Bruder Otto Kahl SJ
* 18. Oktober 1891 in Witterda
8. Juli 1963 in Berlin

Im Nachruf für einen Verstorbenen liest man wohl manchmal die Worte: "Er hatte keine Feinde." Beim guten Bruder Kahl muß es aber heißen: "Ihm waren alle gut und in aufrichtiger, brüderlicher Liebe zugetan." Würdig steht er in der Reihe derer, die in der Compania Jesu den guten Kampf gekämpft haben.

Seine Heimat ist das schöne Thüringerland. Er wurde in Witterda b. Erfurt am 18. Okt. 1891 geboren.
Die Jahre bis zum Ausbruch des ersten Krieges sind friedlich und mit der Erlernung und Vervollkommnung des Schneiderhandwerks ausgefüllt, das er später im Orden so trefflich und zum Nutzen vieler ausgeübt hat.

Wenn man die vom Frieden Gottes gezeichnete Natur unseres lieben Mitbruders einigermaßen kannte, wird man sich vorstellen können, wie hart ihn die Einberufung zum Kriegsdienst traf. Er stand damals beim Militär in Rastenburg. So ging es hinaus an die russische Front, zuerst in die Kämpfe und dann in eine zweijährige Gefangenschaft in der Nähe des Ural. Nach seiner Entlassung kam er wieder nach Berlin, wo er früher schon gearbeitet hatte.

Allmählich scheint dann in ihm der Gedanke an den Ordensberuf Wurzel gefaßt zu haben, und so wandte er sich an seinen Pfarrer. Er wohnte in der Nähe der Matthiaskirche am Winterfeldtplatz, und der Pfarrer war der nachmalige Clemens August Kardinal Graf Galen. Man kann es sich lebhaft vorstellen, wie der gewaltige, grundgütige Mann zu ihm sagte: "Junge, geh zu den Jesuiten, da ist Dein Platz." Das tat er und wurde, das konnte man ihm anmerken, glücklich, soweit das hier auf Erden möglich ist.

Am 29. 10. 1926 trat er zu Exaten in Holland in das Noviziat ein, das dann von da nach Mittelsteine in der Grafschaft Glatz verlegt wurde. Der hl. Ignatius hat uns die Weisung hinterlassen, wir müßten als Jesuiten darauf gefaßt sein, oft zum Wanderstabe zu greifen. So blieb er nur kurze Zeit in Mittelsteine, kaum vier Jahre, um mit seinen wenigen Habseligkeiten nach Berlin zu ziehn. Zwei Jahre war er Sakristan in St. Clemens. Dann hieß es wieder: "Schnür Dein Bündel, Soldat Christi! Die neugegründete Litauische Vizeprovinz hat Dich nötig. Im Kolleg in Kaunas fehlt ein Schneider." Doch das Noviziat in Pagryzuvis schreit außer dem Schneider noch nach einem Sakristan. So blieb er im ganzen sechs Jahre in Litauen und versah das doppelte Amt.

Nachdem unter dem Naziregime Litauen in die Hände der Russen geraten war, kehrt er für ein Jahr als Schneider nach Mittelsteine zurück. Auch das wurde von den Nazis weggenommen, und so sieht ihn jetzt die Gabitzstraße in Breslau als Sakristan und als Gärtner in dem zwar kleinen, aber recht schönen Garten der Residenz. Bis zur Evakuierung der Stadt im März 1947 blieb er dort, wurde zunächst im Verlauf der Evakuierung von den Dominikanern in Schwichteler b. Vechta mit großer brüderlicher Liebe aufgenommen, zusammen mit anderen Mitbrüdern, schnürte wieder sein Bündel, versah vier Jahre lang den Hausmeisterposten der Canisiuspfarrei und war dann unser Hausgenosse auf dem Jakobsberg b. Bingen, als Pförtner und Schneider. Schließlich sehen wir ihn auf der Endstation seiner irdischen Pilgerfahrt im Peter-Faber-Kolleg, auch hier wieder als Pförtner und Schneider.

So steht er nun vor uns als ein Mann, dem es gelungen ist, das weniger Gute oder auch Abträgliche seiner Natur zu beherrschen, das Gute zu behalten und durch die Gnade zu veredeln. In guten und schlechten Tagen sich gleichbleibend, voll Geduld und mitbrüderlicher Liebe seine Arbeit verrichtend, um als Schneider und Pförtner das Wort des Herrn zu erfüllen: "Ich bin nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen." Und als er am Montag, den 8. Juli, frühmorgens seine Seele in die Hände seines Herrn, dem er so treu gedient hat, zurückgab, wird dieser, so hoffen wir, nicht gezögert haben, an ihm seine Verheißung zu erfüllen: "Komm, Du guter und getreuer Knecht, gehe ein in die Freude Deines Herrn."

R.i.p.