P. Peter Friedrichs SJ
30. Juli 1963 in Berlin

Wie das äußere Leben des P. Friedrichs verlief, läßt sich leicht und kurz berichten; wir brauchen nur einen seiner "Lebensläufe", die er vor dem Staats- und Referendarexamen abliefern mußte, zu übernehmen: P. Peter Friedrichs wurde am 4. Februar 1891 in Daun (Eifel) als Sohn des Gemeinde-Rentmeisters Johann Josef Friedrichs und seiner Frau Clara, geb. Nicolai, geboren. Er besuchte die Volksschule in Daun von Ostern 1897 bis Ostern 1904. Nach privater Vorbereitung durch den Herrn Pastor Schlicker von Daun wurde er Ostern 1904 auf die Untertertia des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums zu Trier aufgenommen.

Nach Absolvierung der Obersekunda trat er Ostern 1908 in den Jesuitenorden ein und machte sein Noviziat in Exaten (Holland). Von Frühjahr 1910 bis Juli 1912 besuchte er die oberen Klassen des Privatgymnasiums "Stella Matutina" in Feldkirch (Vorarlberg) und bestand dort die Reifeprüfung. Die nächsten 3 Jahre bis zum Anfang Mai 1915 waren dem Studium der Philosophie in Valkenburg (Holland) gewidmet. In dem nun folgenden Jahre war er im Kriegslazarett 51 in Galizien, Nordpolen und Serbien tätig, wurde aber wegen einer an Typhus sich anschließenden völligen Nervenerschöpfung in die Heimat entlassen, wo er bis zum Herbst 1916 in ärztlicher Behandlung blieb. Die nächsten 3 Jahre (bis zum Herbst 1919) war er dem Aloisiuskolleg in Sittard (Holland) zugeteilt, wo er in der Hauptsache als Lehrer Verwendung fand. Von 1919 bis 1923 studierte er in Valkenburg Theologie, machte sein Tertiat und wurde einige Monate in der Seelsorge beschäftigt.

Die darauf folgenden Jahre dienten dem Studium der Mathematik, Physik und Chemie an der Universität Bonn. Anfangs war vorgesehen, daß er wegen früherer Beschäftigung mit Geschichte eventuell Geschichte als 3. Fach neben Mathematik und Physik wählen sollte. Aber dieser Plan wurde bald aufgegeben, da er zur Zersplitterung führte. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf Mathematik. Und hier wieder, soweit nicht die Rücksicht auf die spätere Lehrtätigkeit das Interesse für die darstellende und synthetische Geometrie nahelegte, waren es hauptsächlich die Fragen der Analysis, die sein Interesse erregten. Dazu kam die Theorie der algebraischen Zahlen. In der Physik wurde in ähnlicher Weise die Aufmerksamkeit auf Fragen der Thermodynamik gelenkt, aber in Hinsicht auf die Tätigkeit in der Schule behielt die Experimentalphysik das Hauptinteresse. Die wissenschaftlichen Prüfungen für das Lehramt an Höheren Schulen fanden 1929 und 1930 in Bonn statt.

Zur Ableistung des Vorbereitungsdienstes für das höhere Lehramt wurde er mit Wirkung vom 1. April 1930 als Studienreferendar an das Gymnasium und Realgymnasium in der Kreuzgasse in Köln a/Rh. überwiesen. 1931 kam er an das Gymnasium am Lietzensee (Berlin-Charlottenburg), wo er bis zur Aufhebung der Schule (1940) wirkte. Als nach dem Krieg das Kolleg neu erstand (1945), lehrte er dort 10 Jahre seine Fächer, bis eine schwere Erkrankung ihn 1956 zunächst zur Unterbrechung und schließlich zur Aufgabe seiner Lehrtätigkeit zwang. Im Ignatiushaus Charlottenburg und von ihm aus wirkte er seelsorgerlich bis zu seinem fast plötzlichen Tode am 30. Juli 1963. Er starb im Gertraudenkrankenhaus nach einer relativ leichteren Erkrankung und kurz vor seiner Wiederentlassung aus dem Krankenhaus. Dies ist ein kurzer Umriß von dem Verlauf des äußeren Lebens.

