P. Hans Wagner SJ
Geboren am 5. Dezember 1925 in Breslau
Ordenseintritt am 15. September 1945 in Rottmannshöhe
Priesterweihe am 31. Juli 1957 in Frankfurt
Gestorben am 30. November 2002 in Berlin-Kladow

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht,
wie du gesagt hast,
in Frieden scheiden.
Lk 2, 29

"Hans Wagner ist am 5. Dezember 1925 in Breslau (Elisabethkrankenhaus) geboren." So bezeugt es die Geburtsurkunde, die der 14-Jährige sich 1940 vom Breslauer Standesamt ausstellen ließ, und die er durch alle Wirrnisse rettete. Als er in den Jesuitenorden eintrat, wollte er Johannes genannt werden. Als er Ende April 2002 nach Kladow kam, wünschte er, wieder Hans genannt zu werden. War dies ein Zeichen, dass er heim, zum Ursprung wollte?

In einem gut katholischen Milieu wuchs er auf. Der Vater, ein Schuhmachermeister, betrieb in dem Dorf Gnichwitz (12 km von Breslau, 20 von Zobten) neben dem Geschäft eine Tankstelle. Das gute Verhältnis zum Pfarrer bestimmte Hans, Ministrant zu werden. Begeistert durch Predigten verschiedener Redemptoristen, wollte er Pfarrer werden, vielleicht sogar Redemptorist. Er kam ins Juvenat der Redemptoristen und in der Quinta auf das staatl. Gymnasium in Patschkau. Die Schulzeit wurde abrupt beendet, denn mit 17 wurde er zu Arbeitsdienst und Militär eingezogen. Drei Kesseln in Rumänien und Ungarn entkam er und wurde schließlich am Schienbein verwundet. Das Kriegsende erlebte er in Dänemark. Bald darauf trat er bei den Jesuiten ein.

Eine Wallfahrt zur hl. Hedwig zusammen mit 23 weiteren jungen Jesuiten endete im Unglück bei Herrsching. Er gehörte zu den acht Überlebenden, jedoch mit schweren Verletzungen, an deren Folgen er noch lange zu tragen hatte. Endlich, 1957 die Priesterweihe. Gleich nach der Theologie Kaplan in St. Alberts in Gießen, wo er heute noch in guter Erinnerung ist. 1960 Tertiat in Münster, danach Pfarrrektor in Gießen. Februar 1965 kam er für fast 15 Jahre nach Berlin: Zunächst Krankenseelsorger am St. Gertrauden-Krankenhaus, dann 1967 Direktor des Studentenheims "Wilhelm-Weskamm-Haus". Niemand ahnte damals, welche Schwierigkeiten das Jahr 68 mit seinen Studentenunruhen bringen werde. 1969, am 12. Jahrestag seiner Priesterweihe, wurde er von diesem inzwischen turbulenten und undankbaren Amt abgelöst. 1970 wurde das Heim geschlossen.

Nun folgte Mitarbeit in der Offenen Tür, später auch in der Katholischen Glaubensinformation, studierte fleißig Psychologie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie, was ihm für Seelsorgegespräche sehr nützlich war. 1975 berief ihn der Bischof zum Frauen- und Mütterseelsorger in West-Berlin. Die Frauenseelsorge war durch den Tod des Vorgängers fast zusammengebrochen. Durch die gute Mitarbeit vieler Frauen konnte diese Seelsorge wieder aufgebaut werden.

Zum 1. Januar 1980 verließ er Berlin und kam nach St. Ignatius, Essen, als Superior, später als Vizesuperior und Oekonom. Dazu Mitarbeit bei "Pastorale Dienste", Besinnungstage, Wochenendkurse und Exerzitien für Bergleute, Handwerker und Angestellte.

Wann die schleichende Krankheit begann, die ihn bis zu seinem Lebensende nicht losließ, ist ungewiss. Vielleicht war es eine Spätfolge des Unglücks von Herrsching. 1995 war er schon so geschwächt, dass ihn der Provinzial ins Altenheim nach Münster versetzte. Als dieses nach Köln-Mülheim umzog, kam er nach Berlin-Kladow ins Peter-Faber-Kolleg. 1992 hatte er einen Bericht über sein Leben niedergeschrieben. Der schließt mit den Worten: "Der Herr hat mir meinen Wunsch reichlich erfüllt: Als Priester Gott und die Seele kennen zu lernen", wie es der hl. Augustinus wünschte. Der Herr sei weiter meiner Seele gnädig!"

Requiescat in pace.