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22. April 1962 - Bley Bernhard
in Berlin

Er wurde am 17. Juli 1879 zu Cloppenburg im Oldenburger Münsterland geboren. Die Familie Bley war nachweislich seit Jahrhunderten dort ansässig. Bernhard war das älteste von vier Kindern. Sein Bruder Alfons wurde auch Jesuit. Er wirkte als Missionar in Brasilien. Seine Schwester Agnes wurde die Mutter der drei Patres Mauermann.

Der Vater Bernhard war Kaufmann und besaß eine Färberei. Er verunglückte, als Bernhard neun Jahre alt war. So fiel die Erziehung der Kinder ganz der Mutter Cäcilia zu.

Bereits während seiner Schulbildung auf dem humanistischen Gymnasium 'Antoninum' in Vechta wurde das Priestertum sein überzeugtes Berufsziel. Den letzten Anstoß dazu brachten die Exerzitien 1897 für die Vechtaer Kongregation in der Osterwoche in Blyenbeck. Dort war das Noviziat der deutschen Jesuitenprovinz unter Magister P. Ernst Thill. Dort trat Bernhard am 28. April 1897 in den Orden ein. Blyenbeck war fast zu klein, um die 72 Novizen unterzubringen. P. Thill stammte aus Volkmarsen in Hessen. Als Bley eintrat, war P. Thill (Germaniker) 30 Jahre alt.

Nach der Philosophie kam Bley ins Interstiz für vier Jahre an das Aloisiuskolleg in Sittard. Während der Theologie in Valkenburg empfing er dort am 28. August 1910 die Priesterweihe. Zum Abschluss seiner Ausbildung folgte das Terziat in Exaten, wo P. Thill gerade Instruktor geworden war.

Als erste Destination kam er nach 's-Heerenberg (Holland) als Sozius des Novizenmeisters. Doch schon am 25. August 1918 wurde er als Rektor in Sittard verkündet. Es war keine leichte Zeit, als P. Bley sein erstes Oberenamt antrat. Ein Jahr nach Ausbruch des Krieges wurde die wirtschaftliche Situation hier immer bedrohlicher. Die Einnahmen geschahen mit deutschem Geld, die Ausgaben mit Gulden. Sittard musste Anleihen aufnehmen und von der Substanz leben. Ostern 1920 sollte das Kolleg schließen und ein neues auf deutschem Boden erstehen. Die Gebäude mussten verkauft werden. Kirchliche und weltliche Stellen lehnten einen Kauf ab. Endlich kam eine Lösung: Das Kolleg sollte in ein Bergarbeiterheim für den Limburger Bergbau umgebaut werden.

P. Bley wurde als Rektor abgelöst. Erneut übernahm er das Amt eines Socius magistri mit der Absicht, ihn zum Nachfolger des 70-jährigen Magister Müller zu destinieren. Das geschah am 11. Februar 1920.

Aber es kam anders. Am 4. Juli erhielt er einen Brief aus Rom: seine Ernennungsurkunde zum Provinzial der Niederdeutschen Ordensprovinz. Bley war total überrascht. Keiner hatte mit ihm darüber gesprochen. Erst siebzehn Tage später meldete sich P. Provinzial Ludwig Kösters und fragte, ob er einen Brief aus Rom erhalten habe. Bald kam es zu einer Besprechung.

Von manchen in der Provinz war P. Konstantin Kempf, damals Rektor in Valkenburg, als neuer Provinzial erwartet. Das war auch in der Tat in Aussicht genommen, aber wegen seines Herzleidens sah man von ihm ab.

Als P. Bley am 8. September die Leitung übernahm, zählte die Provinz circa 680 Mitglieder, davon 343 Patres, 176 Scholastiker und 161 Brüder. Als er aus dem Amt schied, hatte die Provinz etwa 180 Mitglieder mehr.

Bis zum Jahre 1921 hatten die ostdeutschen Diözesen zur Galizischen Ordensprovinz (Provinzial in Krakau) gehört. Als P. Bley sein Amt antrat, gab es im deutschen Osten nur zwei Niederlassungen: in Berlin und in Breslau. Einzelne Patres waren allerdings auch an anderen Orten Schlesiens und Ostpreussens tätig. Der neue Provinzial betrieb die Gründung und den Ausbau ostdeutscher Häuser.

Am 8. Dezember 1927 konnten die ostdeutschen Häuser und Litauen als 'Pars Orientalis' der Niederdeutschen Provinz zusammengefasst werden. Schon am 2. Februar 1931 konnte die Ostdeutsche Provinz errichtet werden. P. Bley wurde erster Provinzial und blieb es bis März 1936.

Am 6. Januar 1939 wurde er - damals Theologen-Spiritual in Valkenburg - zum Apostolischen Visitator und Delegaten der Trierer Barmherzigen Brüder ernannt.

Fast neun Jahre später wurde er von Trier nach Berlin destiniert als Superior der kleinen Charlottenburger Niederlassung Herbartstraße. Von da war er seelsorglich tätig auch bei beschwerlichen Reisen in die Ostzone.

Im Jahre 1954 kam noch einmal eine größere Aufgabe auf ihn zu. Er wurde Rektor des Noviziatshauses auf dem Jakobsberg, nicht weit von Bingen. Dort blieb er bis zur Auflösung des Hauses.

Am 9. November 1960 siedelte er über nach Berlin ins Ignatiushaus. Seit 1961 ließen seine Kräfte nach. Er litt an Herzerweiterung und an Herzschwäche. Ödeme in den Beinen machten einen längeren Krankenhausaufenthalt nötig. Er kam nach Kladow ins Alten- und Pflegeheim. Dort hatte er mehr Ruhe und Pflege. Schon nach wenigen Wochen starb er dort am Ostersonntag gegen Abend.

Mitteilungen 1967, S 468ff

 

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