P. Hans Bayer SJ
* 21. Dezember 1911    15. Februar 2002
Eintritt 1932 - Priesterweihe 1941 - Letzte Gelübde 1949

Am 3. März 1993 hat P. Bayer "Daten meines Lebens" niedergeschrieben. Sie lauten:
"P. Hans Bayer, geb. 21.12.11 in Neuwied am Rhein. Mein Vater war Kaufmann. 1913 verzogen wir nach Köln; hier besuchte ich drei Jahre die Volksschule, danach das Humboldt-Realgymnasium. 1923 zogen wir nach Trier, wo ich bis zum Abitur 1932 das Hindenburg-Realgymnasium besuchte. In diesen Gymnasialjahren war ich in der MC und hatte guten Kontakt mit P. Theo Wildt SJ, dem Präses, dem ich schließlich auch meinen Beruf verdanke.

1932: Eintritt ins Noviziat s'Heerenberg bei Emmerich. Nach dem Noviziat folgte ein verlängertes Juniorat wegen der sprachlichen Ergänzung von Latein und Griechisch. 1935 bis 1938 studierte ich Philosophie in Pullach. Danach schloss sich ein Jahr Interstiz in der MC in Köln bei P. Schuh an. Von Herbst 1939 bis 1941 studierte ich Theologie in Valkenburg. Hier fand auch die vorgezogene Priesterweihe wegen der zu erwartenden Einberufung zum Militär statt, die auch bald erfolgte und mich für bloß eine Woche nach Guben in die Kaserne führte. Am Tag der Vereidigung wurde ich unerwartet mit elf weiteren Mitbrüdern als 'wehrunwürdig` entlassen. Jetzt schickte mich P. Provinzial nach Essen-Schonnebeck als Kaplan. Nach einem Jahr wurde ich infolge Ausbombung als Vikar an die Stiftskirche nach Dortmund-Hörde versetzt - bis zur abermaligen Ausbombung. So wurde ich zur beabsichtigten Vollendung des Theologiestudiums nach Frankfurt-Sankt Georgen geschickt. Doch schon wenige Stunden nach der Ankunft dort machte ein Luftminen-Angriff die Beendigung des Studiums unmöglich. So kam ich als Seelsorger in die Westend-Klinik zu den Pallottinerinnen. Wenige Wochen später wurde auch die Klinik durch Brandbomben zerstört. Bis auf zwei Schwestern und mich selbst wurden noch in der gleichen Nacht alle übrigen Schwestern mit den Kranken und den Ärztinnen nach Limburg/Lahn ins Mutterhaus der Schwestern gebracht. Und schon am nächsten Tag kam eine Schwester aus Limburg (am Steuer eines Lastwagens!) zur zimmerwarmen Trümmerstätte, um die beiden letzten Schwestern und mich ebenfalls nach Limburg zu holen. Nach etwa drei Wochen erreichte mich hier die Nachricht des P. Provinzial, ich solle in Trier das Studium vollenden. Nach dessen Ende wurde ich zum 1. Oktober nach Rostock destiniert als Nachfolger des dort durch Bomben (in der Sakristei der Christuskirche) ums Leben gekommenen P. Wilhelm Köning.

1945: Im Mai kam der Einmarsch der Russen. Zu der bislang getätigten Pfarrseelsorge kam nun noch die sehr viel schwierigere Flüchtlingsseelsorge. Hierfür konnte ich - Gott Dank! - eine Reihe Priester und auch Mitbrüder S.J., die zu den Flüchtlingen zählten, zum Bleiben gewinnen und an nicht wenigen Orten einsetzen.

Schon im Mai gelang es mir mit 12 Handwerkern aus der Kolpingsfamilie, mit dem Wiederaufbau der Pfarrkirche zu beginnen (ohne behördliche Erlaubnis!). Die Einweihung der Kirche durch Bischof Berning/Osnabrück gelang Frühjahr 1947. Zuvor aber gelang noch in nächster Nähe zur Kirche die Gründung des Ignatiusheims. Damit begann nun auch die außerordentliche Seelsorge der Volksmission. Doch für mich begann gleich nach der Einweihung der Kirche das Tertiat in Münster. Nach dem Tertiat wurde ich Minister in Bonn für ein Jahr. Sehr bald aber stellte ich die Bitte an P. Provinzial, in der DDR als Volksmissionar wirken zu dürfen und dafür der Ostprovinz appliziert zu werden. R.P. Deitmer willigte nach langer (!) Weile ungern ein und nur unter der Bedingung, dass ich die Provinz ganz wechsele. So ging es wieder nach Rostock und also in die Volksmission. Zu Anfang ging es nur in die Städte Mecklenburgs und Vorpommerns (Güstrow, Wismar, Neubrandenburg, Waren, Stralsund, Greifswald, Angermünde, Anklam) und schließlich auch nach Dresden, Leipzig, Wittenberg, Magdeburg und auch nach Berlin-West (Herz-Jesu, Zehlendorf, St. Clara Neukölln, St. Rita Reinickendorf, Rosenkranz-Basilika in Steglitz, St. Michael, Wannsee).

