P. Heinrich Falk SJ
* 20. Mai 1912 in Frankfurt/Main
1. Juni 1998 in Berlin

Die Eindrücke, die seine Jugendzeit am stärksten geprägt haben, gewann er während seiner Gymnasialzeit in Bonn. Hier lernte er P. Esch kennen und schloß sich dem Bund Neudeutschland an. Gaugraf wurde er in dieser Gemeinschaft; sein Vater war zu dieser Zeit Oberbürgermeister in Bonn, wurde von den Nazis aber schon im Jahre 1933 zur Abdankung gezwungen. Zu dieser Zeit war Heinrich Falk bereits Novize der Gesellschaft Jesu in 's-Heerenberg.

Nach dem Philosophiestudium in Valkenburg bittet er darum, sich für einen missionarischen Einsatz in Osteuropa vorbereiten zu dürfen. Um die russische Sprache zu studieren und sich in die Geisteswelt des Ostens einzuarbeiten, geht er 1936 zum Interstiz ans Russicum nach Rom. Gleichzeitig hilft er als Repetitor für Philosophie bei den Studenten des Germanikums; auch in der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vaticana hilft er mit. Später wird er immer wieder davon erzählen, er habe 1937 im Vatikansender das Rundschreiben Pius XI. "Mit brennender Sorge" verlesen. Am 31. Mai 1940 wird er im Ostritus zum Priester geweiht. Weil er nach Abschluß des Theologiestudiums erkrankt, muß er ein Jahr aussetzen; 1942/43 schließt sich dann das Tertiat in Florenz an. Im Herbst 1943 geht er nach Königsberg, um ein Studium der Slawistik zu beginnen. Die Wirren des Kriegsendes führen ihn für kurze Zeit an die Oder nach Neuzelle; dann gehört er im Sommer 1946 als Minister zur Kommunität von St. Clemens in Berlin. Doch schon ein Jahr später wird er nach München gesandt, um an der dortigen Universität wieder das Studium der Slawistik, der Russischen Geistesgeschichte und Philosophie fortzusetzen. 1953 wird er zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation: "Das Weltbild Peter J. Tschaadajews nach seinen acht 'Philosophischen Briefen'. Ein Beitrag zur russischen Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts." (1954 veröffentlicht).

Anfang der fünfziger Jahre richtet er an der Philosophischen Hochschule Berchmanskolleg Pullach das "Russische Seminar" ein.

Mit einem Mitarbeiterteam organisiert er russische Sprachkurse und feiert jeden Morgen mit einer Gruppe Interessierter die Chrysostomus-Liturgie in kirchenslawischer Sprache. Er sorgt dafür, daß für die Feier dieser Liturgie eine gut ausgestattete Kapelle eingerichtet wird; die dafür benötigte Ikonostase hatte P. Egon Sendler geschaffen. In diese Zeit fällt auch der Beginn des "Russenchors", der nicht nur die Chrysostomus-Liturgie singt; durch Konzerte mit volkstümlichen Gesängen in München und Oberbayern versucht der Chor, Verständnis für russische Kirche und Kultur zu wecken. P. Falk unterstützt diese Unternehmungen nach Kräften.

Doch wichtiger als all dies ist ihm eine geistige Auseinandersetzung mit der Ideologie des Dialektischen Materialismus und Marxismus. Schon 1951 erscheint seine Broschüre "Die Weltanschauung des Bolschewismus. Der Dialektische Materialismus, gemeinverständlich dargestellt". Diese ursprünglich 64 Seiten starke Schrift erlebt bis 1962 zwölf Auflagen und ist schließlich auf 158 Seiten angewachsen. Es heißt, Konrad Adenauer habe darauf bestanden, daß bei seiner Moskaureise im Jahre 1955 jeder Teilnehmer der deutschen Delegation die Broschüre gelesen hatte und ein Exemplar in seinem Reisegepäck mit sich führte. Eine zweite Broschüre "Die ideologischen Grundlagen des Kommunismus", 1961 erschienen, erlebte mindestens drei Auflagen. -

Von 1959 bis 1971 ist P. Falk auch in der politischen Bildungsarbeit tätig. Im Rahmen der Ostakademie Königstein, Landesstelle Bayern, leitet er zahlreiche Wochenendseminare für Abiturienten und beeindruckt junge Menschen mit seinen Kenntnissen.