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Was P. Friedrichs innerlich erlebt und gelitten hat, läßt sich selbst mit seinen eigenen Worten nur schwer darstellen. Denn er war zwar ein offenherziger, ehrlicher Mensch, aber zugleich ein schwerblütiger, außergewöhnlich ernster Sohn der Eifel, der nicht die Gabe hatte, seine Gedanken und Gefühle klar auszudrücken. In einem Rückblick auf sein Leben (im Mai 1958) schreibt er: "Die inneren Schwierigkeiten gehen zurück auf einen Knacks, den ich in meiner Kindheit um das 8. bis 10. Jahr erlitt. Meinem Vater machte man damals die größten Schwierigkeiten. Meine Mutter half ihm erfolgreich mit Scherz und Ironie darüber hinweg. Ich beobachtete aber, daß sie oft, wenn der Vater nicht da war, darunter litt und weinte. Niemand beobachtete, daß ich das Ganze in mich hineinfraß. Es ging so etwa 2 bis 3 Jahre. Da hatte ich den Nervenknacks weg. Die Eltern machten sich Sorgen, als sie des Öfteren beobachteten, wie ich auf Anrufe, die ich gehört haben mußte, nicht reagierte und Dinge scheinbar genau anschaute, ohne zu wissen, was ich sah. Zu einer Aussprache kam es nicht, weil ich selbst ja keine Erklärung geben konnte. Die Eltern sprachen mit dem Pfarrer und dem Lehrer. Das Ergebnis war, daß sich alle meiner in liebevoller Weise annahmen, besonders die Mutter, und ich war bald darüber hinweg.

Aber es war etwas geblieben, das glücklicherweise P. Hallfell (Weißer Vater, Beichtvater im bischöfl. Konvikt in Trier), P. Müller (Novizenmeister) und P. Thill (Provinzial) richtig erkannten und berücksichtigten. P. Müller gestand, daß er ein dreiviertel Jahr gebraucht habe, bis er mir traute; er habe anfangs gemeint, ich mache ihm etwas vor, bis er merkte, daß ich völlig ehrlich sei und die Schwierigkeiten wirklich habe, von denen ich sprach.

Die Mißverständnisse kamen dann in Valkenburg (in der Philosophie), wo P. Thoelen aus falscher Sicht heraus stark auf mich einzuwirken suchte. Ich nahm meine Zuflucht zu P. Rektor Kösters, der aber in der Beurteilung mit P. Thoelen übereinstimmte und ernst zum Eingehen auf dessen Intentionen mahnte. Ich ging ehrlich darauf ein, aus dem Grundsatz, daß ein endgültiger Schaden nicht entstehen könne, wenn man im Gehorsam stehe. Aber bei aller Bemühung wurde ich schlecht mit den Dingen fertig.

In dieser Situation traf mich in Galizien (1915) der Typhus. Die Zeit hinterher war schrecklich. Ich weiß nicht, wie ich das schildern soll. Objektiv war es eine Zerrüttung des Nervensystems, aber ich habe kaum jemanden finden können, der eine Ahnung hatte, was das heißt ... Ich will nicht versuchen zu schildern, wie das ist, wenn man unmittelbar mit dem Willen nicht mehr an die Vorstellungen und dergleichen Dinge herankommt ... Ich kam nach Trier in die Behandlung des Nervenarztes Dr. Schwickerath. Er war sofort im Bilde. "Sie müssen überzeugt sein und sich darauf einstellen, daß Sie krank sind, und zwar schwer krank. Die Nerven haben in der Jugend einen Knacks bekommen; der Typhus hat sie völlig zerrüttet. Sie müssen sich damit abfinden. An ein weiteres Studium ist überhaupt nicht mehr zu denken. Zweitens haben Sie Ihren Verstand zu gebrauchen und sich darauf zu verlassen. Es gibt keinen Oberen und keinen Gehorsam, der Sie davon abhalten darf. Drittens gibt es vorläufig keine Betrachtung, keine Gewissenserforschung, kein Lesen und kein Studium oder dergleichen. Sie schlafen, soviel als möglich, nicht nur bei Nacht, sondern auch am Tage. Die übrige Zeit bringen Sie damit zu, daß Sie hier im Hause beim Verbinden oder Operieren zuschauen, in der Tischlerei irgendetwas herstellen und täglich einen langen Spaziergang machen." Damit entließ er mich.

