P. Gotthard Wahner SJ
* 9. Januar 1919
3. August 1972

P. Gotthard Wahner wurde in Putzig/Westpreußen als Sohn eines Juristen und dortigen Bürgermeisters geboren. Nachdem er in seiner Heimat Kindheit und frühe Jugend verbracht hatte, kam er mit dem Zeugnis der Mittleren Reife des Gymnasiums in Danzig-Langfuhr nach Breslau, wo er am Staatlichen St. Matthias-Gymnasium am 2. Februar 1937 das Zeugnis der Reife erlangte, das unter anderem den Vermerk trug: "er war zähe in der Arbeit", - eine Eigenschaft, die Pater Wahner sein Leben lang auszeichnete.

Am 3. November 1937 trat er in Mittelsteine in die Gesellschaft Jesu ein - ein Tag, da sich ein Mitbruder noch heute lebendig der hageren Gestalt im feierlich blauen Anzug mit dem breitrandigen schwarzen Hut und gewaltigen Bergschuhen erinnert. Freimut kennzeichnete schon den jungen Novizen, der anläßlich einer Maiansprache mit den Potentaten des NS-Regimes offen ins Gericht ging.

Da er schon im Dezember 1939 zur Wehrmacht einberufen wurde (bis 1. August 1940) und wiederum von Oktober 1942 bis August 1944, konnte er das Studium der Philosophie in Pullach eben nur in zwei Abschnitten bis 1945 absolvieren. In seiner Militärzeit war er in verschiedenen Ortslazaretten tätig; die Verwaltung und Abgabe von Medikamenten war ihm auch später im Kreis seiner Mitbrüder eine vertraute Aufgabe, die er gern wahrnahm.

Die Theologie studierte P. Wahner zunächst auch in Pullach, wo er am 25. Juli 1948 zum Priester geweiht wurde, und anschließend 1948/50 in Büren/Westfalen. Es folgten 1950/51 das Tertiat in Paray-le-Monial und 1951/55 in Rom ein Spezialstudium in Kirchenrecht. Daraufhin dozierte er dieses Fachgebiet in Montezuma/USA (1955/57) und 1957/63 in Comillas bzw. Madrid. Zurückgekehrt nach Deutschland, war P. Wahner zunächst als Studentenseelsorger in Mainz, dann ein Jahr als Mitarbeiter an der "Offenen Tür Berlin" und schließlich von 1965 bis zu seinem Tod als Seelsorger für jugendliche Strafgefangene in Berlin tätig.

Humor und volle Menschlichkeit haben P. Wahner geholfen, aussichtslose Situationen ohne harte Worte durchzustehen und spröde Rechtsfragen stets in ihrer Zuordnung zum konkreten, lebendigen Menschen zu sehen. So sachlich und ruhig er an sich war, so konnte er doch mitunter zum Eiferer werden. Mit Esprit und der ihm eigenen Redegewandheit verstand er es, die geistige Klinge zu kreuzen. Im Disput zeigte sich die wohl von seinem Vater geerbte gedankliche Schärfe und juristische Genauigkeit. Sein Wissen stellte er in den Dienst des Menschen, dem er in seiner ganzen Natürlichkeit begegnete. Herangereift in der Begegnung mit unterschiedlichen Menschen, Rassen, Völkern, Kulturen und Ländern, hatte er sich den Sinn für die Köstlichkeiten dieser Erde bewahrt. Schlicht und selbstverständlich wie P. Wahner sich gab, war auch der Glaube, aus dem heraus er sein eigenes Leben prägte und der ihm den unermüdlichen Eifer - fast heilige Unruhe - seiner seelsorglichen Aktivität gab. Ein Mensch, der selbst seit jungen Jahren von schwerer Krankheit gezeichnet war und doch immer Kraft und Schwung um sich zu verbreiten wußte, konnte nicht anders als aus religiösen Tiefen leben.

R.i.p.