochmals für ganze sieben Jahre Provinzbruder. Diese Zeit wurde ihm immer schwerer und auch für seine Umgebung schwierig: die Krankheitssymptome wurden unübersehbar, der frühzeitige Verkalkungsprozeß setzte ein. Als er ab Mai 1970 für Hausarbeiten im Ignatiushaus eingesetzt wurde, ging auch dies nicht mehr so recht. Mit großer Treue kümmerte er sich um das Refektor, doch fehlten bereits die Kraft und der Überblick. So wurde er 1972 ins Peter-Faber-Kolleg versetzt, wo er sich noch etwa ein Jahr durch kleine Hilfeleistungen nützlich zu machen versuchte. Seit Sommer 1973 brauchte er indes Pflege im strengen Sinn; ein langsames Verlöschen begann. Er verfiel zusehends, sprach und reagierte nicht mehr. Nur wer ihn gut kannte, wie Br. Rogoß, der ihn jahrelang pflegte, wußte, daß er noch hörte und auch verstand.

Überblickt man den Lebenslauf von Joachim Larisch, dann fallen drei Merkmale besonders auf.
- Br. Joachim Larisch war ein Mann von Stil und mit Stil. Seine Aufgaben brachten es mit sich, daß er wenig über seine Tätigkeit sprechen konnte. Er tat einfach das, was man von ihm erwartete und wofür er allzu häufig keinen Dank erfuhr. Diskret wußte er Hinweise zu geben, Schwierigkeiten auszugleichen und Pannen zu beheben. Wenn er auf Ämter oder zur Post ging, dann erkannte man ihn kaum wieder: ein distinguierter Herr im Unternehmerlook mit Krawatte, Hut und Aktentasche, der kaum rechts und links blickte. Er verstand sich auf den Umgang mit Behörden und war ein Könner im Packen und Versenden. Informationen bei Mitbrüdern wußte er sich so einzuholen, daß er klar bekam, wie er dran war, der Befragte indes wurde dabei nicht schlauer. So erzählt sein Mitnovize, Br. Harwardt, wie sich Br. Larisch von ihm in die Geheimnisse der Buchführung einführen ließ, ohne seinerseits etwas von Provinzialats-Buchführungsgepflogenheiten preiszugeben. Mit der freundlichen Zuvorkommenheit Br. Larischs paßte ganz gut zusammen, daß er sich keinesfalls wehrte, wenn ihn mal jemand mit "Herr Pater" titulierte. Auch sah er darauf, daß er ab und zu aus der Arbeit herauskam, um anderes zu sehen oder Schwimmen zu gehen. Seine besondere Anhänglichkeit galt hierbei Hertha BSC.

- Joachim Larisch war ein Mann des undankbaren Innendienstes und der treuvollzogenen Kleinarbeit. Er steckt in den Fundamenten, nicht in der Fassade oder in den sichtbaren Aufbauten. Es war eine Arbeit, die man nur dann bemerkte, wenn es nicht lief oder etwas danebenging. Klappte es dagegen, dann traf das Lob die anderen. Die Mitbrüder der Ostprovinz haben ihm vieles zu danken.

- Dieses Leben war ein durch Krankheit und Leid angenommenes "Sume et Suscipe". Bei den Gelübden sind es gewöhnlich unsere eigenen Vorstellungen, die uns Pläne schmieden und darüber träumen lassen, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen. Br. Larischs Leben ist in einer Art und Weise angenommen worden, wie er sie sich nicht erwartet und auch kaum gewünscht hat. Nun liegt er auf dem St. Hedwigsfriedhof in Berlin-Reinickendorf neben den Patres K. Wehner und G. Soballa, die als Provinziäle so sehr sein Leben prägten und sein Arbeiten begleiteten. Viele Mitbrüder gaben ihm das letzte Geleit und standen an seinem Grab.

Als Lesung trafen beim Requiem Verse aus den Klageliedern, die gleichsam einen Kommentar zu Br. Larischs Leben geben: "Gut ist der Herr zu dem, der auf ihn hofft, zur Seele, die ihn sucht. Gut ist es, schweigend zu harren auf die Hilfe des Herrn" (Klgl. 3,25f).

Te Christus in pacem!

P. Karl Heinz Fischer SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1981 - Juli, S. 97 f