Bruder Georg Muschiol SJ
Geboren am 20. September 1913 in Oppeln
Ins Noviziat in Mittelsteine eingetreten am 12. November 1933
Gestorben am 30. Juni 2001 in Berlin-Kladow

Du hast uns, Herr, mit deinem Blut erlöst aus allen Stämmen und Sprachen
Introitus des früheren Festes vorn Kostbaren Blut Christi

Zeitlebens blieb Br. Georg Muschiol Verehrer des Heiligsten Herzen Jesu. Am Vorabend des ehemaligen Festes vom kostbaren Blut Christi, das wegen seiner Ähnlichkeit zum Herz-Jesu-Fest abgeschafft wurde, verstarb er.

Geboren war er in Oppeln/Oberschlesien als einer von 8 Geschwistern. Von der Mutter, die ihm ihre tiefe Frömmigkeit ins Leben mitgab, sprach er immer wieder gern. Der Vater hatte seinerzeit in der "Schutztruppe Deutsch-Südwest-Afrika" gedient. Von ihm hatte er die Phantasie, die Unternehmenslust, die Vielseitigkeit und die Fähigkeit geerbt, verschiedenste Tätigkeiten gut und solide auszuführen. Große Porträtfotos der Eltern zierten bis zuletzt sein Zimmer.

1939 mit 19 Jahren trat er in das Noviziat in Mittelsteine ein. Zunächst war er 7 Jahre lang Koch. Nach dem Militärdienst kam er Januar 1941 nach Charlottenburg, bis im Dezember 1943 eine Luftmine das Haus zerstörte, Br. Fantin tötete und ihn selbst lebensgefährlich verletzte. Er mußte amputiert werden, zog sich in der Folge jedoch eine schwere eitrige Entzündung am Stumpf zu, so daß er erneut amputiert werden mußte; es folgte eine Rippenfellvereiterung und schließlich eine allgemeine Sepsis. Niemand hätte damals erwartet, daß er noch 57 Jahre leben und bei verschiedenen Arbeiten voll seinen Mann stehen würde. Im Januar 1945 kam er endlich aus den Heilanstalten und zog im Februar mit einem Flüchtlingstreck 5 Wochen lang nach Pullach, wo er das Kriegsende erlebte. Der Provinzial holte ihn 1947 nach Berlin zurück an das im Tiergarten eröffnete Canisius-Kolleg. Dort war er für alles zu gebrauchen: Pförtner, Maler, Hausmeister, Koch. Besonders schwer empfand er die Zeit, in der er zusätzlich auch noch mit dürftigem Gerät schlachten mußte. 1960 wurde er in das neuerrichtete Noviziat in Kladow versetzt. Zu den üblichen Tätigkeiten kamen hinzu: Einkäufer und - obwohl 100-prozentig schwerstbehindert - Chauffeur.

Als er hoch in den 70er Jahren war, blieb er zwar im Peter-Faber-Kolleg, siedelte jedoch endgültig in das Altenheim um. Dort klagte er zunehmend über Phantomschmerzen und Spastik im Stumpf. Es tat ihm gut, wenn ein Mitbruder ihn spielerisch als "Opferlamm" bezeichnete. In der Tat hat ihm die Gemeinschaft mit dem leidenden und kreuztragenden Jesus viel bedeutet. Nach Ostern 2001 wurde bei ihm ein aggresiver Tumor entdeckt, der zu seinem baldigen Tod führte.

Am letzten Tag des Herz-Jesu-Monats verstarb Bruder Muschiol.

R.i.p.