P. Franz Beschorner SJ
geboren am 11. Juli 1924 in Breslau
in die Gesellschaft Jesu eingetreten am 27. November 1945 auf der Rottmannshöhe/München
zum Priester geweiht am 30. Juli 1956 in Frankfurt/Main
gestorben am 23. Juli 2010 in Berlin-Kladow

Ein erfülltes Leben lag hinter ihm, so versicherte er es häufig während seines letzten Aufenthaltes im Altenheim der Jesuiten in Berlin-Kladow. Nicht nur für unseren lieben Verstorbenen war es so reich an seelsorglichem Wirken, sondern ebenso für viele Menschen. Sei es, dass sie ihn über die MC (später GCL) kennen oder ihn als Kaplan und Pfarrer schätzen lernten, auch im Religionsunterricht in Dresden. Er war sicher ein geistlich geprägter Jesuit, der sein Leben und seinen Dienst ganz unter den Willen und der Führung Gottes stellte. Seine innere spirituelle Konsequenz war einerseits faszinierend, aber auch kompromisslos. Vielen hat er durch seine Überzeugung und Glaubwürdigkeit einen Weg gewiesen; viele junge Menschen fanden auch durch ihn den Weg zum Priestertum.

Von dieser inneren Konsequenz war sicher auch sein Lebensweg gekennzeichnet. Geboren am 11.7.1924 in Breslau, besuchte er das St. Matthias Gymnasium von 1934-1942. An dieser Schule lernte er schon den Bund Neudeutschland (ND) mit P. Tanner SJ und P. Rommerskirch SJ kennen. Sieben aus dieser ND-Gruppe wollten Priester werden, auch hier zeigte sich schon der innere Einfluss auf den Gymnasiasten Franz Beschorner. Der Krieg zögerte seine Ausbildung hinaus; er wurde 1942 zur Infanterie einberufen. Es ging an die Ostfront, Nordabschnitt Wolchow. Am 25.10.1943 wurde er durch einen Granatsplitter in den Rücken schwer verwundet und verbrachte sechs Monate im Lazarett. Der Rückzug setzte ein, quer durch Ostpreußen bis Balga am Frischen Haff, wo er am 27.3.1945 in russische Gefangenschaft geriet. "Wegen des eindruckvollen Loches im Rücken", so schreibt er später, wurde er in die Arbeitsgruppe 4 eingeteilt.

Er kam daraufhin in die Nähe von Schaulen (Siauliai - Litauen). Es war sicher göttlicher Führung zu verdanken, dass er im einzigen Lazarettzug, der noch fuhr, in die Heimat kam. Diese furchtbare Zeit fand ein Ende in seiner Entlassung am 4.10.1945 in Frankfurt/Oder. Zur Kriegszeit 1944/45 gab es in Deutschland kein Noviziat mehr und er sollte abwarten und zunächst Philosophie und Theologie studieren, so wurde ihm geraten. Endlich konnte er sich seinen Wunsch erfüllen, Priester und Jesuit zu werden. Bei seinem Eintritt in die Gesellschaft Jesu am 27.11.1945 auf der Rottmannshöhe traf er wieder einige seiner Schulfreunde. Das Noviziat befand sich auf der Rottmannshöhe/bei München. Es folgte der übliche Ausbildungsgang: 1947-1950 Philosophie in Pullach, Interstiz in Berlin am Canisius Kolleg, 1953-1956 Theologie in Frankfurt/Main.

Zum Priester geweiht wurde er am 30.7.1956 durch den damaligen Nuntius, Erzbischoff Aloys Muench, im Kaiserdom in Frankfurt/Main.

Nun aber setzte eine Wende ein, denn der damalige Regionalsuperior P. Georg Sunder SJ suchte für die DDR Mitbrüder. Ein besonderer Grund für P. Beschorner war, dass seine Mutter in der DDR lebte. Nach etlichen Ablehnungen gelang ihm doch der Umzug in die DDR. Offiziell gab er sich als Student aus, was eben auch richtig war, denn die Studien und das Tertiat waren noch nicht abgeschlossen. Sein Priester- und Jesuitsein wurde so nicht bekannt. Seine letzten Ausbildungsjahre, das Punkteexamen und das Tertiat vollendete er unter den schwierigen Reisen von Ost nach West. Sein Tertiat machte er trotz allem zum großen Teil in Westberlin, in Kladow. Diese Möglichkeit wurde dann 1961 durch den Bau der Mauer jäh abgebrochen. In Weimar beendete er diese Ausbildungszeit mit den Großen Exerzitien bei P. Emil Drost SJ.

Nun begann für ihn eine geistlich fruchtbare Zeit in der DDR. Ziemlich rasch, nach einer kurzen Kaplanszeit in der Pfarrei Dresden-Strehlen (1958-1960), folgte seine Arbeit als geistlicher Begleiter, Präses der MC, Exerzitienleiter und Spiritual. Über diese Zeit sagte er stets, sie sei die geistig fruchtbarste gewesen. Als Präfekten für die Scholastiker in Erfurt hat er die Studenten der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Erfurt begleitet. Für eine kurze Zeit (1970-1971) vertrat er den Pfarrer von Biesdorf-Süd (Berlin), der selber das Tertiat angetreten hatte. Für sechs Monate ging er wieder nach Erfurt zurück.

Seine prägende Zeit war sicher die Arbeit in der MC/GCL im Bistum Dresden-Meißen. Viele Gruppen in Stadt und Land Dresden führte er in einzigartiger geistlicher Weise. Sein besonderes Charisma war Jungmännern zu helfen, die sich für seine geistliche Begleitung entschieden hatten und daraus sind einige Priesterberufe hervorgegangen. Diese Zeit von 1971-1978 war mit Exerzitien und geistlicher Begleitung ausgefüllt, wobei er im Haus Hoheneichen in Dresden wohnte.

Seine Arbeit setzte er später in Mecklenburg fort, im dortigen Exerzitienhaus in Parchim, wo er ebenfalls die GCL übernahm. Übergangsweise war er von 1983-1986 Novizenmeister bis zur Berufung eines Neuen.

In den nachlassenden Kräften fand er als Hausgeistlicher der Nazarethschwestern in Goppeln bei Dresden wieder eine erfüllende Aufgabe. Während dieser Zeit wurde er Beichtvater in der Kathedrale in Dresden, der Hofkirche, wo regelmäßig Beichtgelegenheit gegeben wurde. Es war wieder seiner tiefen Frömmigkeit und geistlichen Konsequenz entsprechend, diesen Dienst auszuüben.

Seine zunehmende Schwäche machte dann eine intensivere Versorgung nötig, die er zunächst im Exerzitienhaus "Friedrich-Spee" in Berlin-Biesdorf fand, aber dann doch den Weg in das Altenheim nach Münster - und nach dessen Auflösung - nach Kladow gehen musste. Hier ist er am 23. Juli 2010 verstorben.

R.i.p.