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5. Februar 1991 - Arrupe Pedro
in Rom

Als Papst Johannes Paul II. vernahm, dass P. Arrupe dem Ende nahe sei, besuchte er ihn kurz vor seinem Tod und gab ihm den apostolischen Segen.

Arrupe war der 28. General der Gesellschaft Jesu. Er starb im Alter von 84 Jahren.

Sein Leichnam war drei Tage lang in der Hauskapelle der Generalskurie aufgebahrt, wohin mehrere tausend Menschen aus allen Schichten kamen, um ihn zu ehren, zu beten, zu weinen und Gott dafür zu danken, dass er ihn uns geschenkt hat. Am 9. Februar wurde er in der Ordenskirche Il Gesù beigesetzt. Auf dem Sarg lag nur die Heilige Schrift. Hauptzelebrant war - gemäß einer alten Tradition - der Generalmeister des Dominikanerordens, P. Damian Byrne. Ihm assistierten acht Kardinäle, darunter Carlo Maria Martini SJ, der Erzbischof von Mailand. Etwa fünfhundert Priester, meist Jesuiten, konzelebrierten. Die Homilie hielt P. Kolvenbach, der Nachfolger als Generaloberer.

Arrupe war Baske, wie Ignatius. Er wurde als letztes von fünf Kindern in Bilbao am 14. November 1907 geboren. Mit fünfzehn Jahren begann er ein Medizinstudium in Madrid, das er 1927 aufgab, um am 14. Januar 1927 zu Loyola in das Noviziat der Jesuiten einzutreten.

Als die spanische Regierung die Aufhebung des Ordens verfügte, musste er ins Ausland. Der Scholastiker Arrupe studierte nun zunächst in Belgien, dann 1933-1936 in Valkenburg (Niederlande). Nach seiner Priesterweihe am 30. Juli 1936 in Marneffe (Belgien) studierte er das vierte Jahr Theologie in den USA. Zur Ferienarbeit ging er nach Mexiko. Nach seinem Terziat in Cleveland (Ohio) fuhr er am 15. Oktober 1938 per Schiff nach Japan, dem Land seiner langjährigen Sehnsucht.

Nach Studien der Sprache und Kultur Japans wurde er bereits 1940 als Pfarrer in Yamaguchi eingesetzt, aber schon 1942 zum Novizenmeister in Hieroshima ernannt.
Während des Krieges geriet er für dreiunddreißig Tage unter dem Verdacht der Spionage ins Gefängnis, eine Erfahrung, für die er seinen erstaunten Wächtern dankbar war. Und gegen Kriegsende am 6. August 1945 vormittags kurz vor 9 Uhr erlebte er den Abwurf der Atombombe.
Das Noviziat befand sich am Rande der Stadt. Arrupe eilte mit den Novizen den Opfern zu Hilfe. Nun waren ihm seine medizinischen Kenntnisse hilfreich. Das Noviziatshaus war zwar auch stark beschädigt. Fenster und Türen waren weg, einige Novizen verletzt. Dennoch wurde das Haus zu einem Behelfs-Spital für Bluttransfusionen eingerichtet. Etwa 220 Patienten fanden Hilfe und Pflege. Sie lagen am Boden, eng nebeneinander, und litten sichtbar. Auch der Kapellenraum war belegt.
Als Arrupe am nächsten Morgen zelebrierte und sich zum 'Dominus vobiscum' umdrehte (damals zelebrierte man noch nicht zum Volk), blieb er mit ausgestreckten Armen wie gelähmt stehen, als er diese menschliche Tragödie vor sich sah. Sechs Monate später konnten die letzten Patienten nach Hause. Nur zwei waren gestorben. Manche hatten die Taufe empfangen. Viele erkannten den Wert des Leiden und die Schönheit und Größe der Zuwendung der Nächstenliebe an die Opfer.

Arrupe blieb Novizenmeister bis zu seiner Ernennung zum Vice-Provinzial der Japanischen Ordensprovinz am 22. März 1954. Als dann vier Jahre später Japan zur selbständigen Provinz erhoben war, wurde Arrupe ihr erster Provinzial. Unter seiner Leitung blühte die Provinz auf in all ihren Unternehmungen und Aktivitäten.

Arrupe gab acht japanische Bücher heraus, darunter ein Buch über den Kommunismus, einen Kommentar zu den Exerzitien und sein vielbeachtetes Buch 'Ich habe die Atombombe erlebt'.

Im Jahre 1965 wurde Arrupe bei der 31. Generalkongregation des Ordens am 22. Mai 1965 im dritten Wahlgang zum Generalobern der Gesellschaft Jesu gewählt. Das Vatikanum II war gerade zu Ende gegangen. Eine Reihe von drastischen Veränderungen stand bevor. Sie wurden zum Prüfstein für ihn und sein Amt. Die Zahl der Jesuiten ging erheblich zurück. Viele verließen den Orden. Nur wenige traten ein.

Als General hat Arrupe viele Reisen unternommen, um die Jesuiten in aller Welt zu besuchen und zu ermutigen. Er erfuhr unvorstellbare Armut, aber auch unvergleichlichen Reichtum.
Bei all diesen Erfahrungen der Länder und Kulturen blieb er der Kirche leidenschaftlich ergeben. Er war ein Mann mit großen Visionen und mit einer ungewöhnlichen Begabung zu menschlicher Freundschaft. Seine letzte Sorge als General galt dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst, den er eingeführt hat.

Als Arrupe im Sommer 1980 die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit deutlich spürte, teilte er nach Beratung mit seinen Assistenten und Provinziälen dem Papst seine Absicht mit, vom Generalat zurückzutreten. Alle waren überrascht, dass der Papst diesem Vorhaben seine Zustimmung verweigerte. Arrupe blieb also im Amt und arbeitete bis zur Erschöpfung.

Am 7. August 1981, als er von einer vierzehntägigen Reise zu den Philippinen zurückkehrte, erlitt er auf dem römischen Flughafen einen Gehirnschlag, von dem er sich nicht mehr erholte.

Der Papst beauftragte die Patres Dezza und Pittau mit der kommissarischen Leitung des Ordens anstelle des von Arrupe vorgeschlagenen P. Vincent O'Keefe, seit 1965 Generalassistent.

Am 22. Mai 1982, dem 17. Jahrestag seiner Wahl zum General, hielt Arrupe eine Ansprache. Er sagte:
'Nun, da mir die liebende Hand des Herrn Beschränkungen und Grenzen auferlegt hat, danke ich Gott heute aus ganzem Herzen für alles, war er mich im Dienste Christi hat tun lassen in all den Jahren. Am Abend meines Lebens fühle ich mich dem Herrn, dem ich gedient habe, näher. Alle meine Mängel überlasse ich dem grenzenlosen Erbarmen seines Herzens in der sicheren Gewissheit seines Verstehens und seiner Liebe.'

Jahrbuch 1992, S.94

 

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