Georg Prange
50 Jahre Herz-Jesu-Gemeinde
Berlin-Biesdorf/Süd

  1. Die Entstehung und Entwicklung der Ortsteile Biesdorf-Süd und Kaulsdorf-Süd
  2. Die Entwicklung des Exerzitienhauses und der Gemeinde von den Anfängen bis zur Errichtung der Kuratie
  3. Kuratie und Exerzitienhaus von 1939 bis zum Kriegsende 1945
  4. Die Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum 25. Jubiläum
  5. Die Zeit bis heute
  6. Anmerkungen
  7. Unsere Gemeinde heute (Johannes Reiff)
  8. Exerzitienarbeit in Biesdorf-Süd (Johannes Reiff)
  9. Bildverzeichnis

  10. Namensregister
  11. Nachrufe
  12. Links
  13. Anhang 1: Faltblatt
  14. Anhang 2: Neubau des Exerzitienhauses Friedrich Spee


  15. Link zum Biesdorfer Prozess

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1. Zur Entstehung und Entwicklung der Ortsteile Biesdorf-Süd und Kaulsdorf-Süd

Die Anfänge des Ortsteiles Biesdorf-Süd reichen zurück bis etwa in das Jahr 1900 [1]. Damals übernahmen die Berliner Grundstücksmakler Julius Rieger und Albert Nieschalke von Biesdorfer Bauern ein im Südteil der Dorfgemarkung gelegenes Geländestück zur Parzellierung. Dieses reichte im Osten von der Wuhle, die schon seit dem Mittelalter die Grenze zwischen der Biesdorfer und der Kaulsdorfer Feldmark bildete, bis zur heutigen Köpenicker Straße im Westen. Im Norden stellten die heutige Heesestraße und im Süden die heutige Dubickstraße die Begrenzungen des Parzellierungsgebietes dar.

Die Bodenqualität des Areals war insgesamt gering. Sanddünen mit Kiefern bestanden, an den tiefer gelegenen grundwasserbegünstigten Stellen auch Laubbaumbewuchs, vornehmlich Eichen, Birken und Pappeln sowie Lichtungen mit Gras, Farnen und Gebüsch dürften damals die bestimmenden Bewuchsmerkmale gewesen sein. Besitzrechtlich handelte es sich um Teile der Bauernheide, deren wirtschaftlicher Nutzen für ihre Eigentümer, die im gut zwei Kilometer weiter nördlich gelegenen Dorf ihre Höfe bewirtschafteten, sicherlich nur verhältnismäßig geringe Bedeutung besaß, und ein vorteilhafter Verkauf der Ländereien für sie daher durchaus im eigenen Interesse lag [2]. Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung der südlichen Biesdorfer Feldmark durch den Anbau von Feldfrüchten oder als Viehweiden geschah, beiderseits der heutigen Köpenicker Straße, nur bis etwa zur heutigen Heesestraße.

Die Köpenicker Straße selbst war ursprünglich nur ein holprig gepflasterter ländlicher Fahrweg mit Gräben an beiden Seiten, auf deren Böschungen dichtes Brombeergestrüpp wucherte. Vor allem in seinem südlichen Teil zum Bahnhof Sadowa (dem heutigen Bahnhof Wuhlheide) hin flankierten den Weg außerdem hohe Pappeln. Benutzt wurde er von den Biesdorfer Bauern als Zufahrt zu ihren Ländereien im Südteil der Gemarkung sowie als ein, allerdings untergeordneter, Verbindungsweg nach Köpenick. Nach dem Entstehen von Biesdorf-Süd verband er dieses mit dem eigentlich alten Dorf bzw. mit


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der Frankfurter Chaussee, der heutigen Fernverkehrsstraße 1, und übernahm so die Straßenanbindung des neuen Ortsteiles an Berlin. Es lag also nahe, diese Verbindung bald zu verbreitern und die Pflasterung zu verbessern, was mittels normalen Kopfsteinpflasters geschah, ohne jedoch an der alten Streckenführung als solcher etwas zu verändern. Ein Blick auf alte Karten und Pläne zeigt das sehr deutlich. Dieser Ausbau wurde bis zum südlichen Ende der Kolonie, also einem kleinen Stück hinter der heutigen Dubickstraße, vorgenommen. Das ist noch jetzt bei etwas Aufmerksamkeit an der Straße selbst unschwer zu erkennen. Auf dem kurzen Abschnitt zwischen Zimmermann- und Dubickstraße ist der damals erreichte Zustand der Köpenicker Straße noch ziemlich unverändert erhalten geblieben. Weiter nach Süden zu blieb die Straße auch nach Parzellierung der beiderseitigen Ländereien nur ein schmaler, sehr holprig gepflasterter Fahrweg mit einem breiten sandigen Sommerweg. Letzterer wurde erst in allerjüngster Zeit teilweise befestigt.

Die Anbindung der Neugründung Biesdorf-Süd an Berlin auf dem Eisenbahnwege geschah dagegen über den an der sog. Ostbahn am nördlichen Dorfrand gelegenen Bahnhof Biesdorf oder aber über den zur Niederschlesisch-Märkischen-Eisenbahn-Linie gehörenden "Haltepunk" Sadowa, der seit 1929 Wuhlheide heißt.

Den Namen Sadowa verdankte diese Station sicherlich einem Ausflugslokal gleichen Namens am nördlichen Spreeufer westlich von Köpenick [3]. Man pflegte ausgangs des 19. Jahrhunderts derartige "Etablissements", gleich, ob es sich dabei nun um eine größere Gastwirtschaf, ein Vorwerk oder einen sonstigen Siedlungsausbau handelte, gerne nach einer für Preußen siegreich ausgegangenen Schlacht zu benennen. Hier also sollte offenbar die Schlacht von Königsgrätz, die gelegentlich unter dem böhmischen Namen Sadowa geführt wurde, glorifiziert werden. Dieses Köpenicker Gasthaus namens "Sadowa" besaß u.a. auch eine Dampferanlegestelle und stellte ein Ausflugsziel für die Berliner dar. Es läßt sich andererseits nichts erkennen, was sonst die Eisenbahnverwaltung hätte veranlaßt haben können, inmitten der


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damals ja völlig menschenleeren Wuhlheide eine Haltestelle "Sadowa" einzurichten.

An diesem Bahnhof also stand dann zu Zeiten stärkeren Ausflugsverkehrs oder nach vorheriger Vereinbarung ein Beauftragter der erwähnten Grundstücksmakler mit einem Break, einem pferdebespannten mehrsitzigen leichten Jagdwagen, bereit, um Interessenten in die "Villenkolonie Biesdorf-Süd" zu fahren, damit sie die zum Verkauf stehenden Parzellen besichtigen konnten.

Angeboten wurden Parzellen von ca. 900 bis 1200 qm Größe und nicht sehr großer Bodenqualität, zum Teil aber mit schönem Kiefern- und Laubbaumbestand. Der Quadratmeterpreis lag bei etwa 2,50 M, war also wesentlich günstiger als in etwa vergleichbaren Neugründungen im Westen und Südwesten Berlins, wo der Quadratmeter bis zu 17,00 M kostete oder selbst noch im Biesdorf-Süd benachbarten und zur gleichen Zeit aufstrebenden Karlshorst, wo 8,50 M gefordert wurden [4]. Im Gegensatz zu Karlshorst, das nach Einrichtung der Hindernisrennbahn im Jahre 1893 bald einen eigenen Bahnhof erhielt, lag Biesdorf-Süd erheblich verkehrsungünstiger, denn, von Koloniemitte an gerechnet, hatte man bis zur jeweils nächsten Bahnstation einen Fußweg von guten 3 Kilometern zu bewältigen. Dieser Nachteil wurde durch den verhältnismäßig niedrigen Bodenpreis ausgeglichen, so daß der Parzellenverkauf insgesamt doch recht erfolgreich verlief, weil die Nachfrage nach Gartengrundstücken im Berlin der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg verhältnismäßig lebhaft war.

Das hatte verschiedene Ursache, die hier allerdings nur beiläufig und undetailiert angesprochen werden können. Vorrangig wohl gab das Bedürfnis zahlreicher Berliner nach einem möglichst engen Kontakt mit der Natur den Ausschlag für ihren Drang in die unbestreitbar schöne Umgebung der Stadt, denn viele Hauptstadtbewohner stammten schließlich aus ländlichen Gebieten und fühlten sich in der Steinwüste der Großstadt auf die Dauer nicht wohl. Gelegentliche Ausflüge vormochten diesem Zustand nur wenig abzuhelfen und waren für weite Kreise letztlich


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auch zu kostspielig. So kam es am Weichbild der Stadt zur Entstehung der typischen Laubenkolonien [5]. Jede der sie bildenden Parzellen umfasste jeweils nur wenige hundert Quadratmeter und waren überdies von ihren Nutzern nur gepachtet, erforderten von ihnen also kein Eigenkapital. Wer dieses aber besaß, strebte oft lieber nach dem Erwerb eines größeren und vor allem eigenen Grundstücks in einer der auf den Gemarkungen der Berlin umgebenden Dörfer vielerorts entstehenden Kolonien, die sich gerne "Villenkolonien" nannten, wie z.B. Biesdorf-Süd.

Für den unter diesem Namen seit 1900 entstehenden kleinen Parzellierungskomplex war die Bezeichnung "Villenkolonie" sicher etwas zu hoch gegriffen; denn Bauten, auf welche die Bezeichnung "Villa" mit Recht anzuwenden gewesen wäre, wurden vor 1914 hier nur wenige aufgeführt. Vielmehr waren es mehr oder weniger geräumige Lauben, die das hiesige Bebauungsbild kennzeichneten. Heute würde man eher den Begriff "Bungalow" dafür verwenden. Es waren Sommeraufenthalte, durchgängig zwar solide gebaut, aber für eine Dauerbewohnung doch meist nicht ausreichend. Wenn eine Ansichtspostkarte [6] aus den Anfangsjahren der Kolonie einige Grundstücke in der Fortuna-Allee ausdrücklich als die "Sommerfrischen" der jeweiligen Eigener bezeichnete, so traf sie damit wohl eher den wahren Sachverhalt. Die Grundstücke wurden erworben, um darauf die Wochenenden und Ferien zu verbringen, oder auch, wo es die Umstände gestatteten, den ganzen Sommer über dort zu wohnen.

Schon um 1905 erfolgte der Anschluß an die vom nahen Lichtenberg ausgehende Gas- und Wasserversorgung. Vor allem letztere wurde von den Parzellenbesitzern sehr gern in Anspruch genommen. Der Anschluß an das Stromnetz geschah kurz vor dem Ersten Weltkrieg, spielte für das Leben in der Kolonie aber zunächst keine nennenswerte Rolle [7].

Lebensmittel und alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs mußten, sofern man sie nicht aus Berlin mitbrachte, im Dorf Biesdorf eingekauft werden. Während der Sommermonate betrieb ein Rummelsburger Lebensmittelhändler, der aus wohl gesundheitlichen Gründen während der warmen Jahres-


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zeit ständig auf seinem Grundstück in der heutigen Schwabenallee wohnte, behelfsmäßig einen kleinen Verkauf von notwendigsten Lebensmitteln, bis sich dann etwa 1910 in der Balzerstraße eine gut geführte Gemischtwarenhandlung etablierte. Sie erleichterte das Leben in der Kolonie ebenso wie die allmählich sich entwickelnde Belieferung mit Backwaren und Milch durch "im Dorf" [8] ansässige Bäcker und Bauern, die ihre Waren auf zweckentsprechend hergerichteten Pferdefuhrwerken direkt beim Verbraucher anlieferten.

Auffällig ist demgegenüber, daß innerhalb der ja bis zum Ersten Weltkrieg relativ kleinen "Villenkolonie Biesdorf-Süd" sehr bald drei Gastwirtschaften eröffnet wurden und sich dann offensichtlich auch ganz gut zu halten vermochten. Zwei davon bestehen noch heute in der Köpenicker Straße, nämlich der "Waldkrug" an der Ecke Heesestraße, und das heute als "Grüne Aue" firmierende Lokal an der Ecke Zimmermannstraße. Das dritte, an der Ecke Eichen-Allee, ist nach dem Zeiten Weltkrieg erst teilweise, dann gänzlich zum Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Biesdorf-Süd umgebaut worden, nachdem sich der letzte Inhaber des Lokals zur Ruhe gesetzt hatte. Das Gebäude selbst war schon seit langem Besitz der Kirche.

Die Existenzmöglichkeit dreier Gastwirtschaften beruhte vor allem auf dem Umstand, daß Biesdorf-Süd bis an den Beginn des Ersten Weltkrieges heran immer auch noch ein Ausflugsziel für die Berliner darstellte, die hier ein paar Stunden Erholung in der im ganzen ziemlich unberührten Natur suchten. Noch war das Terrain westlich der Köpenicker Straße bis nach Karlshorst hin von der Besiedlung kaum erfasst, sondern überwiegend mit Hochwald bestanden, in dem vielerlei Wild lebte. Etwa gegenüber der Einmündung der Zimmermannstraße in die Köpenicker Straße, ziemlich dicht am Straßenrand, befand sich eine von hohen Pappeln umstandene künstlich angelegte Wildtränke von ca. 20 x 20 m Fläche und ca. 2,0 m Tiefe, die das nicht sehr tief liegende Grundwasser und Niederschläge sammelte [9].

Auch die Wuhle besaß noch den urwüchsigen Charakter eines


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munteren Baches von ca. 2,00 m Breite und ca. 0,50 m Tiefe. Das schnell fließende Wasser wurde von zahlreichen Fischen bevölkert, während an den wiesenbestandenen Ufern Scharen von Fröschen hausten. Zudem bot sie für die Kinder ideale Möglichkeiten zum Plantschen und Spielen.

Diese hier nur andeutend geschilderten Anreize als Ausflugsziel wurden noch vermehrt, als um 1910 auf dem Gelände, das heute zu einem Teil vom Verschiebebahnhof Wuhlheide, zum anderen von der Siedlung "Biesenhorst" eingenommen wird, ein Luftschiff-Flughafen mit einer drehbaren Luftschiffhalle [10] entstand. Das ganze Projekt geht zurück auf Willi v. Siemens, den Sohn des berühmten Werner v. Siemens. Er hatte ein auf den Parsevalschen Konstruktionsprinzipien basierendes Luftschiff entwickelt und gebaut. Seit 1887 [11] aber gehörte das Gut Biesdorf der Familie v. Siemens. Es lag also nahe, daß sie ein Stück Gutsland, welches infolge schlechter Bodenqualität keine nennenswerten Land- oder forstwirtschaftlichen Erträge versprach, als Flugplatz zur Verfügung stellte. Die darauf errichtete Halle besaß eine Länge von 136,00 m und wies bei einer Breite von 25,00 m eine Höhe von gleichfalls 25,00 m auf. Ihr wichtigstes Merkmal lag in der Drehbarkeit des Gebäudes, wodurch ermöglicht wurde, das ganze Bauwerk in die nach den Windverhältnissen jeweils günstigste Start- oder Landeposition zu bringen. Das bedeutet damals eine wichtige technische Neuerung [12].

Um den Biesdorfer Luftschiffhafen an die Eisenbahn anzuschließen, wurde von der um 1900 gebauten Ostbahn-Entlastungsstrecke [13] Rummelsdorf-Kaulsdorf ein Gleis abgezweigt, das etwa entlang der Gemarkungsgrenze zu Friedrichsfelde/Karlshorst verlief, also im Bereich des heutigen Verschiebebahnhofs Wuhlheide. Bis zu dessen Baubeginn, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, waren vereinzelte Reste dieser Flugplatz-Zubringerbahnstrecke noch vorhanden.

Wie Zeitzeugen bestätigten, lockten die zahlreichen Starts und Landungen immer wieder viele schaulustige Berliner an, die dann auch die erwähnten Gartenlokale frequentierten und deren Existenz damit ermöglichten. Überdies wurden in


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den Gasthaussälen dann auch die zum Flugplatz gehörenden Militärmannschaften untergebracht. Bei der gesamten deutschen Luftschiffahrt der damaligen Zeit, also auch bei dem Biesdorfer Siemens-Projekt, spielten vornehmlich militärische Aspekte eine Rolle. Die Biesdorfer Halle wurde folglich nach dem 1. Weltkrieg demontiert, und das Flugplatzgelände erfuhr, wovon noch zu sprechen sein wird, anderweitige Verwendung.

Für die Entwicklung der Villenkolonie Biesdorf-Süd erwies sich der Flugplatz, der als solcher ja nur eine Episode blieb, insbesondere durch eine gewisse Werbewirkung als förderlich. Dennoch konnte die Gründung ihrem eigenen Anspruch, eine "Villenkolonie" zu werden und zu sein, nicht gerecht werden. Die Zahl derjenigen, die ihr Grundstück mit Baulichkeiten versahen, die eine ständige Wohnsitznahme gestattet hätten, wuchs bis zum Kriegsausbruch 1914 nur sehr wenig und zögernd an

Die überwiegende Mehrzahl der sich in Biesdorf-Süd Ansiedelnden gehörte zu den Leuten, die zwar in gesicherten und auskömmlichen Verhältnissen lebten, deren finanzielle Leistungskraft aber zur Verwirklichung größerer Bauvorhaben - wenigstens in kurzem Abstand zur Realisierung des Grundstückskaufs - nicht ausreichte, wenn auch mancher für die spätere Zeit einen Hausbau geplant haben mag. Viele solcher Pläne zerstörte dann der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Ein weiteres Hemmnis dürfte auch die schon erwähnte schlechte Verkehrslage der Kolonie gewesen sein. Wer täglich seiner Berufsarbeit in Berlin nachzugehen hatte, mußte morgens und abends jeweils einen halbstündigen Fußweg zu bzw. von einem der beiden genannten Bahnhöfe in Kauf nehmen. Das bedeutete besonders im Winter eine harte Belastung, zumal ein großer Teil des Weges, wenigstens anfangs, durch noch nicht parzelliertes Gebiet mit dementsprechend ungünstigen Wegeverhältnissen führte. Planungen, an der bereits erwähnten in Rummelsburg abzweigenden Entlastungsstrecke der Ostbahn, die am heutigen Elsterwerdaer Platz die Köpenicker Straße auf einer malerischen Ziegel-Gewölbe-Brücke kreuzte [14],


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nahe eben dieser Stelle einen Bahnhof einzurichten, wurden nie realisiert. Wäre es geschehen, hätte sich die Verkehrssituation für Biesdorf-Süd erheblich gebessert. Wenn auch unter gänzlich veränderten Umständen, feiert dieses Projekt aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg in dem neuen U-Bahnhof "Elsterwerdaer Platz" nach einem Dreivierteljahrhundert fröhliche Urständ.

Auch die damaligen Schulverhältnisse der Kolonie konnte man nicht eben als günstig bezeichnen. Kinder aus Biesdorf-Süd mußten die Gemeindeschule im Dorf Biesdorf besuchen, was ebenso wie der Weg zum Bahnhof mit einem jeweils halbstündigen Hin- und Rückmarsch verbunden war. Bei Gründung der Kolonie blieben in der damaligen Wald-, dann Rieger- und heutigen Alfelder Straße, an deren Einmündung in die Fortuna-Allee, zwar mehrere Parzellen für einen Schulbau reserviert, seine Verwirklichung wurde aber wohl nie ernsthaft betrieben. Die Schulgrundstücke gingen in den zwanziger Jahren in Privateigentum über.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges mag die "Villenkolonie Biesdorf-Süd" kaum viel mehr als 250 Dauerbewohner gezählt haben [15]. Die Mehrzahl der Parzellen wurde ausschließlich zu Freizeitzwecken während der warmen Jahreszeit genutzt.

Außer der Köpenicker Straße wurden in der Kolonie schon bei Siedlungsbeginn die Fortuna-Allee, die Heesestraße, die Eichenallee und die Balzerstraße mit Kopfsteinpflaster versehen, während die anderen Straßen vorerst unbefestigt blieben. In der Fortuna-Allee versuchte der Makler Nieschalke auf einem ihm gehörenden Geländestück durch ein "Sonnenbad", zu dem auch ein mit allerlei Turngerät ausgestatteter Kinderspielplatz gehörte, der neugegründeten Kolonie eine zusätzliche besondere Note zu geben und so ihre Attraktivität zu erhöhen; denn Aufenthalt, Bewegung und Spiel in Luft und Sonne begann man allgemein damals zunehmend als gesundheitsfördernde Werte zu schätzen. Ob das "Sonnenbad" in Biesdorf-Süd allerdings den von seinem Begründer sicherlich damit angestrebten kommerziellen Effekt erzielt hat, muß dahingestellt bleiben.

Ein für die Geschichte des Ortsteils Biesdorf-Süd nicht


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unbedeutsames Ereignis bedeutete der 1912 erfolgte Übergang eines Grundstückkomplexes, der bisher Julius Rieger, also dem einen der Mitbegründer der Kolonie, als Sommeraufenthalt gedient hatte, in die Hände einer katholischen kirchlichen Institution [16]. Dieses Areal, in der Fortuna-Allee, nördlich angrenzend an das erwähnte Sonnenbad-Gelände gelegen, sollte der Errichtung eines Exerzitienhauses dienen.

Bereits vor dem Ersten Weltkriege kam es zur Ausarbeitung und Festlegung detaillierter Pläne für eine umfassende Parzellierung der gesamten südlichen Biesdorfer Feldmark im Bereich des bäuerlichen Besitzes beiderseits der Köpenicker Straße in Richtung auf den Bahnhof Sadowa zu. Der Grundstücksverkauf setzte hier noch vor dem Kriegsausbruch von 1914 ein. Zu nennenswerter Bautätigkeit kam es kriegsbedingt jedoch vorerst nicht [17].

Auch auf dem von Biesdorf-Süd nur durch die Wuhle getrennten östlich benachbarten Südteil der Kaulsdorfer Gemarkung, dem nachmaligen Ortsteil Kaulsdorf-Süd, sowie im Nordteil der Köpenicker Feldmark setzte zu jener Zeit die Parzellierung ein. Die Straßenplanungen waren damals, wie zeitgenössische Karten ausweisen, bereits abgeschlossen [18]. Die um 1900 als Fahrweg ausgewiesene Verbindung [19] zwischen Köpenick und Kaulsdorf wurde anderthalb Jahrzehnte später im Köpenicker Bereich offiziell als "Kaulsdorfer Straße" und von der Kaulsdorfer Gemarkungsgrenze an nach Norden zu als "Köpenicker Straße" bezeichnet. In der ersten Hälfte der dreißiger Jahre wurde der letztgenannte Straßenname in Chemnitzer Straße geändert. Offensichtlich sollten Verwechslungen mit der Köpenicker Straße in Biesdorf-Süd vermieden werden.

Spätestens mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges verschwanden in Biesdorf-Süd endgültig die Träume von einer "Villenkolonie" im Sinne einer etwas exklusiveren Landhaussiedlung, wie sie vor allem am West- und Südwest-Rand Berlins entstanden waren. In Kaulsdorf-Süd und Köpenick-Nord tauchten sie erst gar nicht auf. Es entwickelte sich vielmehr im Laufe der weiteren Jahrzehnte in allen drei Orts-


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teilen jene typische Stadtrandbesiedlung, die zwar manche Ähnlichkeit besitzt mit den Laubenkolonien an der Weichbildgrenze der Stadt, aber mit dem Unterschied, daß infolge der größeren dem einzelnen Anlieger zur Verfügung stehenden Flächen die Baulichkeiten und Gärten großräumiger gestaltet sind, sie ihren eigenen unverwechselbaren Charakter ausgebildet hat.

Das Publikum, das sich in den drei hier interessierenden Ortsteilen niederließ, bestand überwiegend aus Leuten, die irgendwelche repräsentativen Anwesen ja weder erstrebten noch sie hätten ermöglichen können. Hier siedelten kleine Gewerbetreibende, selbständige Handwerksmeister, untere und mittlere Beamte, ebenso aber auch Pensionäre oder besser verdienende Facharbeiter sowie viele Angestellte, also Leute, die zwar ihr gutes Auskommen besaßen, aber das Kapital für einen Parzellenkauf hatten hart erarbeiten und zusammensparen müssen, und nicht selten lasteten kleine Hypotheken auf den Grundstücken. Die Mehrzahl der Käufer war gezwungen, trotz eines allmählich erreichten bescheidenen Wohlstandes mit jeder Mark zu rechnen. Das galt für die Zeit danach, während sich die Ortsteile allmählich zu ihrer heutigen Gestalt ausformten.

Während des Krieges 1914-18 begann die Nutzung des eigenen Grundstücks als eines Lieferanten dringend benötigter zusätzlicher Nahrungsmittel sehr bald zunehmend in den Vordergrund zu treten, die allgemeine Ernährungslage begann in Berlin bereits im 1. Kriegsjahr kritisch zu werden. Man nutzte nun seine Parzelle verstärkt, um Gemüse und Obst anzubauen oder auch, wo es die Umstände gestatteten, um Kleintiere zu halten. Die Beiträge, die in den Laubenkolonien und Siedlungen am Stadtrand für die Volksernährung geleistet wurden, erreichten erhebliche Ausmaße [20]. Sicherlich regten auch solche Aspekte schon während des Krieges manchen zum Erwerb eines eigenen Stück Landes an.

