P. Georg Straßenberger SJ
geboren 21. April 1898 in München
eingetreten in die Gesellschaft Jesu 14. September 1921
zum Priester geweiht 26. Juli 1929
gestorben 13. März 1986 in Berlin

"Ich freue mich auf und über jeden Sonntag, der mich mit der Kirche draußen in Verbindung bringt. Und ich bin beinahe traurig, wenn wieder einmal ein Sonntag vorbeigeht unter dem Motto: ,Niemand hat mich gedungen ...' Dazwischen gibt es Exerzitienkurse in Süd- und Westdeutschland, die nur durch die langen Verbindungswege mühsam erkauft werden müssen. Natürlich versäume ich nicht, wie der Riese Antäus in der griechischen Sage, durch Berührung mit dem (bayerischen!) Mutterboden meine Kräfte zu erhalten und zu erneuern. Aber jedesmal fahre ich wieder gerne ,heim' - eben nach Berlin."

Als P. Straßenberger diese Sätze für den "Canisius" schrieb, war er 85 Jahre alt. Sie können als Zusammenfassung und Charakteristik seines Lebens gelten.

Geboren wurde er am 21. April 1898 in der Kgl. Haupt- und Residenzstadt München. Diese Ursprünge hat er nie verleugnet. Und obwohl er später einen österreichischen Paß besaß und zunächst in der Schweiz, dann zuletzt in Berlin wirkte, blieb er dem deutschen Süden in Urwüchsigkeit und Sprachgewalt verbunden. Nach dem Abitur am Münchener Luitpold-Gymnasium studierte er zuerst 9 Semester für die Erzdiözese München-Freising. Am 14. September 1921 trat er in Feldkirch-Tisis in die Süddeutsche Provinz der Gesellschaft Jesu ein. Nach dem Philosophiestudium in Valkenburg machte er ein pädagogisches Praktikum von 1926-28 an der Stella Matutina in Feldkirch. Die Theologie absolvierte er in Innsbruck, wo er auch am 26. Juli 1929 zum Priester geweiht wurde. 3 Semester Musikstudium in Köln schlossen sich an. Die Lehrerlaufbahn schien endgültig vorgezeichnet, auch wenn er nebenher als Mitarbeiter bei den "Stimmen der Zeit" und als Kirchenmusikreferent tätig war. Anfangs war es für ihn ein arger Schock, als ihm ein Vorgesetzter bedeutete, daß er für das Lehrerdasein wohl nicht so recht geschaffen sei, dann aber wurde dies für ihn der Weg zu seiner eigentlichen Begabung: Predigt- und Beratungstätigkeit, Priesterseelsorge, Exerzitien, Begleitung vieler, vor allem jungen Mitbrüder. 34 Jahre verlebte er so in Vorarlberg, das er als seine "Wahlheimat" bezeichnete. 17 Jahre hielt er dann von Luzern aus die Priester-Rekollektionen für die Diözese Basel.

P. Provinzial Wehner hatte ihm des öfteren Exerzitienkurse in Berlin versprochen; nie wurde daraus etwas. 1962 nahm dann P. Bruno Schmidt die Sache in die Hand und lud P. Straßenberger ein. Dies war der Anfang regelmäßiger Sommeraushilfen in der Canisius-Pfarrei. Erstmals hatte er 1931 die Stadt besucht und dabei seine Liebe zu ihr entdeckt. "Alte Liebe rostet nicht", schrieb er selbst darüber. In den Jahren seit 1963 erwanderte er sich Berlin Straße für Straße. Überall konnte man auf den starken Mann mit den mächtigen Schuhen und der Umhängetasche stoßen. In jedem Sommer erschloß er sich einen anderen Bezirk. "Auch die Mauer bin ich entlang gegangen, nur ein kleines Stück, gegenüber von Köpenick, fehlt mir noch." Dieses Stück auch noch abzuwandern, war ihm nicht mehr vergönnt.

In den letzten Wochen ließen seine Kräfte nach. Der Schritt wurde noch schwerer, er war müde. Geistig blieb er aufgeschlossen für alles, er gab theologische Tips, las und studierte, seine Stimme verlor nichts von ihrer Stärke.

Am 12. März erschien er so geschwächt, daß es geboten war, ihn ins Franziskus-Krankenhaus zu bringen. Als er auf dem Einweisungsschein die Begründung "Lebensgefahr" las, meinte er: "was heißt denn das?" Bei der Krankensalbung betete er laut und vernehmlich mit und fügte von sich aus das "Ave Maria" an. Das Amen am Schluß der Feier klang wie das "Ich bin bereit" bei der Priesterweihe.

Am 13. März früh um 4.00 Uhr rief er die Nachtschwester wegen Atemnot. Er wollte ihr noch etwas sagen, konnte den Satz aber nicht beenden. Das Herz schaffte es nicht mehr.

Georg Straßenberger war mit Leib und Seele Priester und er wollte es bis zum Schluß sein. In den letzten Wochen spürte er an sich den Verfall der Kräfte und bat den Münchener Provinzial um einen Platz bei den Mitbrüdern des Berchmanskollegs. Der Herr kam dieser Versetzung mit Seinem Ruf voraus.

R.i.p.