Bruder Johannes B. Bieniek SJ
12. Januar 1989

Br. Bieniek wurde am 31. Oktober 1909, am Fest des hl. Bruders Alfons Rodriguez, in Eisenau (Zelasno) O/S geboren. Sein Ahnenpaß, den er sorgfältig hütete, weist durch 170 Jahre eine Familiengeschichte nach, in der samt und sonders alle Vorfahren, katholische Bauern, aus dem gleichen Ort stammen.
Die Eltern unseres Bruders Bieniek, Johann und Monika, waren bei seiner Geburt 40 und 33 Jahre alt; er hatte noch fünf Geschwister. Er selbst erlernte den Schneiderberuf.

Gleich nach dem Weihnachtsfest 1931 trat er im Januar 1932 ins Postulat zu Mittelsteine ein, geschmückt mit dem blauen Kreuz der Entschlossenen ('Kreuzbund'). Am 8. 7. 32 begann dann das Noviziat. Vom Anfang seines Ordenslebens an wurde der Schneidergeselle an der Pforte eingesetzt und ihm je länger je mehr die Sorge für die Gäste anvertraut. Nach dem zweiten Jahre in Mittelsteine durfte er in Valkenburg die Gelübde ablegen und blieb noch ein Jahr dort. Von da an konnte er mit großer Freude bis zu seinem letzten Lebenstag auch den Sakristeidienst verrichten. Aus der Kraft des heiligen Opfers hat er sein Leben gestaltet.

Oppeln, die blühende Residenz seiner näheren Heimat, wurde dann durch zehn Jahre (1935 - 1945) sein Einsatzort, unterbrochen 1941 durch die Einberufung zum Luftwaffennachrichtendienst für 2 1/2 Jahre.

Das Einsatzland Frankreich hielt für ihn eine lebensgefährliche Prüfung bereit: Bei einem Zug-Attentat geriet er in große Gefahr; man mußte ihn aus den Trümmern herausschweißen. Genesen, wurde er im Mai 1944 als Jesuit entlassen. Nun lebte er bis zur Auflösung der Residenz in Oppeln und verließ mit vier Mitbrüdern noch am Tage seiner Gelübdeablegung, am Himmelfahrtstag 1945, die Heimat und kam für sein ganzes weiteres Leben nach Berlin.

In Berlin sollte sich, jeweils an der Pforte der drei Häuser (ein Jahr in Biesdorf, 22 Jahre im Canisius-Kolleg, und ebensolang dann in Kladow) sein treues Dienen erfüllen.

Glückliche Tage durfte er bei seiner Wallfahrt in die Heimat des hl. Pfortenbruders Alfons in Palma auf Mallorca erleben; mit der Canisiuswallfahrt gelangte er nach Rom; die Reisen der Kladower Brüder mit P. Rektor Kornberger zu schönen und anregenden Stätten des katholischen Deutschlands und nicht zuletzt mehrere Besuche bei seinen von ihm so geschätzten und betreuten Verwandten in Polen waren für Br. Bieniek Quellen für sein geistiges und geistliches Wachsen.

Aber auch Gefahren mußte er bestehen, die für einen Pfortenbruder ungewöhnlich schienen. Ein Sturz in die Abwasseranlage und die nachfolgende nie ganz ausgeheilte Gehirnerschütterung brachte ihm oft Kopfschmerzen. Eine seiner Fahrten mit dem Boot auf der Havel endete beim Kentern im stürmischen Wasser am Ried des jenseitigen Ufers, wo ihm dann noch mühsam Rettung zuteil wurde.

Doch sonst verlief sein Tageswerk schlicht und treu im Haus. Der hl. Messe und dem Frühstück am Diabetikertisch folgte das Rosenkranzgebet im Garten. Der Pfortendienst brachte ihm dann langes Sitzen (mit manchen gesundheitlichen Schwächen) und dazwischen immer wieder seine bekannten Läufe durch das Haus, um die gewünschten Telefonpartner zu erreichen. Seine Mittagsruhe verbrachte er in der großen 'Schublade' unter dem Schneidertisch, aus der er dann bei Bedarf und zur zweiten Tageshälfte hervorkroch.

Viel bedeutete ihm das Leben in der Gemeinschaft. Mit Freude und Treue pflegte er das geistliche Leben in der Gemeinschaft; die Sorge und Mitfeier bei der hl. Messe war ihm die Hauptsache. Sein Eifer um Andachten, seine gewohnt ernsten Exerzitien, die Mitfeier als Kreuzträger bei Beerdigungen, waren für ihn charakteristisch. Dabei unterließ er nicht das Lesen und Hören informativer Nachrichten. Die Sorge für die Gäste des Hauses, für die Nachbarn des Kollegs, für die Verwandten aus der Heimat (denen er durch regelmäßige Postsendungen treu verbunden blieb, mochten ihm auch Enttäuschungen nicht erspart bleiben) prägten sein helfendes Wirken.

Die letzte Reifung erfuhr Br. Bieniek, als er zu Beginn seines 80. Lebensjahres einen Teil der Pfortentätigkeit abgeben mußte. Er hat die Zeit bis zu seinem letztlich schnellen Tod gehorsam und ergeben genutzt. So hat er erfahren, was auf seinem Gedenkbild steht: "Es spricht der Herr: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hört und mir auftut, will ich bei ihm eintreten und Mahl halten: ich mit ihm und er mit mir."

R.i.p.

P. Jakob Philippi SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1989- Mai, S.64f