P. Franz Hillig SJ
* 8. Juni 1902 in Berlin     2. August 1991 in Berlin

Sein Vater war Beamter und stammte aus Neuwied, die Mutter Saarländerin und sprach französisch ebenso gut wie deutsch; in Straßburg haben die Eltern geheiratet. Es hat den Anschein, als sei dem kleinen Franz, der nach Übersiedlung der Familie nach Berlin als zweites von fünf Geschwistern in Schöneberg geboren und in St. Matthias getauft wurde, durch dieses elterliche Erbe bereits als Mitgift in die Wiege gelegt worden, was einmal zum wichtigen Merkmal seines Lebenswerkes werden sollte: eine intensive Auseinandersetzung mit französischer Sprache, Geistigkeit und Kultur.

In seinen ersten Lebensjahren führt ein erneuter Umzug die Familie nach Steglitz; hier wächst Franz auf, gehört zur Rosenkranzkirche und kommt schließlich ins Gymnasium.

Pater Schmutte, der mit ihm einige Jahre die gleiche Klasse des Humanistischen Gymnasiums zu Steglitz besucht hat, berichtet aus dieser Zeit: "In meiner Erinnerung lebt Franz Hillig fort als ein lieber, etwas zurückhaltender Mitschüler, der sehr umgänglich war und auch gerne lachte, aber doch uns anderen irgendwie überlegen war, weil ganz starke künstlerische Neigungen ihn prägten, vor allem sein ungewöhnliches Zeichentalent und seine Vorliebe für etwas gehobene geistige Lektüre. Ich glaube nicht, daß er die Bücher von Karl May auch so verschlungen hat wie wir anderen. Eine Kehrseite seiner so ausgeprägten Neigung war, daß er für diejenigen Fächer, die nicht 'auf seiner Linie lagen', nur begrenzte Interessen hatte, so auch für Latein und Griechisch mit dem 'blöden' Vokabellernen und den Reimregeln ... Aber all das änderte sich schlagartig, als es in die Oberstufe ging. Da merkte er, daß es im Deutschunterricht noch mehr gab, als Gedichte auswendig zu lernen und Aufsätze zu schreiben etwa mit dem Titel "Der Nutzen des Waldes". Da bekam er bei seinen Lehrern in Deutsch und in den alten Sprachen einen gewaltigen Stein im Brett, besonders bei Professor Emil Kroymann, der dann noch Direktor des Gymnasiums wurde. Von ihm erhielt er dann sein gutes Abiturzeugnis." In diese Zeit, in der er sich auch dem Schülerbund Neudeutschland angeschlossen hatte, fällt wohl seine erste persönliche Begegnung mit P. Ludwig Esch. Davon berichtet er in späteren Aufzeichnungen.

Im Herbst 1922 bittet er um die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu. P. Schmutte berichtet darüber: "Dann aber tauchte Franz Hillig ein Jahr nach mir im Noviziat zu s'-Heerenberg auf. Dort fand er bei seinen Mitnovizen Anklang durch seine umgängliche, spontane Freundlichkeit und seine phantasievolle launige Redeweise. Besonders fiel er einmal auf, als er aus Anlaß des Festes der japanischen Märtyrer in der 'Schola' einen zündenden Vortrag hielt über sie und die japanische Mission, daß wir alle überrascht und hingerissen waren. Und wir waren immerhin 80 Novizen. Von den zwei Jahren Philosophie in Valkenburg weiß ich nichts Besonderes zu berichten. Dann trennten sich unsere Wege. Ich machte mein Interstiz in Spanien und Frater Hillig das seine in Köln, ich meine Theologie in Valkenburg und er die seine in Lyon."