Neben dem Erholungswert, vor allem auch für die Kinder, blieb der direkte oder indirekte finanzielle Nutzen, den ein eigener Garten möglichenfalls zu erbringen vermochte, wenn er in der Freizeit intensiv genutzt wurde, auch später


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hin ein nicht zu unterschätzender zum Parzellenkauf ermunternder Anreiz, vor allem in der wirtschaftlich sehr schwierigen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Dann motivierte dazu aber auch sehr stark der Drang, den Belastungen, welche die Großstadt in ständig wachsendem Ausmaß dem einzelnen durch Beengtheit, Lärm, Staub und Lichtlosigkeit auferlegte, wenigstens zeitweise entfliehen zu können. Dieses Bedürfnis wuchs nach dem Kriege um so mehr, als die Berliner Wohnsituation, besonders für die weniger begüterten Kreise, außerordentlich schlecht war [21].

Käufe zur bloßen Geldanlage gehörten zu den Seltenheiten. Die Absicht, auf eigenem Grund und Boden einmal ein eigenes Häuschen zu errichten, bestand, unterschiedlich stark ausgeprägt, dagegen verbreitet. Zumeist jedoch begnügte man sich vorerst mit einem bescheidenen Wochenendhäuschen, das dann nicht selten in der Folgezeit zum Dauerwohnsitz ausgebaut wurde. Wenn auch mit heutigen Standards oft unzureichend, waren die sich daraus ergebenden Wohnmöglichkeiten besser als sie die Stadt in ihren Mietskasernen für viele zu bieten vermochte.

Alle diese Faktoren, die hier naturgemäß nur angedeutet werden konnten, mögen dazu beigetragen haben, daß sich nach 1918 die Parzellierung innerhalb der drei Ortsteil-Bereiche wesentlich und ziemlich schnell erweiterte. In Biesdorf-Süd wurde nicht nur das Gebiet südlich der alten Kolonie bis zur Wuhlheide hin davon erfaßt, sondern auch die Areale in Richtung auf das alte Dorf zu, zumal das Gut Biesdorf 1927 [22] an die Stadt Berlin veräußert wurde und beträchtliche Teile seiner Ländereien als Parzellen zum Verkauf kamen. Das Restgut wurde verpachtet.

Auf dem ehemaligen Luftschiff-Flugplatzgelände ließ sich schon am Anfang der zwanziger Jahre eine auf genossenschaftlicher Basis tätige und hauptsächlich aus Arbeitern bestehende Siedlergemeinschaft nieder, die hier eine auf Langzeit-Pachtverträgen beruhende Kleingarten-Kolonie mit dem Namen "Biesenhorst" ins Leben rief. Ihre Zielsetzung, sozial Schwächeren günstigere Wohn- und Lebensbedingungen zu ermöglichen, gelang infolge der zwischen den beiden


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Weltkriegen durchgängig schwierigen Gesamtwirtschaftslage nur teilweise. "Biesenhorst" blieb eher eine Laubenkolonie, wenn auch ein Teil der entstehenden Baulichkeiten, so gut es die jeweiligen Parzelleninhaber vermochten, zu Dauerwohnungen hergerichtet und als solche genutzt wurden.

Vergleichbare Entwicklungen wie in Biesdorf-Süd vollzogen sich auch in Kaulsdorf-Süd. Die Zahl der Wochenendhäuschen und Lauben überwog. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von ihnen baute man nach und nach gleichfalls zu Dauerwohnungen aus. Die Zahl der Ein- oder auch Mehrfamilienhäuser, die man in der Zeit vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Mitte der dreißiger Jahre errichtete, blieb dagegen in beiden Ortsteilen verhältnismäßig klein.

Ein für Biesdorf-Süd wichtiges Ereignis bedeutete um 1930 die Errichtung eines nach damaligen modernsten Gesichtspunkten gestalteten städtischen Altersheimes am südlichsten Ende der Köpenicker Straße, also in verhältnismäßig günstiger Lage zum Bahnhof Wuhlheide.

Erst um die Mitte der dreißiger Jahre belebte sich dann die private Bautätigkeit. Durch die vom Dritten Reich betriebene schnelle und umfassende deutsche Wiederaufrüstung kam es zu einer gewissen, wenn auch - wie sich sehr bald zeigen sollte - nur kurzzeitigen wirtschaftlichen Erholung. Immerhin konnte damals mancher Traum vom eigenen Häuschen im Grünen verwirklicht werden, zumal die Nazis, ausgehend von ihrer "Blut und Boden"-Ideologie, solche Entwicklungen nicht ungern sahen und sie begünstigten.

Es entstand so in den drei Ortsteilen zwischen 1934 und 1939 eine Anzahl von Ein- oder auch Mehrfamilienhäusern im Baustil jener Zeit. Sie entsprachen im allgemeinen modernen Wohnansprüchen, doch hielt sich aller Aufwand innerhalb der Grenzen des wirklich Notwendigen.

Damals wurde mit staatlicher Förderung auch die "Stadtrandsiedlung Biesdorf-Süd" in der Nordwestecke von Biesdorf-Süd, also etwa in dem Winkel, den heute der Gleiskörper des Außenringes und die Fernverkehrsstraße 1 miteinander bilden, gebaut. Hier sollten vorrangig kinderreiche Familien wohnen.


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Der Gesamtcharakter der Ortsteile als der einer Eigenheim-Gartensiedlung wurde durch alle diese Bauaktivitäten markant ausgeprägt.

Trotzdem sich an der ungünstigen Verkehrlage, vor allem von Biesdorf-Süd, zunächst wenig änderte, nahm die Zahl der Dauerbewohner nach 1918 in beiden Ortsteilen langsam aber stetig zu. Die für diese Entwicklung wichtigen Tendenzen wurden andeutend aufgezeigt. Sie spielten bei vielen Leuten offenbar eine bestimmendere Rolle als die ungünstigen Fahrverhältnisse, wenn sie sich zum Wohnen im Grünen in Biesdorf- oder Kaulsdorf-Süd entschlossen. Zur besseren Bewältigung des alltäglichen Weges zur und von der Bahn wurde beinahe zwangsläufig sehr schnell das Fahrrad zu einem wichtigen Hilfsmittel, das - für die meisten finanziell erschwinglich - sich rasch allgemeiner Beliebtheit erfreute. Seine Benutzung wurde dadurch gefördert, daß sich infolge der allmählich nahezu vollständigen Parzellierung des Gebietes die Wegeverhältnisse, wenigstens für das Befahren durch Radfahrer, verbesserten. Dieser Entwicklung trug die Reichsbahn Rechnung, indem sie schon in den frühen zwanziger Jahren am Bahnhof Wuhlheide eine Fahrradaufbewahrung einrichtete, bei der man morgens sein Gefährt abliefern und abends wieder abholen konnte, um den Weg zwischen Bahnhof und Wohnung relativ schnell und bequem zu bewältigen, während das Rad tagsüber gegen Witterungseinflüsse und fremde Zugriffe sicher verwahrt blieb. Eine Abonnementsregelung gestaltete überdies die tägliche Ab- und Ausgabe technisch ziemlich problemlos. Der eigens dafür geschaffene Schuppen stand auf einer starken Trägerkonstruktion an der Straßenböschung im rechten Winkel zur Front des Eingangsgebäudes des Bahnhofs Wuhlheide. Die Aufbewahrung sowie die daneben befindlichen Erfrischungs- und Zeitungsverkaufsstände wurden im letzten Krieg Opfer der Bomben und danach nicht wieder aufgebaut. Nur am Rande sei erwähnt, daß bis zum Zweiten Weltkrieg und auch später noch durchaus nicht wenige Ortsbewohner täglich per Fahrrad bis in die Stadt hinein zu ihrem Arbeitsplatz fuhren.


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Eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für Kaulsdorf-Süd ergab sich, als um 1930 die Autobuslinie 27 zwischen dem S-Bahnhof Kaulsdorf und Müggelheim, die auch den S-Bahnhof Köpenick berührte, eingerichtet wurde. Diese Verbindung erwies sich zudem auch für Teile von Biesdorf-Süd als verkehrtechnisch hilfreich.

Ebenfalls bereits in den zwanziger Jahren etablierten sich in beiden Ortsteilen nacheinander mehrere private Autofuhrunternehmer, die mit ihren Personenwagen am Bahnhof Wuhlheide bereitstanden und auf Kunden warteten, um sie jeweils zum gewünschten Ziel zu fahren. Nach Vereinbarung holten sie Fahrgäste auch von zu Hause ab und brachten sie zum Bahnhof. Für die Einzelperson kostete im Ortsbereich die Fahrt 1.- RM, für mehrere pro Person 50 Pfennige. Die Benutzung dieses Service blieb allein schon aus finanziellen Gründen für die Bewohner der beiden Ortsteile doch immer nur eine Ausnahme anläßlich besonderer Gegebenheiten. Für eine tägliche Nutzung durch Berufstätige spielte er keine Rolle. Immerhin vermochten sich drei dieser "Einmannbetriebe" bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges offenbar recht gut zu halten. Dann beendeten die kriegsbedingten Fahrverbote sowieso jeglichen privaten Autoverkehr.

Eine wirkliche Verbesserung der Verkehrverbindungen brachte für Biesdorf-Süd erst die Eröffnung der BVG-Autobuslinie D am 1. April 1938. Sie setzte am U-Bahnhof Friedrichsfelde ein und führte, an der Friedrichsfelder Kirche rechts abbiegend, die Treskow-Allee (heute Straße "Am Tierpark") entlang. Am damaligen Kant-Gymnasium (heute Hochschule für Ökonomie "Bruno Leuschner") bog sie in den Gregorovius-Weg und dann sogleich wieder in die Warmbader Straße (heute Robert-Siewert-Straße) ein, führte am Friedhof Karlshorst vorbei die heutige Klara-Schabbel-Straße entlang bis zur Gleiwitzer Straße und mündete an deren östlichen Ende, bei der heutigen Kaufhalle, in die Köpenicker Straße. Ihr weiterer Verlauf war dann im wesentlichen mit der Streckenführung der heutigen Omnibuslinie A 8 bis Waldesruh identisch. Zunächst nur in halbstündiger Folge mit normalen Eindecker-Bussen befahren, mußten diese bald durch Doppelstock-Busse ersetzt und die Wagenfolge, vor allem in den


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Hauptverkehrzeiten, erheblich verdichtet werden. Für das weiträumige Terrain Biesdorf-Süd, das die neue Linie ziemlich in seiner Mitte durchfuhr, war damit eine echte Verbesserung entstanden.

Das Projekt dieser Verbindung war prinzipiell nicht neu und in mancherlei Varianten schon seit Jahren immer wieder einmal im lokalen Gespräch, ohne jedoch einer Realisierung je näher zu kommen. Das Haupthindernis stellte vermutlich stets die Frage der Finanzierung dar; denn selbst diese technisch am wenigsten schwierige Verkehrslösung für Biesdorf-Süd, nämlich in Gestalt einer Autobusverbindung, ergab noch verschiedene Detailprobleme, die erst einmal bewältigt werden mußten. Zu den aufwendigsten Aufgaben gehörten dabei die Pflasterung des Straßenzuges Gregoroviusweg, Warmbader Straße, Gleiwitzer Straße sowie des Zuges Zimmermann- und Lindenstraße. Hier bedurfte es ferner einer ausreichend tragfähigen Brücke über die Wuhle. Das Kopfsteinpflaster der Köpenicker Straße sowie der Ulmen- und Kohlisstraße mußte mit einer wenigstens auf der Straßenmitte aufzubringenden Teerdecke bessere Befahrbarkeit erhalten. Diese Maßnahmen erforderten einen Zeitraum von mehreren Jahren und waren etwa Ende 1937 endlich abgeschlossen.

Die seit Ende des Ersten Weltkrieges ständig wachsende Zahl von Dauerbewohnern und die Ausweitung der Parzellierung auf das Maß, das im wesentlichen dem der heutigen entspricht, führte dazu, daß sich, über den ganzen Bereich verteilt, nach und nach kleine Lebensmittelgeschäfte auftaten und Handwerksbetriebe ansiedelten, wodurch sich die Versorgungsmöglichkeiten in beiden Ortsteilen zunehmend verbesserten.

Die Schulverhältnisse änderten sich vornehmlich für Kaulsdorf-Süd zum Positiven, als 1928 der Schulneubau in der Ulmenstraße (heute Bruno-Kühn-Oberschule) eröffnet wurde. Auch Kinder aus Biesdorf-Süd erhielten dort Unterricht, sofern sie nicht weiterhin die Biesdorfer Schule (heutige Otto-Nagel-Oberschule) besuchten, die für Schüler, die aus dem Gebiet zwischen der alten Kolonie und dem Dorf


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kamen, günstiger lag. Erst nach 1945 bekam auch Biesdorf-Süd eine eigene Schule

Brücken über die Wuhle gab es im Bereich der beiden Ortsteile zunächst nicht. Einer der frühesten Ansiedler in Biesdorf-Süd, der Besitzer des Restaurants "Zum Waldkrug" an der Heesestraße, pachtete dann aber Wiesenland an der Wuhle im heutigen Kaulsdorf-Süd und baute auf eigene Kosten einen hölzernen Fußsteg im Zuge der Heesestraße und Heerstraße über den nicht breiten Bach, um Gras und Heu besser nach Hause schaffen zu können. Das war noch vor dem Ersten Weltkrieg. Ähnliche kleine Übergänge entstanden - z.T. auf Initiative der örtlichen Grundbesitzer-Vereine - später auch im Zuge der Zimmermannstraße und der Dramburger Straße zur Lenbach-Straße. Fahrzeuge dagegen mußten noch lange entweder über den Straßenzug Alt-Biesdorf - Alt-Kaulsdorf die Wuhle kreuzen oder aber den Weg über Köpenick-Nord nehmen. Um 1930 wurde der Fußsteg zwischen Heese- und Heerstraße durch eine auch für Fahrzeuge passierbare, aber wiederum nur aus Holz gefertigte Straßenbrücke ersetzt, die bei dem geringen damaligen Verkehraufkommen allerdings vollauf genügte.

Mitte der dreißiger Jahre erhielt im Rahmen ihres Ausbaus die Zimmerstraße eine für Fahrzeugverkehr geeignete Brücke zur Lindenstraße, jedoch mit Rücksicht auf die künftige Benutzung durch Omnibusse als Massivbau ausgeführt.

Alles in allem hatten sich Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd nach dem Ersten Weltkrieg allmählich zu Siedlungen entwickelt, die trotz Uneinheitlichkeiten in den Details ihrer Bebauung in sich geschlossen wirkten, weil sich durch die Terrainaufgliederung in Gartengrundstücke von nicht zu geringer Größe und entsprechende Bauvorschriften für das Entstehen ausgesprochen städtischer Siedlungselemente kein Raum bot. Derartige Kleinhaus-Gartensiedlungen sind bis heute für den gesamten Berliner Stadtrand als Übergangszone zwischen der eigentlichen Stadt und dem flachen Land typisch geworden.

Die bis dahin trotz aller äußeren Schwierigkeiten ins-


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gesamt gedeihliche Entwicklung der beiden Ortsteile wurde um 1938 in Biesdorf-Süd insofern eingeschränkt, als für viele der im Bereich zur Grenze nach Friedrichsfelde-Karlshorst hin gelegenen Grundstücke Räumungsbefehle ergingen. Auch die entsprechenden Teile von Biesenhorst blieben nicht davon ausgenommen. Hier sollte Platz geschaffen werden für einen schon seit längerem projektierten großen Verschiebebahnhof der Reichsbahn. Bis zum Sommer 1939 waren die Räumungen im wesentlichen abgeschlossen.

Im Sommer 1939 wurden zwei behelfsmäßige normalspurige Bahngeleise quer durch beide Ortsteile gebaut, ausgehend von dem durch die heutigen Kaulsdorfer Seen eingenommenen Gelände bis hin zu dem vorgesehenen Bahnterrain. Hart nördlich des Kaulsdorfer Wasserwerkes wurde Erdreich entnommen und dann mit den Lorenbahnen, die man bald jeweils zweispurig erweiterte, zum Bahngelände geschafft. Dort, wo die beiden Sandbahnstrecken die Chemnitzer Straße und die Lindenstraße in Kaulsdorf-Süd sowie die Köpenicker Straße in Biesdorf-Süd kreuzten, waren beschrankte Bahnübergänge eingerichtet worden. Das Gros der Arbeitskräfte bestand nach dem alsbald erfolgenden Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zunächst aus polnischen, dann aber auch aus französischen und, nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Jahr 1941, aus sowjetischen Kriegsgefangenen, zuletzt überwiegend aus zivilen ausländischen Zwangsarbeitern. Auf dem Bahngelände selbst entstand 1941 das der Gestapoleitstelle Berlin direkt unterstehende berüchtigte "Arbeitserziehungslager Wuhlheide" [23]. Es war das eine Art Neben-KZ, dessen Insassen für die Reichsbahn schufteten. Von hier aus mußte übrigens auch der bereits todkranke Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg die Fahrt in das KZ Dachau antreten, auf der er am 4. November 1943 in Hof verstarb [24].

Das Bauprojekt "Verschiebebahnhof Wuhlheide" wurde noch bis ins Jahr 1944 hinein, wenn auch bedingt durch die Kriegsumstände mit immer geringer werdender Intensität, weiterbetrieben. Schließlich füllten sich die Kaulsdorfer


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Baggerlöcher rasch mit Wasser und wurden zu den heutigen Kaulsdorfer Seen, während der Torso "Verschiebebahnhof" vorerst auf Jahre seinem Schicksal überlassen blieb. Die Lorenbahngeleise wurden gleich nach Kriegsende abgebaut.

Der Beginn des 2. Weltkrieges brachte für das Leben in den beiden Ortsteilen zunächst keine Veränderungen, wenn man von der allgemeinen Verdunkelung, gewissen Luftschutzmaßnahmen und Ähnlichem absieht, wie es überall in Berlin in Erscheinung trat. Völlig neue Situationen entstanden dann allerdings mit dem im Spätsommer 1940 beginnenden Luftkrieg gegen die Stadt.

In diesem Jahre gab es in Berlin 57, im darauffolgenden 30 Luftalarme [25]. 1942 blieb mit 8 Alarmen ein vergleichsweise "ruhiges" Jahr. Wohl erfolgte sowieso nicht auf jeden Fliegeralarm zwangsläufig auch ein Angriff gegen die Stadt, sondern die gemeldeten Flugzeuge drehten gelegentlich vorher zu anderen Zielen ab. Die bei den damaligen Angriffen in Berlin entstandenen Schäden, so schlimm sie auch für die jeweils von ihnen Betroffenen waren, hielten sich, auf die Stadt im Ganzen gesehen, zunächst immer noch in überschaubaren Ausmaßen.

Das änderte sich dann dramatisch im Jahre 1943, das 81 Alarme brachte, denen zum Teil, vor allem während der zweiten Jahreshälfte, verheerende Bombardements folgten. Ganz schlimm wurde es dann für Berlin 1944, wo es ca. 280 mal Alarm gab, davon 65 mal am Tage. Die Wucht der einzelnen Angriffe erreichte teilweise katastrophale Dimensionen, und die Zahl der "Ausgebombten", also derer, die sich plötzlich aller ihrer Habe und der Wohnungen beraubt sahen, wuchs rasant. Besonders furchtbar wurde es dann 1945, wo es bis zum 20. April, d.h. innerhalb von knapp vier Monaten, ca. 170 Alarme gab.

Für Ausgebombte erwies es sich bald als ein großer Vorteil, wenn sie irgendwo am Stadtrand ein Feriendomizil besaßen, in das sie sich nun flüchten konnten; denn die Unterbringung der vielen bei den Luftangriffen obdachlos Gewordenen konnte man, soweit überhaupt, nur noch in immer unzulänglicherer Weise bewältigen. So avancierten auch


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im Bereich von Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd während jener Jahre viele Wochenendhäuschen zu Dauerwohnungen ihrer Besitzer.

Ferner versuchte man, durch die Errichtung von sog. "Behelfsheimen" die ständig bedrängender werdende Berliner Wohnungsnot zu lindern. Bei diesen Behelfsheimen handelte es sich um genormte, zumeist massive, zweiräumige Kleinstbauten, die in keinem Falle mehr als eine Notunterkunft boten. In Biesdorf-Süd entstanden auf zusammenhängendem Terrain eine Anzahl solcher Bauten an der Westseite der Köpenicker Straße, etwa auf der Höhe zwischen Elsenallee und der Arnfriedstraße. Auch auf Privatgrundstücken wurden verschiedentlich solche Notbauten errichtet.

Die Bewohner der beiden Ortsteile in gleicher Schwere belastende Probleme ergaben sich während des Krieges aus dem Fehlen auch nur annähernd zulänglicher Luftschutzräume. Die Keller der Siedlungshäuser gewährten selbst nach ihrem luftschutzmäßigen Ausbau kaum mehr als eine einigermaßen hinreichende Sicherheit vor umherfliegenden Granat- oder Bombensplittern. Gegen nahe und noch viel weniger gegen direkte Bombentreffer boten sie dagegen kaum einen Schutz. Manche Leute erstellten sich auf ihrem Gartengelände ebenfalls meistens nur sehr beschränkte Sicherheit bietende Erdbunker. 1942 kam es dann staatlicherseits im Berliner Raum endlich zum Bau von Betonbunkern, die zwar auf Grund ihrer Bauweise erhebliche Sicherheit für die Insassen gewährleisteten, aber sowohl von ihrer Anzahl her als auch vom jeweiligen Fassungsvermögen bei weitem nicht ausreichten [26].

In Biesdorf-Süd wurden dicht nebeneinander zwei Bunker zwischen Balzerstraße und Arnfriedstraße gebaut, in Kaulsdorf-Süd einer an der Gerdastraße. Für diesen Ortsteil gab es außerdem noch einen einigermaßen hinreichend ausgebauten Schutzraum im Schulgebäude in der Ulmenstraße. Praktisch von Wert waren diese Bunker nur für nahebei Wohnende, während sich für die weiter entfernt Ansässigen keinerlei Veränderung ihrer prekären Situation ergab. Die damals errichteten Bunker wurden bald nach Kriegs-


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ende gesprengt und dann abgeräumt.

Schließlich kam es etwa von 1943 ab an verschiedenen Stellen noch zum eiligen Aushub von sog. "Splittergräben", die, mit Betondielen und Erde notdürftig abgedeckt, bestenfalls einen gewissen Schutz vor Bomben- oder Granatsplittern gewährten. Auch diese fragwürdigen Bauwerke wurden unmittelbar nach Kriegsende wieder beseitigt.

Gemessen an den Verheerungen, die der Luftkrieg im eigentlichen Stadtgebiet anrichtete, kamen Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd glimpflich davon. Nicht etwa, daß hier weniger Bomben gefallen wären, sondern auf Grund der Siedlungsgestaltung blieben ihre Wirkungen geringer, z.B. weil Brände infolge der Einzellage der Baulichkeiten nur selten von einem auf ein anderes Objekt übergreifen konnten. Oder oft fielen Bomben auf Freiflächen oder in Gartengelände, wo sie nur geringeren Schaden anzurichten vermochten als im dicht bebauten innerstädtischen Bereich. Dennoch ließen sich allein für Kaulsdorf-Süd insgesamt ca. 460 Schadensstellen ermitteln [27], und in Biesdorf-Süd, für das keine vergleichbar abgesicherten Feststellungen getroffen werden konnten, dürfte sich keine günstigere Zahl ergeben.

Während der Schlacht um Berlin im April und Mai 1945 kamen beide Ortsteile gleichfalls verhältnismäßig glimpflich davon. Sie konnten nahezu kampflos am 23. April 1945 von sowjetischen Truppen besetzt werden. In der hart an der westlichen Biesdorfer Gemarkungsgrenze in Karlshorst gelegenen sog. "Pionierschule" [28] wurde am 8. Mai 1945 die Kapitulation der Deutschen Wehrmacht unterzeichnet. Bis zum Ende der Kämpfe um Berlin, am 2. Mai 1945, lagen beide Ortsteile allerdings noch im unmittelbaren Fronthinterland und mußten alle Schrecken und Gefahren erdulden, die sich aus einer solchen Situation ergaben. Neben vielem anderen gehörte dazu auch der völlige Zusammenbruch jeglicher Versorgungen. Vor allem erwies sich der Ausfall der Trinkwasserversorgung als sehr belastend. Man behalf sich so gut es ging mit Wasser aus Brunnen, die hier und da noch in den Gärten oder auf der Straße vor-


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handen waren

Zahlreiche der Bewohner des benachbarten Karlshorst, die ihre Häuser und Wohnungen für Zwecke der Besatzungsmacht räumen mußten, sowie Berliner, die infolge der Zerstörungen durch die Kämpfe in der Stadt ihr Heim verloren hatten und andere Flüchtlinge, suchten in Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd Zuflucht. Nicht wenige von ihnen blieben dann für immer hier.

Alle, die jene schrecklichen Tage und Wochen bewußt miterlebten, erinnern sich ihrer - selbst heute noch - nur sehr ungern. Doch schon im Laufe des Monats Mai begann sich dann auch in den beiden Ortsteilen, analog der Gesamtentwicklung in Berlin, das Leben langsam wieder zu normalisieren. Die Weichen für einen Neuanfang waren gestellt.

Hier ist nun nicht der Rahmen, um alle Phasen der gerade in den ersten Jahren äußerst schwierigen Nachkriegsentwicklungen detailliert darzustellen. Die ausgesprochen knappe Lebensmittelversorgung, der Mangel an Bekleidung und Heizmaterial sowie allen übrigen Gütern täglichen Bedarfs, die Beseitigung der Kriegsschäden an den Gebäuden - das und noch mehr waren allgemeine Probleme als Hinterlassenschaft der Naziherrschaft und natürlich auch in den beiden Ortsteilen voll wirksam.