Ich war zunächst wie vor den Kopf geschlagen. Am dritten Tag kam mir wie eine Erlösung in der Kapelle der Gedanke, daß es falsch war, was man in den letzten Jahren von mir haben wollte. Ich wollte mich wieder auf das einstellen, was ich bei der Mutter, P. Hallfell, P. Müller und P. Thill gelernt hatte. Eine Schwierigkeit blieb: Wie sollte ich bei meiner Rückkehr ins Ordenshaus mit den Obern usw. zurechtkommen, die ja eine Aussprache erwarteten? Ich nahm mir vor, meinen Weg unbekümmert zu gehen und Aussprachen möglichst zu meiden; wenn sie notwendig würden, ehrlich zu sagen, was ich wußte und sie wissen wollten, aber kein Verständnis zu erwarten und mich nicht irremachen zu lassen.

Einige Zeit darauf mußte ich zu meinem kranken Vater nach Hause (Daun) ... Auf der Rückreise nach Trier stand ich im überfüllten Zuge an einem Gangfenster; da machte ich mir meine Gedanken: Da kam mir erst richtig zum Bewußtsein, was es bedeutete, daß der Arzt gesagt hatte, es gebe für mich kein Studium mehr. Was sollte dann geschehen? Sollte ich mich um den Weg des Laienbruders umsehen oder mußte ich austreten? Ich wußte es wirklich nicht. Wenn ich mein Leben lang nichts weiter tun könnte, als täglich eine hl. Messe zu lesen, so müßte ich doch das noch anstreben. Ich kam zu dem Schluß: Vorläufig muß ich einmal die Kur weitermachen; wenn sich dann herausstellt, daß ich austreten muß, dann muß ich mich ja fügen; wenn aber diese Notwendigkeit nicht besteht, dann will ich aus mir heraus dem Heiland treu bleiben. Er war mir ja auch treu. Was dann mit mir geschah, weiß ich nicht. Es kam eine ungewöhnliche Ruhe und Zufriedenheit über mich ... Ich blieb noch einige Wochen oder Monate in Trier. Dann wurde ich durch ein Schreiben des P. Bley nach Sittard berufen. Als ich noch einmal zum Arzt kam, sagte er: "Es ist zu früh. Sie sind noch nicht so weit, daß Sie irgendeine Arbeit leisten können. Sie brauchen zu mir nicht mehr zu kommen ... Ich habe es noch nie erlebt und auch nie gehört oder gelesen, daß ein Mensch, der so schwer krank war wie Sie, je wieder arbeitsfähig wurde. Nun lassen Sie sich nie und von niemanden irre machen! Sie werden nie die alte Arbeitskraft wiedererlangen. Die Arbeiten, die Sie leisten können, müssen schnell zu Erfolg, Freude und Abspannung führen. Sie haben in Ihrer Kindheit zu schweres Leid gehabt, und die Erreichung Ihrer Ziele wurde Ihnen vielfach zu schwer gemacht; dann wurde die Typhuserkrankung zum Verhängnis. Andauernde Nervenanspannung ohne Entspannung darf man Ihnen nicht mehr zumuten. Darum kommt auch ein weiteres Studium nicht mehr in Frage. Damit müssen Sie sich abfinden. Wenn Sie bei der Arbeit merken, daß es nicht mehr recht geht (u. Sie wissen genau, wann das der Fall ist), dann sagen Sie es den Obern, hören auf und gehen hinaus in den Wald, erfreuen sich an der Natur und dem Singen der Vögel und schlafen dann reichlich aus ... Ist es aber schlimmer, dann sollten Sie eine größere Reise machen, auf der Sie ohne Studium und Anstrengung viele neue Bilder in sich aufnehmen." Damit entließ er mich.

In Sittard hatte ich anfangs mit vielen Dingen noch rechte Mühe; nur ein Beispiel: Wenn ich über den Absatz der großen Treppe gegangen war, war die Anstrengung so groß, daß ich mich hinterher eine Viertelstunde hinlegen und ausruhen mußte. Aber die Schwierigkeiten beschränkten sich auf den inneren Bereich des Fertigwerdens mit mir selbst; von außen traten keine Schwierigkeiten an mich heran, die mehr bedeuteten als das Leben selbst. Ich habe das stets in dankbarer Erinnerung behalten.