Zum 1. Oktober 1954 berief mich dann P. Wehner zur Übernahme der Provinzprokur wie auch der Missionsprokur nach Berlin-West und gab mir zugleich den Auftrag, ein Grundstück für das Provinzialat (und Residenz für die noch zerstreut wohnenden Mitbrüder) zu finden und darauf das 'Ignatiushaus` zu bauen. Dafür galt es vorerst die Finanzierung aufzubringen, denn die Kasse reichte kaum für den Unterhalt in Dahlem. Der Himmel schickte mir - Gott Dank! - gute Menschen zu Hilfe in Schöneberg, in Bonn und in Düsseldorf. Schon im Januar 1957 erfolgte der Umzug von Dahlem zur Neuen Kantstr. 1; bald zogen auch die verstreut wohnenden Mitbrüder ein. Völlig unerwartet wurde bald die Verlegung des Noviziates vom Jakobsberg bei Bingen nach Berlin notwendig. Also erneut Grundstückssuche und Finanzsorgen. Doch wieder auch die gleichen guten Helfer wie beim Bau des Ignatiushauses. So wurde 1959 im Herbst schon der Umzug ins Peter-Faber-Kolleg getätigt. Kurz vorher (Februar 1958) konnte ich mit P. Wehner zur Visite nach Rhodesien in das von den englischen Patres seiner Zeit abgetretene Missionsgebiet reisen. Im Februar 1961 erfolgte eine zweite Reise in die Mission mit dem inzwischen neuen Provinzial P. Mianecki. Nach dieser Reise konnte ich die Missionsprokur an P. Czekalla abgeben. Die mannigfache Sorge für die Erstellung des Ignatiushauses und das Peter-Faber-Kolleg hatte meine Kräfte schon nur für sich aufs äußerste gefordert.

Was mich bei aller hier aufgewiesenen Arbeit besonders froh machte, war die Möglichkeit, von Berlin-West her den Mitbrüdern in der DDR für ihre Arbeitsmittel wie auch für ihr leibliches Wohl monatlich fast zweimal mit dem PKW nach Biesdorf Hilfe zu bringen. Dazu kam die umfangreiche Pakethilfe für so viele, die mit unserer Diaspora-Mission in Kontakt gekommen waren (zumal über die Volksmissionen) ... schließlich auch nach Polen. Im März 1982 konnte ich gar als Zweitfahrer mit P. Herwartz einen Lastwagen (7,5 Tonner) mit Lebensmittel und gewünschtem Hausrat zu den Mitbrüdern ins Warschauer Kolleg bringen.

Inzwischen habe ich seit Erreichen meines 80. Lebensjahres auch die Provinzprokur in rüstigere Hände abgegeben. DEO GRATIAS !!! Zurzeit freue ich mich noch sehr, an allen Sonnabenden und Sonntagen wie auch an fast allen Feiertagen durch das ganze Jahr in einigen Pfarrgemeinden Aushilfe leisten zu können für Gottesdienst und Predigt.
Mit OREMUS sehe ich nun dem AMEN entgegen!"

Im Januar 1996 übersiedelte P. Hans Bayer in das Peter-Faber-Kolleg. Dort machten sich zunehmend Anzeichen einer Alzheimerschen Erkrankung bemerkbar. Anscheinend hatte er zumindest bisweilen Einsicht in die Schwere seiner Krankheit, was ihm eine zusätzliche Last bedeutete. Andererseits gab er bis zu seinem Lebensende überraschende Zeichen der Anteilnahme zu erkennen. So nahm er noch am Sonntag, den 10. Februar, an der hl. Messe teil und empfing die Kommunion unter beiderlei Gestalt, was er nach seinem 60-jährigen Priesterjubiläum (30. April 2001) nicht immer konnte. Am Freitag darauf, den 15. Februar, ist er um die Mittagszeit ruhig verschieden.

P. Hans Bayer liegt begraben auf dem Domfriedhof St. Hedwig in Berlin-Reinickendorf.

R.i.p.

P. Ludwig Kathke SJ

Jesuiten-Nachrufe 2002, S. 4f