Für die Parzellenbesitzer erwiesen sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Gartengrundstücke wieder als wichtige Hilfe, um die äußerst geringen Zuteilungsrationen an Lebensmitteln durch selbst angebautes Gemüse und Obst etwas aufzubessern. Wer es irgend konnte, hielt auch Kleintiere. Nach und nach fielen in jener Zeit zahlreiche Bäume des an sich schon nicht mehr sehr ausgedehnten Waldbestandes von Biesdorf-Süd der Not zum Opfer, besonders in dem furchtbaren Extrem-Winter 1946/47. So wurde der Kiefernhochwald, der auf dem Terrain zwischen der Alfelder Straße, der Alberichstraße, der Kolonie Biesenhorst und dem Bahngelände stand, bei zahlreichen, jeweils auf eigene Faust vorgenommenen "Brennholz-Aktionen" vollständig abgeholzt. Die Not zwang die Leute zu solchem


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illegalen Tun. Seit Mitte der siebziger Jahre befindet sich auf eben diesem Gelände eine ausgedehnte Dauer-Kleingartenanlage.

An Verkehrsverbindungen standen in den ersten Nachkriegsjahren für Biesdorf-Süd nur die S-Bahn vom Bahnhof Biesdorf und die Straßenbahn in Karlshorst und für Kaulsdorf-Süd die S-Bahn vom Bahnhof Kaulsdorf und die Straßenbahn in Mahlsdorf-Süd zur Verfügung, was für viele berufstätige Einwohner beschwerliche tägliche Anmarschwege bedeutete.

Ein am Ende der vierziger Jahre auf der Strecke der BVG-Linie 27 zwischen Köpenick und Kaulsdorf eingerichteter privater Busverkehr blieb ebenso Episode wie eine mit Dampflokomotiven und Dieseltriebwagen betriebene Bahnverbindung zwischen dem S-Bahnhof Kaulsdorf und dem S-Bahnhof Grünau, die auch den 1948 wieder in Betrieb genommenen S-Bahnhof Wuhlheide berührte. Beide Einrichtungen verschwanden bald wieder.

Ende der vierziger Jahre wurde dann auch der Betrieb auf den beiden Buslinien wieder aufgenommen. Da aber zunächst nur alte, zum Teil sogar längst ausrangiert gewesene Fahrzeuge zur Verfügung standen, die bei dem Mangel an Ersatzteilen, insbesondere Bereifungen, trotz aller Bemühungen nie in betriebssicherem Zustande gehalten werden konnten, kam es häufig zu für die Benutzer sehr lästigen Unregelmäßigkeiten in der Wagenfolge. Diese Mängel besserten sich erst sehr allmählich in den frühen fünfziger Jahren. Insgesamt gesehen aber hatten Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd um 1950 ihre alte verkehrsmäßige Anbindung an Berlin wiedererlangt.

Eine wahrhaft merkwürdige Entwicklung machte ein Grabensprung/Ecke Weißenhöher Straße, also am nördlichen Rande von Biesdorf-Süd gelegener Gebäudekomplex durch. Teile der Baulichkeiten, die hier heute das Krankenpflegeheim "Dr. Arno Philippsthal" beherbergen, entstanden kurz vor Beginn und während des letzten Krieges im Zusammenhang mit der Arbeitsaufnahme am projektierten Verschiebebahnhof Wuhlheide auf einem Geländestück, das bis dahin vom Rest-Gut Biesdorf oder von Bauern des Dorfes vorwiegend landwirtschaftlich, vornehmlich als Weideland, genutzt wurde.


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Die barackenähnlichen, z.T. zweigeschossigen Häuser dienten dann, immer wieder etwas erweitert, unterschiedlichsten Zwecken, so u.a. als Kriegsgefangenenunterkunft, als Zwischenstation für 1940 aus östlichen Nachbarländern nach Deutschland umgesiedelte sog. "Volksdeutsche", dann über längere Zeit hin als Unterbringung für ausländische Zwangsarbeiter und direkt nach Kriegsende schließlich kurze Zeit auch als Sammellager für deutsche Kriegsgefangene aus den Kämpfen um Berlin, danach als Sammelstelle für ausländische Zwangsarbeiter vor ihrem Rücktransport in die jeweiligen Heimatländer bis es im Sommer 1945 zu einem Behelfs-Krankenhaus umgestaltet wurde. Aus diesem entstand dann ein Pflegeheim für ständig pflegebedürftige kranke und alte Mitbürger. Außerdem befindet sich hier ein für die medizinische Versorgung von Biesdorf wichtiges Ambulatorium mit mehreren dazugehörigen Nebeneinrichtungen. Die Entwicklung vom Barackenlager der Nazizeit zu einer wichtigen Berliner Sozialeinrichtung bedingte von 1945 bis heute eine Vielzahl von aufwendigen und durchgreifenden Um- und Ausbauten sowie baulicher Erweiterungen. Der Name der Institution hält die Erinnerung an den angesehenen vordem in Biesdorf praktizierenden jüdischen Arzt Dr. Arno Philippsthal wach, der 1933 von den Nazis feige ermordet wurde.

Um 1950 erfuhr auch das schon erwähnte Städtische Altersheim in der Köpenicker Straße durch einen großzügigen Neubau eine erhebliche Erweiterung.

Gleichfalls zum Anfang der fünfziger Jahre erhielt Biesdorf-Süd in der Dankratstraße, also in zentraler Lage, endlich ein eigenes Schulgebäude, nachdem die 1945 ausschließlich für den Ortsteil eingerichtete Schule bis dahin mit ihren oberen Klassen provisorisch in der Schule von Kaulsdorf-Süd in der Ulmenstraße untergebracht war, während die unteren Klassen zunächst im sog. "Volkshaus" in Biesenhorst, dann in Räumlichkeiten des Altersheimes in der Köpenicker Straße sowie in einem Nebenraum der


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Gaststätte "Zum Waldkrug" und schließlich in einer ehemaligen Bürobaracke in der Warmbaderstraße (heute Klara-Schabbel-Straße) unterrichtet wurden. Direkt neben dem Schulbau von 1952 entstand um 1975 ein nach modernsten Gesichtspunkten ausgeführter Neubau, der allen heutigen Anforderungen an eine Schule gerecht wird.

Eine für Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd gleichermaßen wichtige Unternehmung stellte die Verbreiterung und Tieferlegung der Wuhle dar, die 1950 in Angriff genommen wurde [29]. Der Anlaß für dieses aufwendige Projekt steht in mancherlei engen Zusammenhängen mit der Entwicklung beider Ortsteile, vor allem von Biesdorf-Süd.

Eines jener kleinen Fließe im Raum Berlin, die in Nord-Süd-Richtung, vom Barnim kommend, das alte Urstromtal durchqueren und in die Spree münden, ist die Wuhle. Sie entspringt bei Ahrensfelde (Krs. Bernau) und hat ihre Mündung westlich der alten Stadt Köpenick. Die Länge des Flüsschens beträgt etwa 17 Kilometer. Es war ein in vielen Windungen ziemlich schnell dahinfließendes Gewässer von durchschnittlich ca. 1,50 m Breite und ca. 0,50 m Tiefe. Etwa seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts erfüllte die Wuhle zudem die Funktion eines Vorfluters der Falkenberger und Hellersdorfer Rieselfelder, d.h., die hier geklärten und gereinigten Abwässer Berlins führte sie der Spree zu. Ende der zwanziger Jahre wurde der Lauf etwas begradigt und seine Ufer verfestigt, wodurch jedoch keine nennenswerte Änderung der Ursprünglichkeit im Gesamterscheinungsbild des Flüsschens eintrat. Die Wiesenflächen an beiden Ufern profitierten von gelegentlichen Überflutungen bei Schneeschmelzen oder Starkniederschlägen.

An anderer Stelle schon wurde beiläufig darauf verwiesen, daß sich das Terrain von Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd ursprünglich durch einen hohen Grundwasserstand auszeichnete, wenn man von jenen Flächen absieht, die Sanddünen bedeckten, von denen die sog. "Fuchsberge" in Biesdorf-Süd, westlich der Köpenicker Straße nahe der heutigen Schule, bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges als ein


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charakteristisches Relikt erhalten geblieben waren. Durch die Anlage von Tiefbrunnen in der Wuhlheide und jahrelang durch Baumaßnahmen bedingte Wasserhaltungen, wie etwa beim Bau der U-Bahn-Linie E, sank der Grundwasserspiegel erheblich, und auch die tiefer liegenden Teile von Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd gaben fortan einen scheinbar problemlosen Baugrund ab. Man unterließ infolgedessen, zumeist aus Sparsamkeit, bei vielen Privatbauten alle Vorkehrungen gegen mögliche Folgen eines Wiederansteigens des Grundwasserspiegels, der dann in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre in beiden Ortsteilen auch tatsächlich eintrat, als aus verschiedenen Gründen die Wasserentnahme aus Tiefbrunnen stark eingeschränkt wurde. Die Grundwasseroberfläche erreichte alsbald wieder ihre ursprüngliche Höhe, und in zahlreichen Häusern überfluteten bald die Keller, wobei die Wasserstände gelegentlich fast 2,00 m Höhe erreichten. Nicht nur, daß die davon unmittelbar betroffenen Räume unbenutzbar waren, sondern es gingen infolge rascher Durchfeuchtung des Mauerwerks auch erhebliche Gefahren für den Gesamtbestand der Gebäude aus.

Um diese Notstände zu beheben, wurde östlich der Stadtrandsiedlung Biesdorf-Süd ein kleiner See als Sammelbecken ausgebaggert, das man durch eine unterirdische Rohrleitung mit der Wuhle verband. Diese Leitung erhielt zusätzlich eine Draineinrichtung, um auch aus ihrer Umgebung Grundwasser aufnehmen und ableiten zu können. Eine ähnliche Verbindung sollte außerdem zu den Kaulsdorfer Baggerseen gebaut werden, was sich dann jedoch als überflüssig herausstellte.

Von der Brücke der Heesestraße ab wurde das Bett der Wuhle bis zur Mündung erheblich vertieft und verbreitert, wobei auch seine Streckenführung an verschiedenen Stellen gegenüber dem alten Verlauf erhebliche Änderungen erfuhr. An die Stelle der alten hölzernen Straßenbrücke an der Heesestraße trat die heutige massive und breite Überführung.

Das bei der Wuhle-Regulierung anfallende Erdreich fand Verwendung für die inzwischen wieder angelaufene Ausbau-


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arbeiten am Verschiebebahnhof Wuhlheide. Dessen Erweiterung bedingte zugleich, daß die Warmbader Straße (heute Klara-Schabbel-Straße in Biesdorf-Süd und Robert-Siewert-Straße in Karlshorst) durch den nun entstehenden breiten Gleiskörper unterbrochen wurde und die Buslinie 8 die Streckenführung erhielt, die sie im wesentlichen auch jetzt noch inne hat.

Um die Mitte der sechziger Jahre setzte, stark gefördert durch staatliche Kredite, in beiden Ortsteilen eine verbreitete Bautätigkeit ein, ohne daß jedoch der im wesentlichen gleichartige Charakter beider Siedlungsgebiete dadurch prinzipiell verändert wurde. Auch die inzwischen auf noch vorhandenen Freiflächen nach und nach angesiedelten Betriebe änderten weder durch ihre Tätigkeit noch durch die für ihre Zwecke errichteten Baulichkeiten Wesentliches am alten Gesamtortsbild. Biesdorf-Süd und Kaulsdorf-Süd blieben von Gärten mit sehr lockerer Einzelbebauung gekennzeichnete Wohngebiete, in denen man, obwohl dicht am Kern der Großstadt, noch in engster Verbindung zur Natur mitten im Grünen leben kann.


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Die Entwicklung des Exerzitienhauses und der Gemeinde von den Anfängen bis zur Errichtung der Kuratie

Exerzitienhaus von der Parkseite - im Vordergrund ist der kleine Teich zu sehen, der nach der Tieferlegung der Wuhle verschwand Exerzitienhaus Berlin-Biesdorf/Süd, Fortunaallee 27 (1920-97)

Als am 1. Januar 1939 die Herz-Jesu-Kuratie Biesdorf-Süd entsprechend bischöflichem Dekret vom 22. Dezember 1938 kirchenrechtlich zu bestehen begann, bedeutete das Abschluß und zugleich Neubeginn einer Entwicklung, die bereits fast drei Jahrzehnte früher eingesetzt hatte, als der seinerzeitige Kuratus der Berliner St. Clemens-Gemeinde, Clemens August Graf von Galen, zu der Überzeugung gelangte, daß ein Exerzitienhaus für die Seelsorge in Berlin von großem Nutzen sein würde. Obwohl zu dieser Zeit der Verwirklichung eines solchen Projektes erhebliche Schwierigkeiten entgegenstanden, nahm Kuratus v. Galen, der drei Jahrzehnte später während des Zweiten Weltkrieges als Bischof von Münster durch sein mutiges entschiedenes Auftreten gegen Naziverbrechen, vor allem gegen die massenweise planmäßige Ermordung von behinderten und kranken Menschen in Heil- und Pflegeanstalten, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus rühmlichst bekannt wurde, die Angelegenheit tatkräftig in die Hand [30].

Das Haupthindernis bildeten noch aus der Zeit des Bismarckschen Kulturkampfes stammende gesetzliche Beschränkungen, denen die Katholische Kirche in Deutschland, besonders aber in Preußen noch immer unterlag, auch wenn die ärgsten Diskriminierungen bereits 1904 in Wegfall gekommen waren. Geradezu grotesk anmutende Behinderungen bestanden u.a. noch immer für den Jesuitenorden [31], von dessen Seite her Kuratus v. Galen ganz im Anfang die Anregung zu dem Exerzitienhausprojekt empfangen hatte. Zwar hatte man das generelle Aufenthaltsverbot, das 1872 in Deutschland gegen die Jesuiten ergangen war, inzwischen gelockert, doch durften noch immer keinerlei Niederlassungen des Ordens gegründet oder unterhalten werden, wobei man seitens staatlicher Stellen bereits dann eine "Jesuitenniederlassung" sehen zu müssen glaubte, wenn auch nur zwei Angehörige des Ordens im gleichen Hause wohnten, und sogar die Feier der Heiligen Messe durch einen Ordenspriester interpretierte man gelegentlich als


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Verstoß gegen das Verbot jeglicher Betätigung im Sinne des Ordens. Erst 1917 wurden die diesbezüglichen Gesetze endlich aufgehoben.

Kuratus v. Galen gelang es, seinen Bruder, den Reichstagsabgeordneten der Zentrumspartei, Friedrich von Galen, für das Vorhaben zu gewinnen, und es kam - in Absprache mit den Jesuiten, die angesichts der erwähnten Rechtsverhältnisse selbst nicht in Erscheinung treten konnten - im September 1912 zur Gründung der "Gesellschaft Erholung" als der Rechtsträgerin des Projektes. Die Gesellschafter waren Kuratus v. Galen, sein Bruder, Friedrich v. Galen, ferner der bekannte und einflußreiche Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger sowie der Berliner Strafanstaltspfarrer Dr. Alfred Saltzgeber. Das erforderliche Kapital wurde von kirchlicher Seite zur Verfügung gestellt.

Bald fand man auch ein geeignetes Baugelände, und zwar innerhalb der damals gerade im Aufblühen begriffenen "Villenkolonie Biesdorf-Süd". So wurde noch im Jahre 1912 aus dem Besitz des eines deren Mitbegründer, Julius Rieger, ein parkartiges Terrain erworben, das der Verkäufer bis dahin selbst genutzt hatte. Auf diesen Parzellen in der Fortunaallee, zu denen 1916 und 1920 aus gleicher Hand noch zwei weitere Grundstücke hinzuerworben wurden, begannen Ende 1913 die ersten Arbeiten zur Errichtung des Exerzitienhauses. Zuvor mußte jedoch erst der Widerstand überwunden werden, den der damalige Landrat des Landkreises Niederbarnim, zu dem Biesdorf damals noch gehörte, Dr. Felix Busch [32], gegen den geplanten Bau durch Versagung der Baugenehmigung betrieb. Ein Zeitzeuge, P. Dr. Franz Rensing SJ, ein Studienfreund des Kuratus v. Galen und seit Ende 1911 als Kaplan an St. Clemens tätig, berichtete [33], der Landrat hätte bemängelt, daß Trierer Borromäerinnen die Wirtschaftsführung in dem Objekt übernehmen sollten, was nach Ansicht Buschs der gesetzwidrigen Errichtung einer Ordensniederlassung gleichgekommen wäre. In dieser Situation griff Erzberger, der sich auch sonst in vielfältiger Weise um das Haus verdient gemacht hat, helfend ein, indem er dem Landrat in Aussicht stellte,


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bei weiterer Versagung der Baugenehmigung die Angelegenheit vor dem Reichstag zur Sprache zu bringen. Diese Drohung des einflußreichen Politikers wirkte, und innerhalb weniger Tage lag die Einwilligung vor.

Der Entwurf für das Gebäude stammte von dem Architekten und nachmaligen Diözesanbaurat Carl Kühn [34], der später noch mehrere Kirchen im Bistum baute.

Die Bauarbeiten selbst gerieten infolge Ausbruchs des Ersten Weltkrieges - am 1. August 1914 - alsbald ins Stocken und gingen kriegsbedingt fortan nur langsam weiter. 1915 erfolgte die offizielle Grundsteinlegung. Im darauffolgenden Jahr vollzog Pfarrer Johannes Surma aus Karlshorst die Benediktion der Kapelle [35].

Eine auf dem Standort des Exerzitienhauses befindliche "Jagdhütte" des Grundstücks-Vorbesitzers, ein schlichter aber solider kleiner Holzbau, wurde gleich nach Ende des Ersten Weltkrieges auf ein Grundstück am Langen See in Schmöckwitz umgesetzt, das die bei St. Clemens niedergelassenen Jesuiten für den Katholischen Gesellenverein und den "Gymnasiastenzirkel", einem Vorläufer des nachmaligen "Neudeutschland", gepachtet hatten [36]. Dort steht das Häuschen, wenn auch im Laufe der Zeit baulich etwas verändert und schon während der Nazizeit zweckentfremdet, noch heute.

Die Bauarbeiten am Exerzitienhaus konnten erst nach Kriegsende unter der Leitung von P. Josef Haggeney und Br. Gropper trotz vieler weiterer Schwierigkeiten zum guten Ende geführt werden.

Auf Grund der in Deutschland seit 1918 völlig veränderten politischen Verhältnisse durften die Jesuiten nun auch offiziell die Leitung des Hauses übernehmen, dessen Ökonomie im Herbst 1920 aus den Händen der Trierer Borromäerinnen in die eines Konvents der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe, Mutterhaus Nonnenwerth, überging.

Für die Exerzitienteilnehmer standen 40 Zimmer mit 60 Betten zur Verfügung [37]. Alle Zimmer besaßen fließendes Wasser und Zentralheizung. Eine moderne große Küche stellte


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das leibliche Wohl der Gäste sicher. Für die Vorträge gab es mehrere unterschiedlich große Räumlichkeiten.

Zu jener Zeit erfolgte im Rahmen eines Notstandprogramms die Pflasterung der von der Köpenicker Straße her direkt auf das Haus hin führenden Birkenallee. Man verwendete dabei die Steine, die bei einer Rekonstruktion der alten Biesdorfer Dorfstraße frei geworden waren [38].

Mit einem Exerzitienkursus, den P. Lippert vom 4. bis 8. Oktober 1920 für 47 Priester gab, wurde das Haus offiziell eröffnet.

Seit 1921 arbeitete hauptamtlich ein Pater als Exerzitienmeister im Haus, von 1929 ab zwei. 1921 - 1925 war in dieser Eigenschaft P. August Holtschneider tätig. Er verstarb 1937 im Alter von 56 Jahren in Dortmund [39]. Ihm folgten 1927 P. Erich Bollonia, dem dann 1929 P. Walter Hruza, der zuvor als Kaplan an St. Clemens tätig gewesen war, zur Seite trat. Für P. Bollonia wurde 1934 P. Ignatius Werth nach Biesdorf berufen, während für P. Hruza 1932 P. Johannes v. Dalwigk nachfolgte, der bis 1935 blieb. 1936 kamen P. Wilhelm Kohlen und P. Alfons Berner als hauptamtliche Exerzitienmeister nach Biesdorf.

1928 wurde dem Haus das Exerzitiensekretariat der Fürstbischöflichen Delegatur, dem Vorläufer des heutigen Bistums Berlin, angegliedert [40].

Außer den im Exerzitienhaus hauptamtlich tätigen Geistlichen hielten auch aus anderen, vor allem aber den Berliner Jesuitenniederlassungen kommende Patres hier zahlreiche Exerzitienkurse und Einkehrtage ab.

Schließlich weilten stets einige Laienbrüder im Hause, die mit unterschiedlichen, überwiegend praktischen Aufgaben betraut waren. Von ihnen sei - gewissermaßen stellvertretend für alle - Br. Adalbert Moschall SJ genannt, ein gebürtiger Ostpreuße, der bereits 1926 nach Biesdorf kam und dann über drei Jahrzehnte hier tätig war [41].

Die Erwartungen, die die Initiatoren bei Gründung des Hauses gehegt hatten, gingen in Erfüllung. Von der Eröffnung 1920 bis zum Jahre 1939, als der Kriegsausbruch


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der Exerzitienarbeit in Biesdorf praktisch ein Ende setzte, konnten hier im Durchschnitt 1700 Exerzitienteilnehmer pro Jahr [42] gezählt werden. 1922 gehörte sogar der Erzbischof von Breslau, Kardinal Bertram, zu den Exerzitienteilnehmern.

Nicht berücksichtigt sind bei der vorstehend benannten Zahl die vielen Gläubigen, die als Besucher von Einkehrtagen, Kursen und Tagungen nach Biesdorf kamen.

Zusätzlich erlangte das Haus erhebliche Bedeutung für das katholische Berlin als Stätte der Erholung. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Urlaubsreisen für weite Bevölkerungskreise allein schon aus wirtschaftlichen Gründen längst nicht so allgemein üblich und möglich wie heute. Wer aber damals dennoch mal ein paar Ferientage in unberührter Natur und Stille, weitab vom Getriebe der Großstadt suchte, konnte sie in Biesdorf finden, ohne von den Abwechslungen, welche gerade die deutsche Hauptstadt zu bieten hatte, im Bedarfsfalle räumlich zu sehr distanziert zu sein. Mit Recht wurde das Haus also auch offiziell unter dem Namen "Erholungsheim Biesdorf-Süd" geführt und war auch als solches eine bei Priestern, Ordensleuten und Laien gleichermaßen gefragte Adresse. Solche Doppelnutzung des Hauses besaß natürlich auch unter dem Gesichtspunkt einer wirtschaftlichen Rentabilität der Institution einen gewissen Belang.

Die Wirtschaftsführung des Hauses hatten 1920, wie bereits erwähnt, Nonnenwerther Franziskanerinnen übernommen. Ihr hiesiger Konvent zählte durchschnittlich 8 bis 10 Mitglieder. Den Schwestern oblag vor allem die gesamte praktische Ökonomie des Hauses, einschließlich der Pflege des Gartens und der Viehhaltung. Es bestand nämlich noch bis in die Zeit nach dem Ende des letzten Krieges für das Haus so etwas wie eine teilweise Selbstversorgung durch die intensive Nutzung des großen, heute überwiegend von Kiefern bewachsenen Gartens mit Obst- und Gemüseanbau, ferner betrieb man die Haltung von ein paar Kühen und Schweinen so wie eines größeren Geflügelbestandes. Für die dabei anfallenden Arbeiten waren aber


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auch noch zusätzlich angestellte Hilfskräfte tätig. Neben der ökonomischen Betreuung des Hauses wurde von den Ordensschwestern ferner der Organisten-, Küster- und Sakristeidienst sowie die Verwaltungsarbeit versehen.

Von den unheilvollen politischen Entwicklungen in Deutschland, die mit der Machtergreifung Hitlers 1933 begannen, blieb das Haus selbst bis zum Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig unberührt. Wenn von staatlicher Seite um 1937 eine Luftschutzsirene auf das Dach montiert wurde, hatte das fraglos nichts mit dem kirchlichen Charakter des Gebäudes zu tun als vielmehr mit seinem aus der Umgebung herausragenden Standort, wodurch eine möglichst weite Vernehmbarkeit des Gerätes gewährleistet war.

Eine andere, von den Gründern des Hauses, wenn überhaupt, dann sicherlich nicht mit Vorrang in Betracht gezogene Auswirkung der Institution, die ja vorzüglich der überpfarrlichen Seelsorge hatte dienen sollen, bestand in der allmählichen Bildung und Entwicklung einer kleinen katholischen Gemeinde, deren Kristallisationspunkt die schöne und geräumige Herz-Jesu-Kapelle im südlichen Teil des Gebäudes war.