Im zweiten Jahr meines Sittarder Aufenthalts kam es zu entscheidenden Ausprachen. Den Anlaß gab P. Spiritual Frink. Er sagte mir, ich solle nicht erschrecken über das, was er mir sage; er habe viel nachgedacht über das, was ich ihm im Laufe der Zeit gesagt habe; da sei etwas, in das er sich nicht hineindenken könne, weil er selbst nie etwas dergleichen mitgemacht habe, aber es seien bei mir wirklich große Schwierigkeiten; um derentwillen, so meine er, solle ich austreten. Er betone aber, es sei nicht ein Fehler meinerseits oder eine moralische Schwäche. Im Gegenteil, er bewundere die Ruhe und Konsequenz, mit der ich mich hindurch bringe. Ich solle einmal mit den Oberen darüber sprechen; seiner Meinung nach sei es unmöglich, daß ich die Studien, wie sie in der Gesellschaft gehandhabt würden, und die Beanspruchungen, die das Leben in der Gesellschaft stellten, gesundheitlich durchhalten könne ... Er habe kein klares Bild über das, was passiert sei. Bei der Abgeklärtheit und Ruhe, mit der ich diesbezügliche Fragen beantworte, komme man nicht ganz dahinter. Aber es sei kein Zweifel, daß mir großes Unrecht angetan worden sei ...

Die entscheidenden Aussprachen fanden natürlich mit dem P. Provinzial Kösters statt. Er hatte sich zunächst über alle Einzelheiten erkundigt und auch die Aussagen des Arztes beschafft. Er sagte: "Aber, Pater, was haben wir Ihnen da Unrecht getan! Das hat ja niemand geahnt!" ... Er erklärte weiter: "Ich darf Ihnen als Provinzial nicht sagen, Sie sollten austreten, und auch nicht, Sie sollten bleiben, wie das etwa ein Spiritual könnte. Aber ich kann Ihnen sagen: Wenn ich in Ihrer Lage wäre, dann wüßte ich nicht, was ich täte. Jedenfalls sind Sie völlig frei, sich so oder anders zu entscheiden. Aber entscheiden Sie sich und bleiben Sie nicht hängen zwischen beidem, eine Entscheidung müssen Sie treffen!" Darauf sagte ich ihm: "Jetzt, wo ich die Erfahrung gemacht habe, daß es wieder aufwärts geht, da meine ich, ich habe die Gelübde ehrlich abgelegt vor dem Herrgott; und von ihm habe ich keine Enttäuschung erlebt; darum möchte ich dem Heiland die Treue halten ... Darauf P. Kösters: "Das ist ja wohl die beste Haltung, die Sie einnehmen können ... Aber wie gesagt: Sie sind völlig frei. Nur bleiben Sie nicht in der Alternative hängen, sondern entscheiden Sie sich!"

Nun traf es sich, daß P. Bley meine Destillation für die Schularbeit erbat. P. Kösters sagte, das habe er nicht erwartet; er habe nicht geglaubt, daß ich ein guter Lehrer werde. Aber er freue sich, daß man mich lobe; ob ich Freude an der Schularbeit habe?" Ich antwortete: "Ich schätze die Schularbeit und halte sie für eine der wichtigsten der Gesellschaft, aber es sei eine andere Frage, ob sie für mich das Richtige sei. P. Bley meine immer, es sei mein Stolz, warum ich "Nein" sage, und er gebe sich Mühe, sie mir in ihrer Bedeutung klarzumachen. Aber der Grund sei doch ein ganz anderer: Ich sei im Zweifel, ob ich das theologische Studium hinbekomme, auf alle Fälle würde es nur mit großen Schwierigkeiten gehen. Unmöglich aber könne ich mich auf das weitere Fachstudium einlassen, das dann doch notwendig werde; zudem würde ich auch die Konzentration der Schularbeit selbst auf die Dauer kaum leisten können." P. Kösters sagte, da habe ich wohl recht. Ich solle nur bei meinem "Nein" bleiben! ... Aber andererseits stehe es auch nicht so, daß er an einem absoluten "Nein" festhalte, wenn man mich unbedingt haben wolle ... Ich sehe erst jetzt, daß Ihre geistigen Potenzen noch weit besser sind, als wir alle angenommen haben. Denn sonst würden bei der psychischen Belastung, die wir Ihnen aufgezwungen haben, die Erfolge Ihres Studiums nicht die gewesen sein, wie Sie sie ausgewiesen haben. Darum habe ich auch keine Bedenken wegen der Theologie, wenn Sie sich nur schonen und sich die Sache leicht machen, trotz der Warnung des Arztes. Und ich glaube, daß Sie auch noch das Fachstudium hinbringen. Aber wir wollen hoffen, daß man Ihnen das erspart!" So P. Kösters.

