P. Rainer Rendenbach SJ
* 17. Mai 1916   † 17. Januar 2007
Eintritt 1935 - Priesterweihe 1942 - Letzte Gelübde 1952

Pater Rendenbach wuchs in Trier auf. Er war das fünfte in der Reihe von sieben Kindern des Arztes Dr. Karl Rendenbach und seiner Ehefrau Hella geb. Schoemann. Ab 1926 besuchte er das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, eine Schule in der Nachfolge des ehemaligen Jesuitenkollegs in Trier. Hier legte er 1935 die Abiturprüfung mit gutem Erfolg ab mit dem Berufswunsch, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Doch da gab es Schwierigkeiten. Nach dem damaligen Recht bedurfte er zum Eintritt in den Orden der Zustimmung des Vaters. Die ganze Familie, mit Ausnahme der Mutter, wollte aber, dass Rainer zuvor den Reichsarbeits- und dann den Militärdienst ableisten sollte.

Rainer war jedoch nicht bereit, dem Wunsch der Familie zu folgen. In seinem Lebenslauf schreibt er: „Meine Freizeit als Schüler widmete ich auch noch bis zum Abitur dem Dienst an der katholischen Schuljugend.“ Als einer der Leiter der MJC (Marianische Jünglingskongregation von 1617) hatte er seine Erfahrungen mit dem NS-Regime gemacht. Der Regierungspräsident von Trier hatte der katholischen Jugend die Benutzung der städtischen Sportanlagen untersagt (1934), von der Gauleitung in Koblenz wurde die Parole ausgegeben: Die Jugend gehört uns, den Nationalsozialisten. Bald wurde auch das Tragen einer Uniform außerhalb kirchlicher Räume verboten, d. h. das Zeugnis der katholischen Jugend in der Öffentlichkeit. In dieser Kirchenfeindlichkeit sah er das Omen einer verhängnisvollen Entwicklung für Deutschland. Dies trug er der Familie vor, und sie lenkte ein.

Am 26. April 1935 fuhr Rainer mit seinem Klassenkameraden und MJC-Freund, Georg Mühlenbrock, in das Noviziat der Jesuiten, damals noch in s’ Heerenberg. Nach der zweijährigen Prüfungszeit musste er gemäß dem Reichsgesetz dann doch zum Arbeitsdienst. Danach begann für ihn das ordensübliche Studium der Philosophie. Dieses musste er unterbrechen, weil er bei Kriegsausbruch (September 1939) zum Militärdienst einberufen wurde. 1940 war er beim Einmarsch in Frankreich dabei, er erhielt dann in demselben Jahr einen Studienurlaub. Jetzt konnte er sein Philosophiestudium abschließen. Als dann Hitler im Jahre 1941 Russland den Krieg erklärte, musste er wieder zum Militär einrücken. Noch im selben Jahr wurde er verwundet. Der Splitter einer russischen Panzergranate zerriss und durchbohrte das eiserne Brillenetui, das er in der Hosentasche hatte.

P. Rendenbach berichtet: „Ich erhielt eine schwere Bauchverletzung, von der ich aber wider alles Erwarten, genas. Das durchschossene Brillenetui ist heute noch im Besitz der Familie.“ Noch im selben Jahr erging der Erlass Hitlers, alle Jesuiten aus dem Wehrdienst zu entfernen. Sofort nahm P. Rendenbach mit dem philosophischen Rüstzeug und seiner besonderen Lebenserfahrung das Studium der Theologie in Frankfurt a. M. auf.

Doch bald wurde den Ordensoberen bekannt, dass die entlassenen Jesuiten zur Kriegsrüstung herangezogen werden sollten. Daraufhin entschlossen sie sich, diese vorzeitig weihen zu lassen. Die Weihe – bei verschlossenen Türen – spendete der damals weithin als mutig bekannte Bischof Albert Stohr von Mainz. So wurde P. Rendenbach am 9. November (!) 1942 zusammen mit 25 Mitbrüdern zum Priester geweiht. Sie wurden dann als Seelsorger in die Pfarreien geschickt; P. Rendenbach kam nach Frankfurt a. M. Sein Pfarrer war der spätere Bischof von Limburg, Wilhelm Kempf, mit dem er zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb.

Nach Kriegsende setzte P. Rendenbach das Theologiestudium in Büren / Westf. fort. Jetzt 33 Jahre alt, begann er ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität in Frankfurt a. M. Nach zwölf Semestern legte er die wissenschaftliche Staatsprüfung für das höhere Lehramt mit dem Hauptfach Chemie und den Nebenfächern Physik und Mathematik ab. Daraufhin folgte seine Berufung an die St. Ansgar-Schule in Hamburg. Bei den Schülern galt er als Autorität: „Alles ist Chemie“ zitierten sie ihn humorvoll.