Seit Eröffnung des Exerzitienhauses war es nämlich bei den nicht sehr vielen in der Umgebung ansässigen Katholiken schnell Brauch geworden, an den Gottesdiensten im Hause teilzunehmen. Allerdings wird überliefert, P. Holtschneider, der erste hauptamtliche Exerzitienmeister in Biesdorf, habe die Teilnahme von "Auswärtigen", also von


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nicht zu einem gerade laufenden Kursus gehörenden oder im Hause tätigen Gläubigen an Exerzitienmessen zunächst untersagt. Doch eine solche Beschränkung muß bald wieder in Fortfall gekommen sein und die Kapelle allen Gläubigen zur Erfüllung ihrer Sonntagspflicht offengestanden haben. Für die Katholiken, die sich in Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd sowie in Köpenick-Nord während der zwanziger und dreißiger Jahre als Dauerbewohner oder Sommergäste nach und nach ansiedelten, bedeutete diese Möglichkeit des Gottesdienstbesuches eine große Erleichterung, denn die eigentlich für die genannten Bereiche jeweils zuständigen Pfarrkirchen lagen räumlich weit entfernt und bei den lange Zeit noch sehr mangelhaften Verkehrsverbindungen für die meisten in den drei Ortsteilen ansässigen Katholiken nur auf zeitraubenden und häufig äußerst unbequemen Wegen erreichbar. Für Biesdorf-Süd war eigentlich die katholische Pfarrgemeinde in Friedrichsfelde, für Kaulsdorf-Süd die in Kaulsdorf und für Köpenick-Nord die in Köpenick zuständig.

Sieht man von der oben erwähnten episodischen Beschränkung der Möglichkeit des Gottesdienstbesuches ab, wurde es für die Katholiken der Umgebung also sehr schnell eine Selbstverständlichkeit, in der Herz-Jesu-Kapelle des Exerzitienhauses ihre Sonntagspflicht zu erfüllen. Schon 1928 zählte man, vor allem im Sommer, an manchen Sonntagen bis zu 150 "auswärtige", d.h. nicht irgendwie zum Hause selbst gehörige Kirchenbesucher. Da das heutige Pfarrgebiet zu dieser Zeit aber längst den Charakter eines Berliner Ausfluggebietes verloren hatte, handelte es sich höchstwahrscheinlich also fast ausschließlich um Ortsansässige, aus deren Kreis auch bald so etwas wie eine eigene Gemeinde erwuchs. Diese Entwicklung wurde noch dadurch bestärkt und beschleunigt, daß die hier ganzjährig wohnenden Gläubigen zu den erwähnten, eigentlich für sie zuständigen Gemeinden infolge der räumlichen Distanzen kaum mehr als formelle Bindungen besaßen.

Zum anderen nahmen sich die im Exerzitienhaus tätigen Patres, soweit das ihre eigentlichen Aufgaben zuließen,


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alsbald der seelsorglichen Betreuung der hiesigen Gläubigen sehr engagiert an. Die Pfarrer der Nachbargemeinden, vor allem der von Friedrichsfelde, in dessen ausgedehntem Sprengel das Exerzitienhaus lag, sahen diese Unterstützung ihrer Arbeit nicht ungern.

Es gehört zu den Verdiensten vor allem von P. Bollonia SJ, die sich anbahnende örtliche Gemeindebildung nach Kräften gefördert zu haben. So kam es in der Folge zur Gründung eines kleinen Kirchenchores, den die Organistin, Schwester Isaia, leitete. Auch wurden in gewissen Abständen Gemeindefeiern veranstaltet. Dabei gab es Aufführungen von Theater- und Musikstücken, Melodramen u.ä., woran sich ein "gemütliches Beisammensein" bei Tee und Keksen, welche die Schwestern gebacken hatten, anschloß. Der Kreis der Teilnehmer, d.h. die damalige Quasigemeinde, war naturgemäß nur klein, und der große Saal im Haus bot genügend Platz dafür [43]. In Sicht auf die Konsolidierung der werdenden Gemeinde besaßen solche Veranstaltungen fraglos erhebliche Bedeutung.

Alle diese Aktivitäten, von P. Bollonia ins Leben gerufen, wurden auch von seinen Nachfolgern fortgesetzt. Ferner erfolgten in der Herz-Jesu-Kapelle Trauungen und Taufen ortsansässiger Katholiken durch Patres des Hauses, wozu jedoch jedesmal die Zustimmung des eigentlich zuständigen Pfarrers von Friedrichsfelde eingeholt werden mußte, der sie bereitwillig zu erteilen pflegte. Er nahm auch die entsprechenden Kirchenbucheintragungen und Beurkundungen vor.

Schon zu Anfang der dreißiger Jahre wurde deshalb immer vernehmlicher der Wunsch laut, die de facto vorhandene kleine Gemeinde, die sich analog der allgemeinen Ortsentwicklung langsam aber stetig vergrößerte, kirchenrechtlich zu verselbständigen. Auch der Pfarrer von Friedrichsfelde hätte es keineswegs ungern gesehen, wenn die Geistlichen des Exerzitienhauses einen fest umschriebenen Bezirk in ihre ständige seelsorgliche Obhut genommen hätten. Doch zunächst einmal blieben alle in diese Richtung zielenden Bemühungen ohne Erfolg, obschon die zu-


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sätzliche Arbeitsbelastung für die im Hause tätigen Patres durch die, gleichsam nebenamtlich ausgeübte, Gemeindeseelsorge anwuchs. Das ergab sich - wie bereits angedeutet - zwangsläufig schon durch das allmähliche Steigen der Zahl von zu Betreuenden. Gerade in den dreißiger Jahren ließen sich immer mehr Leute, darunter natürlich auch Katholiken, in den Ortsteilen als Dauerbewohner nieder. Die einzelnen Familien wohnten - und das bedeutete eine zusätzliche Erschwerung - verstreut über ein ausgedehntes Territorium, innerhalb dessen Nahverkehrsverbindungen zunächst gänzlich fehlten. Diese Sachlage ließ es immer dringlicher erscheinen, endlich einen Geistlichen ausschließlich für die Gemeindeseelsorge einzusetzen.

1938 erklärte sich der Jesuitenprovinzial bereit, einen Pater eigens für die Gemeindeseelsorge in einer zu errichtenden hiesigen Kuratie freizustellen. Zu klären und zu regeln blieb deren territoriale Zuständigkeit. Die Pfarrer von Kaulsdorf und Köpenick machten Bedenken geltend gegen eine Verkleinerung ihrer jeweiligen Sprengel zugunsten einer Neugründung, wogegen der Pfarrer von Friedrichsfelde, Alfons Glaeser, mit der Herauslösung von Biesdorf-Süd aus seinem Sprengel einverstanden war. Er schlug zugleich vor, bis zu einer endgültigen Regelung den Zuständigkeitsbereich der neuen Kuratie auf diesen Ortsteil zu beschränken. Dieser Vorschlag wurde allseitig akzeptiert.

So konnte der damalige Bischof von Berlin, Konrad Graf von Preysing, durch Dekret vom 22. Dezember 1938 mit Wirkung vom 1. Januar 1939 die "Herz-Jesu-Kuratie Biesdorf-Süd" errichten. Die Herz-Jesu-Kapelle im Exerzitienhaus wurde zur Kuratialkirche bestimmt. Zum ersten Kuratus wurde P. Friedrich Schulte SJ von seinen Ordensoberen vorgeschlagen und vom Bischof ernannt.


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Die Errichtungsurkunde hat folgenden Wortlaut: [44]

Berlin W 8, den 22. Dezember 1938
Behrenstraße 66

"Der Bischof von Berlin

Auf Antrag und nach Anhörung der Beteiligten errichte ich in Berlin-Biesdorf-Süd (Exerzitienhaus) eine in kirchlich-seelsorglicher Beziehung selbständige Kuratie mit nachstehenden Maßgaben:

  1. Die auf dem Grundstück Berlin-Biesdorf-Süd, Fortuna Allee 27, befindliche Kapelle wird Kuratialkirche mit allen Rechten einer solchen.
  2. Der an dieser Kapelle angestellte Kuratus erhält die curia primaria mit dem Rechte und Pflicht, alle pfarramtlichen Handlungen für die im Kuratiebezirk wohnhaften Katholiken selbstständig und verantwortlich zu vollziehen; er hat das Recht auf die entsprechenden Stolgebühren.
  3. Zur Kuratie Berlin-Biesdorf-Süd gehört vorläufig der Ortsteil Berlin-Biesdorf-Süd. Die endgültige Abgrenzung der neuen Kuratie Berlin-Biesdorf-Süd erfolgt durch ein eigenes Dekret.
  4. Die Kuratie Berlin-Biesdorf-Süd verbleibt im Pfarrverband mit der Pfarrei Berlin-Friedrichsfelde. Die kirchliche Vermögensverwaltung der Kuratie Berlin-Biesdorf-Süd wird nach wie vor von dem Kirchenvorstand der Pfarrei Berlin-Friedrichsfelde geführt.
  5. Die Urkunde tritt am 1. Januar 1939 in Kraft.

Der Bischof von Berlin
....."


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3. Kuratie und Exerzitienhaus von 1939 bis zum Kriegsende 1945

Am 1. Januar 1939 also begann die Herz-Jesu-Kuratie Berlin-Biesdorf-Süd als solche zu bestehen, und die bisherige Kapelle des Exerzitienhauses wurde Kuratialkirche. Gleichzeitig erfolgte die Amtseinführung des ersten Kuratus, P. Friedrich Schulte SJ. Er war 1885 in Arnsberg/Westf. geboren und 1909 zum Priester geweiht worden.

Die Gemeinde zählte damals 700 Seelen. In diese Zahl sind aber mit Sicherheit auch jene Katholiken miteinbegriffen, die in Kaulsdorf-Süd wohnten, also nicht im eigentlichen Kuratiebereich Biesdorf-Süd. Vermögensrechtlich verblieb die Kuratie im Pfarrverband mit Friedrichsfelde und wurde vom dortigen Kirchenvorstand mitvertreten, entsandte aber in diesen mehrere Mitglieder, anteilig der Seelenzahl. Für die Gläubigen blieben solche rechtlichen Aspekte von eher untergeordneter Bedeutung. Praktisch wichtig für sie war es, daß nunmehr ein vom Jesuitenorden zu stellender Geistlicher ausschließlich für die Belange der Gemeindeseelsorge freistand.

Das Gemeindeleben als solches lief auch nach dem 1. Januar 1939 wie gewohnt weiter. Zahl und Zeitpunkte der sonntäglichen Messen änderten sich nicht, so daß an Sonn- und Feiertagen nach wie vor um 7.00 Uhr eine stille Messe und um 9.00 Uhr ein Hochamt gefeiert wurden, beide mit Predigt. An den Wochentagen begannen die Messen um 6.30 Uhr und um 7.00 Uhr, wobei vom Zeitpunkt her der Gottesdienst um 6.30 Uhr besonders für die im Haus tätigen Schwestern und Mitarbeiter gedacht war. Da seitens vieler Gemeindemitglieder der Wunsch laut wurde, den zweiten Sonntagsgottesdienst zeitlich später anzusetzen, um sich innerhalb der Familien beim Kirchbesuch besser abwechseln zu können, führte man vom 23. April 1939 an als Kompromißlösung noch eine dritte Sonntagsmesse um 10.30 Uhr ein. Diese Regelung bestand bis zum 13. Oktober 1940.

Das kleine, nördlich des Exerzitienhauses stehende Gebäude wurde für die Zwecke der Kuratie umgebaut. Der Vorbesitzer des Grundstücks hatte es einst als Wagenremise


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und Stallung sowie als Gärtner- und Kutscherwohnung bauen lassen. Später diente es verschiedenen vergleichbaren Zwecken. 1939 wurden nach einigen baulichen Änderungen die Wohnung des Kuratus und Unterrichtsräume dort untergebracht.

Im Mai 1939 erkrankten acht Hausbewohner bzw. Mitarbeiter an Typhus. Eine der Erkrankten, Sr. Batildis aus dem Franziskanerinnen-Konvent, verstarb daran am 29. Mai. Vom 26. Mai bis zum 23. Juni 1939 blieb wegen dieser Krankheitsfälle das Haus für den Exerzitienbetrieb geschlossen. Danach waren die Kurse jedoch wieder gut besucht. Das Gemeindeleben wurde nicht beeinträchtigt.

Am 1. Juli 1939 übernahm Frl. Maria Witsch die Aufgaben einer Pfarrhelferin, und zwar dergestalt, daß sie die gleiche Tätigkeit auch für die drei Jahre zuvor entstandene Pfarrei Biesdorf-Nord ausübte. Frl. Witsch - noch heute bei älteren Pfarrmitgliedern in dankbarer guter Erinnerung - lebt hochbetagt jetzt in Hessen [45].

Zum 1. September 1939 wurde der Leiter des Exerzitienhauses, P. Kohlen SJ, nach Zoppot versetzt und P. Rudolf Stromberg SJ zu seinem Nachfolger berufen.

Dann aber kam als einschneidendes, in seinen Folgen unüberschaubares Ereignis am 1. September 1939 der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Das kirchliche Leben im Hause, soweit es die Gemeinde betraf, konnte uneingeschränkt weiterlaufen. Die sofortige Verdunkelung der Räume, d.h. die Verhinderung jeglichen Lichtaustritts während der Dunkelheit durch Türen und Fenster nach außen ebenso wie der schrittweise Ausbau der Keller zu Schutzräumen gegen mögliche Bombenangriffe brachten für die Mitarbeiter im Haus erhebliche zusätzliche Arbeitsbelastungen. So erhielten z.B. die Kellerdecken durch das Einziehen von Stützen größere Tragfähigkeit, während außen vor die Kellerfenster gemauerte Barrieren als Schutz gegen Splitter gedacht waren. Außerdem wurden Raumbelüftungen sowie Eisentüren, sog. "Gasschleusen", in die Kellerzugänge eingebaut.

Dazu gab es noch eine Reihe weiterer kleinerer, sämtlich


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gleichfalls von staatlicher Seite verordneter Luftschutz-Aktivitäten, die vor den zu diesem Zeitpunkt ja noch weithin unbekannten Wirkungen etwaiger Luftangriffe schützen sollten. Für die Ökonomie des Hauses brachte die Einführung der Rationierung von Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Dingen, die schon am 28. August 1939 erfolgt war, erhebliche Probleme mannigfacher Art.

Als die für das Haus folgenschwerste Auswirkung des Kriegsbeginns erwies sich die Beschlagnahme von erheblichen Teilen des Gebäudes als Reservelazarett durch die Wehrmacht. Die Räume wurden 1939 jedoch nicht belegt, so daß schon vom 16. Oktober an wieder Exerzitienkurse abgehalten werden konnten. Diese Fortsetzung der alten Zweckbestimmung des Hauses blieb allerdings, wie sich bald herausstellen sollte, nur vorübergehender Natur.

Vom 20. Mai 1940 an nahm die Wehrmacht das Gebäude nämlich erneut als Leichtkranken-Lazarett in Anspruch. 80 Betten wurden aufgestellt, wovon dann durchschnittlich 60 - 70 belegt waren. Die Pflege der Kranken besorgten 3 Schwestern des Franziskanerinnen-Konvents sowie 5 Sanitätssoldaten. Die ärztliche Leitung und Betreuung lag in den Händen eines Wehrmachtarztes, während die Franziskanerinnen und die seit je her im Hause tätigen Hilfskräfte weiterhin die Wirtschaftsführung besorgten [46].

Zwar wurde bereits zum 17.8.1940 das Wehrmachts-Lazarett wieder aufgelöst, doch schon im September 1940 übernahm der Magistrat von Berlin den größten Teil des Hauses als ziviles Infektionskrankenhaus, vor allem für Kinder und Jugendliche. Benutzt wurden dazu das Erdgeschoß und die erste Etage. Beide Geschosse wurden gegenüber dem Rest des Hauses völlig isoliert, was manche Umbauten im Innern erforderlich machte. Der Zugang zum Krankenhaus erfolgte über den östlichen Hauseingang, also von der Parkseite her. Die Kapelle blieb frei, nur die von der 1. Etage her erreichbare Empore war einer Nutzung durch die Gemeinde entzogen, so daß das Harmonium in der Kapelle unter der Empore neben dem Haupteingang aufgestellt werden mußte. Die Gottesdienste konnten ansonsten weiterhin


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ungehindert in gewohnter Weise stattfinden.

Organisatorisch gehörte die Biesdorfer Infektionsabteilung zum Karlshorster St. Antonius-Krankenhaus, einem der damals modernsten und bestausgestatteten Häuser in Berlin. So wurde auch in Biesdorf die Pflege der Kranken von Marienschwestern übernommen, die auf der nur von der Station her zugänglichen Empore am Gottesdienst teilnahmen. Wenn auch die geschilderte Inanspruchnahme des Hauses die Exerzitienarbeit praktisch zum Erliegen brachte, - vereinzelt dennoch abgehaltene, zahlenmäßig notgedrungen sehr kleine Kurse ändern an dieser Gesamtwertung nichts -, bedeutete die nunmehrige medizinische Nutzung des Gebäudes doch eine glückliche Fügung, da das Objekt auf diese Weise dem Zugriff der Gestapo [47] oder irgendwelcher Parteistellen entzogen blieb. Man darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die seit Kriegsbeginn zunehmend schnell ausgedehnter und radikaler werdenden Enteignungen kirchlichen Eigentums auch vor dem Biesdorfer Exerzitienhaus nicht Halt gemacht hätte, zumal dieses sich im Besitz des Jesuitenordens befand, der erwiesenermaßen zu den von dem Regime bestgehaßten katholischen Institutionen gehörte.

Obschon mit anderer Aufgabenstellung, blieb das Haus also weiter in kirchlicher Regie. Die Patres ebenso wie die Franziskanerinnen konnten in Biesdorf verbleiben, und die Gottesdienste in der Kapelle unterlagen keinen Einschränkungen. Was sich durch die Benutzung als Krankenhaus an Behinderungen ergab, sieht man von der Unmöglichkeit der Abhaltung von Exerzitienkursen ab, war vergleichsweise erträglich, zumal auch die gesamte Ökonomie des Hauses weiterhin in den Händen der Franziskanerinnen blieb.

Seit dem August 1940 kam es in Berlin zu englischen Luftangriffen. Von den 57 Luftalarmen des Jahres erfolgten 56 in der zweiten Jahreshälfte. Die Naziführung sah sich daraufhin mit der mehr als fadenscheinigen Begründung, man wolle das Bedürfnis der Bevölkerung nach sonntäglicher Ruhe gewährleisten, zu einer reichsweit gültigen Anordnung ermuntert, derzufolge bei nächtlichen Fliegeralarmen,


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sofern die Entwarnung nach 24 Uhr erfolgte, gottesdienstliche Veranstaltungen und das Läuten der Glocken am darauffolgenden Tage nicht vor 10.00 Uhr beginnen durften [48]. Das war nichts weiter als eine abgefeimte Schikane der braunen Machthaber gegen das kirchliche Leben, mit der man kirchlicherseits aber irgendwie fertigwerden mußte.

In der Biesdorfer Herz-Jesu-Kuratie geschah es mittels des Ersatzes der 7.00 Uhr-Messe durch eine Abendmesse, die, wenn die geschilderte Fliegeralarm-Situation eingetreten war, im Sommer um 19.00 Uhr und im Winter um 18.00 Uhr stattfand. Das Hochamt begann um 10.00 Uhr, während die im Jahr zuvor eingeführte dritte Messe gänzlich entfiel. Diese Lösung wurde von der hiesigen Gemeinde problemlos angenommen. Anfang 1945 wurde die erwähnte staatliche Anordnung übrigens wieder aufgehoben.

Im Frühsommer 1940 nahmen über einige Wochen katholische Umsiedler aus Wolhynien an den Gemeindegottesdiensten teil. Es handelte sich bei ihnen um deutschstämmige Bewohner aus den Teilen Polens, die nach dem deutsch-russischen Grenzvertrag vom 28. September 1939 unter sowjetische Oberhoheit gekommen waren und vereinbarungsgemäß nach Deutschland umgesiedelt wurden. Sie weilten hier im Zwischenaufenthalt und waren in dem heute noch rudimentär vorhandenen Umsiedlerlager an der Kaulsdorfer Straße untergebracht. Bei den Gottesdiensten sangen sie des öfteren mehrstimmig ihre heimatlichen Kirchenlieder, und die Frauen erschienen in ihren kunstvollen alten Trachten.

Das Jahr 1942 brachte für die Kuratie bemerkenswerte Ereignisse. Am 27. März wurde der Kuratus, P. Schulte SJ, als Propst an die Wallfahrtskirche in Heiliglinde/Ostpr. versetzt. Zu seinem Nachfolger berief man den 1907 in Königshütte geborenen und 1938 zum Priester geweihten P. Günther Stipa SJ.

Dessen Wirken in der Gemeinde blieb notgedrungen nur eine Episode. Denn bevor er sich mit dem neuen Aufgabenkreis genauer vertraut machen konnte, und nachdem er am 12. April auch noch 5 Kinder aus der Gemeinde zur Erstkommunion geführt hatte, wurde er bereits am 1. Mai 1942 zur


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Wehrmacht einberufen. Dafür übernahm am 29. Mai 1942 P. Gebhard Graf v. Stillfried SJ die Kuratie. Er war 1909 zu Silbitz/Schles. geboren und hatte 1939 in Innsbruck die Priesterweihe empfangen.

Der neue Kuratus aktivierte vor allem die zu jener Zeit ebenso wichtige wie schwierige Jugendarbeit in der Gemeinde und konnte im Sommer des Jahres sogar noch an mehreren Wochenenden mit den Jugendlichen nach Alt-Buchhorst fahren.

P. Berner SJ hielt regelmäßig den Mütterkreis, und auch die sogenannte "Pfarrstunde", die alle 14 Tage stattfand und der Glaubensvertiefung bei den Erwachsenen diente, erwies sich gerade in jener überaus bedrängnisvollen Zeit als von großer seelsorglicher Bedeutung. Die Bittprozessionen vor dem Fest Christ Himmelfahrt wurden 1942 erstmalig im Garten abgehalten. Gegen Ende des Jahres, am 8. Dezember, firmte der Berliner Bischof Konrad v. Preysing in der Kapelle 72 Gläubige, von denen 35 aus der benachbarten Kuratie Biesdorf-Nord kamen.

Der Krankenhausbetrieb hatte naturgemäß seinen eigenen festen Rhythmus. Die Abhaltung von Exerzitien war, wie schon erwähnt, im Hause nicht mehr möglich. Die dafür eigentlich vorgesehenen Patres wirkten von Biesdorf aus in der überpfarrlichen Seelsorge.

Alles das geschah vor dem Hintergrund eines immer unerträglicher werdenden politischen Terrors in allen Lebensbereichen, also auch gegen die Kirche, und unter den sich ständig verstärkenden Belastungen infolge des Krieges. Man denke z.B. nur an die ununterbrochenen - vergleichsweise aber noch erträglichen - Erschwernisse, welche allein die Verdunklung mit sich brachte, vor allem für diejenigen, die morgens pünktlich an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen hatten. Zudem wurden die Versorgungsverhältnisse um so schwieriger, je länger der Krieg dauerte. Sämtliche Lebensmittel, Textilien, Waschmittel etc. waren über ein Kartensystem streng rationiert. In vielen Familien kam ferner die dauernde Sorge um Angehörige hinzu, die im Felde standen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1942 wurde bereits


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der Geburtenjahrgang 1924 zur Wehrmacht einberufen, um nach kurzer Ausbildungszeit an der Front eingesetzt zu werden. Die Zeit der siegreichen "Blitzkriege" war längst vorbei, die Menschenverluste wuchsen ständig, und spätestens seit der Jahreswende 1942/43, da trotz aller offiziellen Vertuschungsbemühungen die Katastrophe der deutschen Niederlage von Stalingrad in aller Deutlichkeit weithin erkennbar wurde, sah jeder einzelne der Zukunft mit Bangen entgegen.

Am 1. Februar 1943 übernahm, nunmehr ausschließlich für die Herz-Jesu-Kuratie, Schwester Gregoria, die zum Franziskanerinnen-Konvent des Hauses gehörte, die Aufgaben einer Pfarrhelferin. Durch ihre langjährige bisherige Tätigkeit im Exerzitienhaus war sie mit den Verhältnissen in der Pfarrei bereits gründlich vertraut, was für ihre künftige Arbeit fraglos erheblichen Wert besaß, um so mehr, als die Anforderungen in der Pfarrseelsorge ständig wuchsen, besonders im karitativen Bereich.

Das Jahr 1943 brachte dann, wie schon erwähnt, mit einem Angriff am 16. Januar beginnend, bei dem 145 englische Mosquitobomber vornehmlich den Süden und den Westen der Stadt angriffen, die von vielen mit Bangen vorhergesehene Verschlimmerung des Luftkrieges auch gegen Berlin. Waren es - soweit sich das heute überhaupt noch verläßlich ermitteln läßt - bislang kaum je mehr als maximal 100 Flugzeuge, die die Stadt angeflogen hatten, so stieg deren Zahl im Verlauf des Jahres 1943 immer mehr, und auch die von ihnen geworfenen Bomben besaßen zunehmende Zerstörungswirkung.

In der Nacht zum 30. März 1943 flogen 213 englische Flugzeuge gegen die Stadt und warfen zwischen 1.20 und 3.20 Uhr ihre Bomben verstreut über das ganze Stadtgebiet. Dabei fiel eine schwere Sprengbombe auf die Kreuzung Heesestraße/Fortuna-Allee, d.h. kaum 100 Meter vom Haus entfernt. Einige in Nähe der Einschlagstelle stehende Häuser wurden völlig zerstört oder schwer beschädigt. Auch das Exerzitienhaus erlitt beträchtliche Schäden wie teilweise Abdeckung des Daches, eingedrückte Wände, zertrümmerte


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Fenster u.ä.. Vor allem aber wurde das nördlich des Hauses gelegene Nebengebäude, das vornehmlich den Zwecken der Kuratie diente, stark in Mitleidenschaft gezogen.

