Christian Geisler SJ

P. Christian Geisler SJ
* 22. Februar 1944   † 2. Oktober 2010
Ordenseintritt 1966 - Priesterweihe 1974 - Letzte Gelübde 1978

Christian Geisler wurde am 22.2.1944 in Dresden geboren und wuchs hier gemeinsam mit seinen Geschwistern Hans-Jochen und Marianne heran. Für die Eltern Paul und Eva war es nicht leicht, in dieser schwierigen Zeit des 2. Weltkriegs, der katastrophalen Bombardierung von Dresden am 13.2.1945 — wenn auch Familie Geisler und ihr Anwesen verschont blieben — wie auch des Kriegsendes und der Nachkriegszeit unter russischer Besetzung ihre Kinder mit dem Notwendigsten zu versorgen und sie aufzuziehen. Dennoch gelang es den Eltern, ihren Kindern eine gute Kindheit und Schulzeit zu ermöglichen.

Die damaligen Ausbildungsmöglichkeiten müssen gesehen werden im vorgegebenen Rahmen des politischen Systems. Mit Benachteiligungen hatte zu rechnen, wer sich der Jugendweihe verweigerte, wie es auch Christian tat, und deswegen die Folgen in der Beschränkung seines Ausbildungsganges zu spüren bekam.

So besuchte Christian von 1950 bis 1960 die 62. Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule in Dresden; daran schloss sich eine dreijährige Ausbildung als Möbeltischler in Rabenau an, verbunden mit dem Abschluss eines Abiturs. Es folgte in Dresden ein Studium an der Technischen Universität im Fach Holztechnologie. Christian selbst notierte hierzu: „Aber schon seit dieser Zeit war das Interesse an einem geistlichen Beruf vorhanden. Nach einem viersemestrigen Studium dort, entschloss ich mich, von der Technologie zur Theologie zu wechseln." Dieses Interesse wurde geweckt durch die Begegnung und Gespräche mit Pater Franz Beschorner. Als Vorbereitung auf das Theologiestudium absolvierte Christian in Halle/S. ein einjähriges Sprachstudium (1965/66), das ihm die notwendigen Grundkenntnisse in Latein und Griechisch vermittelte.

Anschließend trat Christian in Erfurt-Hochheim in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Es schloss sich das Studium der Philosophie und Theologie am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt an. Nach dem Besuch des Pastoralseminars in Neuzelle, das die theologische Ausbildung der künftigen Priester damals in der DDR abschloss, wurde Christian am 16.3.1974 von Bischof Gerhard Schaffran in Dresden zum Priester geweiht. Die Ausbildung wurde in Erfurt abgeschlossen mit einer einjährigen Einweisung in unsere Ordensspiritualität unter Anleitung von P. Georg Conrad.

Es folgten nun für Christian die von seinen Oberen vorgesehenen pastoralen Einsätze in verschiedenen Bereichen und Städten innerhalb der DDR. In diesen Einsätzen sollten Veranlagung und spirituelle Ausrichtung von P. Christian Geisler zur Geltung kommen. Immer ging es ihm um den Menschen, dem seine ganze Aufmerksamkeit und Seelsorge galt; diese vertiefte er mittels der ignatianischen Exerzitien, in die er sich schon frühzeitig als Begleiter einbrachte in Berlin-Ost und Dresden Haus Hoheneichen, wobei er verantwortungsvoll die Leitung der Häuser übernahm. Auch wirkte er in der Jugendseelsorge oder in Neuzelle als Spiritual im Priesterseminar Bernadinum; in der Region Mecklenburg war er Seelsorger für Schwestern und Priester, und in Parchim wirkte er als Spiritual im dortigen Edith-Stein-Haus.

Ordensintern hatte er auch immer das Vertrauen seiner Mitbrüder, denen er als Superior diente; sein umsichtiges Urteil und seine Klugheit waren gefragt als Regionalkonsultor DDR (1978 bis 1983). Im Jahr 2002 kam P. Christian Geisler nach Berlin-Kladow in das Peter-Faber-Haus der Jesuiten; hier war er zunächst Hausminister und dann Superior. Aber immer blieb er auch hier der Exerzitienarbeit treu. Da er aus eigener Erfahrung die Diaspora-Situation kannte, wusste er um die Nöte der Gemeindepfarrer. Wo immer er nur konnte, war er in seinem pastoralen Eifer bereit, helfend einzuspringen und Gottesdienste in den Gemeinden zu übernehmen.

Im Rückblick wagen wir uns in Dankbarkeit an Christian Geisler heran als Mensch und Ordenspriester. Die politischen Verhältnisse der DDR bestimmten seinen Ausbildungsgang. Im Studium der Holztechnologie wurde seine praktische Veranlagung geprägt, die er zeit seines Lebens in unseren Häusern nützlich einbringen konnte.

Im Persönlichen war Christian sehr zurückhaltend, vielleicht auch etwas zu bescheiden. Wohltuend war seine ruhige Art im Umgang mit den Menschen und Mitbrüdern. Stets bewahrte er die ignatianische Diskretion anderen gegenüber. Seine Stärke lag offenbar in der individuellen Sorge und Seelsorge: immer fand er die Zeit für den einzelnen im Gespräch oder in der Begleitung der Menschen, die sich ihm anvertrauten und die er im Glauben stärkte und ihnen eine alltagstaugliche Spiritualität vermittelte, die ihren Grund letztlich in den Sakramenten hat. Die Kraft zu all seinem vielfältigen Tun gab ihm selbst die tägliche Eucharistie, die uns den Tod und die Auferstehung Jesu Christi in Erinnerung ruft, in welche Geheimnisse wir durch die Taufe hineingenommen sind (Röm 6). Und unser Ordensgründer Ignatius wurde in seiner Vision von La Storta dem Kreuztragenden Herrn zugesellt.

Für Christian begann die Leidenszeit mit dem Aufkommen erster Schmerzen, die eine Gallenkolik anzeigten. Es musste eine Gallenblasen-Operation durchgeführt werden im nahe gelegenen Krankenhaus Havelhöhe, wo auch durch eine Zufallsdiagnose Darmkrebs festgestellt wurde. Zur weiteren Diagnostik kam der Patient in das Virchow-Krankenhaus und von dort zurück in unser Peter-Faber-Haus am 23.9.2010. Hier brauchte er Zeit für sich, die unerwartete Erkrankung anzunehmen; es war für ihn eine schwere Zeit, die er allein durchstehen wollte. Unerwartet trat auch am 2.10.2010 vormittags sein Tod ein im Beisein seiner Schwester Marianne, seines Neffen und von Schwester Simone. Er schloss die Augen für diese Welt, um aufgenommen zu werden in jenes göttliche Licht, das ihn die verheißene Herrlichkeit Gottes nun schauen lässt.

Christian Geisler wurde auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf beigesetzt.

R.i.p.

P. Manfred Richter SJ

Aus: Jesuiten/Nachrufe 2010, S. 10 f.