Eine ganz neue Aufgabe kam auf P. Rendenbach zu nach dem allzu frühen Tod des Direktors P. Finé. So wurde er 1968 mit der Schulleitung beauftragt. In dieser schwierigen Zeit (die wilden 68er) konnte er die Schule dank seiner anpassungsfähigen, vornehmen und gleichzeitig entschiedenen Natur glücklich in ruhige Gewässer steuern. Ein ganz großes Verdienst von ihm ist, dass er eine Anzahl tüchtiger junger Lehrer für die Schule gewinnen konnte. Dabei nützte er seine Erfahrungen, die er während seines Studiums in der katholischen Studentenverbindung „Greifenstein“ in Frankfurt gemacht hatte. Als „Alter Herr“ in der Studentenverbindung „Wiking“ in Hamburg konnte er so viele Studenten in der Hansestadt kennen lernen. Sie spürten, was ein ehemaliger Kollege einmal sagte: „P. Rendenbach war allen wie ein Freund. Unter seiner Ägide musste man gut unterrichten können.“ Die Zukunft der Ansgar-Schule lag ihm stets am Herzen. „Nachfolger aufbauen!“ betonte er öfter. P. Heinrich Köster schickte er deshalb auf pädagogische und schulpolitische Tagungen. So konnte er die Ansgar-Schule sorgenfrei verlassen, als er im Jahr 1977 als Rektor an das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg berufen wurde.

Eine besondere Erwähnung verdienen seine Dolomitenfahrten, die er mit den Schülern der Ansgar-Schule viele Jahre hindurch in den Sommerferien durchgeführt hat. Diese setzte er auch von Bad Godesberg aus fort. Ein Teilnehmer berichtet: Schon Wochen vor der Fahrt merkte man, mit welcher Akribie P. Rendenbach die Planung eines solchen Unternehmens, das nicht ungefährlich war, vorbereitete. Rendi’s große Zeit begann aber erst in den Dolomiten. Wie kein zweiter kletterte er uns voran, kannte und nannte jeden Stein und jedes Tier. Sein Spruch war: „Haltet durch, es sind nur noch drei Stunden bis zum Gipfel.“ Seine Wetterkenntnisse waren enorm. Bei heiterem Himmel rief er einmal plötzlich – für uns vollkommen unverständlich: „Halt, wir müssen umkehren, bei dem, der vor uns steigt, stehen schon die Haare zu Berge und auf seinem Eispickel funken blaue Flämmchen, in wenigen Minuten geht hier ein schweres Gewitter los“ – und so geschah es. Zu seiner Wetterkunde kam die Kenntnis der vielen Kirchen und Kapellen. Kein Tag verging, ohne dass wir eine von ihnen durch seine Führung kennen lernten und dort auch beteten oder die Messe feierten. „Dafür ist man in den Bergen offener“ meinte P. Rendenbach. Überhaupt war er für alles, was Natur und Kunst anging, offen.

In der Zeit der Vorbereitung einer Dolomitenfahrt im Sommer 1983 traf P. Rendenbach, während er unterrichtete, ein schweres Unwohlsein, das mit einem Schlaganfall endete. Der linke Arm blieb gelähmt und seine Gehfähigkeit kam über ein Dahinschleichen nicht mehr hinaus. Im Kolleg in Godesberg versorgte ihn Bruder Schülter aufopferungsvoll. Als dieser verstorben war, musste P. Rendenbach schließlich ins Seniorenheim nach Berlin gebracht werden. Nie klagte er, man sah, wie sehr er unter seiner Behinderung litt, war aber stets auch zu einem Scherz aufgelegt, am liebsten in Trierer Mundart. Darin verfasste er sogar kleine Gedichte, die sowohl reflektiertes Fachwissen als auch Gottvertrauen ausdrückten. So z. B. zur „Zeitumstellung“.

P. Rendenbach verstarb am 17. Januar 2007. Bei seiner Beisetzung auf dem „St. Hedwig“ Domfriedhof in Reinickendorf am 26. Januar legten Dolomitenfahrer, Schüler aus seiner Hamburger Zeit, ein Bouquet aus Alpenblumen in Dankbarkeit auf sein Grab.

R.i.p.

P. Wilhelm Neuhoff SJ

Jesuiten-Nachrufe 2007, S. 34f