Dank der im öffentlichen Interesse dringend benötigten Nutzung des Exerzitienhauses als Krankenhaus, konnten die entstandenen Schäden relativ rasch beseitigt werden, da in derartigen Fällen Material und Arbeitskräfte bereitgestellt wurden, was in jener Phase des Krieges bei privaten Bombenschäden überhaupt nicht mehr oder nur sehr eng begrenzt geschah. Der Krankenhausbetrieb lief trotz der Schäden unvermindert weiter, wozu es fortan mit wachsender Häufigkeit auch gehörte, kleine Luftkriegsschäden, vor allem Glasschäden an den Fenstern, in eigener Regie so gut es ging zu beheben, da - wie schon erwähnt - Zahl und Schwere der Luftangriffe auf Berlin im Laufe des Jahres 1943 beängstigend zunahmen.

Jeder einzelne Fliegeralarm bedeutete, man mußte beim Ertönen der Sirenen jedesmal auf einen Angriff gefaßt sein. Real hieß das: Aufstehen, Ankleiden, Griff zum "Luftschutzgepäck" und, zumeist im Dunkeln, Gang in den sogenannten "Schutzraum". Das alles war, besonders für Frauen mit Kindern sowie für Kranke, Alte und Gebrechliche, stets eine physisch und psychisch zermürbende Prozedur. Dabei wußte niemand, ob überhaupt oder wie arg zugerichtet er sein Heim wiedersehen würde. Dann kam der eigentliche, nicht selten stundenlange Aufenthalt in einem zumeist mehr oder weniger fragwürdigen "Schutzraum".

Das Überdauern eines Angriffs als solches, selbst wenn dabei in der Nähe des jeweiligen Aufenthaltsortes keine Bomben fielen, bedeutete eine unerhörte psychische Strapaze. Schon allein der Lärm der Flakgeschütze war sogar innerhalb der Schutzräume oft im direkten Wortsinn "ohrenbetäubend" und ließ Baulichkeiten bis in ihre Fundamente erzittern und beben. Im Radius von etwa 5 Kilometern um das Exerzitienhaus gab es mehrere Stellungen von Batterien schwerer Flakartillerie. Dazu kamen dann häufig genug die beängstigenden Fallgeräusche der Bomben und die Explosionen selbst. Jeder, der je einen Luftangriff miterlebt


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hat, weiß, welche Ängste es dabei auszuhalten galt, zumal bei niemandem Unklarheit über den hohen Grad persönlicher Lebensgefahr bestand. Und hatte man schließlich einen Angriff auch körperlich unversehrt glücklich überstanden, befand sich bei der Rückkehr oft die Wohnung im Zustand mehr oder weniger umfassender Zerstörung. Am nächsten Tage jedoch mußte jeder wieder pünktlich und mit vollem Krafteinsatz seiner Arbeit nachgehen, während ihn für den Feierabend die - wenigstens behelfsmäßige - Beseitigung nachts zuvor oder am Tage entstandener Bombenschäden, möglichenfalls aber auch ein neuer Angriff erwarteten. Diese Gegebenheiten wurde im Laufe des Jahres 1943 zur Berliner "Lebensnormalität", nichtsdestoweniger aber auch zu einer ungeheuren Dauerbelastung für jeden Bewohner der Stadt.

Der Seelsorge in den Gemeinden erwuchsen aus diesen Verhältnissen heraus 1943 fast schlagartig große und völlig neuartige, vor allem caritative Probleme. Dazu gehörte u.a. eine vom Staat initiierte Aktion, welche man euphemistisch mit "Kinderlandverschickung" umschrieb.

Veranlaßt durch die äußerst folgenschweren Angriffe auf Hamburg im Sommer des Jahres hatte man sich behördlicherseits nämlich entschlossen, Mütter mit Kleinkindern, die Schulkinder sowie andere abkömmliche Personen in ländliche Gebiete zu evakuieren, wo sie den Gefahren und Belastungen des Bombenkrieges weniger ausgesetzt waren als in den besonders angriffsgefährdeten industriellen Ballungsgebieten oder Großstädten. Das brachte für die Betroffenen zusätzliche neue Schwierigkeiten, bei deren Bewältigung die karitative Unterstützung der Kirche für die einzelnen oft von entscheidender Bedeutung war. P. Stillfried und seine Pfarrhelferin, Schw. Gregoria, haben damals ganz im Stillen vielfältige Hilfen geleistet, derer sich noch heute in der Gemeinde viele dankbar und lobend erinnern. Der Kuratus war z.B. bei der Beschaffung von geeigneten Übersiedlungsmöglichkeiten in seiner schlesischen Heimat unterstützend tätig.

Noch ein weiteres Beispiel mag verdeutlichen, welchen


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karitativen Forderungen sich in jener Zeit Seelsorger persönlich konfrontiert sahen: In direkter Nachbarschaft zum Exerzitienhaus wohnte in einer kleinen Mietwohnung die äußerst hilfsbereite und couragierte Frau G. Reißenberger. Sie hatte 1943 - die Judenverfolgung erreichte in Berlin jetzt ihren Höhepunkt - ein jüdisches Ehepaar, das mit knapper Not der Deportation, d.h. dem sicheren Tode, hatte entkommen können, Zuflucht gewährt und hielt die beiden unter in jeder Hinsicht sehr schwierigen äußeren Verhältnissen verborgen. Ein besonders schwer lösbares Problem stellte die Ernährung der notgedrungen völlig illegal lebenden Verfolgten dar. Sie erhielten ja keine Lebensmittelkarten. Allein auf diese aber gab es, wenn auch in immer weniger ausreichendem Maße, Lebensmittel zu kaufen. Frau R., eine Nichtkatholikin, wendete sich in ihrer Not an P. Stillfried, den sie als Grundstücksnachbarn kannte, mit der Bitte um seine Hilfe, die er auch sofort, soweit er nur konnte, gab. Die Beschaffung von Lebensmitteln war angesichts der damaligen Versorgungsbedingungen auch für ihn fraglos nicht leicht.

Als 1944 das Gerücht aufkam, Biesdorf-Süd solle im Zuge irgendwelcher Luftverteidigungsmaßnahmen zwangsweise gänzlich evakuiert werden, trug P. Stillfried dafür Sorge, daß das illegal lebende jüdische Ehepaar, daß keine Papiere besaß und bei einer solchen Aktion völlig ungedeckt den Häschern des Regimes ausgeliefert gewesen wäre, unter dem Schutz des Krankenhauses seine Zuflucht hätte verlassen können. Gott sei Dank wurden besagte Räumungspläne aber nie verwirklicht [49].

Alle diese Hilfemaßnahmen mußten jedoch unter strengster Geheimhaltung erfolgen. Jegliches Publikwerden - allein schon der leiseste Verdacht - hätte für alle Beteiligten, selbst für bloße Mitwisser, schlimmste Folgen nach sich gezogen. Darum beweist dieser Vorgang zugleich, welcher hohen Wertschätzung und Vertrauenswürdigkeit sich das Haus und seine Mitarbeiter nicht nur bei den katholischen Mitbürgern erfreuten. Ebenso wird aber auch schlaglichtartig erhellt, welcher furchtbare politische Terror damals


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das Leben beherrschte und wie schwierig sich unter ihm die Seelsorge selbst in einer kleinen Gemeinde gestaltete.

Das Jahr 1944 begann mit einem vor allem für das Haus schlimmen Ereignis. In der Nacht zum 3. Januar, bei einem Angriff von über 300 englischen Flugzeugen gegen Berlin, explodierte, keine 30 m entfernt, südöstlich des Hauses in den hohen Parkbäumen eine 36-Zentner-Luftmine, ein sogenannter "Wohnblockknacker". Diese gehörten wegen ihrer verheerenden Zerstörungskraft zu den damals bei Luftangriffen mit Recht am meisten gefürchteten Sprengkörpern. Entsprechend der Nähe des Einschlages erlitt das Haus sehr schwere Schäden. Das Dach über dem Kapellentrakt war völlig abgedeckt und zerstört, das übrige stark beschädigt, das Gewölbe des Altarraumes eingestürzt. Die Sakristei lag in Trümmern. Die Inneneinrichtung der Kirche, also auch der in Barockformen gestaltete ansehnliche hölzerne Hochaltar, war gänzlich demoliert und unbrauchbar [50]. Im übrigen Haus herrschte ein völliges Chaos. Fast alle Fenster und Türen waren herausgerissen, zahlreiche Wände eingedrückt, das Mobiliar durcheinandergeworfen und teilweise auch zerstört. Die Fußböden bedeckte eine Schicht von Mauerbrocken, Schutt, Glasscherben, Kalkstaub und Holzstücken. Gott sei Dank gab es keine Menschenverluste. Der Luftschutzkeller hatte gehalten.

Alle Kranken mußten evakuiert werden. Die Kapelle war unbenutzbar. Gottesdienste fanden in dem eilig provisorisch dazu wiederhergerichteten großen Raum neben der Kirche, dem "Pfarrsaal" statt.

Zum "Spiritus rector" der sofort einsetzenden Aufräumungs- und Wiederherstellungsarbeiten wurde der Kuratus P. Stillfried, der nicht nur mit großer Umsicht organisierte und leitete, sondern auch selbst Hand anlegte, wo und wann es nottat. Er mobilisierte ferner Gemeinde und Nachbarn zur praktischen Hilfe, die in Arbeit und Materialien bestand. Beides waren entscheidende Faktoren für ein Gelingen der Schadensbeseitigung, wenn auch, dank der Notwendigkeit, das Gebäude baldmöglichst wieder einer Benutzung als Krankenhaus zuzuführen, von staatlicher


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Seite her Unterstützung zuteil wurde.

So konnte schon am 1. Mai 1944 die Infektionsstation ihren Betrieb uneingeschränkt wieder aufnehmen. Am 30. Juli, also rechtzeitig zum Feste des Hl. Ignatius von Loyola, wurde dann auch die Kapelle - mit etwas veränderter Raumgestaltung - wieder eingeweiht. Noch heute erinnert indirekt das große Kruzifix hinter dem Hochaltar an jene schlimme Zeit. Es hatte nämlich ursprünglich seinen Platz in der 2. Etage und wurde bei dem Luftangriff am 3. Januar 1944 ebenfalls erheblich beschädigt. Ein Gemeindemitglied, der Tischlermeister Hugo Rebholz, restaurierte mit großem Geschick den Korpus und gab sowohl das Holz für ein neues Kreuz als auch für eine neue Kommunionbank [51]. Sein Name sei hier stellvertretend genannt für alle, die trotz der damals mehr als außerordentlich schwierigen äußeren Umstände in irgendeiner Weise uneigennützig bei der Schadensbeseitigung mitgeholfen haben.

Ostern 1944, also genau mitten in der Phase der Wiederherstellung des Hauses, wurde P. Bernhard Mertz SJ als Kaplan nach Biesdorf versetzt. Er war 1911 in Breslau geboren und hatte 1940 in Wien die Priesterweihe empfangen. Auch sein Name ist noch heute in der Erinnerung der Gemeinde fest verknüpft mit jener so schwierigen Zeit des herannahenden Kriegsendes.

Kaum daß die Wiederherstellungsarbeiten abgeschlossen waren, erlitt P. Stillfried einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch und mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden [52]. Zum einen hatte er bei den Wiederaufbauarbeiten seine Kräfte völlig verausgabt, zum anderen hatte ihn, wovon in der Gemeinde damals kaum jemand etwas gewußt haben dürfte, ein sehr hartes persönliches Leid getroffen. Sein Schwager, Michael Crai von Matuschka, den er sehr schätzte, war nämlich als einer der führenden Köpfe der - leider gescheiterten - Widerstandsaktion gegen Hitler vom 20. Juli 1944, verhaftet und im September d.J. von den Nazis hingerichtet worden. Bei den engen verwandtschaftlichen Beziehungen war angesichts


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der verbrecherischen nazistischen Sippenhaft-Praktiken P. Stillfried in jener Zeit überdies auch persönlich sehr stark gefährdet, worüber er selbst sich gewiß keinem Zweifel hingegeben haben wird [53]. Erst am 8. Dezember 1944 konnte der Kuratus aus dem Krankenhaus entlassen werden und in die Gemeinde zurückkehren.

Am 7. September 1944 wurde P. Georg Wünsch SJ nach Biesdorf versetzt, während P. Berner am 28. November 1944 das Haus verließ, um in Oppeln neue Aufgaben zu übernehmen.

Zu dieser Zeit war der Krieg längst verloren und in seine Schlußphase eingetreten. Der Luftkrieg gegen Berlin nahm dabei immer schlimmere Ausmaße an. 1944 gab es ca. 280 Alarme, davon ca. 65 am Tage, mit z.T. furchtbaren Bombenangriffen, die zu erheblichen Menschenverlusten und katastrophalen Sachschäden führten. Die Luftangriffe bestimmten das Leben in Berlin, soweit man von "Leben" für jene Zeit überhaupt noch sprechen kann.

P. Stillfried und P. Mertz fuhren, oft noch während der Alarme, mit dem Fahrrad durch die Gemeinde, um zu helfen, wo Hilfe notwendig geworden war. Das trug ihnen nicht nur bei den Gemeindemitgliedern, sondern auch bei den Nichtkatholiken des Pfarrbereiches hohe Achtung ein.

Das Haus als solches blieb nach dem Inferno des 3. Januar 1944 von weiteren Kriegsschäden schwererer Art verschont. Der eigentliche Krankenhausbetrieb lief wieder seinen üblichen Gang, wenn auch unter ständig komplizierter werdenden äußeren Verhältnissen. Die immer häufigeren Alarme bedeuteten in jeder Hinsicht für alle Menschen eine schreckliche Belastung. Seit dem 22. Februar 1945 verging dann überhaupt keine Nacht ohne Alarm. Hinzu kamen gleichfalls immer mehr Tagesalarme mit z.T. schlimm verheerenden Angriffen auf Berlin, wie z.B. am 3. Februar 1945.

Ende Januar 1945 verlief die "Ostfront" bereits entlang der Oder und somit nur noch knapp 80 Kilometer von der Stadt entfernt. Auch in Biesdorf konnte man von fernher häufig den Geschützdonner der Front hören, und nachts flackerte am östlichen Himmel wie ein fernes Wetterleuchten der Widerschein der Mündungsfeuer. Allerdings waren


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die Berliner zu dieser Zeit gegen das Beeindruckende solcher Erscheinungen nach der Vielzahl durchstandener Luftangriffe bereits unempfindlich geworden. Um so bedrückender lastete angesichts dieser Situation auf jedem die Frage nach dem, was die nächsten Wochen bringen würden.

Am 1. Februar erfolgte die Erklärung Berlins zum "Verteidigungsbereich" [54], was soviel bedeutete, daß die Stadt mit Befestigungsanlagen versehen und im Falle eines sowjetischen Angriffs auch verteidigt werden sollte. Eiligst wurden im gesamten Bereich Groß-Berlins Straßensperren, Barrikaden und andere Hindernisse gebaut sowie Brücken zur Sprengung vorbereitet. Die Männer der Geburtsjahrgänge, die längst nicht mehr der Wehrpflicht unterlagen oder aus gesundheitlichen Gründen "ausgemustert" waren, holte man zum sog. "Volkssturm". Im Februar erfolgte die Einberufung des Geburtsjahrganges 1928, einen Monat später die des Jahrganges 1929 zur Wehrmacht. Diese Jugendlichen erhielten, soweit überhaupt, nur eine völlig unzureichende Ausbildung und sollten, mit höchst mangelhafter Bewaffnung und Ausrüstung versehen, Berlin verteidigen.

Am 22. Februar 1945 noch konnten drei Schwestern des Franziskanerinnenkonvents, zwei Hausangestellte und Br. Moschall nach Bayern evakuiert werden, wo sie nach abenteuerlicher Fahrt mit einem Pferdegespann einen Monat später wohlbehalten ankamen [55].

Für die Berliner wurde das Leben währenddessen zunehmend unerträglicher. Immer häufiger erfolgten Stromabschaltungen, und es gab sich stetig steigernde Beschränkungen für die Benutzung der ohnehin schon nur noch mühevoll mehr schlecht als recht überhaupt in Betrieb gehaltenen öffentlichen Verkehrsmittel. Zieht man schließlich noch in Betracht, daß auch die Zuteilungen von Lebensmitteln immer geringer wurden, so mag diese keineswegs vollständige Aufzählung der Mühsale genügen, um zu beschreiben, wie die Belastungen aussahen, die jeder einzelne damals zu tragen hatte. An ein kirchliches Gemeindeleben in herkömmlichen Formen war unter diesen Umständen nicht mehr zu denken.

Am 16. April 1945 begannen die sowjetischen Truppen über


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die Oder hinweg den Endkampf um Berlin. Vom 20. April an kamen auch im Bereich der Pfarrei die letzten noch vorhandenen Reste eines geordneten öffentlichen Lebens gänzlich zum Erliegen. Die wenigen im Ort vorhandenen Geschäfte verkauften ihre Bestände. Die Kunden mußten dabei trotz fortwährender Tieffliegerangriffe in Schlangen anstehen, um noch ein paar Zuteilungen zu ergattern. Keller und Schutzräume wurden von jetzt an zum Daueraufenthaltsort für die Bevölkerung.

Am Sonntag, dem 22. April 1945, blieb die Kirche im Exerzitienhaus leer. Wegen des Beschusses, vor allem durch Tiefflieger, konnte niemand mehr den Weg zum Gottesdienst wagen. Am Abend dieses Tages traf vor dem für die Zwecke der Kuratie genutzten Nebengebäude den Organisten der Gemeinde, Herrn Siebers, ein Tieffliegergeschoß tödlich. Während einer Feuerpause setzte man den Toten im Park hinter dem Haus bei. Die noch heute vorhandene Grabstelle blieb fortan der Gemeinde Symbol für die unbekannten oder unerreichbar gewordenen Gräber von Angehörigen.

In der Frühe des 23. April wurden Biesdorf- und Kaulsdorf-Süd ohne größere Kämpfe von sowjetischen Truppen besetzt, und das Gebiet der Pfarrei befand sich nunmehr im unmittelbaren Fronthinterland mit allen schlimmen Beschwernissen und Gefahren einer solchen Lage; denn die Kämpfe um Berlin tobten mit voller Wucht weiter ihrem Höhepunkt zu. So konnte es geschehen, daß es auch unter Gemeindemitgliedern noch mehrere Tote und Verwundete gab. Außer dem Fehlen jeglicher Versorgung mit den lebensnotwendigsten Dingen war ferner für die damalige Situation der völlige Ausfall der Energie- und Wasserbelieferung kennzeichnend, was sich natürlich für den Krankenhausbetrieb als besonders problematisch erwies. Das fehlende Wasser mußte mühevoll aus Pumpen beschafft werden, die vereinzelt in der Umgebung noch vorhanden waren. Alle Fährnisse, Ängste und Schrecken, die es damals zu überstehen galt, im einzelnen darzustellen, würde den Rahmen dieser Arbeit sicherlich sprengen. Nur soviel sei gesagt: Diejenigen, die diese Tage des Kampfes um Berlin durchlebt haben, sprechen davon


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noch heute, nach über vierzig Jahren, nur sehr ungern.

Am 2. Mai 1945 endlich kapitulierte Berlin, am 8. Mai die gesamte deutsche Wehrmacht.


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4. Die Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum 25. Jubiläum

Bereits am 27. April 1945, als im Zentrum Berlins noch hart gekämpft wurde, hatte der sowjetische Stadtkommandant, Generaloberst N. E. Bersarin mit seinem "Befehl Nr. 1" u.a. auch die Abhaltung von Gottesdiensten ausdrücklich gestattet und damit zugleich die staatlich-rechtliche Voraussetzung für einen Wiederbeginn kirchlichen Lebens geschaffen. Doch mußte dieser Wiederbeginn notgedrungen unter äußeren Bedingungen erfolgen, deren hochgradige Kompliziertheit heute selbst für diejenigen, die jene Tage bewußt durchlebt haben, rückblickend nur noch schwer faßbar ist. Die Nazis hatten nichts weiter hinterlassen als ein Meer von Leid und Zerstörung. Die diesbezüglichen Einzelheiten der Situation selbst für ein so verhältnismäßig engbegrenztes Gebiet wie die hiesige Herz-Jesu-Kuratie aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen.

Am 11. Mai 1945, also unmittelbar nach Kriegsende, wurden unangemeldet mit Lastwagen 85 alte Leute ins Exerzitienhaus gebracht. Ihr bisheriges Domizil, das Städtische Altersheim in der Köpenicker Straße, hatte auf Weisung militärischer Stellen geräumt werden müssen, und der kurz zuvor eingesetzte örtliche Bürgermeister wußte nicht, wo er die Ausgewiesenen sonst hätte unterbringen können. "Da standen und lagen sie nun, ein Bild des Jammers und Elends, hungrig, schwach und krank", so schildert ein zeitgenössischer Bericht die damalige Situation vor dem Exerzitienhaus [56]. Eiligst wurde das für die Kuratie genutzte Seitengebäude geräumt und zur Unterbringung der Angekommenen - so gut es die Umstände ermöglichten - hergerichtet.

35 Alte erkrankten alsbald an Typhus und Ruhr, die damals in Berlin grassierten. Sie mußten ins Krankenhaus Wuhlgarten, das heutige Griesinger-Krankenhaus, verlegt werden. Einige der Angekommenen fanden etwas später anderswo Unterkunft, doch etwa 40 Leute verblieben im Hause. Um für sie eine halbwegs ausreichende Dauerunterkunft zu gewährleisten,


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unternahm es P. Stillfried, das kleine Gebäude durch den Anbau einiger Räume zu erweitern.

Angesichts der damals herrschenden materiellen Verhältnisse muß aus heutiger Sicht dieses Unternehmen des Kuratus als außerordentlich riskant bezeichnet werden, aber trotz zahlloser Widrigkeiten gelang es. Mit diesem Erfolg war nicht allein hilfsbedürftigen alten Menschen geholfen, sondern zugleich auch eine für das Exerzitienhaus wie für die Pfarrei in gleicher Weise wichtige Entwicklung eingeleitet worden.

Für die Gemeinde nachhaltig bedeutsam wurde in jener Zeit ferner der Zuzug einer erheblichen Zahl neuer Mitglieder. Er ergab sich durch Leute, die ihre Wohnungen in Berlin infolge der Kriegsereignisse verloren und im Pfarrbereich ein neues Unterkommen gefunden hatten, sei es in eigenen Wochenendhäuschen oder als Mieter von Wohnraum, in den sie eingewiesen worden waren. Viele stammten aus dem benachbarten Karlshorst, wo sie ihre Häuser und Wohnungen für Zwecke der Besatzungstruppen hatten räumen müssen. Einige waren auch auf der Flucht aus dem Osten - oft durch merkwürdige Umstände bedingt - im Gemeindebereich "hängengeblieben". Sie alle fanden in der hiesigen Herz-Jesu-Kuratie neue Geborgenheit nach all dem Schlimmen, das hinter jedem lag, und angesichts einer völlig ungewissen Zukunft.

Im Frühsommer 1945 normalisierten sich relativ die allgemeinen Verhältnisse in Berlin, und auch das Gemeindeleben kam weitgehend wieder in Gang. Die Sonntagsmessen fanden um 7.00, 9.00 und 10.30 Uhr statt, zu den gleichen Zeiten also, wie vor Kriegsbeginn. Vorerst erhalten blieb auch noch eine Sonntagabendmesse, die während des Krieges eingeführt worden war.

Am 28. September 1945 wurde das 25-jährigen Bestehen des Exerzitienhauses mit einem feierlichen Levitenamt festlich begangen, das Generalvikar Dr. Prange hielt.

Unvergeßlich in der Erinnerung haften geblieben ist allen, die sie miterleben durften, die Christnacht 1945. Die bis dahin für die deutsche Bevölkerung bestehende Ausgangs-


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sperre zwischen 22.00 Uhr abends und 5.00 Uhr morgens war von den Alliierten noch rechtzeitig vor dem Fest aufgehoben worden, so daß die Feier der Geburt des Herrn um 24.00 Uhr stattfinden konnte. Der Gottesdienst war außerordentlich gut besucht.

Noch im Spätsommer 1945 war in den bereits erwähnten Baracken am Grabensprung/Ecke Weißenhöher Straße ein Behelfskrankenhaus, vornehmlich für die Aufnahme alter und dauerpflegebedürftiger Menschen eingerichtet worden. Die hier untergebrachten Katholiken wurden fortan von P. Mertz regelmäßig seelsorglich betreut.

Für die Gemeindearbeit machte es sich bald als sehr hinderlich bemerkbar, daß das Seitengebäude neben dem Exerzitienhaus, das ehedem für die Zwecke der Kuratie zur Verfügung gestanden hatte, jetzt als Altersheim genutzt wurde. Es fehlte an Räumlichkeiten; denn das Exerzitienhaus selbst beherbergte weiterhin das Krankenhaus.

P. Stillfried gelang es nun, eine auf dem Gelände des durch das Kriegsende zum Erliegen gekommenen Verschiebebahnhofs-Bauprojekts stehende Baracke von der Reichsbahn zu kaufen und in Teile zerlegt mit mühseligen Pferdefuhrwerks-Fuhren in die Fortuna-Allee schaffen zu lassen. Hier hatte sich der umsichtige Kuratus durch einen langfristigen Pachtvertrag rechtzeitig ein dem Exerzitienhaus schräg gegenüber gelegenes unbebautes Geländestück zur Aufstellung dieser Baracke gesichert.