1971 erfolgt die Verlegung des Berchmanskollegs von Pullach in die Kaulbachstraße nach München. Für Heinrich Falk bringt diese Veränderung einen tiefen Einschnitt mit sich: P. Peter Ehlen übernimmt als Jüngerer seine Professur im Berchmanskolleg. Der Provinzial sendet P. Falk als Superior des Ignatiushauses nach Berlin. Zunächst wird er mit der Leitung der Katholischen Akademie beauftragt. Ein Jahr später kommt dann auch noch die Leitung des Primanerforums hinzu. Für viele Menschen, die im Westteil der gespaltenen Stadt leben und auf der Suche nach Lebenssinn und Begleitung sind, wird er ein geduldiger und aufgeschlossener Gesprächspartner. Er überzeugt durch sein reiches Wissen, durch die Fähigkeit, zuhören zu können, durch saubere und gründliche Information und eine unermüdliche Bereitschaft zum Dialog. Als er 1980 die Leitung der Akademie an Jüngere übergibt, werden ihm auch von der Bistumsleitung anerkennende Dankbriefe geschrieben.

Domkapitular Klausener, als langjähriger Leiter des Seelsorgeamtes ein wichtiger Gesprächspartner für ihn, schreibt aus diesem Anlaß: "Ich weiß sicher besser als andere, welche großen Schwierigkeiten Sie gehabt haben, wie oft Sie von mißlichen Engpässen bedrängt waren und wie häufig Sie sich über uns Ordinariatsräte und die Amtskirche ärgern mußten. Trotzdem haben Sie durchgehalten und vielen Menschen Anregung und geistige Nahrung vermittelt. Dafür ist Ihnen sicher ein breiter Kreis von Berliner Katholiken, aber auch von vielen Menschen aus anderen Kreisen dieser Stadt dankbar." Und zu P. Falks Absicht, das Primanerforum noch eine Zeitlang weiter zu führen, schreibt Klausener: "Darüber freue ich mich ganz besonders, denn Ihnen hat diese Arbeit immer besonders am Herzen gelegen. [...] Sie haben einen Kreis von jungen Menschen, der auf Sie hört, der sich Ihnen anschließt, und dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Arbeit mit jungen Menschen."

Ende 1981 gibt er auch die Leitung des Primanerforums ab, aber noch immer kommen Jüngere und Ältere, um das Gespräch mit ihm und seinen Rat zu suchen. Er macht jetzt Seelsorgsaushilfen in den Charlottenburger Gemeinden und eröffnet zahlreichen Konventen von Ordensschwestern durch Angebote von Bibelarbeiten einen tieferen Zugang zur Heiligen Schrift. Jeden Morgen feiert er in der Canisiusgemeinde mit einer kleinen Schar die Heilige Eucharistie und wendet große Sorgfalt darauf, dieser Werktagsgemeinde den "Tisch des Wortes" zu bereiten.

Auf gesundheitlichem Gebiet muß er jetzt immer öfter Grenzerfahrungen machen. Die Kräfte des Körpers lassen nach, vor allem das Gehör. Mehrfach muß er sich im Franziskuskrankenhaus operativen Eingriffen unterziehen. Doch erst in den Märzwochen dieses Jahres beginnt die wirkliche Passion seines Krebsleidens. Am 15. Mai wird er ins Malteserkrankenhaus eingeliefert. Wenige Tage zuvor hatte er sich noch in einer Gesprächsrunde über das Sakrament der Krankensalbung ausgetauscht, "denn das ist das Thema, das jetzt dran ist."

Sieben Tage lang hat er dann noch im Krankenhaus gelegen. Seinen Besuchern, die in den Tagen um Christi Himmelfahrt zu ihm kommen, sagt er immer wieder: Ich hoffe, der Herr wird mich bald heimholen. Einen Tag nach dem 58. Jahrestag seiner Priesterweihe wird dann seine Bitte erhört. Es ist wohl kein Zufall, daß er gerade an einem Pfingsttag heimkehren darf. Denn Heinrich Falk war ein Mensch, der ein Leben lang aus dem Optimismus des Pfingstgeistes gelebt und gewirkt hat.

R.i.p.

P. Hans-Georg Lachmund SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1998 - Oktober, S. 177ff