Am 27. August 1932 wird er in Valkenburg zum Priester geweiht; nach Abschluß des Theologiestudiums absolviert er das Tertiat in Münster. In Bonn beginnt er zusätzlich ein Studium der Philologie mit der Bestimmung, einmal als Lehrer im Berliner Canisius-Kolleg zu wirken. 1936 tritt er diese Aufgabe auch an, doch bald beginnt der schrittweise Abbau des Kollegs durch die Machthaber des Dritten Reiches. 1937 erscheint seine erste Veröffentlichung in den 'Stimmen der Zeit', eine Auseinandersetzung mit Leon Bloy: 'Gnade und Grenzen einer Sendung'. Noch fünf weitere Arbeiten werden in den folgenden Jahren publiziert, bis 1942 auch diese Zeitschrift als Opfer der geistigen Unterdrückung endgültig verboten wird. Während dieser Zeit arbeitet P. Hillig als Seelsorger in Berlin und Umgebung. Sehr bald nach Kriegsende wird er wieder schriftstellerisch tätig und schreibt zunächst regelmäßig geistliche Texte für das 'Petrusblatt'. Drei Buchveröffentlichungen sind das Ergebnis dieser zähen Arbeit.

Mai 1947 wird er dann vom Provinzial ins Schriftstellerhaus nach München als fester Mitarbeiter im Redaktionsteam der 'Stimmen der Zeit' geschickt. Schon der Titel seines ersten Nachkriegsbeitrags klingt wie das Leitmotiv seiner Lebensaufgabe: "Zählt Frankreich noch als christlicher Faktor?" - Mit unermüdlichem Fleiß und zäher Arbeitskraft wird er während der nächsten 20 Jahre die geistigen und geistlichen Strömungen im Nachbarland der Deutschen beobachten. In meisterhafter Sprache versteht er es, seine Einsichten der Öffentlichkeit zu vermitteln. Der Registerband, den die Schriftleitung der 'Stimmen' 1959 herausgibt, verzeichnet für den Zeitraum seit 1947 45 Beiträge unter dem Namen von P. Hillig; 14 von ihnen befassen sich mit dieser Thematik. Und noch der Titel seiner letzten Veröffentlichung in dieser Zeitschrift im Jahr 1965 lautet: "Wirbel um die Liturgiereform in Frankreich". Dieser Teil seines Lebenswerkes bildet einen beachtlichen Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung!

Daneben das andere Werk: Franz Hillig, der geistliche Schriftsteller, der zugleich Seelsorger und Seelenführer ist. Kaum eine große Gestalt aus der Geschichte christlicher Frömmigkeit, mit der er sich nicht intensiv auseinandergesetzt hätte. Und immer gibt er anderen Anteil an den Früchten seiner geistlichen Arbeit, nicht nur durch seine Veröffentlichungen in 'Geist und Leben', sondern auch als der oft gefragte Exerzitienbegleiter, als Referent, Prediger und freier Mitarbeiter beim Bayrischen Rundfunk. Unermeßlich ist die Zahl der Menschen, die er mehr als 50 Jahre hindurch priesterlich begleiten durfte.

Mitte der 60iger Jahre beendet er seine schriftstellerische Arbeit. Nun beginnt noch einmal sein "apostolisches Wanderleben": Zunächst sendet ihn der Provinzial in einer Zeit gesellschaftlicher Bewegung als Hausoberen nach Darmstadt. P. Hillig empfindet das als schwierige Aufgabe, denn die dortige Kommunität ist sehr heterogen. Etwas ruhiger ist der nächste Posten: Rektor im Peter-Faber-Kolleg in Kladow. Dann geht er noch einmal als Krankenhausseelsorger nach Göttingen; sechs Jahre lang. Mit gleichem Dienst hatte er 1938 seine Seelsorge im Berliner Hedwigskrankenhaus begonnen. Nun schließt sich der Kreis: Im Sommer 1983 kehrt er ins Altenheim der Provinz nach Kladow zurück. Am Festtag des Schutzheiligen dieses Hauses, am 2. August 1991, stirbt er hier an den Folgen eines Schlaganfalls. - In seinen Aufzeichnungen findet sich auf der letzten Seite der Satz von Newmans Grabstein: Ex umbra et imaginibus in veritatem", den man für ihn so übersetzen könnte: "Aus den Schatten und Bildern dieser Welt rief ihn der Herr zur vollen Wahrheit."

R.i.p.

P. Hans-Georg Lachmund SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1992 - Juli, S. 112ff