Heute vermag wohl niemand mehr so recht zu ermessen, welche Mühen aufgewendet werden mußten und wie viele erhebliche Schwierigkeiten es zu überwinden galt, bis alles erreicht war. Kennzeichnend für die damaligen Begleitumstände ist, daß die Barackenteile nachts von Männern aus der Gemeinde bewacht werden mußten, um Diebstähle daran zu verhindern. Die materielle Not jener Zeit war unvorstellbar groß, und daß die Fertigstellung der Baracke 1946 überhaupt gelang, ist nur den zahllosen uneigennützigen Hilfen, die dem Projekt von vielen Seiten zuteil wurden, zu verdanken.

Entstanden waren im Laufe des Jahres 1946 für die Pfarrei


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2 Unterrichts- und Büroräume sowie Schlaf- und Tagesräume nebst Waschraum und Küche für ein damals dringend benötigtes Kinderwohnheim. Hier fanden fortan über sechs Wochen laufende Erholungskurse für je 15 Jungen und Mädchen statt.

Für das Altersheim, das jetzt 49 Leute beherbergte, konnten 1946 neue Betten beschafft werden. Bis dahin hatte man sich mit Behelfsliegen begnügen müssen.

Die trotz aller äußeren Not außerordentlich große Aktivität der Gemeinde zeigte sich u.a. in der großen Teilnehmerzahl bei der Fronleichnamsprozession des Jahres 1946.

Am 30. Juni 1946 spendete der Berliner Bischof, Kardinal v. Preysing, 53 Kindern und Erwachsenen der Pfarrei das Sakrament der Firmung. Kurz zuvor noch konnte die Verkleidung der Altarmensen mit neuen Platten aus italienischem Travertin abgeschlossen werden.

Vom 24. bis 26. September 1946 hielt P. v. Stillfried offene Exerzitien für die Frauen und Mütter der Gemeinde. Waren es doch sie gerade, die in jener Zeit schwerste Lasten zu tragen hatten. 90 Frauen nahmen an diesem Kursus teil, der zugleich die abschließende größere seelsorgerische Aktivität des Kuratus für seine Gemeinde darstellte, da P. Stillfried von seinen Oberen nach Köln abberufen worden war. Er verabschiedete sich am letzten Septembersonntag des Jahres 1946 mit einem feierlichen Levitenamt von der Kuratie, für die er in schwersten Jahren mit so viel Liebe, Aufopferung und mutigem Einsatz gewirkt hatte. Die Erinnerung an ihn ist noch heute in der Gemeinde sehr lebendig.

Als Nachfolger P. v. Stillfrieds wurde P. Paul Franz Saft SJ zum Kuratus ernannt. Er war 1908 in Dresden geboren und 1938 zum Priester geweiht worden. Am 23.8.1946 in Biesdorf angekommen, hielt er am Erntedankfest d.J. das erste Levitenamt mit seiner neuen Gemeinde.

Tatkräftig setzte der neue Kuratus das von seinem Vorgänger Begonnene fort und baute es zielstrebig aus. Anfangs stand ihm dabei noch P. Mertz helfend zur Seite, der dann aber 1947 zur Übernahme anderer Aufgaben versetzt wurde.


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Am Fronleichnamssonntag 1947 erhielt das inzwischen bereits in Benutzung genommene Pfarr- und Jugendheim, die erwähnte ehemalige Reichsbahn-Baubaracke, die kirchliche Segnung. Der Kuratus gab dem Haus den Namen "Haus Winfried". Es wurde sehr schnell zu einem echten Zentrum der Gemeinde, ganz besonders auch für die Jugend, deren seelsorgerische Betreuung P. Saft sehr am Herzen lag. Hierbei wurde er unterstützt von P. Karl-Heinz Riedel SJ, der jedoch vorrangig in der überpfarrlichen Seelsorge tätig war.

Breiten Raum nahmen die karitativen Aufgaben in der Pfarrei ein. Erinnert sei nur an die Verteilung von dringend benötigten Lebensmitteln und Textilien, die, aus Spenden vornehmlich amerikanischer Katholiken stammend, über den Caritasverband zu den einzelnen Gemeinden des Bistums gelangten und von hier aus an die Gläubigen verteilt wurden. Dazu mußten die jeweiligen Güter von einer weit im Stadtinnern befindlichen zentralen Stelle in die Pfarrei geschafft werden. Transportraum in Form von Kraftfahrzeugen oder Gespannen stand dafür kaum jemals zur Verfügung, sondern die oft nicht unbeträchtlichen Lasten wurden von ehrenamtlichen Helfern aus der Gemeinde "per Hand" unter Benutzung der in jenen Jahren noch verhältnismäßig leistungsschwachen öffentlichen Verkehrsmittel herangebracht, oder aber ein damals für das Haus tätiges Gemeindemitglied fuhr mit dem Fahrrad und einem Anhänger, um die jeweiligen Dinge zu holen. Diese Fahrten waren jedesmal abenteuerliche Unternehmungen voller Mühsal und Anstrengung. Die Verteilung der Gaben in der Gemeinde selbst erforderte dann abermals die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Gemeindemitglieder.

Der kleine Kirchenchor, der, wie erwähnt, schon lange vor Errichtung der Kuratie entstanden war, erhielt neue Mitglieder und brachte es zu respektabler Leistungshöhe.

Auch wenn hier nur wenige der damaligen Aktivitäten beiläufig streifend genannt werden können, darf doch mit Recht festgestellt werden, daß das Gemeindeleben in der Kuratie außerordentlich aufblühte.


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Vom 9. bis 15. Mai 1949 hielt P. Alfons Matzker SJ gutbesuchte offene Exerzitien für die Männer der Gemeinde. Am Christkönigs-Fest des gleichen Jahres spendete Weihbischof Paul Tkotsch in der Herz-Jesu-Kapelle das Sakrament der Firmung. Unter den Firmlingen befanden sich viele ältere und alte Leute - sogar Achtzigjährige -, die zur Mehrzahl aus dem Altersheim des Exerzitienhauses und aus dem Pflegeheim Grabensprung kamen.

1950 war als Heiliges Jahr ausgerufen, was auch im Leben der Gemeinde vielfältigen Niederschlag fand, so z.B. in Wochenend-Exerzitien für einzelne Gruppen von Gemeindemitgliedern.

Gleich nach Ostern dieses Jahres verließen die Franziskanerinnen, die drei Jahrzehnte dem Haus treu gedient hatten, Biesdorf. Für sie zog ein Konvent der "Armen Schwestern des Heiligsten Herzen Jesu" nach hier und übernahm die Aufgaben, die bislang von den Franziskanerinnen versehen worden waren. Für die bisherige Seelsorgehelferin, Schwester Gregoria, kam am 13. April 1950 Schwester Hildegard Brier, eine gebürtige Schlesierin, die eben ihre Ausbildung in Freiburg abgeschlossen hatte, in die Gemeinde, der sie dann über dreieinhalb Jahrzehnte in treuester Pflichterfüllung diente.

Auf die Verkündigung des Dogmas von der Leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel wurde die Gemeinde durch drei Abendpredigten vorbereitet.

Ein bemerkenswertes Ereignis stellte 1951 die erstmalige Feier der Osternacht nach der dafür nunmehr gültigen neuen Liturgie dar.

Angesichts der seit 1945 in Deutschland erfolgten politischen Entwicklungen erwies es sich als notwendig, in der DDR eine eigene Studienmöglichkeit für katholische Theologie einzurichten. Das Exerzitienhaus bot sich als dazu geeignete Baulichkeit. Die im Hause befindliche Infektionsabteilung des St. Antoniuskrankenhauses wurde aufgelöst, die im Haus wohnenden Patres bezogen eine Mietwohnung in einem Privathaus in der Heesestraße.

Die Räume des Exerzitienhauses wurden vollständig reno-


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viert, und auch die Kapelle wurde neu ausgemalt. Anstelle der von der Decke herabhängenden Lampen erhielt sie Wandleuchten.

Ende März 1952 mußte das Kinderwochenheim im Haus Winfried geschlossen werden, da finanzielle und personelle Schwierigkeiten eine Weiterführung unmöglich machten. Die bisherigen Unterrichtsräume wurden nunmehr Wohnräume für einen Pater und einen Ordensbruder, während die Schlafräume des Kinderheims fortan als Unterrichtsräume dienten, nachdem sie ebenfalls renoviert worden waren.

Anfang Mai 1952 untersagte man seitens des Staates plötzlich die Eröffnung des Theologischen Studiums in Biesdorf [57]. Nun übernahm der Caritas-Verband den größten Teil des Exerzitienhauses als Altersheim. Nur die 2. Etage des Gebäudes mietete das Bischöfliche Ordinariat als Exerzitien- und Tagungsstätte für Veranstaltungen überpfarrlicher Seelsorge.

Die Wirtschaftsführung beider Institutionen sowie die Betreuung der Heiminsassen blieb in den Händen der "Armen Schwestern" unter der Leitung der Oberin Sr. Rhabana. Daneben waren, wie schon immer, auch angestellte Mitarbeiter tätig.

Am 18. Mai spendete Bischof Wilhelm Weskamm in der Kapelle 86 Gläubigen das Sakrament der Firmung.

Erstmalig wurde in diesem Jahr die Fronleichnamsprozession nicht nur durch den hauseigenen Park, sondern auch über öffentliche Straßen und Plätze der Umgebung geführt.

Zu einem sowohl für die Gemeinde als auch für das Haus gleichermaßen bedeutungsvollen Jahr sollte 1953 werden. Das erste große Ereignis stellte die im Februar durchgeführte Volksmission dar, die von P. Hubert Klose SJ und P. Günter Soballa SJ gehalten wurde. Die Kindermission begann am 4.2., die Erwachsenenmission am 8.2.. An Letzterer beteiligten sich 230 Frauen und 100 Männer. Es war die erste Mission in der Gemeinde seit ihrem Bestehen.

Schon vor Beginn dieser Mission war laut geworden, das Haus solle der "Volkseigenen Wohnungsverwaltung" unterstellt und dann "einem anderen Zweck" zugeführt werden [58]. Als Begründung wurde die Tatsache vorgegeben, daß die


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"Gesellschaft Erholung", die - wie bereits dargelegt - vier Jahrzehnte früher unter gänzlich anderen Verhältnissen und Voraussetzungen gegründet worden war, um eine Rechtsträgerin für das Exerzitienhausprojekt zu schaffen, als Sitz Berlin-Charlottenburg gewählt hatte. Daraus wurde jetzt ein Beschlagnahmerecht als "Westeigentum" hergeleitet und auch aufrechterhalten trotz aller erklärender Einwendungen seitens der zuständigen kirchlichen Stellen.

Bereits während des Ablaufs der Mission kamen erste Kommissionen zu Gesprächen, Verhandlungen und Objektbesichtigungen. Diese Geschehnisse lösten sowohl bei der Gemeinde als auch bei den alten Leuten im Heim nicht unbegründete Beunruhigungen und Ängste aus. Obwohl P. Saft und Sr. Rhabana ebenso wie die zuständigen übergeordneten kirchlichen Stellen nichts unversucht ließen, die Sachlage zu klären und eine Räumung abzuwenden, wurde diese für den 30. April angesetzt und dann schließlich auf den 12. Mai 1953 als dem nunmehr endgültigen Termin verschoben. Währenddessen von verschiedenen Gemeindemitgliedern zu Gunsten des Hauses eingereichte Eingaben an staatliche Stellen blieben unbeantwortet.

Am 8. Mai 1953 - die Gefahr strebte ihrem Höhepunkt zu - machte die Gemeinde das Gelübde, "... dieses Jahr am Himmelfahrtstag (14.5.) und künftig jedes Jahr am Sonntag zwischen dem 8. und dem 15. Mai einen feierlichen Gelöbnistag zu halten mit Gemeindekommunion und mit einer Prozession um das Haus", wenn dieses der Kirche erhalten bliebe [59].

Schließlich kam der 12. Mai 1953 heran. Der Berliner Weihbischof Paul Tkotsch und Caritasdirektor Dr. Wilhelm Albs feierten um 7.00 Uhr mit der Gemeinde die Bittmesse und hielten anschließend die Bittprozession durch den Garten. Über 200 Gläubige nahmen daran teil. Etwa 40 von ihnen hielten sich danach weiterhin im Hause auf, um nötigenfalls bei einer Evakuierung den alten Leuten helfen zu können. Auch zahlreiche nichtkatholische Nachbarn hatten Hilfe zugesagt, falls es zu einer Zwangsräumung käme. Der Tag verging in einer Atmosphäre äußerster Gespanntheit, harrend der Dinge, die da kommen würden. Erst als gegen


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15.45 Uhr der Leiter des Magistratsamtes für Kirchenfragen vorfuhr und dem Caritasdirektor Dr. Albs mitteilte, "daß das Haus vorläufig in seinem Zustand verbleibt" [60], atmeten alle erleichtert auf.

Der "Gelöbnistag" wurde daraufhin mit großer Freude begangen. 337 Gläubige nahmen an der Gemeindekommunion teil, während bei der Prozession sogar über 400 Teilnehmer gezählt werden konnten. Die Tradition des "Gelöbnistages" fand dann in dieser Form bis 1987 ihre getreue Fortsetzung.

Zu jener Zeit gingen auch die 1950 begonnenen Arbeiten an der Wuhleverbreiterung zu Ende, von denen das Haus zunächst nur insoweit betroffen zu sein schien, als sich das Aussehen des Parks erheblich veränderte, da Teile von ihm dem Bauprojekt zum Opfer gefallen waren, so z.B. der malerische kleine Teich an der Nordost-Ecke des Hauses, einst streng verbotener, daher aber um so geschätzterer "Abenteuerspielplatz" der Schuljugend nach dem Religionsunterricht [61]. Daß sich aus dem Wuhleprojekt ein Jahrzehnt später auch ernstliche Folgen für den baulichen Bestand des Hauses ergeben sollten, ahnte damals noch niemand.

Am 21.4.1953 verstarb im St. Gertrauden-Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf der erste Kuratus der Herz-Jesu-Kuratie Biesdorf-Süd, P. Friedrich Schulte SJ.

Im Spätsommer und Herbst des Jahres 1953 erhielt die Kapelle ihre jetzige farbige Fenster-Verglasung. Die Kosten dafür brachte die Gemeinde durch Spenden auf.

Zur Erinnerung an den ersten Kuratus, P. Schulte, wurde am 1. Januar 1955 im südlichen Seitenschiff der Kapelle eine Gedenktafel angebracht. In jener Zeit entstanden auch die heutigen Kreuzwegstationen. Sie ersetzten die bis dahin an ihrer Stelle befindlichen kleinen schmucklosen Holzkreuze, die nach der Zerstörung des alten Kreuzweges durch Bomben seit der Wiederherstellung der Kirche 1944 als Stationen gedient hatten.

Während des Winters 1954/55 entstanden im Haus Winfried schwere Frostschäden an der Heizung, so daß es für längere Zeit kaum benutzbar war. Nach Beseitigung der Schäden


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wurde dann im Sommer 1956 schließlich das Haus insgesamt durch entsprechende bauliche Maßnahmen winterfest gemacht.

Am 30. Juni 1957 feierte der am Tage zuvor durch den Berliner Bischof Julius Döpfner geweihte Neupriester Heinz Teichmann, der aus der hiesigen Gemeinde stammt, in seiner Heimatkirche, der Biesdorfer Herz-Jesu-Kapelle, Primiz. Die Festpredigt hielt P. v. Stillfried SJ. Heinz Teichmann ist heute Pfarrer von Buckow/Märk. Schweiz.

Zu einem sorgen- und ereignisreichen Jahr für die Gemeinde sollte 1958 werden. Der Kuratus, P. Saft SJ, wurde als Studentenseelsorger nach Erfurt versetzt. An seine Stelle trat am 15. April 1958 P. Wilhelm Rueter SJ. 1911 geboren, hatte er 1940 die Priesterweihe empfangen. Er stammte übrigens aus der benachbarten Karlshorster Pfarrei.

Der neue Kuratus hatte sich gerade in sein neues Aufgabengebiet eingearbeitet, da wurde am 22. Juli plötzlich der als Exerzitienmeister im Hause tätige P. Robert Frater SJ, ein auch in der hiesigen Gemeinde wohlbekannter und, vor allem von den Jüngeren, sehr geschätzter Seelsorger, in seiner Wohnung in der Heesestraße verhaftet, am Tage darauf auch alle anderen, zum Teil rein zufällig in Biesdorf weilenden Patres. Es handelte sich dabei um den Kuratus, P. Rueter, ferner P. Menzel, der gerade eigene Exerzitien beendet hatte und P. Müldner, der auf dringendes Ersuchen eilends nach Biesdorf gekommen war, um hier für den verhafteten P. Frater, der am 23. Juli einen Schwesternkurs halten sollte, einzuspringen.

Diese Aktion gegen die genannten Geistlichen erlangte schnell weiteste Publizität und löste, vor allem natürlich bei den hiesigen Katholiken, große Verbitterung aus, zumal keinerlei Begründungen oder Erklärungen für das Vorgehen gegeben wurden.

Die Administration der durch die Verhaftung von P. Rueter ihres Pfarrers beraubten Kuratie übernahm am 1. August 1958 der damalige Kaplan an der St. Mauritius-Kirche in Berlin-Lichtenberg, Paul Dissemond. Es gab wohl niemand, der es nicht bewundert hätte, mit welchem großen Engagement und Geschick er die schwierige Aufgabe erfolgreich


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löste. Allabendlich kamen spontan viele Gemeindemitglieder in der Kapelle zum Rosenkranzgebet für die verhafteten Patres zusammen.

Während des vom 13. bis 17. August 1958 stattfindenden 78. Deutschen Katholikentages, bei dessen Vorbereitung und Durchführung auch einige Gemeindemitglieder maßgeblich tätig waren, diente Haus Winfried 38 auswärtigen Jugendlichen als Quartier.

Im Verlaufe des Herbstes normalisierte sich das Leben in der Pfarrei nach den schockierenden Ereignissen des Sommers allmählich wieder.

Am 2. November 1958 besuchte der Berliner Bischof, Julius Döpfner, die Pfarrei. Im Rahmen einer Pontifikalmesse verlas er eine vorbereitete Erklärung zu den Ereignissen in Biesdorf im Juli d.J.. Außerdem spendete er 28 Gläubigen das Sakrament der Firmung.

Kurz vor Weihnachten 1958 kam es dann in Frankfurt/Oder zu einem Prozess gegen die in Biesdorf verhafteten Jesuitenpatres. Eine Zeitung berichtete darüber unter der Überschrift: "Mißbrauch des kirchlichen Amtes. Angeklagte Jesuiten wegen Spionage und Abwerbung verurteilt." wie folgt: "Der Erste Strafsenat des Bezirksgerichtes Frankfurt/Oder verurteilte den Agenten Robert Frater u.a. wegen Spionage und Agentenwerbung zu vier Jahren und vier Monaten Zuchthaus und die drei weiteren Angeklagten Josef Menzel, Wilhelm Rueter sowie Josef Müldner wegen Abwerbung bzw. Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz des innerdeutschen Handels und schweren Währungsschiebungen zu Gefängnisstrafen von einem Jahr und drei Monaten bis zu drei Jahren und vier Monaten. Der Angeklagte Müldner wurde aus der Haft entlassen. Der Prozess offenbarte, daß die Spionagezentralen des Westberliner Agentensumpfes ihre Wühltätigkeit gegen die DDR mit aktiver Unterstützung durch Ordensmitglieder der katholischen Kirche ausüben.

Der Agent Frater, der wie alle übrigen Angeklagten Angehöriger des Jesuitenordens ist, trieb katholische Bürger der DDR - so zum Beispiel das Ehepaar Hoppe aus Berlin-Köpenick - unter Mißbrauch seines kirchlichen Amtes der


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berüchtigten westdeutschen Spionageorganisation "Bundesamt für Verfassungsschutz" in die Arme. Zu diesem Zweck unterhielt er über die Agentin dieses Geheimdienstes Anna Klären, die zur Tarnung ihrer Agententätigkeit unter den Decknamen Marianne Klenner bzw. Anna Blasius bei der Katholischen Bahnhofsmission des Westberliner S-Bahnhofes Zoo tätig ist, Verbindung mit einem Mitarbeiter der genannten westdeutschen Spionagezentrale.

Frater und zwei weitere Angeklagte organisierten planmäßig die Republikflucht junger Menschen und unterstützten die Abwerbung von Facharbeitern. Außerdem beschäftigten sich die Angeklagten u.a. mit Auto- und Motorradschiebungen und machten sich ungesetzlicher Währungsmanipulationen schuldig." [62]

Die Weihnachtsgottesdienste des Jahres 1958 waren überfüllt. Das erschien nicht nur bemerkenswert angesichts der Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres, sondern auch im Hinblick auf ein bereits damals vielerorts eher von rückläufigen Tendenzen überschattetes kirchliches Leben.

Gelegentlich der Begrüßungsfeier für den am 15. Dezember 1958 zum Kardinal ernannten Berliner Bischof Julius Döpfner wurden Anfang 1959 an die Gemeindemitglieder Franz Kiowski und Josef Ordyniak päpstliche Auszeichnungen für ihre maßgebliche Mitarbeit bei Vorbereitung und Durchführung des 78. Deutschen Katholikentages verliehen.

1959 übernahm P. Hermann Jäger SJ als Exerzitienmeister die Leitung des Exerzitienhauses. 1907 in Gleiwitz geboren, hatte er 1940 die Priesterweihe empfangen. Obwohl in seiner Stellung das Schwergewicht der Arbeit vor allem im Bereich überpfarrlicher Aufgaben lag, half er auch immer wieder bei der Seelsorge für die hiesige Gemeinde, in der er sich bis heute größter Wertschätzung erfreut. P. Jäger - inzwischen im Ruhestand - lebt noch heute im Hause, wo er sich u.a. besonders die seelsorgliche Betreuung der Altersheimbewohner angelegen sein läßt.

Am 21. Dezember 1959 erfolgte die Haftentlassung von Kuratus P. Rueter.

Er traf am 23. d.M. an seiner alten Wirkungsstätte


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in Biesdorf ein, wo man ihn freudig empfing. Einen Tag später, am Heiligen Abend, zelebrierte er unter Assistenz von P. Jäger und Kaplan Dissemond ein feierliches Levitenamt und richtete ein kurzes Grußwort an die Gläubigen. In den Predigten des 2. Weihnachtsfeiertages berichtete der Kuratus dann über seine Erlebnisse. Zur Ausheilung einer Tbc, die er sich während der Haft zugezogen hatte, mußte P. Rueter zunächst jedoch für längere Zeit das St. Hedwigskrankenhaus aufsuchen, ehe er seine Aufgaben in Biesdorf wieder übernehmen konnte.

Im Frühjahr 1960 begann eine grundlegende Rekonstruktion des Exerzitienhauses, die sich bis in den Spätsommer 1961 hinzog. Zusätzliche besondere Schwierigkeiten ergaben sich dabei, weil das Haus als Altersheim weiterhin in Betrieb bleiben mußte. Im Zuge der Instandsetzungsmaßnahmen verschwanden die letzten baulichen Relikte aus der Kriegszeit - darunter die massiven Schutzmauern vor einigen Fenstern -, wo der Hauskeller als Luftschutzraum gedient hatte. Gleichzeitig wurde auch Haus Winfried renoviert.

Am 1. April 1960 wurde Kaplan Dissemond als Kuratus nach Berlin-Hohenschönhausen versetzt, und P. Rueter übernahm wieder die Aufgaben des Kuratus, aus denen er knapp zwei Jahre zuvor so jäh herausgerissen worden war.

Nachdem Anfang August 1961 die Rekonstruktionsmaßnahmen am Exerzitienhaus im wesentlichen abgeschlossen waren, spielte dieses neben seiner Nutzung als Altersheim des Caritasverbandes in rasch zunehmenden Maße wieder eine wichtige Rolle in der überpfarrlichen Seelsorge als Stätte für Exerzitienkurse, Einkehrtage und andere kirchliche Treffen verschiedenster Art.

Anfang der sechziger Jahre wurde der südliche Teil des Exerzitienhaus-Gartens, der wie schon erwähnt - seit Jahrzehnten unter ausschließlich ökonomischen Gesichtspunkten gärtnerisch genutzt worden war, mit Kiefer-Sämlingen bepflanzt, die inzwischen zu einem ansehnlichen Wäldchen herangewachsen sind.

Am 1. Januar 1963 trat für das Bistum Berlin eine neue Dekanatseinteilung in Kraft. Die Herz-Jesu-Kuratie Bies-


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dorf-Süd gehörte fortan zum Dekanat Lichtenberg.

Im gleichen Jahr, am 20. Dezember, empfing der aus der Gemeinde stammende Diakon Dieter Schmidt die Priesterweihe und feierte am 26. d.M. in der Biesdorfer Herz-Jesu-Kapelle, seiner Heimatkirche, Primiz. Heute ist er Pfarrer von Berlin-Johannistal.

Am 1. Januar 1964 konnte die Kuratie auf das erste, durchaus ereignisreiche Vierteljahrhundert ihres Bestehens zurückblicken und feierte dieses Jubiläum mit einem Levitenamt.


