Bruder Bruno Harwardt SJ
geboren am 7. Januar 1911 in Königsberg/Ostpr.
eingetreten in die Gesellschaft Jesu am 15. April 1932 in Mittelsteine/Grafschaft Glatz
gestorben am 9. März 1987 in Berlin

"Durch ihre täglichen Arbeiten im Hintergrund, vor allem aber auch durch ihr Gebet und ihre tiefreligiöse Haltung tragen die Jesuitenbrüder dazu bei, daß Unterricht und all der sonstige Schulbetrieb ungestört und für unsere Schüler erfolgreich geleistet werden können."
Mit diesen Sätzen in "Unsere Schule 1983" umriß Br. Harwardt das, was sein Leben ausmachte und wofür er bis zum letzten Tag tätig sein wollte. Immer wieder sprach er davon, welche Gnade es bedeute, in die Gesellschaft Jesu gerufen zu sein.

Bruno Harwardt wurde am 7. Januar 1911 in Königsberg geboren. Seine Eltern Josef und Anna, geb. Haffki, stammten aus Frauenburg. Mit großer Liebe hing er an seinen zwei Brüdern und drei Schwestern. Gern erzählte er von Verwandten und ermländischen Freunden. So stolz er darüber war, seine Wurzeln im katholischen Ermland zu haben, so offen war er für Fragen der Religionen und der Ökumene. Weite und Verständnis zeichneten ihn aus; "das darf man nicht so eng sehen", war seine Antwort auf manches Problem.

Nach Abschluß der Mittelschule machte er eine kaufmännische Lehre in einer Ledergroßhandlung in Königsberg. Über die Katholische Kaufmännische Jugend (KKV) lernte er die dortigen Jesuiten, darunter P. K. Wehner, kennen und begann im Herbst 1931 das Postulat in Mittelsteine. Am 15. April 1932 empfing er das Ordenskleid und durfte am 18. April 1934 die Ersten Gelübde ablegen. Kurz darauf wurde er ans Aloisiuskolleg in Bad Godesberg zu einer Krankenpflegeausbildung geschickt. Aber schon im Dezember 1935 mußte er nach Berlin-Charlottenburg umsiedeln, weil dort dringend ein Mann in der Verwaltung gebraucht wurde. Die Abbauverfügung von 1936 nahm indes dem Gymnasium am Lietzensee jede Zukunft. So wurde Br. Hawardt im November 1937 nach Mittelsteine versetzt, wo er in der Verwaltung, in der Sakristei und in der Ausbildung der jungen Brüder arbeitete. Im Februar 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und machte bis zum November 1941, wo er als "wehrunwürdig" entlassen wurde, mehrere Feldzüge mit.

Ab Ende November 1941 gehörte er zur Heiligelinder Kommunität. Er war betraut mit der Verwaltung des Stiftsgutes und mit dem Küsteramt an der berühmten Wallfahrtskirche. Die drei Jahre in der Heimat gehörten zur schönsten Zeit seines Lebens.

Ende Januar 1945 überrannten russische Armeen Ostpreußen. Heiligelinde wurde besetzt. Schlimme Leidensmonate brachen an. Im Februar 1945 wurde Bruder Hawardt mit vielen anderen an den Ural verschleppt. Auf der vierwöchigen Fahrt dorthin verstarben in Bruder Harwardts Waggon sechs Geistliche, darunter P. H. Schulz, der in seinen Armen verschied. Im Dezember 1945 wurde er als Kranker nach Berlin entlassen. Br. Harwardts Heimat wurde die Jesuitengemeinschaft bei St. Clemens. Hier und in den Trümmern des Gymnasiums am Lietzensee hatte P. H. Klein im Juli 1945 den Schulbetrieb wieder eröffnet. Br. Harwardt stieß so zu der Gruppe von Jesuiten, die unter großen Entbehrungen und unter schier aussichtslosen Bedingungen das Canisius-Kolleg neu gründeten. Hier brachte er seine Lebenserfahrung und seine praktischen Kenntnisse voll ein. Schüler- und Elterngenerationen erlebten, wie er immer wieder ein aufmunterndes Wort fand, ohne viel Aufhebens half, sich einfach zur Verfügung hielt. Das Schulsekretariat und die Verwaltung waren der Ort, wo er seinen Glauben menschlich faßbar und überzeugend lebte. Vielen wurde er zum Ratgeber, Nothelfer und humorvollen Tröster.

Ein großes Anliegen blieben ihm seine Ermländer. Er fehlte nie, wenn sie sich trafen. Zu ihm konnten sie mit all ihren Nöten kommen. 1982 feierte er das Goldene Ordensjubiläum. Im Dankesbrief an die Freunde schrieb er von seiner Beschämung über all das gehörte Lob: "Ich bin nur den Weg gegangen, den mich Gott geführt hat. Schließlich sind 50 Jahre Ordensleben eine unverdiente Gnade Gottes und ein freiesGeschenk an uns schwache Menschen."

Ein Unfall im letzten Jahr, bei dem ihm ein Bus anfuhr, nahm ihm offensichtlich schlimmer mit, als wir merkten. Seit einigen Wochen ging ihm die Arbeit nicht mehr wie gewohnt von der Hand, der Schritt wurde schleppend, er litt unter Atemnot, ermüdete leicht. Zum 3. März notierte er im Kalender: Visite beim Arzt, Herzkranzgefäßverengung. Er nahm es gefaßt auf.

Am Morgen des 9. März gegen 4.20 Uhr rief er P. Rektor an: es ginge ihm sehr schlecht, er bekomme kaum Luft. Der Weg ins Krankenhaus wurde ihm jedoch erspart. Die letzten Worte waren das Stoßgebet "Lieber Gott, sei mir gnädig!" Er wiederholte es immer wieder. Möge der Herr, dem er so lange gedient hat, an ihm nun die Psalmverse erfüllen: "Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Du schaffst meinen Schritten weiten Raum" (Ps 18)!

R.i.p.