Bruder Alois Wunderlich SJ
* 1. Juli 1911 in Breslau
6. Februar 1973 in Berlin

Bruder Alois Wunderlich stammte aus einer alten Breslauer Familie, die sich dem Vernehmen nach bis ins 14. Jahrhundert nachweisen läßt. Als gelernter Schlosser trat er 1934 mit 23 Jahren in die Gesellschaft Jesu ein, auf die ja sein Taufname Aloisius schon ein erster Hinweis war. Sein Noviziat machte er in Mittelsteine, wo sich damals über 40 Novizen zusammenfanden.

Nach seiner Ausbildung als Krankenpfleger im Aloisiuskolleg, Bad Godesberg, kam Br. Wunderlich 1937 nach Berlin. Dort sollte er, mit Ausnahme seines Kriegseinsatzes, die längste Zeit seines Lebens wirken. Von 1940 bis 1942 war Br. Wunderlich bei der Wehrmacht. Der Krieg hat ihn quer durch halb Europa geführt. 3 000 Kilometer, sagte er, sei er als Soldat marschiert. Besonders erinnerte er sich an eine aufregende Fahrt über vermintes Gelände, bei der hinter seinem Kraftrad eine Mine nach der anderen hochging. Doch der Herr ließ ihn alle Gefahren glücklich bestehen.

In Berlin arbeitete Br. Wunderlich zunächst im alten Canisius-Kolleg am Lietzensee. Von da wurde er ins Exerzitienhaus Biesdorf versetzt, um von 1946 bis 1965 im neuerrichteten Canisius-Kolleg im Tiergarten für vielerlei Aufgaben zur Verfügung zu stehen. Das war wohl die große Zeit für Br. Wunderlich. Von daher erinnern sich noch viele ehemalige Schüler des Kollegs an den stets freundlichen und gütigen Krankenbruder. Anschließend war Br. Wunderlich einige Jahre im Ignatiushaus tätig, bis man 1968 im ordenseigenen Altenheim Kladow einen Krankenbruder brauchte und ihn dazu ernannte.

Auf all diesen Posten war Br. Wunderlich zu allen möglichen Dienstleistungen bereit. Alle, die ihn kannten und mit ihm zusammenarbeiteten, sind sich in dem Urteil einig, daß er stets gütig und hilfsbereit war. Er konnte nie eine Bitte abschlagen; auch da nicht, wo es vielleicht richtiger gewesen wäre abzulehnen.

Ganz im stillen hatte Br. Wunderlich ein lebhaftes Interesse an der Geschichte und las gern historische Werke. Das hatte er wohl von seiner Mutter, in deren Familie es einen Kirchenhistoriker gab. Auch seine Freude an Domen und Kathedralen, deren Bilder er sammelte, hing wohl damit zusammen.

Es paßt zur stillen, bescheidenen Art von Br. Wunderlich, daß er ohne viel Aufhebens, als wäre es selbstverständlich, heimgegangen ist. Wohl merkte man, daß seine Kräfte nachließen, daß er nicht mehr der alte war; aber inmitten der Alten, die er zu betreuen hatte, galt er mit seinen 61 Jahren als jung. So kam sein plötzliches Sterben doch überraschend und unvermittelt: Während er am 3. Februar, einem Samstag, einem der alten Patres zur Messe diente, traf ihn ein Schlaganfall. Im St.- Franziskus-Krankenhaus tat man alles, um ihn zu retten; vergebens. Am 6. Februar holte der Herr seinen treuen Diener zu sich.

Das Wort vom "guten und getreuen Knecht" kam bei seinem Heimgang mehr als einem auf die Lippen. Er war ein treuer Bruder in der Gesellschaft Jesu. Viele wissen gar nicht, daß die Jesuiten auch Brüder haben, die in vielfachem Einsatz die gemeinsamen Aufgaben des Ordens mittragen. So verbindet sich mit der Bitte um die Seelenruhe von Br. Wunderlich die andere, daß der Herr jungen Menschen Muße und Freude zur gleichen Berufung schenken möge.

R.i.p.