P. Johannes Wellen SJ

Am Gründonnerstag (22.3.1951) verstarb im Franziskuskrankenhaus P. Johannes Wellen im 58. Lebensjahre, im 38. seines Ordenslebens. - Fast 25 Jahre hat er in Berlin gewirkt. 1926 kam er als Kaplan nach St. Clemens, zehn Jahre lang stand er als Diözesansekretär der MC im Dienst der Seelsorge an der weiblichen Jugend, über 20 Jahre lang war er dem KKV als geistlicher Beirat ein kluger Berater. Durch den damaligen Gesellenpräses P. Siebers wurde er für die Arbeit in der Kolpingsfamilie gewonnen, die er nach dem Kriege in unermüdlicher Arbeit wieder aufgebaut hat. 1946 wurde er ihr Diözesanpräses, 1948 Diözesanmännerseelsorger. 1949 gründete er im Rahmen der Kolpingsfamilie das "Soziale Seminar Kolping", dem bis in die letzten Lebensstunden seine besondere Sorge galt.

Durch seine zahlreichen Predigten, Vorträge und Radioansprachen war er weit über die Grenzen Berlins bekannt. Seine seltene Aufgeschlossenheit und sein tiefes Verständnis gerade für den modernen Großstadtmenschen wurde auch von Andersgläubigen sehr geschätzt, die gern zu seinen Fastenpredigten kamen. Seine klare Glaubenshaltung war in der geistigen Verwirrung der Zeit von besonderer Bedeutung, nicht zuletzt für die Priester, denen seine Konferenzen unvergessen geblieben sind.

Ohne Rücksicht auf seine Krankheit hat er bis zuletzt seine Kräfte eingesetzt, und diese völlige Erschöpfung führte unerwartet rasch zum Tode (die Leberfunktion hörte schließlich ganz auf). Das Begräbnis am Mittwoch nach Ostern war ein überzeugender Beweis der außergewöhnlichen Bedeutung P. Wellens für die Kirche von Berlin und seine große Beliebtheit bei Klerus und Laien. In Anwesenheit des Weihbischofs Exz. Tkotsch hielt Kapitelsvikar Dr. Prange das feierliche Requiem, P. Provinzal die Traueransprache und das Begräbnis. Fast 100 Priester geleiteten den Sarg zum Grabe, über das sich 30 Banner, darunter 25 von den einzelnen Kolpingsfamilien, zum letzten Gruß senkten. Auch zu dem feierlichen Requiem in St. Clemens am 5.4. war eine erstaunlich große Zahl seiner dankbaren Männer erschienen.

R.i.p.

Rundbrief Pfingsten 1951, S. 3f