P. Günther Ruß SJ
* 25. Februar 1915 in Breslau (Schlesien)
20. November 1993 in Berlin-Kladow

P. Günther Ruß war ein echter Breslauer mit einem schlesischen Gemüt. Er konnte nur schwer "nein" sagen, versuchte aber seine Gutmütigkeit durch eine rauhe Schale zu verbergen. Er war der zweite von drei Söhnen. Sein älterer Bruder Kurt wurde im Krieg bei Stalingrad vermißt, sein jüngerer, Heinz, fiel 1942 als Soldat in der Ukraine. Während der Gymnasialzeit wuchs in Günther Ruß eine starke Marienverehrung, und er engagierte sich als Gruppenführer in der MC (Marianischen Congregation). Am 24. 4. 1935 trat er in Mittelsteine (Schlesien) in die Gesellschaft Jesu ein. Von August 1939 bis April 1945 wurde er zur Wehrmacht einberufen, und stieg bis zum Oberfeldwebel auf. 1941 wurde Günther Ruß schwer verwundet und verbrachte neun Monate im Lazarett. Danach war er Ausbilder von Offiziersanwärtern. Einige Mitbrüder waren in seiner Kompanie. Gegen Kriegsende sagte der "Oberfeld" seinen Männern: "Leute haut ab und geht nach Hause".

Während eines Studienurlaubs in seiner Militärzeit konnte Günther Ruß Philosophie und Theologie studieren und wurde am 30. 7. 1945 in Pullach zum Priester geweiht. Als junger Priester meldete er sich nach dem Krieg freiwillig zur Seelsorge deutscher Kriegsgefangener in Frankreich. Von 1948 bis 1950 vervollständigte er in Büren das Theologiestudium. Es folgten arbeitsreiche Jahre als Minister, Latein- und Religionslehrer am Berliner Canisius-Kolleg. Während dieser Zeit war er Präses der MC. Berühmt wurde seine "MiLo" (Missionslotterie), durch die er jedes Jahr den Missionen helfen konnte. Auf Wunsch von Kardinal Bengsch übernahm er am 1. 10. 1972 die Seelsorge in der Jugendstrafanstalt Plötzensee. Nach neunjähriger Tätigkeit dort, bat man ihn, sich der Gefangenen in der Untersuchungsanstalt Berlin-Moabit anzunehmen. Seinen Gefangenen galt seine ganze Kraft, sein Interesse und seine väterliche Fürsorge. 1986 endete diese Tätigkeit.

Kurz darauf, im Oktober 1987, erlitt P. Ruß einen Schlaganfall. Um sein Leben zu retten, operierte man ihn im St. Gertraudenkrankenhaus am Kopf. Er erlangte zwar das Bewußtsein wieder, behielt aber eine linksseitige Lähmung und eine Behinderung des Sprachzentrums. Am 6. 4. 1988 wurde P. Ruß nach einem Aufenthalt im Malteserkrankenhaus in das Peter-Faber-Kolleg gebracht, wo er bis zu seinem Tod am 20. November 1993 ein Pflegefall blieb.

P. Ruß verfolgte alles Geschehen mit regem Interesse. Er ertrug sein schweres Schicksal mit kindlichem Vertrauen in die Gottesmutter und geduldiger Ergebenheit in den Willen Gottes.

Möge er ruhen in Frieden.