Franz Beschorner SJ

P. Franz Beschorner SJ
* 11. Juli 1924   † 23. Juli 2010
Ordenseintritt 1945 - Priesterweihe 1956 - Letzte Gelübde 1963

Ein erfülltes Leben lag hinter ihm, so versicherte er es häufig, während seines letzten Aufenthaltes im Altenheim der Jesuiten in Berlin Kladow. Nicht nur für unseren lieben Verstorbenen war es so reich an seelsorglichem Wirken, sondern ebenso für viele Menschen. Sei es, dass sie ihn über die MC (später GCL) kennen lernten oder ihn als Kaplan und Pfarrer schätzen lernten oder auch im Religionsunterricht in Dresden.

Er war sicher ein geistlich geprägter Jesuit, der sein Leben und seinen Dienst ganz unter den Willen und die Führung Gottes stellte. Seine innere spirituelle Konsequenz war einerseits faszinierend, aber auch kompromisslos. Vielen hat er durch seine Überzeugung und Glaubwürdigkeit einen Weg gewiesen, viele junge Menschen fanden auch durch ihn den Weg zum Priestertum. Von dieser inneren Konsequenz war sicher auch sein Lebensweg gekennzeichnet.

Geboren am 11.7.1924 in Breslau, besuchte er das St. Matthias Gymnasium von 1934 bis 1942. An dieser Schule lernte er schon den Bund Neudeutschland (ND) mit P. Tanner und P. Rommerskirch kennen. Sieben aus dieser ND-Gruppe wollten Priester werden, auch hier zeigte sich schon der innere Einfluss auf den Gymnasiasten Franz Beschorner. Drei aus dieser Gruppe sind tatsächlich Priester geworden, die anderen blieben im Krieg.

In den Kriegsjahren gab es in Deutschland kein Noviziat mehr. Er sollte abwarten und zunächst Philosophie und Theologie studieren, so wurde ihm geraten. Der Krieg zögerte seine Ausbildung hinaus; er wurde zur Infanterie 1942 einberufen. Es ging an die Ostfront, Nordabschnitt Wolchow. Am 25.10.1943 wurde er durch einen Granatsplitter in den Rücken schwer verwundet und verbrachte sechs Monate im Lazarett. Zunächst wurde er in das Lazarett in Grodno (Polen) verlegt und später für weitere sechs Monate in Oberschreiberhau im Riesengebirge. Im Sommer 1944 wurde er wieder „kriegsverwendungsfähig" geschrieben und er musste an die Ostfront nach Ostpreußen am Frischen Haff. Der Rückzug setzte ein, quer durch Ostpreußen bis Balga am Frischen Haff, wo er am 27.3.1945 in russische Gefangenschaft geriet. „Wegen des eindrucksvollen Loches im Rücken", so schreibt er selber, wurde er in die Arbeitsgruppe 4 eingeteilt. Er kam daraufhin in die Nähe von Schaulen (Siauliai/Litauen). Es war sicher göttlicher Führung zu verdanken, dass er im einzigen Lazarettzug, der noch fuhr, in die Heimat kam. Diese furchtbare Zeit fand ein Ende in seiner Entlassung am 4.10.1945 in Frankfurt/Oder, am Tag des Hl. Franziskus.

Endlich konnte er sich seinen Wunsch erfüllen, Priester und Jesuit zu werden. Das Noviziat befand sich auf der Rottmannshöhe bei München. Es folgte der übliche Ausbildungsgang: 1947 bis 1950 Philosophie in Pullach, Interstiz in Berlin am Canisius Kolleg, 1953 bis 1956 Theologie in Frankfurt/M. und die Priesterweihe am 30.7.1956 im Kaiserdom zu Frankfurt/M durch Nuntius Dr. Aloys Muench.

Nun aber setzte eine Wende ein, denn der damalige Regionalsuperior P. Georg Sunder suchte für die DDR Mitbrüder. Ein besonderer Grund für P. Beschorner war, dass seine Mutter in der DDR lebte. Nach etlichen Ablehnungen gelang ihm doch der Umzug in die DDR. Offiziell gab er sich als Student aus, was eben auch richtig war, denn die Studien und das Tertiat waren noch nicht abgeschlossen. Sein Priester- und Jesuitsein wurde so nicht bekannt. Seine letzten Ausbildungsjahre, das Punkteexamen und das Tertiat vollendete er unter schwierigen Reisen von Ost nach West. Sein Tertiat machte er trotz allem zum großen Teil in Westberlin, in Kladow. Diese Möglichkeit wurde dann durch den Bau der Mauer 1961 jäh abgebrochen. In Weimar beendete er diese Ausbildungszeit mit den Großen Exerzitien bei P. Emil Drost.

Nun begann für ihn eine geistlich fruchtbare Zeit in der DDR. Ziemlich rasch nach einer kurzen Kaplanszeit in der Pfarrei Dresden Strehlen (1958 bis 1960) folgte seine Arbeit als geistlicher Begleiter, Präses der MC, Exerzitienleiter und Spiritual. Von 1960 an war er zuständig für die GCL des Bistums Dresden-Meißen. Dazu war er viel mit einer alten „Zündapp" unterwegs, die den Namen „Lausi" trug. Über diese Zeit sagte er stets, sie sei die geistlich fruchtbarste gewesen.

Als Präfekt für die Scholastiker hat er die Studenten der Phil.-Theol. Hochschule in Erfurt begleitet. Für eine kurze Zeit (1970 bis 1971) vertrat er den Pfarrer von Biesdorf-Süd (Berlin), der selber das Tertiat angetreten hatte. Für sechs Monate ging er wieder nach Erfurt zurück.

Seine prägende Zeit war sicher die Arbeit in der MC/GCL im Bistum Dresden-Meißen. Viele Gruppen in Stadt und Land Dresden führte er in einzigartiger geistlicher Weise. Sein besonderes Charisma war, jungen Männern zu helfen, die sich für seine geistliche Begleitung entschieden hatten, und daraus sind einige Priesterberufe hervorgegangen. Diese Zeit von 1971 bis 1978 war mit Exerzitien und geistlicher Begleitung ausgefüllt, wobei er in Haus Hoheneichen in Dresden wohnte.

Seine Arbeit setzte er später in Mecklenburg fort, im dortigen Exerzitienhaus in Parchim, wo er ebenfalls die GCL übernahm. Übergangweise war er bis zur Berufung eines neuen Novizenmeisters ein solcher von 1983 bis 1986.

In den nachlassenden Kräften fand er als Hausgeistlicher der Nazarethschwestern in Goppeln bei Dresden wieder eine erfüllende Aufgabe. Während dieser Zeit wurde er Beichtvater in der Kathedrale in Dresden, der Hofkirche, wo regelmäßig Beichtgelegenheit gegeben wurde. Es war wieder seiner tiefen Frömmigkeit und geistlichen Konsequenz entsprechend, diesen Dienst auszuüben.

Seine zunehmende Schwäche machte dann eine intensivere Versorgung nötig, die er zunächst im Exerzitienhaus „Friedrich-Spee" in Berlin-Biesdorf fand, aber dann doch den Weg in das Altenheim nach Münster und nach dessen Auflösung nach Kladow gehen musste. Hier ist er am 23.7.2010 verstorben.

Franz Beschorner wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt.

R.i.p.

P. Christian Geisler SJ

Aus: Jesuiten/Nachrufe 2010, S. 2 f.