Leben ist für mich Christus
und Sterben Gewinn (Phil 1,21)

P. Erwin Bücken SJ
geboren am 20.9.1928 in Hamborn
Eintritt in die Gesellschaft Jesu am 15.4.1947
in Eringerfeld/Westfalen
Priesterweihe am 31.7.1958 in Frankfurt/Main
gestorben am 23.10.2017 in Berlin-Kladow

Erwin Bücken wurde geboren am 20.9.1928 in Hamborn/Rheinland (seit 1929 zu Duisburg). Da er vermeintlich totgeboren war, bemühte sich der Arzt nur um seine Mutter, bis er plötzlich doch zu schreien begann. Bekannte gaben der Mutter den Rat: "Geben Sie ihm zu essen, was er möchte. Sie bringen ihn doch nicht durch!" Mit abstehenden Ohren geboren, wurde ihm auf der Volksschule "Judenlümmel" nachgerufen, worauf die Eltern ihm die Ohren operativ anlegen ließen. Im Krieg wurde er Anfang 1944 zu den 'Luftwaffenhelfern' eingezogen, doch seine Nerven versagten, so dass er wieder entlassen wurde. Er kam mit der 'Kinderlandverschickung' nach Ellwangen in Süddeutschland. Im Herbst 1944 wurde er für den 1. März 1945 angeworben für eine Nazi-Sonderschule zur Förderung naturwissenschaftlichen Nachwuchses bei Riedlingen; er ging dort hin, um nicht zum Militärdienst eingezogen zu werden. Als die französischen Soldaten näher rückten, setzte sich Erwin ab und wollte zurück nach Ellwangen, wo inzwischen seine Mutter war. Unterwegs geriet er in französische Gefangenschaft und ging mit vielen hundert deutschen Gefangenen Richtung Frankreich. Bei der Burg Hohenzollern gelang es ihm am 30. April die Flucht. In Ellwangen zurückgekommen, fand er das Haus, in dem er gewohnt hatte, von einer der wenigen gefallenen Bomben bis in den Keller zerstört. Im Herbst 1945 kehrte er nach Duisburg-Hamborn zurück zur Vorbereitung des Abiturs zu Ostern 1947.

1946 meldete er sich bereits im Borromäum/Münster an. Da aber sein Religionslehrer ihm den Jesuitenorden empfahl, bewarb er sich dort und wurde für den Ostertermin 1947 angenommen. Es folgten: Zwei Jahre Noviziat Burg Eringerfeld, ein Jahr Juniorat und drei Jahre Philosophie in Pullach, zwei Jahre Interstiz in Büren als zweiter Präfekt, vier Jahre Theologie in Frankfurt. Am 31. Juli 1958 empfing er dort die Priesterweihe und machte bald knapp ein Jahr Terziat in Münster bei P. Pies.

In Köln wirkte er vom 1. Juli 1960 bis 1. November 1996 hauptamtlich als Provinzarchivar. Archivmenge: ca. 1500 Regalmeter. Ferner war er Subsidiar an der Pfarrei St. Robert Bellarmin und feierte bis 1980 täglich die heilige Messe für die Nachbarschaft in der kleinen Hauskapelle. Seit 1967 bearbeitete er das liturgische Direktorium der Jesuiten, erst nur für die West- und Ostprovinz des Ordens, dann auch für die Südprovinz und die Schweizer Jesuiten. 1971-1988 war er als Ordensvertreter Mitglied der Kölner Diözesankommission für Liturgie und Kirchenmusik. Sonntags hielt er jahrelang die Messfeier in verschiedenen Kölner Pfarrkirchen. Von 1980 bis 1988 täglich im Kölner Karmel, ab 1989 im Kölner Altenheim der Aachener Schervierschwestern bis zu seinem Umzug nach Berlin am 1.11.1997.

Seitdem wohnte er im Alten- und Wohnheim der Jesuiten in Berlin-Kladow als Hausbibliothekar für viele tausend Bücher und Zeitschriften und bearbeite weiter das liturgische Direktorium bis 2009. Es folgten Veröffentlichungen seiner Osterlobvertonungen. Seit 2000 sogar auf eigener Website mit zahllosen Vertonungen liturgischer Gesänge. 2010 hat er einen kleinen Hirnstamminfarkt gut überstanden, war aber viel müde, wie schon sein ganzes Leben lang: "Chromosomonal verankert", wie er gerne sagte.

Die Kommunität in Kladow dankt ihm für seinen treuen Einsatz in der Bibliothek, trotz des hohen Alters und seine Hilfsbereitschaft, wenn wir etwas suchten.

Am 23. Oktober 2017 legte er in Berlin-Kladow sein Leben in die Hand seines Schöpfers zurück und wurde auf dem Jesuiten-Friedhof in Reinickendorf beerdigt.

R.i.p.

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"Schmeißt sie raus, wir brauchen sie nicht!"
Gedenken an die "Entlassung" der Jesuiten-Soldaten