P. Wilhelm Föhrer SJ
(1895 - 1972)

Mit P. Föhrer verliert das katholische Berlin einen Prediger und Seelsorger, der seit 40 Jahren (genau seit 1931) mit dieser Stadt verbunden war und sich zu ihr bekannte. Viele werden ihn als Domprediger an St. Hedwig in Erinnerung haben. Das war seine große Zeit; und die Zerstörung der St. Hedwigskathedrale im Frühjahr 1943 wirkt wie ein Symbol dafür, daß auch die Stunden der großen Kanzelberedsamkeit gezählt waren.

Wilhelm Föhrer war am 16. Januar 1895 zu Langenberg im Rheinland (wenn auch am Rande des Bergischen Landes) geboren und verleugnete sein rheinisches Temperament nicht. Den ersten Weltkrieg machte er als Kriegsfreiwilliger mit. 1918 trat der junge Leutnant nach schwerer Verwundung in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Er machte seine Studien in Holland und empfing am 27. August 1926 die Priesterweihe.

Sein erster apostolischer Einsatz führte ihn von 1927 - 1930 als Seelsorger für die Neudeutschen nach Königsberg (Pr.). Auch in Berlin wirkte er zunächst in der Jugendseelsorge, bis ihn dann Bischof Preysing am 1. März 1937 zum Domprediger an St. Hedwig berief. Es war eine Aufgabe, die seiner rednerischen Begabung sehr entsprach, der er aber zugleich mit ernster Vorbereitung gerecht zu werden bestrebt war. Nie hat er nach seinen eigenen Worten gewagt, ohne strenge Vorarbeit das Wort zu verkünden.

Am zweiten Weltkrieg nahm P. Föhrer von 1939 - 1942 als Divisionspfarrer teil. Wegen seiner Zugehörigkeit zum Orden aus der Wehrmacht entlassen, gab er Exerzitien, hielt Priesterrekollektionen und widmete sich der Konvertitenseelsorge. Immer blieb er ein gesuchter Prediger. Von 1950-1971 war er Geistlicher Beirat des Club Berlin im Cartell Rupert Mayer, von 1957 - 1971 gleichzeitig Geistlicher Diözesanbeirat des Katholischen Kaufmännischen Vereins (KKV) in Berlin und wirkte am Aufbau des Jung-KKV in Berlin mit. Lange Jahre hindurch war P. Föhrer Hausgeistlicher im St. Antoniusstift der Nonnenwerther Franziskanerinnen in der Habsburgerstraße, die später den Kranken mit Hingebung betreuten.

P. Föhrer mußte seine Leistung einer schwachen Gesundheit abringen. Seit seinen Studienjahren litt er an schwerer Schlaflosigkeit. Die letzten Jahre waren von der Todeskrankheit überschattet. Am Allerseelentag 1972 rief ihn der Herr zu sich. Bis in die letzten Stunden behielt P. Föhrer sein liebenswürdiges, man muß wohl sagen nobles Wesen, das ihm überall schnell Sympathien gewann. Er war ein Mann der Ehrfurcht und besaß ein Charisma für Menschen. P. Föhrer war tief vom Ernst priesterlicher Verantwortung durchdrungen und seinem Orden in Treue zugetan. Die vielen Freunde, die er besaß, werden den edlen, gütigen und verstehenden Priester nicht vergessen.

R.i.p.

Franz Hillig SJ

Rundbrief 6/1972, S.90f