P. Gerhard Poppe SJ
* 22. Mai 1928   † 03. März 2008
Eintritt 1948 - Priesterweihe 1958 - Letzte Gelübde 1962

Am 3. März 2008 verstarb unser Mitbruder Gerhard Poppe einige Wochen vor Vollendung seines 80. Lebensjahres. Gerhards Wurzeln liegen im thüringischen Eichsfeld; hier war und ist der Glaube nicht bloßes Bekenntnis, sondern ein gelebter Glaube in Brauchtum und Heimatverbundenheit. Mit einer Selbstverständlichkeit lebte hier der katholische Christ seinen Glauben, wie er auch Gerhard zu eigen war.

Hier in Worbis wurde er am 22. Mai 1928 geboren; hier verbrachte er auch zusammen mit zwei Schwestern und einem älteren Bruder eine frohe und ungetrübte Kindheit. Seine Schulzeit begann Gerhard dann in Erfurt und wohnte in Hochheim in der Nähe der Jesuitenniederlassung. Mitten in die Schulzeit fiel dann der Beginn des 2. Weltkrieges mit seinen Schrecken. Gerhards älterer Bruder fiel mit 19 Jahren; er selbst wurde als Fünfzehnjähriger als Flakhelfer eingezogen und kam zum Einsatz in Westfalen. Hier wurde er in den aussichtslosen mörderischen Endkampf geworfen, wurde verwundet und kam ins Lazarett, wo er das ganze Ausmaß von Elend, Schmerz, Verzweiflung und Tod erlebte. Diese Erlebnisse im Lazarett und in der sich anschließenden Gefangenschaft im Lager an der holländischen Grenze hatten sich tief ihm eingeprägt und dürften mitbestimmend gewesen sein für seine spätere Entscheidung der Berufung.

Als Siebzehnjähriger kam Gerhard nach Hause, wo er Eltern und Schwestern vorfand – nicht aber mehr seinen Bruder. Er besuchte wieder die Schule und notiert: „mein letzter Aufsatz vor dem Abitur hatte zum Thema Kräfte und Mächte, die mich formten“. Hierzu ließ er sich von seinem Seelsorger, dem Jesuitenpater Hermann Jäger beraten. So schrieb Gerhard seine Lebenserinnerungen in der Art eines Theaterstückes Szene um Szene nieder. Es war die Nachtarbeit des 21. April 1948, in welcher er sich entschied nicht Techniker, sondern Jesuit zu werden. Doch die Medientechnik war seine große Leidenschaft und Begabung, die er in seine Ordensberufung mit hinein nahm. Er kannte sich in den Möglichkeiten und den neuesten Produkten dieser Technik aus, empfing Anregungen und entwickelte selbst großzügige Ideen, wobei er allerdings für deren Verwirklichung den Aufwand und die finanzielle Seite übersah.

Nach Vollendung der damaligen ordensüblichen Ausbildung in Studien und Spiritualität und nach Empfang der Priesterweihe am 29. Juni 1958 volontierte Gerhard zunächst beim Stuttgarter Rundfunk 1960, war fast 14 Jahre lang in der Fernseharbeit in Frankfurt a. M. (1961 – 1975), um dann hier in Berlin Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariats für Medienfragen zu sein. Hier in Berlin-Lichterfelde entwarf er auch den Plan, die ihm anvertraute Gemeinde ‚Maria vom guten Rat‘ zu verkabeln; dazu kam es aber nicht. Für Gerhard war es wohl die dunkelste Stunde in seinem Leben, wie er selbst im Juni 2001 vermerkt: „… so sehe ich mich bei einem wesentlichen Teil meiner Berufung gescheitert. Aber der Blick auf das Kreuz lässt mich das ertragen. Trotzdem habe ich nie bereut, dem Ruf jener Nacht 1948 gefolgt zu sein“.

Bei aller technischen Begabung und seinem Interesse wollte Gerhard doch stets den Menschen ein priesterlicher Freund sein; in seiner Pastoral war er einfach und schlicht wie er es auch in seiner eigenen Spiritualität war, die er ignatianisch lebte. Als Seelsorger wirkte er für die „Fraternität Behinderte und Kranke“, war aber auch sehr ökumenisch engagiert. So waren insbesondere die Eucharistie und die Bibel Grundlage und Quelle seines priesterlichen Dienstes.

Als die Mauer fiel, zog es ihn in seine heimatlichen Gefilde, wo er in verschiedenen Gemeinden als Seelsorger wirkte, solange es seine Kräfte zuließen. Im Jahr 2000 ging er nach Münster in das dortige Jesuiten-Altenheim und siedelte nach zwei Jahren mit diesem nach Köln-Mülheim um. Von dort kam er im Juli 2006 schließlich in das Berliner Altenheim der Jesuiten. Immer war er aber auch von diesen Häusern aus seelsorglich tätig.

Gerhard liebte das Leben; er war allem aufgeschlossen, liebte ein gutes Mahl und einen guten Tropfen. Seine Kontaktfreudigkeit ließ ihn schnell Zugang zu Menschen finden; entsprechend groß war auch sein Bekannten- und Freundeskreis. Gewiss hatte Gerhard als Mensch auch seine Ecken und Kanten; als Ordenspriester bemühte er sich um die Verwirklichung ignatianischer Wegweisung. Er blieb fest in der Freundschaft Jesu und seiner Verheißung, dass wir alle angenommen und verwandelt werden, wie es die Liturgie am Tag seiner Beerdigung (13. 3. 2008) zum Ausdruck brachte (1 Kor 15,51 ff. und Joh 6,37 ff.).

Gerhard Poppe wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt.

R.i.p.

P. Manfred Richter SJ

Jesuiten-Nachrufe 2008, S. 30f