P. Alfons Tanner SJ
* 15. April 1905
19. März 1976

Danzig war seine Heimat. Als Schüler fand Alfons Tandetzki - so hieß er ursprünglich - im Bund Neudeutschland nicht nur eine geistige Heimat, sondern auch die Möglichkeit, sein früh sich offenbarendes pädagogisches Talent zu entfalten. Erzieherischer Elan ließ Alfons den Lehrerberuf ergreifen. Doch im Jahre 1928 trat der Junglehrer in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein in Mittelsteine in Schlesien. Nach den Studienjahren in Valkenburg in Holland wurde dem jungen Priester im Jahre 1937 die Jugendseelsorge bei St. Ignatius in Breslau anvertraut. Aber die schöne Aufgabe wurde schnell zu einem erbitterten Kampf. Seit 1933 wurden nach und nach die Bünde und Vereinigungen kirchlicher Jugend unterdrückt und verboten. Mit erstaunlichem Mut, mit List und Humor und mit genialen Improvisationen führte der Pater in "Kreisen" und "Bibelstunden" seine Jugend dennoch weiter. Dann holte ihn die Wehrmacht und schickte den Sanitätsunteroffizier, als Jesuit des "Wehrdienstes nicht würdig", aus Rußland wieder heim.

1943 wurde P. Tanner Kaplan bei St. Sebastian, der Arbeiterpfarrei im Berliner Wedding. Im grauenhaften Ende des Krieges, in Trümmern und Not war seine Kaplanswohnung weit geöffnet für junge Menschen, für französische Zwangsarbeiter, für Fliehende und Hungernde.

Die fünfziger Jahre waren wohl der Höhepunkt dieses bewegten Lebens. Als Markkaplan war P.T. Mittelpunkt der Neudeutschen Jungengemeinschaft in Berlin. Gruppenstunden, Zeltlager, Romfahrten, Einkehrtage und Exerzitien und immer die täglich gefeierte Eucharistie sammelte zahlreiche junge Menschen durch seine Person um den Herrn. Das war Alfons nicht genug. Bis zum Bau der Mauer konnte er vielen Freunden aus Mitteldeutschland Gastfreundschaft und mancherlei Hilfe schenken. Wieviele Pakete hat er wohl ostwärts verschickt? In Berlin-Kladow errichtete er mit nicht zu erstickender Energie das Alfred-Delp-Heim und leitete es viele Jahre lang.

1968 gab er die so geliebte Jugendarbeit in jüngere Hände. Das Heim leitete er noch weiter. Trotz häufiger schwerer Erkrankungen setzte sich der alte Pater als echter Jünger des Hl. Ignatius nicht zur Ruhe. Nun waren die "Gestrauchelten" und "Hoffnungslosen" in Berliner Strafanstalten seine Freunde.

Leiden waren ihm genug zuteil. Nicht nur körperliche. "Was haben wir falsch gemacht?" fragte er, betrübt durch den Weggang von alten Freunden aus dem Priestertum oder auch aus der Kirche. Und die beiden letzten Lebensjahre waren nur noch Leiden und Teilnahme am Kreuz des Herrn. Am Fest des Hl. Josef 1976 ist Alfons Tanner in die Ewigkeit gegangen.

Worte, die Alfred Delp kurz vor seiner Hinrichtung niederschrieb und die P. Tanner in den letzten Jahren den Besuchern des Delp-Heimes mitzugeben pflegte, fassen wohl am besten das Leben des P. Alfons Tanner SJ zusammen:

      Brot ist wichtig.
      Die Freiheit ist wichtiger.
      Am wichtigsten aber die ungebrochene Treue
      und die unverratene Anbetung.

R.i.p.