P. Alfred Kania SJ
geboren am 25. Januar 1925 in Ostrau/Schlesien
in die Gesellschaft Jesu eingetreten am 27. Oktober 1953 auf dem Jakobsberg/Bingen
zum Priester geweiht am 4. August 1960 in München
gestorben am 14. Juni 2009 in Berlin-Kladow

Er war die längste Zeit seines Lebens Lehrer und das hat wohl auch sein Wesen geprägt. In unnachahmlicher Weise lebte er seinen eigenen Lebensstil, der glaubwürdig und mitunter recht unzugänglich war. In seiner Überzeugung und in seinen Urteilen lebte er konsequent und unerschrocken. Sein Vater war Doktor der Rechtswissenschaft und in Prag sowie Wien tätig; später wurde er Bürgermeister von Ostrau. Die Familie entging den Folgen der Nazizeit und des 2. Weltkrieges nicht. P. Alfred Kania wurde geboren am 25.1.1925 im schlesischen Ostrau und wuchs in einer Familie mit 9 Kindern auf, wovon er der älteste war. Hier verbrachte er auch seine Jugend.

Die Volksschule besuchte er von 1934 bis 1935 im nunmehr mährischen Ostrau. Es folgte ein Schulwechsel in das Realgymnasium in Freudenthal. Als Jugendlicher wurde er mit 17 Jahren zum Militär nach Traunstein eingezogen. Bei einem Einsatz wurde er angeschossen und ein Bein musste amputiert werden. Diese Behinderung nahm er ganz bewusst auf sich und ertrug sie tapfer sein Leben lang. Die weitere Ausbildung absolvierte er von 1946 bis 1947 in Traunstein/Bayern. Hier ist erwähnenswert, dass er der Jugendleiter der Brüder Ratzinger war. Er nahm in dieser Zeit an einem Exerzitienkurs teil und lernte auf diese Weise die Gesellschaft Jesu kennen. Dieser erste Kontakt ließ in ihm die Berufung zum Priester der Gesellschaft Jesu wachsen. Nach dem Verlassen des ehemaligen Sudetenlandes begann für P. Kania die Suche nach dem entsprechenden Beruf. Zunächst entschloss er sich, in München Mathematik und Physik zu studieren; wohl nicht in der Absicht später einmal Lehrer zu werden. Dieses Studium dauerte 8 Semester und schloss 1953 mit der wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an den höheren Schulen ab. Im gleichen Jahr, am 27.10. trat er in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Seine drei Schwestern traten ebenso in einen Orden ein.

Unter dem Novizenmeister P. Otto Pies SJ verbrachte er von 1953 bis 1955 die ersten Ausbildungsjahre auf dem Jakobsberg bei Bingen. Darauf folgte der übliche Ausbildungsweg: von 1955 bis 1957 in München-Pullach das Studium der Philosophie und von 1957 bis 1961 in Frankfurt "St. Georgen" das der Theologie. Seine Priesterweihe erhielt er während des eucharistischen Weltkongresses am 4. August 1960 in München.

Sehr bald erhielt er dann die Destination an das Canisius-Kolleg in Berlin, wo er von 1962 bis 1988 als Lehrer für Mathematik, Physik und Religion 26 Jahre ununterbrochen tätig war. Eigentlich wollte er nie Lehrer werden, so bekannte er es einmal im Peter-Faber-Kolleg. Viele seiner Schüler hielten noch lange die Verbindung zu ihm.
Nach dieser langjährigen Tätigkeit, die er in seiner ihm eigenen Weise ausführte, ließen seine Kräfte nach und er konnte diese Arbeit am Canisius-Kolleg nicht mehr fortführen.

Danach ging ein von ihm lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Er konnte nach Koblenz, die Stadt, die er während seines Tertiates kennen und lieben gelernt hatte. Es begann dann eine seelsorglich fruchtbare Zeit. Er wurde dort zum gesuchten Beichtvater. Hier konnte er noch bis in das Jahr 2003 wirken. Noch bis zuletzt wollte P. Kania in Koblenz bleiben und seine Beichttätigkeit fortsetzen. Am 25.6.2003 wurde er dennoch in das Altenheim in Kladow versetzt. Dort zeigte sich sehr bald, dass er an einer fortscheitenden Leukämie litt. Es war ihm nicht leicht, dieses Leiden und seine unfreiwillige Hilfsbedürftigkeit anzunehmen. Sein Wille drang noch immer darauf, seelsorglich tätig zu werden, aber die Führung des Herrn hat es anders gewollt.

R.i.p.