P. Friedrichs fährt fort: Die Theologie habe ich mir leicht gemacht, und es ging unerwartet gut. Im Fachstudium aber war es manchmal schon zum Verzweifeln. Wenn man einen ganz gewöhnlichen Satz 5- oder 6mal lesen mußte, um auch nur den Wortsinn aufzunehmen, dann mußte man mit Überlistung und Diplomatie geduldig zu erreichen suchen, was mit der unmöglichen Konzentration nicht zu erhalten war. In einer solchen Lage ist das Studium alles andere als Freude.

Die Arbeit im Kolleg (in der Schule, im Gymnasium a/Lietzensee) hätte mir keine Schwierigkeit gemacht, wenn nicht das ewige Lavieren gewesen wäre, meine Kräfte disponibel zu machen und zu erhalten. Nur einmal, im Jahre 1936, kam ich damit in eine Krise als es schlimmer wurde und ich vor der Frage stand, ob es weitergehe. Im Ganzen wurde es nicht mehr besser."

Wer diese "Bekenntnisse" des P. Friedrichs, die er kurz nach der Feier seines 50jährigen Ordensjubiläums niederschrieb, gelesen hat, der wird sich nicht wundern, daß er sich nach Aufhebung der Schule (1940) nach einer Seelsorgsarbeit umsah, er fand sie zuerst in Ottmachau in Schlesien, von wo aus er eine umfangreiche Korrespondenz mit den alten Schülern draußen an der Front führte. Hunderte ihrer Briefe an ihn sind bis heute erhalten, in 10 dickleibigen Leitzordnern sorgfältig geordnet, und bei fast jedem ist eine Bleistiftnotiz von P. Friedrichs Hand zu lesen. Als er wegen dieser Tätigkeit der Gestapo in Ottmachau verdächtig wurde, zog er sich in die Seelsorge des kath. Krankenhauses nach Potsdam zurück.

Nach Wiedereröffnung des Canisius-Kollegs (1946) unterrichtete er wieder wie früher treu und gewissenhaft in Mathematik und Physik, ja, er fand sogar noch Zeit, eine Marianische Kongregation (MC) für die Schüler der oberen Klassen ins Leben zu rufen, die sich später weiter entfaltete und bis heute segensreich wirkt. Außerdem gründete und leitete er einen Kreis katholischer Physiker; er mußte für jeden Monat ein zeitgemäßes Thema finden, den Vortragenden gewinnen, die Einladungen ausschicken und am "Physiker-Tag" selbst die Diskussion leiten. Diese fruchtbare Arbeit leistete er bis zu seinem Tode.

Schließlich hat er sich auch noch schriftstellerisch betätigt: Der Berliner Schulkampf, (Stimmen der Zeit, Bd. 145, S. 48 ff). "Aus dem Berliner Schulkampf" (ebd. Bd. 148, S. 440 ff). Vor allem verfaßte er die Sammlung "Das christliche Deutschland 1933-1945", das 11. Heft der Katholischen Reihe: Aus dem Kampf um die Schule. Dokumente und Verhandlungen aus den Jahren 1936-1940 um den Abbau des Gymnasiums am Lietzensee, Berlin-Charlottenburg. Dies alles war die Arbeit eines Mannes, der sein Leben lang nie ganz gesund war, den Ärzte und Obere für arbeitsunfähig erklärt hatten.

Die letzten Sätze des Nachrufs auf P. Peter Friedrichs im Heft "Unsere Schule" (2. Folge, H. 16, S. 7/8, Mai 1964) seien auch hier die letzten: "Wirklich, was weiß man ... von den stillen Wirkungen der vorgelebten Pflichterfüllung, der beispielhaften inneren Überzeugung, der vom Glauben durchstrahlten Lebensart? Vor dem Ewigen Gott aber ist all das einsichtig und durchsichtig. Er lohne dem Verstorbenen seine Treue!"

R.i.p.

Johannes B. Schoemann SJ

Mitteilungen 127, S. 483-488