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Link zur Hompage von P. Alois Koch SJ
Alois Koch SJ Aus: NIKEPHOROS 20, 2007, 209-211 Wie viele Athleten nahmen im Rahmen einer Disziplin bei den großen panhellenischen Agonen wie Olympia teil, etwa im Ringkampf? War die Teilnahme an eine „Qualifikation" gebunden? Welche Praktiken wurden von Athleten angewendet, um eine „Schwächung" durch sexuelle Unenthaltsamkeit zu verhindern? Bei Johannes Cassian gibt es Hinweise auf Details, die anscheinend in der sportwissenschaftlichen Literatur unbekannt sind. Bei der Durchsicht der Schrift „Über die Klostergründungen und die Mittel zur Heilung der acht Hauptlaster" des Johannes Cassianus (ca. 360-435 n. Chr.) {1} bin ich auf zwei Details aus der antiken Agonistik gestoßen, die ich weder bei J. Jüthner noch bei I. Weiler gefunden habe. Die erste Einzelheit bezieht sich auf eine anscheinend übliche „Qualifikation" für große Agone, bei denen offensichtlich die Zahl der Athleten, die teilnehmen konnten, begrenzt war, bzw. dass Auswahl- Kriterien die Teilnahme entschieden. Unter den genannten Kriterien geht es vor allem um das vierte, dass bei bestimmten Agonen nur oftmaligen Siegern die Teilnahme möglich war. Der ganze Text lautet:
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Der zweite Text bezieht sich auf eine Praxis der „sexuellen Enthaltsamkeit" seitens der Athleten, die ich auch in dem bekannten Artikel von Fiedler in der Zeitschrift „Stadion" von 1985 nicht gefunden habe {3}. In der schon erwähnten Schrift bezieht sich Iohannes Cassianus auf den bekannten Ausspruch des Paulus: „Jeder, der sich im Wettkampf befindet (= in agone contendere), enthält sich von allem" (1. Kor. 9,25). Dazu heißt es:
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Die „Lehre", die Johannes Cassianus aus dieser „Praxis" der Athleten zieht, lautet:
[Und weiter heißt es:] Was jene Kämpfer im irdischen Wettkampf durch die Reinheit des Leibes zu erreichen streben, das müssen wir auch im Inneren unseres Gewissens besitzen, in dem der Herr als Schiedsrichter (= arbiter) und Kampfvorsteher (= agonotheta) thront und stets auf unseren Wettlauf (= pugna cursus) und Wettkampf (= pugna certaminis) schaut {6}. *** Die Frage ist, wie diese Aussagen zu bewerten sind. Die „Kenntnisse" der antiken Agonistik, die sich auch sonst in vielen Bildern und Vergleichen des Johannes Cassianus finden, weisen nicht auf seine letzten Lebensjahre hin, die er von 415 bis etwa 435 n. Chr. in dem von ihm gegründeten Kloster in Marseille verbrachte, sondern auf seinen langjährigen Aufenthalt im Osten des römischen Reiches: Palästina mit Bethlehem, Ägypten und wohl auch Antiochien, schließlich Konstantinopel, wo er ein Vertrauter des Bischofs Johannes Chrysostomus wurde {7}. Während es für den Westen des römischen Reiches aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts kaum Hinweise auf ein Weiterleben der (griechischen) Agonistik gibt, ist diese gerade für den Osten durchaus noch präsent, wie etwa die Weiterexistenz olympischer Spiele in Daphne/Antiochien bis 520 n. Chr. belegt {8}. Anmerkungen{1} Zur Person des Johannes Cassian vgl. K.S. FRANK, Johannes Cassianus, in: RAC 18, 1998, 414-426. {2} Iohannes Cassianus, Institutiones V. 12; PL 49, S. 227 B-228 A—B. {3} W. FIEDLER, Sexuelle Enthaltsamkeit griechischer Athleten und ihre medizinische Begründung, in: Stadion 11,1985,135-75. {4} Johannes Cassianus, Institutiones VI. 7; PL 49, S. 275 B-277 A. {5} Johannes Cassianus, Institutiones VI. 8; PL 49, S. 277 A—B. {6} Johannes Cassianus, Institutiones VI. 9; PL 49, S. 278 A. {7} D.G. DOWNEY, The Olympic Garnes of Antioch in the Fourth Century, in: TAPA 70, 1939, 428-438. {8} A.A. VASILIEV, Justin the First. An Introduction to the Epoch of Justinian the Great, Cambridge 1950, 119; D.G. DOWNEY, A History of Antioch in Syria from Seleucus to the Arab Conquest, Princeton 1961, 518; I. WEILER, Theodosius I. und die Olympischen Spiele, in: Nikephoros 17, 2004, 53-75.
NIKEPHOROS
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