P. Hans Wecker SJ
6. April 1986 in Berlin

Im Januar 1985 kam P. Hans Wecker wegen seiner Altersbeschwerden zur Pflege in unser Peter-Faber-Kolleg hier in Berlin. Er war uns bis dahin unbekannt; zwar konnten wir mit ihm am 13. August vergangenen Jahres seinen 85. Geburtstag und 14 Tage später sein goldenes Priesterjubiläum feiern, doch über sich selbst sprach er so gut wie nie - und wenn er sprach, dann war es eigentlich stets leidend und aus Sorge um Kirche und Christen unserer Zeit.

Wenn man P. Weckers Zimmer im Peter-Faber-Kolleg betrat, fiel der Blick auf die Wandbilder seiner Wahl. Kreuz und Marienbild sind in einem solchen Zimmer selbstverständlich. Die anderen Bilder aber dürften aufschlußreich sein, waren sie doch irgendwie Leitbilder seiner persönlichen Lebensgestaltung.

Da hing zunächst das Bild unseres Ordensstifters Ignatius. Ihn verehrte er in großer Dankbarkeit für seine Berufung in die Gesellschaft Jesu.

Hans Wecker war als Sohn eines Düsseldorfer Fabrikanten am 13.08.1900 geboren und wuchs im Kreis von sechs Geschwistern heran. So lag es nahe, daß er nach dem Abitur die kaufmännischen Studien an der Kölner Universität aufnahm, die er 1923 mit dem Diplom und ein Jahr später mit der Promotion zum Dr. rer. pol. abschloß. Anschließend nahm er noch ein Jura-Studium auf und legte 1928 die erste juristische Staatsprüfung ab. Somit schien seine künftige berufliche Laufbahn festgelegt zu sein. In Bad Neuenahr hatte Familie Wecker den Sozialphilosophen und Nationalökonomen Pater Heinrich Pesch SJ (1854-1926) kennengelernt. Dieser Wissenschaftler und Priester beeindruckte den jungen Doktoranden tief und auf seine Empfehlung hin las er in den Schriften dessen Vetters, des Dogmatikers Pater Christian Pesch SJ (1853-1925). Somit bahnte sich die Wende an: sein um zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder Alex, der heute im Haus Sentmaring/Münster lebt, trat 1926 in den Jesuitenorden ein; ihm folgte am 18. September 1928 Hans Wecker mit seinem Eintritt in das Noviziat in 's-Heerenberg/Holland. Zwei. Jahre Philosophie und vier Jahre Theologie absolvierte der 'Spätberufene' in Valkenburg von 1930-1936 ohne Interstiz, wo er auch am 27. August 1935 vom dortigen Bischof Lemmens zum Priester geweiht wurde.

Nach dem Terziat 1936/37 in Münster stand P. Hans Wecker der Südbrasilianischen Provinz zur Verfügung. Dort war er, der ein sehr gutes Portugiesisch sprach, in verschiedenen Städten wie Sao Leopoldo, Porto Alegre und Turpandi tätig. Wenn er zuweilen auch als Bibliothekar arbeitete oder an Priesterseminaren unterrichtete, so waren doch seine eigentlichen Seelsorgebereiche die Pfarrgemeinden und Krankenhäuser. Diese Art der Seelsorge entsprach offenbar seinem Wesen und seinem Herzen. Insgesamt 16 Jahre (1937-1953) war P. Wecker in Brasilien tätig. Zur Erinnerung an diese brasilianischen Jahre hing in seinem Zimmer das Bild von Pater Johann Baptist Reus, der auch heute noch vom gläubigen brasilianischen Volk hochverehrt wird. In persönlichen Begegnungen lernte P. Wecker diesen heiligmäßigen Mitbruder kennen, dessen priesterliche Art und dessen begnadetes Gebetsleben ihn derart beeindruckten, daß er sich ihn fortan für seine eigene Lebensgestaltung zum Vorbild nahm.

Der Blick fällt auf ein weiteres Bild in seinem Zimmer: auf das Bild von Pater Eberschweiler. In ihm sah P. Wecker das Vorbild der persönlichen Heiligung und des stillen Wirkens, das für ihn während seiner Tätigkeit in Deutschland maßgebend war. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1953 waren auch hier wiederum Pfarrgemeinden und Krankenhäuser in Hamburg, Köln, Hagen und Dortmund sein hauptsächliches Seelsorgegebiet. Ab 1957 wirkte P. Wecker dann als Hausgeistlicher in den Schwesternhäusern von Geisenheim und Rhede und in den letzten 13 Jahren vor seiner Übersiedlung nach Berlin bei den Dominikanerinnen in Daleiden in der Eifel.

Und noch ein letztes Bild schmückte P. Weckers Zimmer. Es war das Bild von Papst Pius XII., den er geradezu bewundernd verehrte wegen seiner diszipliniert-gläubigen Lebenshaltung und wegen seiner wissenschaftlichen Klarheit in theologischen Stellungnahmen und Definitionen. Die unverfälschte Lehre und die Rechtgläubigkeit sah er in dieser großen Papstgestalt bewahrt. Und darum ging es ihm auch bis ins hohe Alter hinein, wenn er den Mitteilungen der Priesterbruderschaft Pius X. und der Lektüre des 'Fels' den ausschließlichen Vorzug gab. Dem Papstbild in seinem Zimmer war ein Wandspruch aus Psalm 118,66 (Vulgata) beigegeben: 'Bonitatem, disciplinam et scientiam doce me'. Dies beides zusammen - Bild und Wandspruch - verweist uns auf das Grundsätzliche, auf das P. Wecker seinen Geist gerichtet hielt und das seinem Leben Fundament war.

Besonders die drei letzten Bilder in seinem Zimmer nehmen sich wie ein Schlüssel aus zum Verständnis seiner Person: Pater Reus und Pater Eberschweiler stehen als Vorbilder persönlicher Heiligung und stiller Arbeit und Pius XII. als Leitbild dogmatischer Wahrheit und theologischer Klarheit.

Doch greifen wir die eingangs gehörte Lesung aus Kor 13,8-13 auf, wo es heißt, daß alle Erkenntnis vergeht, daß eben alles - Bilder und Vorbilder - nur Spiegel, nur rätselhafte Umrisse sind, die dann vergehen, wenn das Vollendete kommt.

Am Abend des 6. April 1986 kam für P. Hans Wecker die Stunde der Vollendung derart, daß das Bleibende - die Liebe - sich wiederfand in jenem Leben, das nur Gott in seiner barmherzigen Güte geben kann.

R.i.p.

P. Manfred Richter SJ
Ansprache beim Begräbnis

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1986 - Dezember, S. 121 f