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5. Die Zeit bis heute [63]

Exerzitienhaus vom Nachbargrundstück aus gesehen Exerzitienhaus von der Kaulsdorfer Seite

Die zweite Hälfte der sechziger Jahre war auch in der Biesdorfer Herz-Jesu-Kuratie vor allem gekennzeichnet durch die vom Konzil beschlossene Liturgiereform. Dank der bistumsweit sehr behutsam und durch Schrift und Wort gut vorbereitet vorgenommenen Änderungen ergaben sich in der Gemeinde diesbezüglich keine nennenswerten Probleme.

Am 10. Oktober 1965 wurde P. Rueter zur Übernahme anderer Aufgaben nach Dresden versetzt. Seine Nachfolge in der Biesdorfer Pfarrei trat der 1914 in Matzwith/Schlesien geborene und 1945 auf Schloß Johannesberg zum Priester geweihte P. Bernhard Hauptmann SJ an. Er wurde am 17. Oktober 1965 in sein neues Amt eingeführt.

Für den am 15. April 1966 im 76. Lebensjahr verstorbenen P. Erich Bollonia SJ fand am 3. Mai d.J. ein Requiem statt. P. Bollonia war einer der in den Anfangsjahren des Exerzitienhauses hier tätig gewesenen Patres, die durch ihre engagierte seelsorgliche Betreuung der ortsansässigen Katholiken den Grundstein für die heutige Pfarrgemeinde gelegt hatten.

1966 entstand eine Kindermusikgruppe [64], die bis heute, wenn natürlich mit immer wieder nachwachsenden Mitgliedern, oft zur Verschönerung der Gottesdienste, vor allem der für Kinder, erfolgreich beiträgt.

Am 30. Juli 1967 wurden in der Kapelle durch Bischof Gerhard Schaffran vier Jesuiten zu Priestern geweiht, darunter P. Reinhold Wehner SJ, der heutige Leiter des Hauses.

1968 verloren der 2. Osterfeiertag und das Fest Christi Himmelfahrt ihren Charakter als staatliche Feiertage, während sie kirchlich gebotene Feiertage blieben. Für sie wurde die Gottesdienstordnung dahingehend geändert, daß eine Hl. Messe um 7.00 Uhr, die nächste jedoch, vor allem für die Schüler bestimmte, um 16.00 Uhr stattfindet. Zusätzlich wird um 19.00 Uhr noch eine Abendmesse gefeiert. Diese Regelung hatte sich bereits für andere nichtstaatliche, kirchlich gebotene Feiertage bewährt.

Im selben Jahr begannen auch die fortan in 14-tägiger


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Folge stattfindenden "Werkabende" für die Frauen der Gemeinde, und im Jahr darauf bildete sich der "Kreis junger Familien".

1969 bedurfte das Dach von Haus Winfried einer umfassenden Überholung.

Von November 1968 bis April 1969 wirkte Frater Ernst Förster SJ als Diakon in der Gemeinde, ehe er im Alter von 29 Jahren am 28. Juni 1969 in Erfurt zum Priester geweiht wurde.

Am 13. April 1970 beging die Seelsorgehelferin der Gemeinde ihr zwanzigjähriges Ortsjubiläum.

Zusammen mit dem Gelöbnistag am 10. Mai 1970 wurde das fünfzigjährige Bestehen des Exerzitienhauses gefeiert. Als Vorbereitung dafür hielt P. Erhard Kaisig SJ ein Triduum über das Thema "Gott ruft die Welt heim". Die Festpredigt am Gelöbnistag selbst hielt P. Saft SJ.

Eine Woche später, am 18. Mai, stellte sich heraus, daß der Kuratus P. Hauptmann SJ schwer erkrankt ist und sich zur Behandlung ins St. Hedwigskrankenhaus begeben mußte.

Zur Vertretung des Pfarrers kam P. Förster SJ als Vicarius substitutus nach Biesdorf. Da er dann aber in Erfurt bereits vorgeplante andere Aufgaben zu übernehmen hatte, löste ihn am 15. September 1970 P. Franz Beschorner SJ ab.

Das Caritas-Altersheim feierte am 17. August 1970 das Jubiläum seines 25-jährigen Bestehens. Überschattet wurde dieses Ereignis jedoch bereits von der Tatsache, daß sich am Nordtrakt des Hauses Bauschäden bemerkbar zu machen begannen, deren langsames Fortschreiten unübersehbar war. Nach gründlichen und komplizierten Untersuchungen stellte sich schließlich heraus, daß infolge erheblicher durch die Wuhle-Tieferlegung entstandener Untergrundveränderungen die Standfestigkeit des Gebäudes zunehmend gefährdet und der nördliche Teil des Hauses bereits bald unbenutzbar war, woraus sich vor allem für das Altersheim eine Vielzahl nur schwer lösbarer Probleme ergab. Neuaufnahmen in das Heim mußten vorerst unterbleiben.

Im Januar 1971 konnte P. Hauptmann SJ zwar endlich das Krankenhaus wieder verlassen, aber an eine Wiederaufnahme seiner Arbeit war noch nicht zu denken.


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Zum 31. März 1971 löste P. Artur Riedel SJ den als Vertreter des kranken Pfarrers in Biesdorf tätigen P. Beschorner SJ ab und wurde am 31. Mai als neuer Kuratus der Herz-Jesu-Kuratie eingeführt. Er war 1912 in Rybnik geboren und hatte 1942 die Priesterweihe empfangen.

Im Herbst des gleichen Jahres bekam das Pfarrgrundstück einen neuen Zaun, wobei zahlreiche Männer aus der Gemeinde tatkräftig halfen.

Zu einem besonderen Anliegen des neuen Kuratus wurde der bereits von seinem Vorgänger geplante Kapellenumbau, entsprechend den Erfordernissen, wie sie sich aus der Liturgiereform ergaben. Bei dem erarbeiteten Projekt stellten sich jedoch - im wesentlichen statische - Probleme heraus, die auch im Zusammenhang mit den erwähnten durch Absenkungsvorgänge verursachten Bauschäden am nördlichen Teil des Gebäudes gesehen werden mußten. So dauerte es noch bis zum Herbst, daß nach inzwischen veränderten Konzeptionen die Kapellenumgestaltung beginnen konnte. Daher wurde zunächst einmal nur Haus Winfried gänzlich überholt.

Am 5. August 1972 verstarb im 59. Lebensjahr P. Bernhard Hauptmann SJ und wurde am 11. August auf dem St. Pius-Friedhof in Berlin-Hohenschönhausen beigesetzt. Einen Tag später fand dann in der hiesigen Kapelle ein feierliches Requiem für den Heimgegangenen statt.

Bald danach begannen die praktischen Vorarbeiten für die Kapellenumgestaltung. Besonders arbeitsaufwendig war hierbei die Neuinstallation der gesamten elektrischen Anlage, die von fachkundigen Gemeindemitgliedern ausgeführt wurde.

Wegen dieser Arbeiten mußten von Anfang Oktober 1972 an die Werktagsgottesdienste im Haus Winfried stattfinden. Nur die beiden Sonntagsmessen wurden nach wie vor in der dann jeweils provisorisch dafür wiederhergerichteten Kapelle gefeiert. Zum Christkönigsfest 1972 war alles fertig, und die Kirche konnte wieder uneingeschränkt benutzt werden. "Sie ist schön geworden. Der Tabernakel ist Mittelpunkt. Darüber ragt das Kreuz empor." heißt es dazu in


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der Pfarrchronik. Die Konsekration des neuen Altars wurde am 31. März 1973 durch Kardinal Bengsch vollzogen.

Am 14. Juni 1973 fand um 9.15 Uhr unter Beteiligung von etwa 30 Gläubigen die erste "Rentnermesse" statt. Sie ist inzwischen zu einem festen und geschätzten Bestandteil des Gemeindelebens geworden.

Zwei Wochen später, am 29. Juni, firmte Weihbischof Kleineidam in der Kapelle 20 Mädchen und Jungen aus der Gemeinde.

In Vorbereitung auf das bevorstehende Heilige Jahr unternehmen vom 17. bis zum 19. Mai 1974 unter Leitung des Pfarrers 33 Mitglieder der Gemeinde eine Wallfahrt nach Czenstochau und Grüssau, die für alle Teilnehmer zu einem starken Erlebnis wurde.

In Berlin verstarb im 65. Lebensjahr am 30. August 1974 P. Gebhard v. Stillfried SJ, der die Gemeinde in allerschwerster Zeit, von 1942 bis 1947, als Kuratus geleitet hatte. Am 20. September 1974 wurde für ihn in unserer Kapelle ein Requiem gehalten.

Aus Anlaß des 25-jährigen Dienstjubiläums unserer Seelsorgehelferin, Hildegard Brier, fand am 13. April 1975 eine Feier der Gemeinde im hiesigen Evangelischen Gemeindezentrum statt. Bald danach erkrankte P. Riedel und mußte sich in Krankenhausbehandlung begeben.

Schon am 1. September wurde der unserer Gemeinde bereits bestens bekannte P. Ernst Förster SJ zum neuen Pfarrer [65] ernannt und am 7. d.M. in sein Amt eingeführt.

Kurz nach Vollendung des 63. Lebensjahres verstarb am 9. Oktober 1975 P. Arthur Riedel SJ im Potsdamer St. Joseph-Krankenhaus. Am 24. Oktober wurde in der hiesigen Kapelle ein Requiem für ihn gehalten.

Ein halbes Jahr später, am 8. April 1976, verstarb in Berlin im Alter von 78 Jahren P. Alfons Berner SJ. Er wirkte vor und nach dem letzten Kriege lange Zeit im Exerzitienhaus als Exerzitienmeister und Superior. Der Gemeinde war er besonders durch seine Tätigkeit als Frauenseelsorger bekannt.

Im Oktober 1976 kam die Nachricht, daß die Kapelle anstelle des Harmoniums eine Orgel erhalten solle. Dieses


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Vorhaben war bereits von P. Riedel eingeleitet worden, konnte jedoch infolge Lieferschwierigkeiten der Orgelbaufirma zunächst nicht verwirklicht werden. Das hatte sich überraschend geändert. Zur Deckung der nicht unwesentlichen Kosten wurden in der Folgezeit mehrere eigens dafür bestimmte Gemeindekollekten gehalten.

Am 1. Adventssonntag des Jahres 1976 firmte Weihbischof Kleineidam in der Kapelle 13 Jugendliche aus der Gemeinde.

Für den am 17. Juni 1977 im Alter von 68 Jahren verstorbenen P. Karl-Heinz Riedel SJ wurde am 20. Juni ein Requiem gehalten. Er war ein Bruder des anderthalb Jahre zuvor verstorbenen Pfarrers P. Artur Riedel und in der frühen Nachkriegszeit von Biesdorf aus in der überpfarrlichen Seelsorge, aber auch in der hiesigen Pfarrei tätig.

Um die Jahreswende 1978/79 wurde die neue Orgel in der Kapelle aufgebaut und erhielt durch Generalvikar Prälat Theodor Schmitz am 13. Januar 1979 ihre kirchliche Weihe. Im Anschluß an die Zeremonie gab die bekannte Organistin Dr. Johanna Schell aus Potsdam auf dem neuen Instrument, einer Kleinorgel der Firma Sauer/Frankfurt a.O., ein Konzert.

Am 29. April 1980 konnte der im Hause als Exerzitienmeister wirkende P. Johannes Beckmann SJ sein Goldenes Ordenjubiläum feiern, und am 8. Dezember d.J. legte Sr. Theresia aus dem das Haus betreuenden Konvent der "Schwestern vom heiligsten Herzen Jesu" in Anwesenheit des Weihbischofs die Ewigen Gelübde ab.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1982 an erhielt die Kuratie vermögensrechtliche Selbständigkeit, womit zugleich die letzte rechtliche Bindung an die Mutterpfarrei "Zum Guten Hirten" in Berlin-Friedrichsfelde aufhörte. Die von der Biesdorfer Gemeinde in den Friedrichsfelder Kirchenvorstand entsandten Mitglieder, zumeist zwei, schieden aus diesem aus, und die Herz-Jesu-Kuratiegemeinde mußte einen eigenen Kirchenvorstand wählen, was am 31. Januar 1982 geschah.

Die Wahl fiel auf Brigitte Boenke, Günter Greulich, Thomas Hanft, Reinhold Opolka, Josef Ordyniak, Günter Rebholz,


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Sophie Sonnenberg, Hartmut Teuscher und Ulrich Wilke.

Am 8. Mai wurde zum 30. Mal der Gelöbnistag begangen, wenngleich unverkennbar die Zahl derjenigen, die zum Sinn dieses Tages noch eine echte innere Beziehung haben, zwangsläufig immer kleiner wird.

Kurz vor Weihnachten 1983 kam P. Saft, längst von schwerer Krankheit gezeichnet und unter großer Mühsal, noch einmal zu einem Tagesbesuch in die Gemeinde. Er verstarb zwei Jahre später in West-Berlin im 77. Lebensjahr am 10. Dezember 1985. die Gemeinde feierte am 20. Dezember, einen Tag nachdem der Verstorbene auf dem St. Hedwigsfriedhof in Berlin-Reinickendorf beigesetzt worden war, für ihn ein Requiem.

Im Verlaufe des gleichen Jahres war es nach langwierigen Bemühungen zu einer Einigung zwischen den zuständigen kirchlichen und staatlichen Stellen bezüglich der Übernahme des dem Exerzitienhaus in der Fortuna-Allee südlich benachbarten Grundstücks, dem sogenannten "Nieschalke-Park", in das Eigentum der Kirche gekommen. Hier soll ein neues Exerzitienhaus entstehen, so daß das alte Gebäude dann gänzlich als Altersheim zur Verfügung stehen wird. 1986 begannen die ersten vorbereitenden Arbeiten für den Neubau.

Am 13. April 1986 erfolgte nach vier Jahren die Wahl des neuen Kirchenvorstandes. Gewählt wurden Brigitte Boenke, Matthias Glatzel, Reinhold Opolka, Josef Ordyniak, Günter Rebholz, Norbert Schulz, Hartmut Teuscher, Barbara Volkmer und Barbara Zernikow.

19 Jugendliche der Pfarrei empfingen aus der Hand von Weihbischof Weider am 7. Juni 1986 das Sakrament der Firmung.

Zum Ende des Monats August beendete Schwester Hildegard Brier ihre Arbeit in der Pfarrei. Aus diesem Grunde wurde am 28. September 1986 eine feierlicher Dankgottesdienst gefeiert. Sie hat über 36 Jahre der Pfarrei unter Einsatz aller Fähigkeiten und Kräfte mit großem Pflichtbewußtsein in guten und weniger guten Tagen gedient. Die Erinnerung an sie wird in der Gemeinde sicher noch lange lebendig bleiben.


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Am 1. Oktober 1986 übernahm ein kleiner Konvent der Ordensgemeinschaft "Töchter vom Herzen Mariä" die Führung des Altersheimes, während die "Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu", die seit 1950 diese Aufgabe mit großem Engagement wahrgenommen hatten, fortan nur noch die Betreuung der Exerzitanten versehen. Sr. Rhabana, die als Oberin diesen Konvent und vor allem das Haus mit größtem Geschick und unermüdlicher Einsatzbereitschaft auch in den schwierigsten Situationen erfolgreich geleitet hatte, war 1984 zur Generaloberin ihres Ordens gewählt worden und verließ Biesdorf Ende des Jahres 1986. Ihre Nachfolge im Hause trat Sr. Theresia an.

Zu Weihnachten 1986 wurde bekannt, daß der ehemalige Kuratus, P. Rueter SJ, der jetzt in Dresden lebte, schwer erkrankt sei.

1987 wurde nach dem Hinscheiden ihres Stifters letztmalig die traditionelle Gelöbnisprozession gehalten. Im Herbst des gleichen Jahres wurde der Pfarrer, P. Förster SJ unter Beibehaltung des Pfarramtes zum Regional-Oberen der Jesuiten in der DDR berufen. Zu seiner Unterstützung in der Pfarrseelsorge kam P. Johannes Reiff SJ als Vicarius substitus nach hier. Er wurde 1959 zu Raweberg geboren und hat 1987 die Priesterweihe empfangen.


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Anmerkungen

[1] Die Angaben zu den frühen Verhältnissen beruhen vor allem auf mündlichen Berichten von Margarete Prange (1899 - 1988) und Richard Schlüter (1893 - 1973), die ihre Kinder- und Jugendjahre in Biesdorf-Süd verbrachten, da ihre Eltern zu den ersten Grundstückskäufern in der Kolonie gehört haben. (zit. Mündl. Mitteilung Prange bzw. Schlüter). - Informativ ist ferner das Meßtischblatt Nr. 1909, "Cöpenick", Ausg. 1903 (zit. Meßtischbl. Nr. 1909), sowie eine Karte "Groß-Berlin", 1:40 000, hrsg. v. Bibliogr. Inst. Leipzig, (ca. 1914). Diese Jahreszahl ergibt sich aus verschiedenen Details, die mit Sicherheit 1910 noch nicht, aber 1920 nicht mehr vorhanden waren. Der Begriff "Groß-Berlin" war infolge langjähriger Diskussionen über die Schaffung einer Großgemeinde "Groß-Berlin" vor dem Ersten Weltkrieg schon durchaus geläufig, auch wenn die politische Gemeinde "Groß-Berlin" erst 1920 Realität wurde. (zit. Karte 1914)

[2] E. Kaeber u.a., Lichtenberg. Bausteine zur Geschichte eines Weltstadt-Bezirks, Berlin (1934), S. 152.
K. Noack, Vorortsiedlung und Pendelwanderung im Kreis Niederbarnim, Würzburg 1940, S. 16 f.

[3] Vgl. Hist. Ortslexikon für Brandenburg, Teil 6: Barnim, Weimar 1980. S. 495. - Auch alle älteren Karten verzeichnen die Gaststätte "Sadowa". Karte 1914 bezeichnet die Villenkolonie Biesdorf-Süd als "Neu-Sadow", vermutl. als gewisse Abgrenzung gegen den damals erst im frühen Projektierungsstadium befindlichen Gesamt-Ortsteil Biesdorf-Süd. Allgemeiner gebräuchlich war der Name "Neu-Sadowa" m.W. nie, weder umgangssprachlich noch als amtliche Bezeichnung.

[4] E. Henning, Dort wo sich Wannseebahn und Stadtbahn kreuzen. Zur Ortsgesch. v. Nikolasee (1900 - 1920) (in: Festschr. d. Landesgesch. Vereinigung f. d. Mark Brandenburg z. ih. hundertjähr. Bestehen. 1884 - 1984. Hrsg. v. E. Henning u. W. Vogel, Berlin 1984, S. 308 - 341). S. 320


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[5] Zu deren Entstehung und Entwicklung ausführlicher W. Reinhold, Die Berliner Laubenkolonien. (in; Berliner Heimat, Jg. 1957 (Berlin 1957), S. 97 - 104)

[6] Eine solche Postkarte, ca. aus d. J. 1905 stammend, wurde freundlicherweise von Herrn Klaus Rieger, einem Enkel des Kolonie-Mitbegründers, zur Verfügung gestellt, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

[7] Genaue Angaben dazu waren nicht zu erlangen. Vgl. aber P. Grossmann, Mahlsdorfer Ortsgeschichte 1. Nachtrag. Berlin (-Mahlsdorf) 1929. S. 40 - 50

[8] Gemeint ist damit das alte Dorf Biesdorf. In dieser für die Einheimischen eindeutigen Sinngebung war diese Wendung bis in die Zeit des letzten Krieges in Biesdorf-Süd allgemein gebräuchlich.

[9] Vgl. auch Meßtischblatt Nr. 1909

[10] Hierzu A. v. Parseval, Graf Zeppelin u. d. deutsche Luftfahrt. Berlin o. J. S. 86 ff. - Mündl. Mitt. Prange/Schlüter. - Vgl. auch P. Grossmann, a.a.O. S. 50. Er erwähnt dort einen Unfall des Luftschiffes "Schütte-Lanz" in Mahlsdorf-Süd am 18.1.1913.

[11] H. Schneider, Aus d. Geschichte d. volkseigenen Güter v. Gr.-Berlin. (in: Berliner Heimat, Jg. 1956, S. 33 - 37. (Berlin 1956) S. 33 -37), S. 37

[12] A. v. Parseval, a.a.O.

[13] P. Grossmann, Vom Haltepunkt Mahlsdorf an d. Ostbahn bis zum Bahnhof Berlin-Mahlsdorf, Berlin (-Mahlsdorf) o.J. (ca. 1933), S. 4.

[14] Vgl. Karte 1914

[15] Es handelt sich hierbei nur um einen sehr groben Schätzwert, basierend auf Zahlenangaben bei F. Leyden, Groß-Berlin. Geographie der Weltstadt. Breslau 1933. S. 207 sowie auf den Auskünften lange ortsansässiger Bürger.

[16] Pfarrchronik der Herz-Jesu-Kuratie Berlin-Biesdorf-Süd. Maschinengeschr. Mskr. im Pfarramt. (zit. als Pfarrchronik). Dazu gehören Berichte v. Sr. Lipharda Folgner, die bis 1950 dem hiesigen Franziskanerinnen-Konvent angehörte, u.v. P. Bernhard Mertz SJ, der von 1944 - 1947 in Biesdorf als Kaplan wirkte, über ihre Erlebnisse während ihres hiesigen Aufenthaltes


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[17] Karte 1914.

[18] Karte 1914; A. Jaster, Geschichte Köpenicks. Berlin 1926. S. 103.

[19] Meßtischbl. Nr. 1909

[20] Vgl. W. Reinhold, Berliner Laubenkolonien, a.a.O.

[21] Dazu ausführlich M. Erbe, Berlin im Kaiserreich (1871 - 1918) (in: W. Ribbe (Hrsg.), Gesch. Berlins. Bd. 2. München 1987. S. 691 - 793) S. 702 ff.; ferner H. Köhler, Berlin in der Weimarer Republik (1918 - 1931) (ebenda S. 789 - 923) S. 863 ff.

[22] H. Köhler, a.a.O., S. 850

[23] Vgl. dazu L. Demps, Konzentrationslager in Berlin 1933 - 1945 (in: Jahrb. d. Märk. Museums Berlin, Bd. 3 (1977), Berlin o.J., S. 7 - 19) S. 18 u. passim.

[24] Vgl. O. Ogiermann, Bis zum letzten Atemzug. Leipzig o.J. (1972). S. 276 ff.

[25] Diese und alle folgenden Zahlenangaben zu den Luftangriffen auf Berlin beruhen, soweit nicht ausdrücklich auf andere Quellen hingewiesen, auf der äußerst informativen und zuverlässigen Arbeit von L. Demps, Die Luftangriffe auf Berlin. Ein dokument. Bericht. Tl. 1. (in: Jahrb. d. Märk. Mus. Bln., Bd. 4 (1978), hrsg. v. H. Hampe u. H.-J. Beeskow, Berlin o.J., S. 27-68), passim

[26] Dazu: Ders., Tl. 2 (in: ebenda. Bd. 8 (1982), S. 7 - 44) passim

[27] Diese Zahl ergibt sich aus Berechnungen, die H. Teichmann u. d. Vf. angestellt haben anhand eines handschr. geführten "Schadensstellenverzeichnis", welches das SHD-Kommando beim damaligen Polizeirevier 258 Bln.-Kaulsdorf, beginnend m. d. 23. Sept. 1940, geführt hat. Bei dem "Sicherheits- u. Hilfsdienst" (SHD) handelte es sich um eine paramilitärische, der Polizei angegliedert gewesene Formation, zu der wehrpflichtige, aber nicht mehr waffendiensttaugliche Männer, vornehmlich Handwerker, einberufen wurden und der die Aufgabe zufiel, bei Bombenschäden erste technische Hilfen zu leisten. Der SHD ist nicht zu verwechseln mit dem S.D., dem berüchtigten "Sicherheitsdienst" der Gestapo.


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[28] Heute Museum.

[29] Hierzu ausführlich J. Pfeil, Die Wandlung des Wuhle-Fließes in den Jahren 1950 - 1955. (in: Berliner Heimat, Jg. 1957, (Berlin 1957) S. 33 -38).

[30] Hierzu und zum Folgenden vor allem Pfarrchronik sowie mündl. Mitteil. langansässiger Gemeindemitglieder wie A. Matuczewski, H. Rautenberg, G. Rebholz u. I. Teuscher, denen für ihre Hilfe hier herzlich gedankt sei. - Ferner "Führer durch das Bistum Berlin", "Klerusverzeichnis" und "Schematismus für das Bistum Berlin", hrsg. v. Bischöfl. Ordinariat Berlin, f.d.J. 1932, 1938, 1941, 1947, 1951, 1953, 1963, 1970, 1975 u. 1982 (durchgängig zit. Schematismus ...) - Clemens August Graf v. Galen, von 1911 - 1919 Kuratus von St. Clemens, Berlin, 1933 Bischof von Münster, 1945 Kardinal, verstorben am 22.3.1946.

[31] K. Epstein, Matthias Erzberger und d. Dilemma der deutschen Demokratie. Dt. v. I. Kutscher. Frankfurt/Main 1976. S. 87

[32] M. Weiß, Verwaltung (in: Zwischen Schorfheide und Spree. Heimatchronik d. Krs. Niederbarnim. Hrsg. v. M. Weiß u. M. Rehberg. Berlin 1940, S. 127 - 159), S. 139.

