Bruder Werner Steinhauf SJ
* 16. Dezember 1913 in Berlin
2. Mai 1982 in Berlin

Die letzten Tage seines Lebens lag Br. Steinhauf im Berliner Franziskuskrankenhaus in einem Zimmer mit P. Spors, der ihm einen Tag später auf dem Weg in die 'himmlische Gesellschaft Jesu' folgte. So wurden sie am 13. Mai gemeinsam zu Grabe getragen, begleitet von den Verwandten, Mitbrüdern und Vertretern der beiden Pfarreien, die unserem Orden jahrzehntelang in Berlin anvertraut gewesen sind.

Br. Steinhauf war nach dem Noviziat in Mittelsteine (1936-38) bis 1947 in der Residenz St. Canisius, während er dann 26 Jahre lang mit St. Clemens in der Stresemannstraße fest verbunden war, bis wir im Jahre 1973 Haus und Kirche für die kroatische Gemeinde freimachten. Die kleine deutsche Restgemeinde aber kannte Br. Steinhauf nicht nur von seinem Küster- und Pfortendienst sowie dem gelegentlichen Orgelspiel, sondern auch von seinen vielen Wegen, da er die Einkäufe und Besorgungen für das Haus erledigte. Hinzu kamen seine Dienste im Haus für Reinigung, Wäsche und Refektor. Wir Patres merken wohl oft erst jetzt, da uns solche Helfer fehlen, wieviel wir unseren Brüdern zu danken haben. Für Br. Steinhauf freilich war dieses "ad domestica" auch eine Belastung. Die Tatsache, daß er seinen erlernten kaufmännischen Beruf nicht weiterführen konnte und sein Leben im Vielerlei des Alltags eines Hauses zerrann, war gewiß mit ein Grund für seine wachsende Vereinsamung. Dennoch bewahrte er seine natürliche Fröhlichkeit und seinen Berliner Mutterwitz - in St. Clemens immer ein belebendes Element in der Kommunität.

Über seinen Ordenseintritt sprach er selten, aber wenn ich mit ihm einmal darauf zu sprechen kam, merkte ich immer, daß es in diesem Punkt für ihn keine Frage gab. Er war gern Jesuit und hat diesen Schritt nie bereut, trotz mancher Enttäuschungen. Er wußte, wem er sein Leben gegeben hatte, und er war auf seine eigene, originelle Weise stets mit Gott verbunden. Er ließ sich nicht in ein Schema pressen, sondern wußte in seiner unverfälschten Einmaligkeit vor Gott zu leben. Intuitiv spürte er, daß Gott andere Maßstäbe hat als die Menschen und daß er jedem Menschen auf seine Weise nahe ist. Dabei lagen wohl manchmal seine Intuition und seine Erziehung miteinander im Streit: denn wenn er von der Furcht vor dem strafenden Gott sprach, merkte man, daß er im Tiefsten noch ein anderes Bild von Gott in sich trug: Gott, der ihn verstand und ihm Heimat schenkte.

Halb scherzend, halb ernst sprach Br. Steinhauf schon in St. Clemens häufig davon, daß er bald sterben würde. Keiner von uns ahnte, wie sehr er vorher noch durch die Schule des Leidens müßte: Erst der schwere Verkehrsunfall 1976, nach dem er lange auf der Intensivstation lag und wo ihm mit viel Mühe das linke Bein erhalten wurde, dann ein Jahr später die Amputation des rechten Beines, so daß er nun endgültig vom Canisius-Kolleg ins Peter-Faber-Kolleg umsiedeln musste. Fast möchte man sagen: 'Gott hat ihn recht unsanft angepackt', und es ist nicht leicht, auch darin das Werben der Liebe Gottes zu erkennen.

Einen Großteil dieser Last haben die mitgetragen, die ihn in den letzten Jahren gepflegt haben. Sie haben wohl manchmal auch gemerkt, wie in der Liebe zur Natur, die Br. Steinhauf auszeichnete, etwas Franziskanisches lag. Er konnte sich so herzlich über einen schönen Frühling freuen, und die Vögel - seine jahrzehntelangen Zimmergenossen - waren ihm sicher in der Krankheit oft ein Trost. Sie waren ihm wie Boten des Lebens, aber auch ein Teil der Schöpfung, die seinen Kummer verstand, weil sie selbst "der Vergänglichkeit unterworfen" ist und "mitstöhnt mit dem Menschen, in der Sehnsucht nach der Herrlichkeit der Kinder Gottes", wie es beim Begräbnis in der Lesung hieß. So dürfen wir glauben, daß Gott aus diesem Leben etwas Kostbares macht, eine verwandelte, neue Schöpfung, in der alle Anlagen voll zur Entfaltung kommen und die natürliche Fröhlichkeit in eine ewige Freude übergeht.

R.i.p.

P. Norbert Baumert SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1982, S. 20 f