[33] Abschriftl. in der Pfarrchronik. - Matthias Erzberger, 1875 - 1921, ermordet von Rechtsradikalen. Bedeutender, wenn auch nicht unumstrittener Zentrumspolitiker. Er unterzeichnete 1918 für Deutschland den Waffenstillstand von Compiegne.

[34] Schematismus 1938.

[35] ebenda

[36] Mündl. Mitt. v. M. Prange

[37] E. Bollonia, Eine Stätte wahren Gottesfriedens vor den Toren Berlins. (in: Das katholische Berlin, München o.J. (ca. 1929), S. 118 - 119).

[38] Mündl. Mitt. v. R. Schlüter

[39] Mitteilungen aus den deutschen Provinzen. Bd. 14. Köln 1938, S. 406

[40] E. Bollonia, a.a.O.

[41] St. Petrus-Kalender 1978, Berlin 1978, S. 47.


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[42] Nach den diesbezügl. Zahlenangaben in der Pfarrchronik.

[43] Mündl. Mitt. v. I. Teuscher

[44] Zit. n. e. Abschr. in d. Pfarrchronik

[45] Mündl. Mitt. v. H. Rautenberg

[46] Pfarrchronik. Bericht Sr. Lipharda Folgner

[47] "Gestapo" war die umgangssprachliche Abkürzung für "Geheime Staatspolizei", der wohl schlimmsten Terrororganisation des Naziregimes.

[48] Vgl. W. Adolph, Unveröffentlichte Bormann-Akten über den Kirchenkampf. (in: Wichmann-Jahrb. 1953, Berlin 1953, S. 125 - 151) S. 150 f.

[49] Mündl. Mitt. v. G. Reissenberger. Das jüdische Ehepaar überlebte die Nazizeit und emigrierte nach Kriegsende in die USA.

[50] Pfarrchronik. Vgl. auch C. Löwenthal-Hensel, 50 Jahre Bistum Berlin, Berlin 1980. S. 71.

[51] Mündl. Mitt. v. G. Rebholz.

[52] Pfarrchronik. Bericht Sr. Lipharda Folgner.

[53] Vgl. M. Höllen, Gebhard Graf Stillfried-Rattonitz (1909 - 1974). (in: W. Knauft (Hrsg.), Miterbauer des Bistums Berlin, Berlin 1979, S. 222 - 235) S. 223 f.

[54] K. Scheel, Die Befreiung Berlins 1945, Berlin 1975, S. 38

[55] Pfarrchronik. Bericht Sr. Lipharda Folgner

[56] ebenda

[57] Dafür kam es dann zur Errichtung des Philosophisch-Theol. Studiums in Erfurt.

[58] Pfarrchronik

[59] ebenda

[60] ebenda

[61] ebenda. Bericht P. Mertz sowie Mitt. v. G. Rebholz.

[62] Zit. nach einem in d. Pfarrchronik befindl. Orig.-Zeitungsausschnitt

[63] Neben den bereits angeführten Quellen wurden für das Folgende passim die seit 1967 im Pfarramt vollständig gesammelten sonntäglichen Vermeldungen benutzt.

[64] geleitet von Frau Ursula Althaus ( * 22.11.1923 † 12.5.2004 )

[65] Die Bezeichnung "Kuratus" war einige Zeit zuvor offiziell allgemein in Wegfall geraten.


 

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Unsere Gemeinde heute
Johannes Reiff SJ

Anlässlich unseres Jubiläums ist es mir eine besondere Freude diese kurze Chronik unserer Gemeinde vorstellen zu können. Sie enthält die wichtigsten Ereignisse unserer Gemeinde, welche durch mühevolle Kleinarbeit von Herrn Georg Prange wieder aus dem Vergessen geholt wurden. Ihm dafür vielen Dank!

Heute besteht unsere Gemeinde aus etwa 800 Gemeindemitgliedern. An normalen Sonntagen erreichen wir etwa 250 Gottesdienstbesucher. Das ist eine gute Beteiligung. Die Grenzen der Pfarrei verlaufen heute im Westen entlang der Eisenbahnlinie zwischen Friedrichsfelde und Biesdorf/S, im Norden entlang der Fernverkehrsstraße 1, im Osten entlang der Chemnitzer Straße, Achardstraße, Eichgraben, Seebadstraße, Arndstraße, durch die Dammheide und im Süden entlang der Feuersteiner Straße, der Bismarkfelder- und Tiergartenstraße.

Unsere Gemeinde ist eine Diasporagemeinde, d.h. die Mehrheit unserer Nachbarn ist nicht katholisch. Darum ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Pfarrei, die Katholiken auf diesem Territorium zu einer lebendigen Gemeinschaft zusammen zu führen und den Glauben als den Lebensimpuls entdecken zu helfen. Selbst war ich über die Zahl Gruppen erstaunt, in denen sich Gemeindemitglieder mehr oder weniger häufig in unserer Pfarrei treffen. Es sind etwa 17 Gruppierungen. Dazu zählen: die Schola, die Werkgruppe, der Seniorenkreis, der Kreis Junger Erwachsener, die Familienkreise 1 und 2, die Musikgruppe, die Kleinkinderstunde (Frohe Herrgottstunde), die Firmgruppe, die wöchentliche Reinigungsgruppe, der Kirchenvorstand, der Pfarrgemeinderat, die Jugend, die Religionsunterrichtsgruppen, die Mädchengruppe, die Ministranten und die Lektoren.

Viele dieser Gruppen laufen recht gut. Es gilt aber auch, nicht über die Probleme unserer Gemeinde hinweg zu sehen. Wir haben alle die Taufe gemeinsam, oder streben sie an. An Charaktereigenschaften, Begabungen, Interessen und Herkunft sind wir oft sehr verschieden. Eine Gemeinde darf die positiven Eigenheiten ihrer Mitglieder nicht unterdrücken, aber ebenso gilt es, die Schwierigkeiten, die auf Grund unserer Unterschiedlichkeiten entstehen,


 

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zu tragen. Es gibt keine paradiesische Gemeinde auf der Erde, auch nicht in Biesdorf-Süd. Wir haben uns auch nicht gegenseitig ausgesucht, sondern sind durch Jesus Christus zusammengeführt. Darum ist jedes Gemeindeleben auch immer ein Risiko. Ein Gemeinde kann aufbauend aber auch zerstörend wirken. Gemeinde kann von außen anerkannt sein oder verfolgt werden oder auf Gleichgültigkeit stoßen - immer fordert sie ihre Gemeindeglieder. Es gibt kein: Jetzt haben wir es erreicht. Gemeinde ändert sich und wird verändert. Darum ist von jedem von uns auch immer wieder der Einsatz gefordert im aufeinander zugehen und im Mut finden berechtigte Kritik zu äußern. Einer der Titel Jesu ist: Heiland. Eine Gemeinde Jesu soll deshalb auch für ihre Mitglieder heilend wirken an Leib und Seele. Oft sind diese Prozeße bei uns schmerzlich und nicht immer klar zu erkennen. Diese Chronik bezeugt unsere Gemeinde auf ihrem Weg in der Vergangenheit. Vielleicht hilft sie uns zu entdecken, über was für 'Problemchen' wir heute stolpern und was für Möglichkeiten wir haben, uns selbst einzubringen. Die Mitte unseres Gemeindelebens ist die sonntägliche Eucharistiefeier. Oft sind wir noch steif und zurückhaltend, vielleicht auch aus schlechter Erfahrung.

Wer an Jesus Interesse zeigt, sollte auch Interesse an seiner Mitschwester oder seinem Mitbruder in der Gemeinde zeigen. Hier gibt es schon vieles, oft könnte es aber mehr sein.

In unserer Gemeinde gibt es viele Helfer, die ich nicht aufzählen möchte, damit ich keinen vergesse.
Allerdings seien die Schwestern aus dem Altersheim und dem Exerzitienhaus genannt. Sie verrichten für unsere Gemeinde viele Dienste ohne groß in den Mittelpunkt zu geraten.

Im letzten Jahr konnte unsere Kapelle renoviert werden. Ebenso sind wir jetzt dabei unser Haus Winfried zu renovieren. In den kommenden Jahren wünsche ich uns allen Mut zum Leben in unserer Umgebung, der aus dem Glauben kommt.


 

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Exerzitienarbeit in Biesdorf-Süd
Johannes Reiff SJ

Wie aus der Chronik ersichtlich, ist unsere Gemeinde vor allem durch den Bau eines Exerzitienhauses entstanden. Die Gesellschaft Jesu und die Gemeinde Herz Jesu gehören bis heute zusammen. Darum sei an dieser Stelle kurz etwas über die Exerzitienarbeit geschrieben.

Das alte Gebäude, welches während des 1. Weltkrieges für die Exerzitienarbeit gebaut wurde, dient heute in einer dreifachen Weise: Erstens als Exerzitienhaus, zweitens als Altersheim und drittens dient die Kapelle unserer Gemeinde als Gottesdienstraum.

Auch die Art Exerzitien zu geben hat sich im Laufe der Zeit verändert. Solche 'Mammut-Kurse', wie sie in Biesdorf während der zwanziger Jahre gehalten wurden, sind heute nicht mehr möglich und auch nicht erwünscht. Auch auf Grund der doppelten Nutzung des Hauses als Altersheim und Exerzitienhaus und der sich daraus ergebenden verschiedenartigen Nutzung und Anforderung an dieses Gebäude, ließen in den siebziger Jahren immer mehr den Plan für ein neues Exerzitienhaus für Biesdorf erwachsen. Seit diesem Jahr wird darum auf dem Nachbargrundstück ein neues Exerzitienhaus gebaut. Es soll für 30 Exerzitanten Platz bieten, den Schwestern vom Herzen Jesu und mehreren Patres der Gesellschaft Jesu zum Wohnen dienen. Dies wird im alten Exerzitiengebäude mehr Raum für das Altersheim und eine Modernisierung ermöglichen. Das Exerzitienhaus soll Anfang der 90er Jahre fertig sein.

Was geschieht eigentlich in einem solchen Exerzitienhaus? Das so etwas militant klingende Wort 'Exerzitien' heißt auf Deutsch einfach 'Übungen'. Es handelt sich dabei um geistliche Übungen, die aber immer schon Ernstfall sind. Ignatius von Loyola, der Begründer der Gesellschaft Jesu, schreibt in seinem Exerzitienbuch: 'Unter diesem Namen 'Geistliche Übungen' ist jede Weise, das Gewissen zu erforschen, sich zu besinnen, zu betrachten, mündlich oder geistlich zu beten oder anderer geistlicher Betätigung zu verstehen.' (I.v.L., Geistliche Übungen, St. Benno Verlag 1978, S.11)


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Die eigentlichen großen Exerzitien dauern 4 Wochen und sind Einzelexerzitien. Mit drei bis fünf Betrachtungen pro Tag durchschreitet der Exerzitant unter Anleitung und Begleitung des Exerzitienmeisters anhand der Heiligen Schrift das ganze Leben Jesu, um sich immer mehr auf Ihn auszurichten und ganz von Ihm gerufen zu werden.

Wohltuend und helfend ist für den Teilnehmer, daß er während dieser Zeit von allen äußeren Dingen entlastet wird und sich so dem inneren Prozeß hingeben kann. Das Schweigen ist dabei ein unentbehrliches Mittel. Das Gespräch findet als Zwiegespräch zwischen dem Exerzitienmeister und dem Exerzitanten statt.

Die Regeln, die Ignatius für den Unterscheidungsprozeß niedergeschrieben hat, haben nicht nur für die Zeit der Exerzitien eine Bedeutung. Vielmehr lassen sich die Anliegen der Unterscheidungsregeln auch leicht in den Alltag umsetzen.

  1. Versuche, dich und dein Leben möglichst genau und gut zu verstehen.
  2. Verlasse dich auf deine existentielle Empfindung und vertraue dich der Freude und Zuversicht an.
  3. Verwirkliche das, was du vom Evangelium begriffen hast - sei es auch noch so wenig; das tue aber ganz.
  4. Jeder Ruf Gottes ist ein Ruf in die Freiheit und bringt einen Zuwachs an Leben, Liebe und Einsatz.
  5. Gottes Stimme ist immer konkret und radikal, sie erweist sich in der Treue zum Kleinen.
  6. Nicht allein vom Hören kommt der Glaube, ich muß ihn kennen und deuten. Jede Entscheidung für den Glauben hat auch immer einen Aspekt für den apostolischen Einsatz.

 

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Bildverzeichnis

  1. Ansichtspostkarte aus der 'Villen-Colonie Biesdorf-Süd b. Berlin', etwa aus dem Jahr 1910 stammend. Die obere Kartenabbildung zeigt das Exerzitienhausgrundstück vor Errichtung des Hauses. Auf dem Bild daneben ist der Schwabenplatz, damals Königsplatz, zu sehen.
  2. Ansichtspostkarte vom Haus, wie sie in diesem selbst und in den Geschäften beider Ortsteile in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg verkauft wurden.
  3. P. v. Stillfried SJ zur Zeit seines Wirkens in unserer Pfarrei.
  4. Der alte Hochaltar, der 1944 durch Bomben gänzlich zerstört wurde.
  5. Blick in die im Januar 1944 durch Bomben völlig zerstörte Kapelle.
  6. Bis zur Wiederherstellung der Kapelle wurden die Gemeindegottesdienste in dem Saal neben der Kapelle gehalten. Der ursprünglich an anderer Stelle des Hauses aufgestellte Marienaltar diente jetzt als Hauptaltar. Er hatte den Bombeneinschlag ohne größere Beschädigung überstanden.
  7. Die Kapelle nach der Wiederherstellung im Sommer 1944.
  8. P. Saft SJ mit Erstkommunionkindern (ca. 1953)
  9. P. Rueter SJ
  10. Administrator Kaplan Dissemond mit Erstkommunionkindern (ca. 1960).
  11. Heinz Teichmann, aus der Gemeinde stammenden Priester, zusammen mit Kpl. Dissemond und P. Jäger SJ (ca. 1961).
  12. P. Hauptmann SJ mit Erstkommunionkindern (ca. 1968).
  13. Dieter Schmidt, aus der Gemeinde stammenden Priester.
  14. P. Artur Riedel SJ
  15. P. Förster SJ mit der langjährigen Seelsorgehelferin Schwester Hildegard Brier.

 


Namensregister

Albs, Caritasdirektor Dr. Wilhelm
Althaus, Ursula
Batildis Sr.
Beckmann, Johannes SJ
Bengsch, Alfred Kardinal
Berner, Alfons SJ
Bersarin, Generaloberst N. E.
Bertram, Kardinal
Beschorner, Franz SJ
Boenke, Brigitte
Bollonia, Erich SJ
Brier, Hildegard
Busch, Dr. Felix
Conrad, Georg SJ
Dalwigk, Johannes v. SJ
Dissemond, Paul
Döpfner, Bischof Julius
Erzberger, Matthias

Frater, Robert SJ
Gabriel, Franz SJ
Galen, Clemens August Graf von
Galen, Friedrich von
Geisler, Christian SJ
Glaeser, Alfons Pfr.
Glatzel, Matthias
Gregoria Sr.
Greulich, Günter
Gropper Br. SJ
Haggeney, Josef SJ
Hanft, Thomas
Hauptmann, Bernhard SJ
Holtschneider, August SJ
Hruza, Walter SJ
Jäger, Hermann SJ
Jürgens, Heinrich SJ

K - R

Kaisig, Erhard SJ
Kiowski, Franz
Kleineidam, Johannes Weihbischof
Klose, Hubert SJ
Kohlen, Wilhelm SJ
Kühn, Carl (Diözesanbaurat)
Lichtenberg, Bernhard
Lippert, Peter SJ
Matuschka, Michael Crai von
Matzker, Alfons SJ
Menke, Sr. M. Hiltrudis
Menzel, Josef SJ
Mertz, Bernhard SJ
Moschall, Br. Adalbert SJ
Müldner, Josef SJ
Neokatechumenat
Nieschalke, (Makler)

Opolka, Reinhold
Ordyniak, Josef
Palm , Sr. Matthia
Philippsthal, Dr. Arno
Prange, Generalvikar Dr.
Prange, Georg
Preysing, Konrad Graf von
Rebholz, Günter
Redemptoris Mater
Reiff , Johannes
Reißenberger, Frau G.
Rensing, Dr. Franz SJ
Rhabana, Sr.
Riedel, Artur SJ
Riedel, Karl-Heinz SJ
Rieger, Julius
Rueter, Wilhelm SJ

S - Z

Saft, Paul Franz SJ
Saltzgeber, Dr. Alfred
Schaffran, Bischof Gerhard
Schell Dr. Johanna
Schmidt, Dieter Pfr.
Schmitz, Generalvikar Prälat Theodor
Schulte, Friedrich SJ
Schulz, Norbert
Siemens, Werner v.
Siemens, Willi v.
Soballa, Günter SJ
Sonnenberg, Sophie
Sterzinsky, Kardinal Georg
Stillfried Gebhard v. SJ
Stipa, Günther SJ

Stromberg, Rudolf SJ
Surma, Johannes Pfr.
Teichmann, Heinz Pfr.
Teuscher, Hartmut
Theresia Sr.
Tkotsch, Weihbischof Paul
Volkmer, Barbara
Wehner, Reinhold SJ
Weider, Wolfgang Weihbischof
Werth, Ignatius SJ
Weskamm, Bischof Wilhelm
Wilke, Ulrich
Wünsch, Georg SJ
Zernikow, Barbara


 

Anhang 1
Faltblatt

{1}

50 Jahre Gemeinde Herz-Jesu

Berlin-Biesdorf-Süd

 

Federzeichnung des Exerzitienhauses

 

1. Januar 1989


 

{2}

Liebe Gemeinde!

Am 1. Januar 1989 feiert unsere Herz-Jesu-Gemeinde in Biesdorf-Süd ihr 50. Gründungsjubiläum.
Es ist ein Fest, auf das sich sicherlich viele unserer Gemeindemitglieder freuen. Ein solches Fest beinhaltet für uns Christen natürlich zuerst einen Dank an unseren Herrn Jesus Christus. Aber auch der Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft gehört neben einem fröhlichen Fest zu einer Jubiläumsfeier.

Wir werden am Gründungstag selbst eine feierliche heilige Messe, eine Dankandacht und eine Feierstunde gestalten und im Sommer unser Gemeindefest feiern. Im Herbst spendet der Bischof das Sakrament der Firmung in unserer Gemeinde.

Gemeinde ist niemals ein feststehendes Gebilde. Eine Gemeinde wird aus dem Glauben an Jesus Christus, den persönlichen Erfahrungen ihrer Mitglieder und den Bedingungen der Umwelt geprägt. So stehen auch wir 1989 unter diesen Faktoren. Ständig gilt es zu fragen, wie Glaube erfahren wird, wo jeder einzelne von uns steht, wie unsere Umwelt Kirche sieht und wie wir in den konkreten Umständen unser Christsein verwirklichen. Deshalb können wir das Thema des Jubiläums auch in dem Satz zusammenfassen: Glaube heute leben. Dieser Satz beinhaltet in jedem Wort ein eigenes Thema und in der Gesamtheit die wichtigste Herausforderung für uns.

Ich wünsche uns allen, daß wir in unserem Jubiläumsjahr deutlicher für uns lernen, was es heißt: Glauben heute leben.
Uns allen wünsche ich ein schönes und anregungsreiches Jubiläumsjahr 1989.

Ihr Pfarrer
P. Förster SJ

P. Johannes Reiff SJ


 

{3}

Aus der Geschichte der Gemeinde Biesdorf-Süd

1912

Erwerb des Grundstücks in der Fortunaallee in Biesdorf-Süd zum Bau eines Exerzitienhauses

1915

Grundsteinlegung

1916

Benediktion der Kapelle durch den Pfarrer von Karlshorst

1920

Eröffnung des Hauses mit einem Kursus für Priester

1939

Errichtung der Kuratie

1940

Nach vorübergehender Beschlagnahme und Nutzung des Hauses als Wehrmachtslazarett wird es vom Magistrat von Berlin als Infektionskrankenhaus in Anspruch genommen

1943

Erheblicher Bombenschaden am Haus

1944

Abermaliger sehr schwerer Bombenschaden am Haus und an der Kapelle

1945

Entstehung des Altersheimes

1945/46

Aufbau und Inbetriebnahme von Haus Winfried auf langfristig gepachtetem Gelände gegenüber dem Exerzitienhaus

1950

Auflösung des Infektionskrankenhauses

1951

Geplante Errichtung eines Theologisch-Philosophischen Studiums kann nicht verwirklicht werden
Das Haus wird fortan als Altersheim und Exerzitienhaus genutzt

1953

1. Volksmission in der Gemeinde
Eine dem Hause drohende Beschlagnahme wird im letzten Augenblick abgewendet
Ausstattung der Kapelle mit neuen farbigen Verglasungen und mit einem neuen Kreuzweg

1960/61

Durchgreifende Renovation des Hauses, der Kapelle und von Haus Winfried

1964

Feier des 25jährigen Bestehens der Kuratie

1970

Feier der 50. Wiederkehr des Tages der Exerzitienhaus-Eröffnung und des 25jährigen Bestehens des Altersheimes

1972

Umgestaltung und Renovation der Kapelle

1978

Die Kapelle erhält eine Orgel

1981

Die Kuratie wird vermögensrechtlich selbständig und wählt einen eigenen Kirchenvorstand

1988

Renovation der Kapelle


 

{4}

Die Seelsorger der Gemeinde

1939 - 1942

P. Friedrich Schulte SJ

verstorben 1953

1942

P. Günter Stipa

1942 - 1947

P. Gebhard v. Stillfried

verstorben 1974

1947 - 1958

P. Paul Franz Saft

verstorben 1985

1958 - 1965

P. Wilhelm Rueter

verstorben 1987

1958 - 1960

Paul Dissemond

1965 - 1971

P. Bernhard Hauptmann

verstorben 1972

1971 - 1975

P. Arthur Riedel

verstorben 1975

seit  1975

P. Ernst Förster

Als Kapläne bzw. Vicarii subst. wirkten

1944 - 1947

P. Bernhard Mertz

1970 - 1971

P. Franz Beschorner

seit  1987

P. Johannes Reiff

Als Seelsorgehelferinnen waren tätig

1939 - 1943

Maria Witsch

1943 - 1951

Sr. Gregoria

1951 - 1986

Sr. Hildegard Brier


 

Anhang 2
Der Neubau des Exerzitienhauses Friedrich Spee

Seit 1920 bestand nun dieses Haus. Allerdings konnte es seit dem 2. Weltkrieg nur zu einem Drittel für die Exerzitienarbeit genutzt werden. (1. und 3. Etage Altersheim, 2. Etage Exerzititantenzimmer und Patres) Die dreifache Nutzung durch die Pfarrei, das Altenheim und Exerzitienhaus brachte jeweils erhebliche gegenseitige Beeinträchtigungen mit sich. Daraus ergaben sich Überlegungen für den Neubau eines Exerzitienhauses auf dem (vom Ministerium für Staatssicherheit als Lagerplatz genutzten) Nachbargelände.

Während einer 'Pfingsttagung' für die Mitbrüder der Regio DDR wurde diese Frage thematisiert. Die anwesenden Mitbrüder überlegten, diskutierten und beteten (deliberatio communitaria - unter Leitung von P. Heinrich Jürgens SJ), um zu einer Entscheidung zu kommen. Am Ende dieser Tage stand der Entschluss, einen Neubau zu errichten, fest. Die ersten Arbeiten begannen 1986. Trotz vieler Schwierigkeiten konnte das Haus schließlich am 23. Februar 1991 von Kardinal Georg Sterzinsky eingeweiht werden. Seitdem steht es für die Exerzitien- und Bildungsarbeit offen. Es können 30 Gäste in Einzelzimmern untergebracht werden; auch für Parallelkurse gibt es genügend Raum. Die Leitung des Hauses haben die beiden Mitbrüder † P. Christian Geisler und Br. Franz Gabriel sowie die beiden 'Missionsschwestern vom hl. Namen Mariens' Sr. Matthia Palm und Sr. M. Hiltrudis Menke. In ca. 60 Kursen pro Jahr werden im Durchschnitt 1060 Gäste aufgenommen.

Für die Zukunft deutet sich eine Veränderung in der Trägerschaft des Hauses an. Es ist geplant, das Haus 1996 dem Bistum Berlin zu überlassen. Vorläufig soll es aber auch in den kommenden Jahren als Exerzitienhaus weitergeführt werden.

P. Christian Geisler SJ
Provinznachrichten 1995/1

aus: Häuser stellen sich vor
Die Niederlassungen der Norddeutschen Provinz SJ
vorgestellt in den Provinznachrichten zwischen 1993-1999

Herausgegeben von P. Josef Ullrich SJ

(Hinzufügungen in Klammern vom Webmaster)

 

Nachrufe

Johannes Beckmann SJ - Georg Conrad SJ - Bernhard Hauptmann SJ - Hermann Jäger SJ -
Alfons Matzker SJ - Bernhard Mertz SJ - Otto Ogiermann SJ - Artur Riedel SJ - Wilhelm Rueter SJ
Paul Franz Saft SJ - Friedrich Schulte SJ - Gebhard von Stillfried SJ
Franz Beschorner SJ - Christian Geisler SJ

Links

Kirchengemeinden in Berlin-Biesdorf
Reinhold Wehner SJ - Vortrag zur Einweihung des Exerzitienhauses am 23.2.1991

Veröffentlicht am Fest Christi Himmelfahrt 2004
Letzte Änderung am 15.5.2014


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